Herr Franke und Herr Schwarzmann, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivmedizin, arbeiten beide seit langen Jahren in der Intensivpflege und studieren berufsbegleitend seit dem Wintersemester 2000 Pflege- und Gesundheitswissenschaft an der Universität Halle - Wittenberg.
Im Rahmen des Hauptstudiums führen die Studenten selbst forschungsorientierte Studienprojekte durch.
Durch ihre langjährige Arbeit auf der Intensivstation machten beide Studenten die subjektive Erfahrung, dass der Anteil der Patienten mit COPD immer größer wird und die Intensivpflege vor eine große Herausforderung stellt.
Ein großer Teil der Patienten die lange Zeit beatmet werden, haben eine COPD. Sowohl der immer höher werdende Kostendruck, als auch die hohe Mortalität zwingen alle Akteure, die COPD-Patienten behandeln, neue Strategien zu entwickeln, die ein schnelles Weaning der Patienten mit COPD ermöglichen und damit Leben verlängern oder erst möglich machen und zugleich enorme Kosten sparen.
Die COPD-Patienten durchlaufen während ihrer kritischen Zeit die Intensivtherapiestation. Dort werden Sie von Intensivpflegekräften kontinuierlich über 24 Stunden am Tag sehr eng betreut und beschützt. Lebenswichtige Aktivitäten des täglichen Lebens werden von den Intensivpflegekräften durchgeführt.
Um Ansätze für die Erforschung von neuen erfolgreicheren Strategien für die Intensivpflege zu finden beschlossen die beiden Autoren, diese Studie durchzuführen. Es werden jeweils 8 Pflegefachkräfte in einem Krankenhaus der Maximalversorgung in Frankfurt und in einem Krankenhaus der Regelversorgung in Datteln interviewt. Die Gruppe der 8 Pflegefachkräfte besteht aus je 4 Pflegefachkräften mit der Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie oder Innere Medizin und Intensivmedizin und je 4 Pflegefachkräfte ohne Fachweiterbildung. Die jeweiligen Gruppen sind geschlechtsparitätisch konstruiert.
Mit Hilfe der Erkenntnisse eines qualitativen Forschungsdesigns sollen Problemschwerpunkte und Stressoren in der Beziehung der Pflegefachkräfte zu den COPD-Patienten während der Weaningphase herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. FoPro-Studie
2.1 Ziele der Studie
3. Definitionen von COPD
3.1 Epidemiologie und sozioökonomische Bedeutung der COPD
3.2 Ursachen der COPD
3.3 Perspektiven für die COPD
3.4 Nadelöhr Intensivstation - Die Rolle der Intensivpflege
4. Stand der Literatur
4.1 Betrachtungen der COPD-Patienten
4.1.1 Determinanten der notwendigen Atemarbeit
4.1.2 Zeitpunkt der Entwöhnung
4.1.3 Kriterien für ein erfolgreiches Weaning
4.2 Betrachtungen des Pflegepersonals
4.2.1 Stress am Arbeitsplatz der Intensivpflegekraft
4.2.2 Stressreaktion
4.2.3 Kurzfristige Stressreaktionen
4.2.3.1 Psychisches Befinden - Reaktionen des Denkens und des Fühlens
4.2.3.2 Physiologische Reaktionen - Biochemische Reaktionen des Körpers
4.2.4 Veränderungen des Leistungsverhaltens
4.2.5 Langfristige Stressreaktionen
4.2.6 Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens
5. Design der Studie
Einschlusskriterien
Ausschlusskriterien
Durchführung der Studie
Beschreibung der Intensivpflegestationen
5.2 Informationsgewinnung:
5.3 Studienzeitplan
6. Interviewleitfaden
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser qualitativen Studie ist es, das subjektive Erleben von Intensivpflegekräften bei der Betreuung von COPD-Patienten während der Weaningphase zu erforschen, um Problemschwerpunkte und Stressoren zu identifizieren und Ansätze für erfolgreichere pflegerische Strategien zu gewinnen.
- Subjektives Erleben und Stressfaktoren der Pflegekräfte im Weaning-Prozess
- Herausforderungen in der pflegerischen Betreuung von COPD-Patienten auf der Intensivstation
- Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung, Kommunikation und Pflegequalität
- Analyse von Bewältigungsstrategien (Coping) des Pflegepersonals
- Entwicklung von Grundlagen für neue pflegerische Konzepte und Curricula
Auszug aus dem Buch
3.4 Nadelöhr Intensivstation - Die Rolle der Intensivpflege
Der COPD-Patient hat bei Narkosen ein wesentlich höheres Risiko als Patienten ohne diese Erkrankung. Die gleiche Aussage kann für die mechanische Beatmung gemacht werden. Behandlungsdauer und Behandlungserfolg werden nicht allein durch die eingesetzten Medikamente und dem ärztlichen Know How bestimmt. Den Pflegefachkräften kommt bei der Behandlung der COPD-Patienten eine herausragende Rolle zu.
Die Pflegefachkräfte versorgen und begleiten über 24 Stunden den Patienten. Der direkte Kontakt mit dem Patienten ist intensiver und zeitlich viel aufwändiger als bei allen anderen Mitgliedern des therapeutischen Teams.
Intensivpatienten sind zum Teil in den Aktivitäten des täglichen Lebens völlig von dem professionellen Arbeiten der Pflegefachkräfte abhängig.
Gerade während einer akuten schweren Exazerbation haben COPD-Patienten Todesängste durchzustehen. Abhängig zu sein kann sehr bedrückend sein. Zentrales Ziel der Pflegefachkräfte muss es sein dem Patienten die Angst und die Hilflosigkeit zu nehmen. Wichtig ist es dem Patienten ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und seine Autonomie zu respektieren und zu fördern, sowie seine Möglichkeiten zur Selbstpflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autoren begründen die Relevanz ihrer Studie durch ihre langjährige Erfahrung in der Intensivpflege und den steigenden Bedarf an spezialisierten Strategien für COPD-Patienten.
2. FoPro-Studie: Hier werden die weltweite Bedeutung der COPD-Erkrankung und die Notwendigkeit von Forschungsarbeiten zur pflegerischen Begleitung beim Weaning hervorgehoben.
3. Definitionen von COPD: Dieses Kapitel erläutert medizinische Definitionen, die Epidemiologie und die sozioökonomische Bedeutung von COPD sowie die spezifische Rolle der Intensivpflege.
4. Stand der Literatur: Es findet eine Literaturanalyse zu den Herausforderungen bei COPD-Patienten und zur Stressbelastung von Intensivpflegekräften statt.
5. Design der Studie: Die methodische Vorgehensweise, bestehend aus qualitativen Interviews, wird detailliert erläutert und die Auswahlkriterien der Teilnehmer sowie der Studienzeitplan festgelegt.
6. Interviewleitfaden: Dieses Kapitel stellt die Struktur der Experteninterviews vor, welche Themen wie Weaningstrategien, Kommunikation, Zusammenarbeit und psychische Belastungen umfasst.
Schlüsselwörter
COPD, Weaning, Intensivpflege, Beatmung, Patientenbetreuung, Stress, Arbeitsbelastung, Pflegefachkräfte, Qualitative Studie, Atemnot, Lebensqualität, Autonomie, Psychische Belastung, Interventionen, Krankenhaus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Forschungsarbeit untersucht das subjektive Erleben von Intensivpflegekräften bei der Betreuung und Entwöhnung (Weaning) von Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit beleuchtet die medizinischen Grundlagen der COPD, die spezifischen Anforderungen der maschinellen Beatmung, die psychische Belastung des Pflegepersonals durch Stress und die Bedeutung einer professionellen Patientenbegleitung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Problemschwerpunkte und Stressoren im Pflegealltag während der COPD-Behandlung zu identifizieren, um daraus Grundlagen für verbesserte pflegerische Strategien und Schulungsansätze abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf dem Forschungsansatz der Phänomenologie basiert. Die Daten werden durch fokussierte Einzelinterviews erhoben und mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst den aktuellen Stand der medizinischen und pflegerischen Literatur zum Thema COPD und Weaning, die Definition von Stressreaktionen und das methodische Design der durchgeführten Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind COPD, Weaning, Intensivpflege, Stress am Arbeitsplatz, Patientenbetreuung und qualitative Inhaltsanalyse.
Warum ist die Rolle der Intensivpflege bei COPD-Patienten besonders kritisch?
Die Pflegekräfte begleiten den Patienten kontinuierlich über 24 Stunden, sind für die grundlegenden Aktivitäten des täglichen Lebens verantwortlich und müssen den Patienten während einer akuten Exazerbation psychisch stützen und ihm Angst nehmen.
Welchen Einfluss hat das DRG-System auf die Behandlung von COPD-Patienten?
Die Einführung der DRGs soll die Krankenhausverweildauer verkürzen, was den Druck auf das therapeutische Team erhöht und die Entwicklung neuer, effizienterer pflegerischer Strategien zwingend erforderlich macht.
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- Dirk Franke (Author), Gerhard Schwarzmann (Author), 2003, Wie Pflegefachkräfte auf einer Intensivstation Patienten mit COPD beim Weaning erleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16294