Jene Frage ("Dürfen wir Tiere essen?") hat seit jeher menschliches Denken und Handeln beeinflusst und zeugt auch heute durch seine moralisch-ethische Dimension von einer hohen Relevanz.
Zur Pointierung der Aussagekraft der Hausarbeit und zur Eingrenzung der vielfältigen Aspekte tierischer Ernährung wird ein historisierender Ansatz gewählt. Im Fokus steht dabei der Vergleich zweier philosophischer Positionen aus unterschiedlichen Epochen – Plutarch aus der griechischen Antike und Immanuel Kant aus der Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts. Plutarch vertritt die Auffassung, dass Tiere einen direkten moralischen Status besitzen, der keine Handlungen über das Notwendige hinaus rechtfertigt. Kant hingegen betrachtet den moralischen Stand der Tiere als indirekt und ordnet ihn in den Kontext menschlicher Moral ein. Abschließend erfolgt eine philosophische Bewertung beider Positionen sowie eine kritische Einordnung der jeweiligen Argumentationsansätze.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einführung
- 2. Darstellung der Positionen
- 2.1 Plutarch
- 2.2 Kant
- 3. Stellungnahme
- 4. Schluss
- Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die moralisch-ethische Dimension der Frage „Dürfen wir Tiere essen?“ und verfolgt einen historisierenden Ansatz, indem sie die Positionen zweier Philosophen, Plutarch aus der griechischen Antike und Immanuel Kant aus der Zeit der Aufklärung, gegenüberstellt. Ziel ist es, die Argumente beider Denker zu bewerten und eine eigene Stellungnahme zur moralischen Berücksichtigung von Tieren abzugeben.
- Historische Perspektiven auf den Fleischkonsum
- Der direkte moralische Status von Tieren nach Plutarch
- Der indirekte moralische Status von Tieren nach Kant
- Die Rolle von Gewohnheit und Verstand in der Tierethik
- Empfindungsfähigkeit von Tieren und ihre ethische Implikation
- Philosophische Bewertung unterschiedlicher tierethischer Ansätze
Auszug aus dem Buch
2.1 Plutarch
Plutarch verfasste während der römischen Kaiserzeit eine Rede, welche die Frage nach der Moral des Fleischessens thematisiert. Als Beobachter und Kommentator der Pythagoreer, welche sich überwiegend fleischlos ernährten (MDR, 2.), wurde ihm die Frage gestellt, weshalb Pythagoras kein Fleisch gegessen haben soll (Plutarch, (o.D.), 1.1). Er ging jedoch nicht auf die vegetarische (damals oft als pythagoreische Ernährung bezeichnete) Lebensweise des Philosophen und Mathematikers ein, sondern drückte als Gegenfrage sein Unverständnis gegenüber dem Gemütszustand des ersten Menschen, der diese Tat des Fleischessens überhaupt vollbracht haben soll, aus (Plutarch, (o.D.), 1.1). So vollbringt Plutarch eine der grundlegendsten philosophischen Tätigkeiten: Das “Normale” zu hinterfragen und mit großer Skepsis zu betrachten. Die Abwegigkeit dieses Aktes (des Fleischessens) in seiner Gesamtheit, stellt er durch die blutrünstige Formulierung im Folgendem dar, durch welche die Gegenfrage - wie der erste Mensch jenen Akt überhaupt ertragen konnte – untermauert wird:
"Wie konnte das Auge das Schlachten, Abziehen der Haut und Zerstückeln der Glieder mitansehen, wie konnte der Geruchssinn Blutgeruch ertragen, wie konnte der Gaumen nicht zurückschrecken vor diesem eklen Gemenge, wenn er in Berührung kam mit rohen Stücken aus dem Fleisch anderer und blutigen Saft aus tödlichen Wunden sog." (Plutarch, (o.D.), 1.1)
Mit welchem Unverständnis wir dem Fleischessen entgegenblicken sollten, wird durch Plutarchs Bezeichnung der Zubereitung von Tieren als "grauenhafte Wirklichkeit” (Plutarch, (o.D.), 1.1) deutlich. Darüber hinaus stellt er mit seiner folgenden Beschreibung klar, dass Tiere empfindungsfähige Wesen sind, welche somit einen direkten moralischen Status tragen. Dieser direkte moralische Status impliziert, dass jene Wesen um ihrer selbst Willen moralische Berücksichtigung verdienen, man ihnen Unrecht tun kann, bzw. Pflichten gegenüber jenen Wesen mit moralischen Status hat.
"[...] wo man Hunger hat nach Tieren, die noch brüllen, wo man lehrt, Geschöpfe, die noch leben und ihre Stimme erheben, zu verzehren, und Anweisungen gibt, sie in Portionen zu schneiden, zu braten und zu servieren.” (Plutarch, (o.D.), 1.1)
Vor allem durch die kraftvolle Verwendung des bildlichen Ausdrucks, dass die Tiere ihre "Stimme erheben” (Plutarch, (o.D.), 1.1), begründet Plutarch seine Auffassung, dass diese Schmerz erfahren können. Erneut weist er darauf hin, schon allein aus diesen Punkten, dass Tiere empfindungsfähig sind und daher dessen Schlachtung qualvoll und grausam sei, die Frage nicht insofern ausgerichtet sein sollte, als dass Gründe für das Aufgeben des Fleischkonsums gebracht werden müssten, sondern im umgekehrten Sinne, ein Jeder sich fragen sollte, warum man dies den Tieren überhaupt antut (Plutarch, (o.D.), 1.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung des Fleischessens ein und skizziert den Ansatz der Arbeit, die moralphilosophischen Positionen von Plutarch und Kant vergleichend zu analysieren.
2.1 Plutarch: Hier wird Plutarchs Argumentation gegen den Fleischkonsum dargestellt, wobei er den Tieren einen direkten moralischen Status aufgrund ihrer Empfindungsfähigkeit zuspricht und die Natürlichkeit des menschlichen Fleischessens hinterfragt.
2.2 Kant: Dieses Kapitel erläutert Kants Position, die Tieren einen indirekten moralischen Status zuschreibt; demnach ist der Umgang mit Tieren aus Pflicht gegenüber der menschlichen Moral und Vernunft wichtig, nicht um der Tiere selbst willen.
3. Stellungnahme: Die Autorin bewertet die Argumente von Plutarch und Kant, kritisiert Kants indirekten Ansatz und plädiert für die Anerkennung eines direkten moralischen Status von Tieren, gestützt auf deren Empfindungsfähigkeit und die menschliche Gewohnheit als Problem.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, den Fleischkonsum nicht als normal, sondern als eine hinterfragbare Gewohnheit zu betrachten, die auf Menschlichkeit basieren sollte.
Schlüsselwörter
Moralphilosophie, Tierethik, Plutarch, Kant, Fleischessen, Tierrechte, Empfindungsfähigkeit, Gewohnheit, Kategorischer Imperativ, Deontologie, Tierleid, Vegetarismus, Moralität, Antike, Aufklärung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der moralisch-ethischen Frage, ob Menschen Tiere essen dürfen, und untersucht dies anhand der historischen philosophischen Positionen von Plutarch und Immanuel Kant.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Tierethik, der moralische Status von Tieren (direkt vs. indirekt), die Rolle menschlicher Gewohnheiten und Natur in Bezug auf den Fleischkonsum sowie die philosophische Argumentation gegen oder für das Fleischessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Frage "Dürfen wir Tiere essen?" durch den Vergleich und die Bewertung der Argumente von Plutarch und Kant zu beleuchten und eine eigene philosophisch fundierte Stellungnahme abzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet einen historisierenden und analytischen Ansatz, indem sie die philosophischen Positionen von Plutarch und Kant darstellt, miteinander vergleicht und philosophisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die detaillierten Argumente und Positionen von Plutarch und Kant zum moralischen Status von Tieren und zum Fleischkonsum dargelegt, wobei ihre jeweiligen Begründungen und Implikationen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Moralphilosophie, Tierethik, Plutarch, Kant, Fleischessen, Tierrechte, Empfindungsfähigkeit und Gewohnheit charakterisiert.
Welche Hauptargumente führt Plutarch gegen den Fleischkonsum an?
Plutarch argumentiert, dass Tiere empfindungsfähig sind und somit einen direkten moralischen Status besitzen. Er hinterfragt die "Normalität" des Fleischessens, sieht es als widernatürlich an und appelliert an das Gerechtigkeitsgefühl und die Güte des Menschen, um unnötiges Tierleid zu vermeiden.
Wie unterscheidet sich Kants Auffassung vom moralischen Status der Tiere von der Plutarchs?
Kant spricht Tieren einen indirekten moralischen Status zu, da er sie nicht als vernünftige Wesen betrachtet. Grausamkeit gegenüber Tieren ist für Kant verwerflich, weil sie das Mitgefühl des Menschen abstumpft und somit der Moralität im Umgang mit anderen Menschen schadet, nicht jedoch aufgrund eines intrinsischen Werts der Tiere selbst.
Welche Rolle spielt die "Gewohnheit" in Plutarchs Argumentation?
Für Plutarch ist die Gewohnheit eines der schlimmsten Übel des Menschen, da sie uns daran hindert, schlechte Handlungen wie das Fleischessen zu hinterfragen und zu durchbrechen, wodurch grausame Taten als normal empfunden werden.
Wie bewertet die Autorin Kants Ansatz im Vergleich zu Plutarchs?
Die Autorin kritisiert Kants indirekten Ansatz als unzureichend, da er den direkten Schaden für die Tiere ausblendet. Sie plädiert stattdessen für eine Position, die der Plutarchs ähnelt, indem sie die Empfindungsfähigkeit von Tieren als Grundlage für einen direkten moralischen Status und die Gewohnheit als Hauptproblem für die Akzeptanz des Fleischkonsums betrachtet.
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- Sophia Otto (Author), 2025, Dürfen wir Tiere essen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1619262