Sprachliche Heterogenität im europäischen Einigungsprozess

Ein Vergleich mit der sprachpolitischen Situation im Deutschland des 19. Jahrhunderts


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

lEinleitung

2 Soziologischer Ansatz
2.1 Elias Prozess der Zivilisation

3 Deutsche Integration und sprachliche Homogenisierung im 19. Jh.
3.1 Die Ausgangssituation um 1800
3.2 Die wirtschaftliche Entwicklung
3.3 Deutsche Integration und sprachliche Homogenisierung

4 Europäische Integration und sprachliche Heterogenität im 20. Jh.
4.1 Die Ausgangssituation 1945
4.2 Die wirtschaftliche Entwicklung
4.3 Europäische Integration und sprachliche Heterogenität

5 Europäische Probleme bei einer sprachlichen Homogenisierung
5.1 Europäische Sprachpolitik für den Integrationsprozess
5.2 Der Prozess der europäischen Zivilisation (?)

Schlussbetrachtung

6 Zusammenfassung / Kritik

Literaturverzeichnis

lEinleitung

Die sprachliche Heterogenität hat auf dem europäischen Markt und in den sozialen Systemen seit den letzten beiden Dekaden zugenommen. Es werden mehr sprachlich heterogene Situationen in Schulen und im Berufsleben zu bewältigen sein, die mit bisherigen Betrachtungsmustern vermutlich nicht immer zu bewerkstelligen sind. Die Hausarbeit möchte in einem historischen Vergleich den sprachlichen (heterogenen) Bedingungen nachgehen, um ein weiter blickendes Verständnis fur solche Situationen anbieten zu können. Zwei wirtschaftlich ähnlich ablaufende Entwicklungsprozesse in zwei verschiedenen Epochen geben den Anlass, die sprachliche (somit auch sprachpolitische) Relevanz bei solchen Entwicklungen näher zu betrachten. Dafür soll zunächst ein theoretisches Instrument gefunden werden (Kapitel 2), mit dem Zusammenhänge und Unterschiede in solchen soziologischen Entwicklungen sichtbar werden. Abschnitt 2.1 dient deshalb dafür, die Kernelemente einer Theorie zu erarbeiten, die in den darauf folgenden Abschnitten Zusammenhänge und Unterschiede erkennbar werden lässt. Mit Kapitel 3 soll zunächst die erste Epoche betrachtet werden, indem von einem Ausgangspunkt (Abs. 3.1) die politische und dann die wirtschaftliche Entwicklung recherchiert wird (Abs. 3.2). Zum Schluss des Kapitels soll mit Abschnitt 3.3 die sprachliche - hier deutsche - Bedingung für den ersten historischen Teil diskutiert werden. Das Kapitel 4 dient dazu die zweite Epoche zu betrachten. Für einen Vergleich ist es hilfreich in ähnlicher Vorgehensweise wie bei der Ersteren zu verfahren. Daher wird mit Abschnitt 4.1 der Ausgangspunkt dieser Epoche untersucht, mit Abschnitt 4.2 soll dann der zweite wirtschaftliche Entwicklungsprozess begutachtet und in Abschnitt 4.3 sollen die sprachlichen - diesmal europäischen - Bedingungen aufgezeigt werden. Das Kapitel 5 soll einen für die HA abschließenden und im Hinblick auf die europäische Sprachenproblematik diskutierenden Charakter haben. Zunächst soll die sprachpolitische Situation im europäischen Integrationsprozess genauer hervorgehoben werden (Abs. 5.1) Und darauf möchte Abschnitt 5.2 mit dem theoretischem Instrument die beiden Epochen vergleichen und die europäischen Probleme der sprachpolitischen Situation diskutieren. Danach werden in der Schlussbetrachtung die Ergebnisse der HA zusammen tragen.

2 Soziologischer Ansatz

Das Thema der HA vergleicht zwei historische Epochen. Für diesen Vergleich ist eine soziologische Theorie von Vorteil, die Entwicklungen auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene betrachtet und dabei Zusammenhänge sowie Differenzierungen aufzeigt. Hierfür scheint Norbert Elias Theorie: Der Prozess der Zivilisation geeignet zu sein. Kapitel 2 möchte den Kern seiner Theorie heraus filtern, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden betrachteten Zeiträumen - Deutschland 19. Jh. und Europa 20./21. Jh. - heraus zuarbeiten.

2.1 Elias Prozess der Zivilisation

Norbert Elias (1897-1991) ist in Breslau geboren, hat Medizin, Philosophie und Psychologie studiert und emigrierte 1933 erst nach Frankreich und dann 1935 nach England. Dort entwickelte er 1939 seine Theorie zum Zivilisationsprozess (vgl. Retter, 2000, S. 50). Elias zentrales Interesse in seiner Theorie, sind, die langfristigen Transformationen der Gesellschafts- und Persönlichkeitsstrukturen. Anhand verschiedener Quellen - insbesondere anhand von Benimmbüchern - untersucht er das Verhalten und die Verhaltensnormen von Angehörigen der Oberschicht (ebd.). Die Transformationen dabei, setzt Elias in einen Zusammenhang mit den seit dem Mittelalter im Fortgang der Geschichte festzustellenden Veränderungen der Gesellschaft. Er stellt sich für sein Werk die grundsätzliche Frage: "Wie kommt es überhaupt in dieser Menschenwelt zu Gestaltungen, die kein einzelner Mensch beabsichtigt hat, und die dennoch alles andere sind als Wolkengebilde ohne Festigkeit, ohne Aufbau und Struktur?" (Elias, 1976, Band II, S. 313). Aufgrund seiner Untersuchungen versucht er eine Antwort zu geben, indem er die ständig ineinander greifenden Pläne und Handlungen, emotionaler und rationaler Regungen der einzelnen Menschen als Verflechtungen aufzeigt. Diese fundamentalen Verflechtungen können "Wandlungen und Gestaltungen herbeiführen", die kein einzelner geplant oder geschaffen hat. "Aus ihr, aus der Interdependenz der Menschen, ergibt sich eine Ordnung ganz spezifischer Art, eine Ordnung, die zwingender und stärker ist, als Wille und Vernunft der einzelnen Menschen, die sie bilden" (Elias, 1976, Band II, S. 314). Diese Verflechtungsordnung, die den geschichtlichen Wandel bestimmt, liegt dem Prozess der Zivilisation zugrunde. Aber welche spezifischen Veränderungen modellieren den psychischen Apparat der Menschen nun gerade im Sinne einer Zivilisation? Von der frühesten Geschichte an, so Elias, differenzieren sich die gesellschaftlichen Funktionen unter einem starken Konkurrenzdruck. Je mehr sie sich differenzieren, desto größer wird die Zahl der Funktionen. Das Verhalten von immer mehr Menschen muss daher beständig aufeinander abgestimmt werden, damit der Einzelne die gesellschaftliche Funktion erfüllt. Dabei wird der Einzelne nun zu einer Umformung des ganzen Seelenhaushalts gedrängt, d. h. zu einer gleichmäßigeren Regelung seines Trieblebens und Verhaltens nach allen Seiten, "ganz in der gleichen Richtung wirken ... die wirtschaftlichen Zwänge" (Elias II, 1976, S. 328). Auch diese Zwänge drängen den Einzelnen zu einer unaufhörlichen Rück- und Voraussicht über den Augenblick hinaus. Der Einzelne lernt sich mehr zu beherrschen, da "nun stärker als früher ... seine funktionelle Abhängigkeit von Tätigkeiten einer immer größeren Anzahl Menschen gebunden ist" (Elias II, 1976, S. 330). Die

Auseinandersetzungen verringern sich, aber werden "zugleich in gewissem Sinne nach innen verlegt" und müssen im Menschen selbst bewältigt werden (vgl. ebd.). Die nicht immer ein neues inneres Gleichgewicht im Einzelnen erzeugen und "eine Bewältigung der gesellschaftlichen Funktionen nun erst recht erschweren oder verhindern " (ebd. S. 331). In modernen höchst veränderlichen Zeiten (20. Jh.), verlangt diese Bewältigung eine enorme Elastizität, die zumeist mit einem Verlust an Stabilität einher geht. Elias kommt damit zu dem Schluss, dass es nicht schwer ist zu sagen, was der Unterschied zwischen einem gelungenen und einem nicht­gelungenen Zivilisationsprozess ist: im ersteren Fall bilden sich gut eingepasste Verhaltensweisen des Einzelnen und im letzteren wird entweder die Bewältigung mit hohen inneren Unkosten erkauft oder diese Bewältigung gelingt überhaupt nicht. Die Mehrzahl der Menschen lebt zwischen diesen beiden Extremen. Dieser Prozess des Aufeinanderabstimmens im Verhalten nimmt besonders in den mittleren und oberen Schichten "mehr Zeit in Anspruch als der Modellierungsprozess in weniger differenzierten Gesellschaften" (ebd. S. 335). Diese Kontraste zwischen Oben und Unten verringern sich mit der Ausbreitung der Zivilisation. Für das 19. Jh. spricht Elias bei den entstehenden Interdependenzen von einer Durchdringung von Verhaltensweisen des Adels und des Bürgertums (vgl. ebd. S. 349). Der Adel trug schon seit dem 17. Jh. aufgrund der Kontakte zum reichen Bürgertum dazu bei, dass sich die Verflechtungen über andere Schichten ausbreitete. Durch Konkurrenzdruck zwischen weiteren Schichten entstehen mehr interdependente Funktionen, worauf sich die Menschen, Gruppierungen und andere (führende) Gemeinschaften anpassen. Verschiedene Interessen von bedeutenden gesellschaftlichen Funktionsträgern, die ein Gleichgewicht in der gesellschaftliche Macht erreicht haben, schließen sich zu einer Verflechtung in Form von Zentralgewalten und Interessenverbänden zusammen und nehmen einen Einfluss auf weitere gesellschaftliche Entwicklungen. Fazit: - es findet zwischen den Menschen immer wieder eine Verflechtung/Vereinheitlichung statt, durch politische, wirtschaftliche und soziale Absichten. Gleichzeitig findet aber auch dabei eine Differenzierung von Gruppierungen und Schichten statt, durch eine immer schwerer zu bewältigende Anpassung und stärker empfundene Verluste bei bisher - z. T. viel - Erreichtem. Worauf aber erneut, nach Elias, eine Passung gelingen kann. Was aber Elias noch nicht sehen konnte, ist, das die Medien die alle Bevölkerungsschichten und Altersstufen erreichen, erfolgreich "die traditionellen Tabugrenzen durchlässiger machen", gegenläufig zum Prozess der Zivilisation (vgl. Retter, 2000, S. 51). Der Zivilisationsprozess steht damit nach einer gesellschaftlichen Veränderung, im gewissen Sinne, wieder erneut am Anfang.

3 Deutsche Integration und sprachliche Homogenisierung im 19 Jh.

Mit Kapitel 3 soll die deutsche Entwicklung ab 1800 in Ansätzen dargestellt werden, um dann einen Vergleich zu der europäischen Entwicklung herstellen zu können. Die Ansätze der deutschen Entwicklung orientieren sich dabei an der mitteleuropäischen Eingebundenheit, der wirtschaftlichen und der sprachlichen Entwicklung Deutschlands.

3.1 Die Ausgangssituation um 1800

Nach der französischen Revolution 1789 und dem Aufstieg Napoleons zum Kaiser der Franzosen (vgl. Dann, 1994, S. 55), änderte sich die politische Landkarte Deutschlands. Nach der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz von 1805, schlossen sich die Fürsten von Süd- und Westdeutschland zum Rheinbund unter napoleonischem Protektorat zusammen. 1809 wurde Österreich geschlagen und seitdem fielen weitere Gebiete von Deutschland Napoleon zu (vgl. Demandt, 2007, S. 217). Aufgrund der antinapoleonischen Widerstandsaktionen um 1809, begann eine erste deutsche Nationalbewegung (vgl. Dann, 1994, S. 60). Diese Bewegung wurde getragen "von den bürgerlichen und adligen Bildungsschichten, die seit längerem ein Nationalbewusstsein besaßen" und eine erhebliche gesellschaftliche Kraft darstellten (Dann, 1994, S. 65). Unter dem wachsenden Druck der öffentlichen Meinung verbanden sich dann Preußen, Rußland und Österreich gegen Napoleon und besiegten ihn 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig (vgl. Demandt, 2007, S. 218). Mit dem Wiener Kongress 1814/15 sollte Europa nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft neu geordnet werden. Allerdings waren bei diesem Kongress nur die Fürsten und ihre Vertreter versammelt, "also nur die eine Seite des Bündnisses, das Napoleon besiegt hatte" (Dann, 1994, S. 73). Die vordringliche Sorge der Kongressmächte war, schon wirksam gewordene, nationale Bewegungen zurückzudrängen. Während des Wiener Kongresses entstanden überall in Deutschland patriotische Volksversammlungen, geleitet von der antinapoleonisch-nationalen Bewegung. Diese andere, von Napoleon besiegte Seite, saß nicht mit am Verhandlungstisch in Wien (vgl. Dann, 1994, S. 79). Und die beabsichtigte Fürsten-Ordnung war bedroht durch die inneren Spannungen in Deutschland. Die "Freiwilligen von 1813 hatten ja nicht für die Souveränität von Preußen oder Württemberg gekämpft, sondern für Einheit und Freiheit Deutschlands" (Demandt, 2007, S. 220). Der Wiener Kongress sollte nicht nur ein Friedenskongress, sondern auch ein nationaler Verfassungskongress sein, um sich von den alten Adelsstrukturen zu emanzipieren. Um eine Regelung für diese deutsche Verfassungsfrage zu finden und weitere Spannungen zu vermeiden, etablierte sich der Deutsche Ausschuss mit fünf Monarchien und 30 kleineren deutschen Staaten. Mit der Bundesakte vom 8. Juli 1815, "wurde für die Bevölkerung des ehemaligen Deutschen Reiches eine neue 'nationale' Dachorganisation geschaffen, der Deutsche Bund" (Dann, 1994, S. 90). Aus dem ehemaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde der Deutsche Bund, eine Konföderation souveräner Staaten (vgl. Demandt, 2007). Doch der Deutsche Bund trug mehr der engen ständisch-familiären Verbundenheit des deutschen Adels Rechnung. Er kam zwar dem nationalen Geist etwas entgegen, aber vor allem ermöglichte der Deutsche Bund "dem regierenden Adel, seine politische Herrschaft in Mitteleuropa über die napoleoniche Epoche hinweg fortzusetzen und sie gegen jede Gefährdung zu verteidigen, also auch gegenüber den Ansprüchen der bürgerlichen Nation und ihrer Bewegung" (Dann,1994). Am Ende konnte der Wiener Kongress keine wirkliche Restauration in Europa einleiten. Es galt vielmehr die Fürstenherrschaft zu sichern und eine europäische Hegemonie der vier Siegermächte - Rußland, Österreich, Preußen und England - zu errichten. Fazit: - kriegerischer Ausgangspunkt; misslungene Emanzipierung vom Adel; Differenzierungserscheinung mit dem Deutschen Bund - aufgrund empfundener Verluste beim Adel (Elias).

3.2 Die wirtschaftliche Entwicklung

Das alte Deutsche Reich hatte vor 1800 keine selbständige Handelspolitik betrieben. Einzelne Bestimmungen, Verbote und Regelungen wurden nicht ausgeführt. Die Errichtung des Deutschen Bundes hatte daran nichts geändert. Trotzdem war dringend für Handel und Verkehr eine einheitliche Regelung notwendig geworden (Calsky, http://lexikon.calsky.com/de). Als "nach 1814 die von Napoleon gegen England errichtete Kontinentalsperre aufgehoben wurde, strömten in gosser Zahl englische Waren, insbesondere Textilien, nach Deutschland" (Blankart, 2003). Ein erster Versuch ein einheitliches Zollgebiet zu bilden, blieb 1819 vom Wirtschaftswissenschaftler Friedrich List erfolglos. Doch seine Idee wurde von Preussen später wieder aufgegriffen. Preussen war infolge seiner eigenen Gebietszersplitterungen durch die verschiedenen Zollsysteme besonders benachteiligt (vgl. Blankart). Besonders kraß war der "Kontrast zwischen den gewerbe- und handelsreichen westlichen Provinzen (Reihnland und Westfalen) und dem agrarischen Ostelbien" (Tilly, 1990, S. 39). Wieso kam Preussen zu einer Zersplitterung ? Diese Gebietszersplitterungen stammen von Erwerbungen aus dem 17. und 18 Jahrhundert (vgl. Leisering, 2009, S. 84). 1614 fielen aufgrund älterer Heiratsverträge das Hzm. Kleve, Gft. Mark und Ravensburg an Brandenburg. Weiterer Zuwachs an Brandenburg entstand 1618 durch Erbschaft vom ehemaligen Ordenstaat Hzm. Preussen (vgl. Pleticha, 1993, S. 194). Das preussische Interesse an einer Zolleinigung gilt daher zweifellos auch als Lösung der internen wirtschaftlichen Probleme. Nach Friedrich List unternahm der preussische Finanzminister Friedrich von Motz einen nachhaltigen Schritt zur Zollvereinigung. Er gründete 1828 mit Hessen-Darmstadt den Preussisch-Hessischen Zollverein. Nach und nach schlossen sich weitere

Staaten an und es kam zum Deutschen Zollverein. Der Dt. Zollverein erwies sich als effizient und erleichterte den Handel, "förderte die Einheit von Maß, Gewicht und Währung und kam dabei ohne wesentliche Bürokratie aus" (Blankart). Auch schienen finanzpolitische Aspekte für den Zollverein zu sprechen. Denn kurz nach der Installation des Zollsystems wurden unerwartete steuerpolitische Vorzüge entdeckt: die landwirtschaftliche Produktion verdoppelte und die Bautätigkeit erhöhte sich, Straßen, Schienen, Wasserwege, Textil- und Baumwollindustrie waren auf Expansionskurs. Aufgrund der praktischen Probleme bei der Umverteilung der Einnahmen entstanden zwei unterschiedliche Währungsgebiete - im Norden und im Süden Deutschlands. In den 1840er trat erstmals die Papiergeldfrage auf und bis gegen Ende der 1860er Jahre dominierten dann die Noten der Preußischen Bank weite Teile Deutschlands. Eine monetäre Integration Deutschlands war somit erreicht. Die Hauptantriebskraft hierfür lag in einem fiskalischen Motiv - die Sicherung der Zolleinnahmen. Der Zollverein hatte irreversible Auswirkungen auf den weiteren Entwicklungsprozess. Denn die Zollverträge zwangen die dt. Staaten mehr oder weniger "zum Auf- und Ausbau eines bestimmten geographischen bzw. geopolitischen Musters ihrer Handelsbeziehungen und ihrer monetären Verpflichtungen ..., deren nachträgliche Abänderung wegen der erfolgten politischen und diplomatischen Absicherung wesentlich mehr gekostet hätten als die ursprüngliche Umstellung" (Tilly, 1990, S. 39 ff.). Die wirtschaftliche Einigung Deutschland umfasste die Länder Schleswig, Holstein, Mecklenburg, Hannover, Preußen, Thüringen, Sachsen, Elsaß-Lothringen, Baden, Bayern und weitere kleinere Staaten. Der dominierende Staat bis zum Ende der wirtschaftlichen Einigung Deutschlands war das Königreich Preussen (vgl. Leisering, 2009, S. 96). Fazit: - wirtschaftliche Verflechtungen ermöglichten es eher die deutschen Staaten zu einigen, statt die Emanzipierung vom Adel zu einer deutschen Nation nach der napoleonischen Herrschaft 1814/15, oder der initiierte Dt. Bund.

3.3 Deutsche Integration und sprachliche Homogenisierung

Das Deutschland des 19. Jahrhunderts hatte im Zuge der Zollvereinigung eine Integration auf wirtschaftlicher und monetärer Basis in den 1860er Jahren schon erreicht. Die deutsche Nationalbewegung war zu der Zeit "geprägt von einem neuen Selbstbewusstsein im deutschen Bürgertum, das stärker als 1848 ökonomisch fundiert und auf die ,realpolitischen' Machtverhältnisse hin orientiert war" (Dann, 1994, S. 140). Im Jahre 1861 gründete die nationale Bewegung in Preussen die Deutsche Fortschrittspartei. 1862 bekam Preussen mit Bismarck einen leitenden Minister. 1866 kam es zur Spaltung der preussischen Fortschrittspartei. Denn viele Abgeordnete der Fortschrittspartei gaben der Politik Bismarcks ihre Zustimmung.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sprachliche Heterogenität im europäischen Einigungsprozess
Untertitel
Ein Vergleich mit der sprachpolitischen Situation im Deutschland des 19. Jahrhunderts
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Interkulturelle Erziehungswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V162525
ISBN (eBook)
9783640762934
ISBN (Buch)
9783640763320
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachliche, Heterogenität, Einigungsprozess, Vergleich, Situation, Deutschland, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Andreas Strege (Autor), 2010, Sprachliche Heterogenität im europäischen Einigungsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162525

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