Business-Knigge Japan

Manieren und Benehmen im Land der aufgehenden Sonne


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Der Ursprung des kulturspezifischen Business-Knigge
2.1 Grundlagen kulturspezifischen Verhaltens
2.2 Entstehung von Wertesystemen am Beispiel von Japan und Deutschland

3. Konsequenzen kulturspezifischen Verhaltens

4. Der Inhalt des Business-Knigge für Japan

5. Der Wert des Business-Knigge für Japan
5.1 Positive und negative Seiten des Business-Knigge für Japan
5.2 Expertenstimmen

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einführung

Im Zeitalter der Globalisierung ist der regelmäßige Kontakt zwischen Ländern verschiedenster Kulturkreise längst zum Alltagsgegenstand geworden. War das Kommunizieren mit ausländischen Geschäftspartnern noch vor einigen Jahrzehnten ein Zeichen von fortschrittlicher Unternehmensstrategie, ist sie im Jahre 2009 besonders für Großkonzerne längst zur Gewohnheit geworden.

Doch gerade diese Tatsache ist es, die internationale Geschäftskontakte häufig scheitern lässt. Denn selbst in vermeintlich sehr sachlichen Kontexten können kulturelle Unterschiede ungewollte Auswirkungen mit sich bringen. Diese geben sich häufig erst auf den zweiten Blick zu erkennen – und das meistens erst, wenn es bereits zu spät ist.

Und so ist Umdenken gefordert. Ein Bewusstsein über die Kräfte kultureller Unterschiede ist besonders für langzeitige und intensive Geschäftskontakte mit Partnern aus dem Ausland unerlässlich. Da interkulturelle Sensibilisierungstrainings für viele Arbeitgeber entweder mit zu hohen zeitliche oder finanzielle Kosten verbunden sind oder vom Management schlicht als nicht notwendig erachtet werden, wird oft die Alternative eines Business-Knigge gewählt. Dieser gibt konkrete Ratschläge zu Verhaltensregeln, Höflichkeitsnormen sowie typische Do’s und Dont’s, die in der fremden Kultur wie ein Patentrezept zum Erfolg verhelfen sollen.

Besonders bei internationalen Geschäftskontakten zwischen Ländern, deren Kulturkreise große psychische Distanz zueinander aufweisen, spielen intensive Vorbereitung und adäquate Begleitung jedoch eine wichtige Rolle.[1] Dem oft präskriptiven und sehr statischen Business-Knigge wird hier vor allem durch Experten der interkulturellen Kommunikation Oberflächlichkeit unterstellt. Er breche komplexe kulturelle Unterschiede auf einen eindimensionalen Verhaltenskodex herunter, der der Realität schlicht nicht gerecht wird.

Geschäftliche Kommunikation zwischen Parteien aus westlichen Ländern und Japan stellen aufgrund grundliegender kulturspezifischer Unterschiede besonders hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Während für Länder mit vergleichbarem historischen und ideologischen Wurzeln der Business-Knigge gern als beiläufiges Hilfsmittel dazu benutzt wird, auf kleine Unterschiede aufmerksam zu machen, scheiden sich bei Nationen mit großer psychischer Distanz zunehmend die Geister im Hinblick auf seine Verwendbarkeit.

Ich möchte daher in dieser Arbeit herausfinden, welchen Wert ein Business-Knigge speziell für den Kontakt mit Japan, als Kulturkreis mit großer psychischer Distanz zu westlichen Ländern wie Deutschland, hat. Es gilt zu beleuchten, ob er für geschäftliche Kontakte zwischen westlichen Nationen und der japanischen, tatsächlich so wertvoll ist wie Laien ihn einschätzen oder so nutzlos so wie einige Experten behaupten.

Deutsche Expertenstimmen, die jahrelang Erfahrungen mit der japanischen Kultur sammeln konnten, sollen hier neben literarischen Quellen Licht ins Dunkel bringen und die Position des Business-Knigge in der Praxis der gegenüberstellen, die Wissenschaftler in theoretischem Kontext darstellen.

Beweggrund für diese Arbeit war für mich genau eben diesen Kontrast zwischen Theorie und Realität zu skizzieren und vor diesem Hintergrund die Frage zu beantworten, ob der Business- Knigge lediglich den Wunsch befriedigt, fremde Kulturen auf irgendeine Weise fassbar zu machen, oder ob er für westliche Geschäftsaktivitäten mit in einem Kulturkreis wie Japan tatsächlich nützlich ist, lässt sich doch ein derart komplexes und für die westliche Welt fremdes Wertesystem auch durch andere Vorbereitungsformen nie völlig begreifen.

Um zunächst Bewusstsein über diese Problematik zu schaffen, möchte ich daher zuerst auf die Entstehung kultureller Normen und Verhaltensweisen, im speziellen auch auf westliche und japanische, eingehen, bevor ich ihre Auswirkungen in der Praxis erläutere. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, werde ich am Ende versuchen, die Frage nach dem Nutzen des Business-Knigge für Japan zu beantworten.

2. Der Ursprung des kulturspezifischen Business-Knigge

2.1 Grundlagen kulturspezifischen Verhaltens

Die Tatsache, dass neben der Sach- auch die Beziehungsebene eine entscheidende Rolle bei Geschäftskontakten spielt, war bereits Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen.[2] Es ist also nicht nur das von Bedeutung, was gesagt, sondern auch die Art, wie dieser Inhalt vermittelt wird. Das betrifft sowohl nonverbale Aspekte wie Mimik und Gestik als auch sogenannte extra- und paraverbale Merkmale wie Kleidungstil und Pünktlichkeit[3].

Der Grund für den hohen Stellenwert des Beziehungsaspekts , auch in sachlichen Situationen[4], kann mit dem natürlichen Bedürfnis erklärt werden, den Gegenüber einschätzen zu wollen , also etwa seine Verlässlichkeit, seine Vertrauenswürdigkeit oder Aufrichtigkeit zu beurteilen. Vor allem der Höflichkeit wird dabei große Wichtigkeit beigemessen, denn sie vermittelt, wie stark sich ein Gesprächspartner darum bemüht, einen guten Eindruck zu hinterlassen, und wie wichtig ihm dementsprechend sein Gegenüber ist. Dies erklärt auch die bedeutende Rolle des Business-Knigge für kulturell homogene Kontexte.

In interkulturelle Situationen addiert sich jedoch ein weiterer, erschwerender Faktor hinzu. Denn welche Verhaltensweisen symbolisieren, dass ein Mensch höflich, aufrichtig oder engagiert ist, ist stark abhängig von seinen kulturspezifischen Konventionen. Diese bauen auf einem lang etablierten Wertesystem auf, das sich über Jahrhunderte oder Jahrtausende in einem Kulturkreis entwickelt haben kann. Das Wertesystem legt die Moralvorstellungen und Ideale fest, nach denen Menschen ihrer Verhaltensweisen ausrichten.[5]

Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung vergleicht kultureigene Wertesystem somit zu Recht mit einer Art genetischem oder digital implementiertem Code, der das Handeln selbst und das Beurteilen von Handlungen implizit steuert.[6] Die Werte und Ideale dieses Codes sind Richtlinien, die sich nur als solche durchsetzen konnten, weil sie von mehreren Menschen angenommen werden. Richtet eine ganze soziale Gemeinschaft ihr Verhalten nach diesen Richtlinien aus, etablieren sich mit der Zeit feste Normen, da einige Verhaltensmuster Bestätigung und wiederum andere Ablehnung im Umfeld hervorrufen.

Geisteswissenschaftler verschiedenster Gebiete sind sich einig in dem Punkt, den Menschen als ein soziales Wesen[7] charakterisieren zu können, dessen mentale Gesundheit von der Akzeptanz im gesellschaftlichen Umfeld beeinflusst ist. So setzen sich einige Verhaltensweisen als erstrebenswert und einige als verwerflich durch, die innerhalb eines Kulturkreises die gleiche Bewertung erfahren und meist gleiche Reaktionen bei Mitmenschen hervorrufen.[8] In der Folge legen sie fest, was wir für richtig und falsch oder für Recht und Unrecht halten, sind verantwortlich dafür, welche politische Struktur für eine Staatsregierung vom Volk angenommen wird, welche Gesetze geformt und welche Sanktionen für welche Verbrechen aufgesetzt werden.

2.2 Entstehung von Wertesystemen am Beispiel von Japan und Deutschland

Der Ursprung von kulturspezifischem Denken und Verhalten sind also bestimmte Werte, Moralvorstellungen und Ideale. Eine tatsächlich feste und dauerhafte Verankerung von diesen handlungsweisenden Strukturen ist allerdings nur möglich, wenn die Mitglieder eines Kulturkreises diese begreifen, nachvollziehen und sich mit ihnen identifizieren können. Die meisten heute fest etablierten kulturellen Werte stammen daher von Religionen ab, die oft ein bereits umfangreiches Regelwerk oder zumindest einen Leitfaden vorgeben können.[9] Allein die Tatsache, dass die meisten Völkergruppen die Welt und ihre Entstehung durch ihren Glauben begreifen, zeigt, wie stark ihre Wahrnehmung und das Verständnis vom Leben selbst durch der Religion beeinflusst sind. Egal also, ob im Alltag oder zu bedeutsamen Geschehnissen wie Geburt und Tod, in nahezu allen Kulturkreisen werden religiöse Handlungen und traditionelle Riten vollzogen, die selbst ein Akt der Kommunikation sind. Extraverbale Merkmale wie die Kleidung am Hochzeitstag sind beispielsweise kulturell unterschiedlich. So symbolisiert etwa die Farbe Weiß in christlich geprägten Ländern Reinheit und Unschuld, in Japan hingegen wird die Farbe Weiß mit Tod und Verderben in Verbindung gebracht[10]. Sogar die automatische und kulturspezifische Assoziation von Symbolen wie Farbtönen geht also auf unsere Religion zurück.

Sowohl westliche Kulturkreise als auch ostasiatische sind stark durch die jeweils vorherrschenden Religionen beeinflusst. In Deutschland und vielen anderen westlichen Ländern ist es das Christentum, das das kulturelle Wertesystem maßgeblich geprägt hat.[11] Aus der christlichen Lehre entstammt zum einen das Bedürfnis nach Gleichberechtigung, also geringer Machtdistanz und weichen hierarchischen Strukturen, die sich auch in der Ermöglichung von Bewegungen wie der Emanzipation verdeutlichen. Den Grundstein dafür legte der Gedanke der Nächstenliebe als das Leitprinzip des Christentums.[12] Dass jeder Mensch von gleichem Wert ist und niemand unterdrückt oder benachteiligt werden darf, ist im deutschen Grundgesetz rechtlich abgesichert. Bereits hier findet der aufmerksame Beobachter den konnotierten, hohen Stellenwert des Individuums.[13]

[...]


[1] Dagmar Neuendorff, Christopher Michael Schmidt, Sprache, Kultur und Zielgruppen: Bedingungsgrößen für die Kommunikationsgestaltung in der Wirtschaft (Springer, 2007) 10.

[2] Z.B. Iris Petzold, Nadja Ringel, Alexander Thomas, Beruflich in Japan (Vandenhoeck & Ruprecht, 2005) 11.

[3] Bolten, Jürgen, Einführung in die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation

[4] Christian Püttjer, Uwe Schnierda, Hillar Mets, Assessment-Center-Training für Führungskräfte: die wichtigsten Übungen, die besten Lösung (Campus Verlag, 2006), 29ff

[5] Michael Kutschker, Stefan Schmid, Internationales Management (Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008) 465.

[6] Johan Galtung, Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert (Agenda Verlag, 1998) 189.

[7] Aloys Winterling, Claus Møller Jørgensen, Historische Anthropologie (Franz Steiner Verlag, 2006) 160.

[8] Rita Dittrich, Barbara Hölscher, Transfer von Lebensstilkonzepten: Zu den Voraussetzungen interkultureller Vergleichsforschungen (Waxman Verlag, 2001) 15ff

[9] Michael Opielka, Kultur versus Religion?: Soziologische Analysen zu modernen Wertkonflikten (transcript Verlag, 2007) 13.

[10] Marion Grein, Kommunikative Grammatik im Sprachvergleich: Die Sprechaktsequenz direktiv und Ablehnung im Deutschen und japanischen (Walter de Gruyter, 2007) 423.

[11] Beatus Brenner, Eberhard Jüngel, Reinhard Frieling, Lothar Ullrich, Europa und der Protestantismus (Vandenhoeck & Ruprecht, 1993), 20ff

[12] Arnd Uhle, Freiheitlicher Verfassungsstaat und kulturelle Identität (Mohr Siebeck, 2004) 199.

[13] Johannes Schwarte, Der werdende Mensch: Persönlichkeitsentwicklung und Gesellschaft heute (VS Verlag, 2002) 524.

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Details

Titel
Business-Knigge Japan
Untertitel
Manieren und Benehmen im Land der aufgehenden Sonne
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V162075
ISBN (eBook)
9783640757299
ISBN (Buch)
9783640757237
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Business-Knigge, Japan, Manieren, Benehmen, Land, Sonne
Arbeit zitieren
Katharina Grimm (Autor), 2009, Business-Knigge Japan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162075

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