Die weitestgehende Abstinenz einschlägiger deutscher Grundlagenforschung ist bis auf einige wenige Ausnahmen, wie SEEBER et al. und KÄPPLINGER, Grund genug sich wissenschaftstheoretisch mit der Fragestellung um die Historie der Managementansätze zu beschäftigen. Im deutschsprachigen Raum wird die Forschung um das Bildungsmanagement zumeist mit systemtheoretischen Ansätzen gleich aber nicht umfassend begründet. Ausnahme hierbei stellt das St. Gallener Konzept im Hinblick auf den Nachvollzug der Forschung dar. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Historie der Managementforschung, stellt hermeneutisch Punkte heraus und greift schließlich aktuelle Ergebnisse quantitativer Forschung auf. Ausgehend von einer Arbeitsdefinition werden traditionelle sowie moderne Managementansätze auf Basis von Grundlagenliteratur deskriptiv vorgestellt, anschließend themenbezogen bewertet sowie Desiderata aufgezeigt. In einem Fazit wird schließlich die Notwendigkeit grundlegender Rahmungen – v.a. auch durch wissenschaftstheoretische Grundlagenliteratur zum Thema – für ein betriebliches Bildungsmanagement hervorgehoben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITENDE PROBLEMSTELLUNG
2 DEFINITORISCHE GRUNDLAGEN ZUM BILDUNGSMANAGEMENT
3 TRADITIONELLE UND MODERNE ANSÄTZE DER MANAGEMENTFORSCHUNG
3.1 ANSÄTZE DER TRADITIONELLEN MANAGEMENTFORSCHUNG
3.1.1 Ingenieursmäßig-ökonomische Ansätze
3.1.2 Administrative Ansätze
3.1.3 Bürokratische Ansätze
3.1.4 Physiologisch-psychologische Ansätze (Psychotechnik)
3.1.5 Sozialpsychologische und soziologische Ansätze (Human Relations)
3.2 MODERNE ANSÄTZE DER MANAGEMENTFORSCHUNG
3.2.1 Disziplinäre Spezialisierung
3.2.2 Systemtheoretische Ansätze
3.2.3 Situative Ansätze
3.2.4 Konsistenz-Ansätze
4 BEDEUTUNG SOWIE DESIDERATA FÜR EIN BILDUNGSMANAGEMENT
5 OHNE METHODEN UND INSTRUMENTE KEIN BILDUNGSMANAGEMENT
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Managementansätzen und deren Relevanz für ein modernes, wissenschaftlich fundiertes betriebliches Bildungsmanagement. Ziel ist es, Defizite in der aktuellen Forschung aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer methodisch-instrumentellen Fundierung des Bildungscontrollings durch die Integration von wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zu begründen.
- Historische Evolution der Managementtheorien
- Differenzierung zwischen traditionellen und modernen Managementkonzepten
- Methoden zur Planung, Steuerung und Bewertung betrieblicher Bildung
- Triangulation von verhaltenswissenschaftlichen und formalökonomischen Ansätzen
- Anforderungen an die Kompetenzentwicklung im Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ingenieursmäßig-ökonomische Ansätze
Als erstes Grundlagenwerk der Managementlehre gilt ‚The Principles of Scientific Management‘ von Frederick W. TAYLER aus dem Jahr 1911. TAYLER kombiniert dabei die von Karl MARX beschriebene Arbeitsteilung sowie die Forderung nach zergliederten Produktionsschritten, die Adam SMITH bei der Nadelproduktion einführte. TAYLERs proklamiertes Leistungs- und Effizienzdenken kennzeichnet sich durch Akkordzeitarbeit sowie die Trennung von ausführender und planerischer Arbeit (Management). GILBRETH als Schüler TAYLERs untermauert die Zeitstudien, indem er unterstellt, dass Bewegungen, die nicht unmittelbar zum Produktionsprozess zugehörig sind, vertane Arbeit oder vergeudete Zeit seien. Neben anderen Vertretern gilt GIILBRETH als Begründer des Industrial Engineering: eine Forschungsrichtung, die Bewegungs- und Zeitstudien im Hinblick auf Produktionsprozesse betriebt (vgl. ebd., S. 23ff.).
Auf einer nächsten, qualitativen Ebene vertritt TAYLER die Auffassung körperliche von geistig-kreativer Arbeit zu trennen. Letztere stellt den Aufgabenbereich eines funktionalen Managements dar. Die Aufgaben des Managements umfassen dabei Planung als Arbeitsvorbereitung sowie eine Kontrolle der jeweiligen Produktionsstufen hinsichtlich der gesamtbetrieblichen Anforderungen. Die Sozialisation der Arbeiter in den jeweiligen Produktionsschritten wird dabei gezielt auf den Verzicht nach anspruchsvolleren und höheren Tätigkeiten betrieben. Ein niedriger Bildungsstand der Arbeiter ist hierbei dienlich und erwünscht (vgl. ebd., S. 25). BABBAGE formuliert dazu einen entscheidenden Vorteil dieser ‚Trennung von Körper und Geist‘: „Daß [sic!] nämlich der industrielle Unternehmer durch Aufspaltung der auszuführenden Arbeit in verschiedene Arbeitsgänge […] gerade genau jene Menge von beidem kaufen kann, die für jeden dieser Arbeitsgänge notwendig ist“ (Babbage 1832, zitiert in Braverman 1977, S. 70).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITENDE PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die Problematik des Bildungsmanagements im Spannungsfeld von Ökonomisierung und Individualisierung sowie Erläuterung der wissenschaftstheoretischen Zielsetzung.
2 DEFINITORISCHE GRUNDLAGEN ZUM BILDUNGSMANAGEMENT: Klärung des Begriffs Bildungsmanagement als ganzheitliches, unternehmensweites Instrumentarium zur Kompetenzentwicklung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
3 TRADITIONELLE UND MODERNE ANSÄTZE DER MANAGEMENTFORSCHUNG: Deskriptive Darstellung und theoretische Einordnung verschiedener historischer und aktueller Managementansätze von den Anfängen der industriellen Revolution bis hin zu modernen System- und Konsistenzmodellen.
4 BEDEUTUNG SOWIE DESIDERATA FÜR EIN BILDUNGSMANAGEMENT: Kritische Transferleistung der Managementtheorien auf das Bildungsmanagement zur Identifikation von Forschungsdesideraten und Optimierungspotenzialen.
5 OHNE METHODEN UND INSTRUMENTE KEIN BILDUNGSMANAGEMENT: Fazit zur notwendigen Verknüpfung von Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zur Entwicklung belastbarer Instrumente für ein operatives Bildungscontrolling.
Schlüsselwörter
Bildungsmanagement, Bildungscontrolling, Managementforschung, Taylorismus, Systemtheorie, Kompetenzentwicklung, Human Relations, Effizienz, Effektivität, Personalentwicklung, Arbeitsorganisation, Wissenschaftstheorie, Betriebswirtschaftslehre, Berufsbildung, Organisationsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Fundierung eines betrieblichen Bildungsmanagements durch die Analyse historischer und moderner Managementtheorien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Managementforschung, die definitorische Abgrenzung von Bildungsmanagement sowie die methodische Gestaltung von Bildungscontrolling.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass ein effektives Bildungsmanagement eine wissenschaftlich fundierte Integration von ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Ansätzen benötigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?
Der Autor verwendet einen deskriptiven Ansatz auf Basis der Grundlagenliteratur, um Managementansätze zu systematisieren und diese anschließend diskursiv auf ihre Anwendbarkeit im Bildungsmanagement zu prüfen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden verschiedene Managementansätze – wie bürokratische, systemtheoretische und situative Modelle – vorgestellt und hinsichtlich ihrer Relevanz für betriebliche Bildungsprozesse bewertet.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Bildungscontrolling, Managementtheorien, Kompetenzentwicklung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Sozial- und Betriebswirtschaftslehre.
Welche Bedeutung kommt den Hawthorne-Experimenten in diesem Kontext zu?
Die Hawthorne-Experimente sind zentral, da sie den Fokus von einer rein technischen Arbeitsoptimierung hin zu sozialen Faktoren und der Bedeutung von Kommunikation in Gruppen verschoben haben.
Warum hält der Autor die bisherige deutschsprachige Forschung für defizitär?
Der Autor bemängelt eine weitgehende Abstinenz in der wissenschaftstheoretischen Grundlagenforschung und fordert mehr empirisch fundierte Instrumente für die operative Bildungspraxis.
- Citation du texte
- B.A. David Wolf (Auteur), 2010, Erkenntnisse der Managementforschung für ein betriebliches Bildungsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162431