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Mehrheitskonsens

Konsequenzen einer Fehlperzeption

Title: Mehrheitskonsens

Seminar Paper , 2009 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marco Cinquemani (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Die Kausalkette von Wahlmodus und Regierungstyp wird in unregelmäßigen Abständen einer Thematisierung unterzogen. Befürworter des gegenwärtigen Wahlsystems und Anhänger eines Mehrheitswahlsystems tauschen Argumente und Standpunkte aus. Die Arbeit skizziert unter Zuhilfenahme von Strukturelementen aus Arend Lijphart's "Patterns of Democracy" Fehlschlüsse unter Einbezug eines Artikels des Magazins "Der Spiegel" auf. Mit Verweisen auf den erfolgten Systemwechsel in Neuseeland und Zufriedenheitserhebungen können Implikationen des Mehrheitswahlsystems bewertet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Antezendenzen des politischen Raums

2. Vaticinium ex eventu – Lijpharts Konzeptualisierung

2.1. Form follows function? Die Indikatoren der Untersuchung

2.1.1. Struktur des Parteiensystems

2.1.2. Konzentration der Exekutivmacht

2.1.3. Dominanz der Exekutive

2.1.4. (Dis)Proportionalität des Parteiensystems

2.1.5. Pluralismusgrad des Verbändesystems

2.1.6. Zentralisierungsgrad

2.1.7. Legislative Konzentration

2.1.8. Verfassungsrigidität und Parlamentssouveränität

2.1.9. Zentralbankautonomie

3. Function follows Form? – Fiktive Implementierung eines neuen Wahlrechts

3.1. Peak-perception – System(in)stabilität in Deutschland?

4. Ignorantia Legis – Auf Umwegen zum Ziel?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht kritisch die Hypothese einer strukturellen Systeminstabilität in der Bundesrepublik Deutschland und hinterfragt, ob eine Wahlrechtsreform theoretisch und praktisch Abhilfe schaffen kann. Dabei wird Arend Lijpharts Konzeptualisierung vergleichender Demokratien als methodische Grundlage genutzt, um die Auswirkungen von Wahlsystemen auf die politische Stabilität zu analysieren.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Lijpharts Indikatoren der Demokratie
  • Analyse der Beziehung zwischen Wahlsystemen und Parteienlandschaft
  • Untersuchung von Machtkonzentration in Exekutive und Legislative
  • Evaluation von Reformoptionen für das deutsche Wahlsystem
  • Übertragung marketingtheoretischer Zufriedenheitsmodelle auf politischen Output

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Struktur des Parteiensystems

Im Mittelpunkt steht hier die Anzahl der Parteien im jeweilig betrachteten Gremium. Da die einzelnen Parteien in unterschiedlicher Stärke vorliegen, muss eine entsprechende Gewichtung erfolgen: „the most important problem in determining the number of parties in a party system: wether to count small parties and, if not, how large a party has to be included in the count”18. Lijphart ‘löst’ dieses Problem durch die Anwendung eines Indizes, der die effektive Parteienzahl beschreibt19.

Da es sich – wie in Kapitel 2 beschrieben – um Zeitreihen handelt, kann hier keine Momentaufnahme genügen, um das jeweilige System zu beschreiben. Um diesem Problem zu begegnen, wird das arithmetische Mittel des höchsten und niedrigsten Messwertes gebildet. Einen Zusammenhang findet Lijphart zwischen dieser bezeichneten effektiven Parteienzahl in den 36 betrachteten Staaten und der Anzahl von bedeutenden gesellschaftlichen Themen, den ‚Issue Dimensions‘20. Lijphart unterscheidet sieben ‚Issue Dimensions‘:

1) Sozioökonomisch

2) Religiös

3) Kulturell-Ethnisch

4) Stadt-Land

5) Regimeunterstützung

6) Außenpolitik

7) Materialismus-Postmaterialismus

Diese werden von Lijphart für jeden der untersuchten Staaten subjektiv eingeschätzt und mit einem Punkt (hohe Bedeutung), 0,5 Punkten (mittlere Bedeutung) beziehungsweise keinem Punkt (keine Bedeutung) versehen. Nachdem für jeden Staat die spezifisch zugewiesenen Punkte addiert wurden, ergibt sich diesbezüglich eine Spannweite von 2 Punkten (Höchstpunktzahl: 3,5; Mindestpunktzahl: 0,5)21:

„A distinction has made between dimensions of high salience (H) and those of only medium intensity or those that varied between high and low intensity over time (M). The judgements on which the table is based are necessarily subjective, but most are straightforward and uncontroversial (…). [The number of issue dimensions] could, in principle, range from 7 to 0 dimensions, but actual range is only from 3.5 to 0.5.”

Eine Zusammenhangsuntersuchung der beiden vorhergehend beschriebenen Indikatoren ergibt eine – sehr robuste – Korrelation von 0,84. Dies bedeutet, je mehr ‚Issue Dimensions‘ in einer Gesellschaft vorzufinden sind, desto mehr Parteien sind im politischen System dieser Gesellschaft vorhanden und vice versa.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Antezendenzen des politischen Raums: Einführung in die Problematik einer vermeintlichen Krisensymptomatik im deutschen Parteiensystem und die damit verknüpfte Debatte um das Wahlsystem.

2. Vaticinium ex eventu – Lijpharts Konzeptualisierung: Darstellung der theoretischen Basis durch Lijpharts Analyse von 36 Demokratien und deren zehn Indikatoren zur Klassifizierung politischer Systeme.

2.1. Form follows function? Die Indikatoren der Untersuchung: Detaillierte Erläuterung der zwei zentralen Dimensionen (Exekutive-Parteien vs. Föderal-Unitarisch) zur Kategorisierung staatlicher Institutionen.

2.1.1. Struktur des Parteiensystems: Analyse der effektiven Parteienzahl im Verhältnis zu gesellschaftlichen ‚Issue Dimensions‘.

2.1.2. Konzentration der Exekutivmacht: Untersuchung der Machtteilung und der verschiedenen Regierungstypen in den betrachteten Staaten.

2.1.3. Dominanz der Exekutive: Messung der Regierungsstabilität durch die Überlebensdauer von Kabinetten.

2.1.4. (Dis)Proportionalität des Parteiensystems: Anwendung des Gallagher-Index zur Bestimmung der Disproportionalität zwischen Wählerstimmen und Sitzverteilung.

2.1.5. Pluralismusgrad des Verbändesystems: Erörterung der Korrelation zwischen korporatistischen Strukturen und Parteienanzahl.

2.1.6. Zentralisierungsgrad: Klassifizierung der vertikalen Machtteilung zwischen Zentralstaat und Teilgebieten.

2.1.7. Legislative Konzentration: Untersuchung der Machtfülle und Zusammensetzung von Zweikammersystemen.

2.1.8. Verfassungsrigidität und Parlamentssouveränität: Analyse der Anforderungen an Verfassungsänderungen und der Rolle der justiziellen Überprüfung.

2.1.9. Zentralbankautonomie: Bewertung der Unabhängigkeit von Zentralbanken als Indikator für Machtkonzentration.

3. Function follows Form? – Fiktive Implementierung eines neuen Wahlrechts: Fallstudie Neuseeland zur realen Auswirkung einer Umstellung vom Mehrheitswahlrecht auf personalisiertes Verhältniswahlrecht.

3.1. Peak-perception – System(in)stabilität in Deutschland?: Kritische Würdigung der Übertragbarkeit des Mehrheitswahlrechts auf die deutsche politische Architektur.

4. Ignorantia Legis – Auf Umwegen zum Ziel?: Synthese der Ergebnisse unter Einbeziehung marketingwissenschaftlicher Einstellungsmodelle zur Optimierung des politischen Outputs.

Schlüsselwörter

Politische Stabilität, Wahlsystem, Arend Lijphart, Parteiensystem, Exekutivdominanz, Gallagher-Index, Föderalismus, Mehrheitswahlrecht, Verhältniswahlrecht, Politische Institutionen, Systemtheorie, Machtkonzentration, Wahlrechtsreform, Politische Architektur, Demokratieforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, ob das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich die Ursache für eine wahrgenommene Systeminstabilität ist und ob eine Reform nach britischem oder neuseeländischem Vorbild zielführend wäre.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die vergleichende Regierungslehre, die Analyse institutioneller Merkmale demokratischer Staaten sowie die Evaluierung von Wahlsystemen und deren Auswirkungen auf die Parteienlandschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob eine strukturelle Systeminstabilität vorliegt und ob diese durch eine Änderung des Wahlsystems theoretisch und praktisch behoben werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine deskriptive und analytische Methode angewandt, die auf Lijpharts „Patterns of Democracy“ aufbaut und durch statistische Korrelationen sowie Fallbeispiele (Neuseeland) gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung von Lijpharts zehn Indikatoren zur Machtkonzentration und Parteienstruktur sowie deren Anwendung auf reale politische Gegebenheiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Politische Stabilität, Wahlsystem, Lijphart-Indikatoren, Machtkonzentration, Institutionenvergleich und Systemvertrauen.

Warum wird Neuseeland als Fallbeispiel angeführt?

Neuseeland dient als Beispiel, da dort 1996 eine reale Transformation vom Mehrheitswahlrecht zum personalisierten Verhältniswahlrecht stattfand, deren Auswirkungen empirisch messbar sind.

Inwiefern spielt Marketingforschung eine Rolle für das Fazit?

Der Autor überträgt das Konzept der Kundenzufriedenheit auf die Wählerzufriedenheit, um alternative „Steuerungshebel“ zu identifizieren, die über eine bloße Änderung des Wahlsystems hinausgehen.

Was ist das „Blockadepotenzial“ in der Argumentation des Autors?

Der Autor warnt davor, dass eine Reform des deutschen Wahlsystems angesichts der hohen vertikalen und horizontalen Machtteilung in Deutschland die bestehende Balance aushebeln und das politische Blockadepotenzial erhöhen könnte.

Wie bewertet der Autor Lijpharts methodischen Ansatz?

Der Autor nutzt Lijpharts Analysen als beschreibende Grundlage, weist jedoch kritisch darauf hin, dass die zugrunde liegenden Daten teilweise als nicht stets reliabel einzustufen sind.

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Details

Title
Mehrheitskonsens
Subtitle
Konsequenzen einer Fehlperzeption
College
University of Kaiserslautern  (Politikwissenschaft)
Course
Seminar Innenpolitik: Politische Ordnung in Deutschland – Akteure, Strukturen, Prozesse
Grade
1,0
Author
Marco Cinquemani (Author)
Publication Year
2009
Pages
31
Catalog Number
V162954
ISBN (eBook)
9783640768288
ISBN (Book)
9783640768721
Language
German
Tags
Wahlrecht Wahlsystem Lijphart Arend Democracy Mehrheitswahl Verhältniswahl Bundesrepublik Der Spiegel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marco Cinquemani (Author), 2009, Mehrheitskonsens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162954
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