Seit Pisa und Co sind Bildung und Erziehung stärker denn je in den Blickpunkt geraten - nicht nur in der wissenschaftlichen Diskussion, sondern auch im häuslichen Kreis der Familie. Bei immer mehr Eltern wächst das Bewusstsein für den Wert der Bildung, wie schon allein die steigenden Verkaufszahlen unzähliger Ratgeberliteratur für Eltern oder der große Erfolg von TV-Shows à la „Die Supernanny“ zeigen. In der gegenwärtigen Krise der Staatsschule vermelden besonders die Schulen in privater Trägerschaft eine stark steigende Nachfrage. Trotz (oder gerade wegen?) der angespannten wirtschaftlichen Lage greifen viele Eltern heute für eine gute Beschulung ihrer Kinder tief in die Tasche. So ist zuneh-mend ein von Angebot und Nachfrage bestimmter Bildungsmarkt entstanden, bei dem die Eltern die Rolle von aktiven „Schulkonsumenten“ einnehmen.
Vor diesem Hintergrund ergibt sich für mich die Frage, wie sich das zumeist spannungsreiche Verhältnis von Familie und Schule im Bereich der privaten Schuleinrichtungen gestaltet. Damit verbunden sind für mich die drei nachfolgenden Hypothesen: 1) Private Schulen sehen die Eltern als Kunden, auf die möglichst höflich und rücksichtsvoll einzugehen ist. 2) Mit der Bezahlung für den Schulbesuch seitens Eltern geht zugleich eine bewusstere Berücksichtigung der elterlichen Ansprüche und Wünsche durch die Schule einher. 3) An Privatschulen haben Eltern mehr Partizipationsmöglichkeiten, die sich besonders auf eine Mitentscheidung richten.
Ehe ich mich gezielt dem Verhältnis von Familie und Schule widmen werde, soll zunächst eine Darstellung des Privatschulwesens in Deutschland erfolgen. Anschließend werden einige historische und rechtliche Hintergründe sowie verschiedene theoretische Positions-bestimmungen zum Spannungsfeld „Familie – Schule“ aufgezeigt. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen zur Kooperation von Eltern und Schule in der Praxis, möchte ich den Blick speziell auf die Privatschulen lenken. Anhand eines Elternbriefes, den ich interpretieren und hinsichtlich des zugrundeliegenden Verhältnisses der Schule gegenüber dem Elternhaus analysieren werde, werde ich dann die von mir aufgestellten Hypothesen überprüfen. Ein abschließendes Resümee soll meine Erkenntnisse zusammenfassend reflektieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Privatschulen als integraler Bestandteil des deutschen Schulwesens
2.1 Allgemeine Bemerkungen zum Privatschulwesen
2.2 Aktuelle Statistik
2.3 Unterschiede von privaten und staatlichen Schulen
3 Theoretische Hintergründe zum Verhältnis von Familie und Schule
3.1 Historische Perspektiven
3.2 Rechtliche Grundlagen
3.3 Verschiedene Positionsbestimmungen im wissenschaftlichen Kontext
3.4 Gestaltung der Kooperation von Elternhaus und Schule in der Praxis
4 Analyse des Verhältnisses von Elternhaus und Privatschule
4.1. Ansätze in der wissenschaftlichen Diskussion
4.2. Interpretation eines Elternbriefes von einer Privatschule
4.3. Ableitung von Thesen zum Verhältnis der Schule gegenüber den Eltern
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld und das reale Kooperationsverhältnis zwischen Elternhaus und Privatschulen. Dabei wird analysiert, inwieweit die Privatschule als Dienstleistungsunternehmen agiert und ob die elterliche Mitfinanzierung tatsächlich zu einer partizipativeren Zusammenarbeit führt als an staatlichen Schulen.
- Entwicklung und Status des Privatschulwesens in Deutschland
- Historische und rechtliche Rahmenbedingungen der Eltern-Schule-Beziehung
- Wissenschaftliche Kontroversen zur pädagogischen Kooperation
- Empirische Analyse eines Elternbriefes zur Ermittlung des impliziten Bildungsverständnisses
Auszug aus dem Buch
4.2. Interpretation eines Elternbriefes von einer Privatschule
Der Analyse der Beziehung von Privatschulen zum Elternhaus ihrer Schüler lege ich einen Elternbrief von einer Schule in freier Trägerschaft zu Grunde, den ich im Folgenden mit der Methode der Objektiven Hermeneutik interpretieren möchte. Es soll demnach versucht werden, durch die Bedeutungserschließung von Ausdrucksgestalten im Text dessen laten ten Sinn im Hinblick auf das Verhältnis von Schule und Familie zu ermitteln.
Der Elternbrief stammt von einer integrierten Gesamtschule in freier Trägerschaft in Halle (Saale). Es handelt sich um eine recht junge Schule, welche erst im Schuljahr 2008/09 den Schulbetrieb aufgenommen hat. Träger der Schule ist ein Verein, der von Eltern, Großeltern, Pädagogen und Freunden hallescher Grundschulen in freier Trägerschaft mit dem gemeinsamen Ziel der Fortführung integrativen und reformpädagogischen Unterrichts an einer weiterführenden Schule gegründet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den wachsenden Bildungsmarkt und formuliert drei Hypothesen zum Verhältnis von Eltern und Privatschulen als Dienstleistungsverhältnis.
2 Privatschulen als integraler Bestandteil des deutschen Schulwesens: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Privatschulwesens nach und analysiert statistische Daten sowie Unterschiede in den Unterrichtsbedingungen zu staatlichen Schulen.
3 Theoretische Hintergründe zum Verhältnis von Familie und Schule: Es werden die historischen, rechtlichen und wissenschaftstheoretischen Grundlagen erörtert, die das Spannungsfeld zwischen Elternrecht und staatlichem Erziehungsauftrag bestimmen.
4 Analyse des Verhältnisses von Elternhaus und Privatschule: Anhand einer objektiven hermeneutischen Interpretation eines Elternbriefes wird geprüft, ob sich das Verhältnis an Privatschulen tatsächlich als partnerschaftlicher erweist als an öffentlichen Schulen.
Schlüsselwörter
Privatschule, Elternhaus, Schule, Kooperation, Partizipation, Erziehungsauftrag, Schulkonsumenten, Bildungsmarkt, Objektive Hermeneutik, Elternbrief, Schulwesen, Schulentwicklung, Dienstleistungsunternehmen, Reformpädagogik, Schulgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Elternhaus und Privatschule, insbesondere die Frage, ob die finanzielle Beteiligung der Eltern zu einer engeren Kooperation führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des Privatschulwesens, den theoretischen Hintergründen der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern sowie einer Fallanalyse der Kommunikation zwischen einer Privatschule und den Eltern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung von drei Hypothesen, die unterstellen, dass Privatschulen Eltern als Kunden betrachten und ihnen eine größere Mitentscheidung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt zur Analyse des Elternbriefes die Methode der Objektiven Hermeneutik, um den latenten Sinn der schulischen Kommunikation zu erschließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Verhältnisses von Familie und Schule sowie eine detaillierte Analyse der Kooperationsformen in Privatschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Privatschule, Kooperation, Partizipation, Elternhaus, Schulkonsumenten und Bildungsmarkt.
Welches Ergebnis erzielt die Analyse des Elternbriefes?
Die Analyse zeigt, dass der Brief zwar eine freundschaftliche Zugewandtheit suggeriert, aber dennoch ein eher geschäftliches Verhältnis offenbart, in dem Eltern primär als Helfer und nicht als Mitentscheider fungieren.
Wie werden Eltern in dem untersuchten Fallbeispiel wahrgenommen?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Eltern im untersuchten Elternbrief als „Konsumenten“ adressiert werden, die der Schule als „helfende Hand“ dienen, ohne jedoch tatsächliche Mitbestimmungsrechte bei pädagogischen Inhalten auszuüben.
- Quote paper
- Denise Krüger (Author), 2010, Das Verhältnis von Familie und Schule an Privatschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162029