Das Anliegen dieser Arbeit ist nicht die Darbietung des Lebens Karl des Großen in all seinen Einzelheiten und Facetten, sondern es soll zunächst im ersten Teil der Arbeit ein Versuch unternommen werden durch die Schilderung und Hervorhebung, der bedeutendsten Ereignisse, einen groben Überblick über den Menschen, den Krieger und vor allem den Herrscher Karl des Großen zu erzeugen.
Im zweiten Untersuchungsbereich, welcher das Hauptanliegen dieser Arbeit bildet, ist die anschließende Auseinandersetzung mit der Darstellung, der Verwendung oder vielleicht auch mit dem Missbrauch der historischen Größe Karls des Großen im Nationalsozialismus Gegenstand der Betrachtung. In diesem Abschnitt wird unter Zuhilfenahme von ausgewählter Literatur sowie einiger Rede- und Gesprächsnotizen ein Versuch unternommen, das zur Zeit des NS-Regimes bestandenen Bildes des Frankenkönigs zu rekonstruieren. Eine genaue Analyse und Auseinandersetzung mit den gewählten Publikationen erscheint für die Reproduktion des Karlsbildes als erforderlich, jedoch ermöglichen sie nur einen Einblick und bilden nicht „DAS“ Karlsbild des Dritten Reiches ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen
1.2 Forschungsstand
2. Leben und Persönlichkeit Karls des Großen - ein Überblick
3. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus
4. Karl der Große im Schatten des NS-Regimes – wie aus dem „Sachsenschlächter“ ein „germanischer Europäer“ wurde
4.1 Erste Phase: Karl der Großen zu Beginn der NS-Herrschaft
4.2 Zweite Phase: Der Aufstieg Karls zum germanischen Recken und Begründer Deutschlands
4.2.1 Karl der Große und Widukind – Todfeinde oder zwei germanische Helden?
4.2.2 „Karl der Große oder Charlemagne“ – Ein Rettungsversuch deutscher Mediävisten?
4.3 Dritte Phase: Das Karlsbild der Kriegsjahre
4.3.1 Karl der Große im Fokus Adolf Hitlers
4.3.2 Hitler ein Sympathisant Karls den Großen?
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die differenzierte Wahrnehmung und Instrumentalisierung der Herrschergestalt Karls des Großen während der Zeit des Nationalsozialismus, um aufzuzeigen, wie sich dessen Bild von einem negativ konnotierten „Sachsenschlächter“ hin zu einem germanischen Helden und Wegbereiter eines europäischen Einigungsprozesses wandelte.
- Wandel des Karlsbildes in drei ideologischen Phasen des NS-Regimes
- Die Rolle der Geschichtswissenschaft und Mediävistik im Nationalsozialismus
- Ideologische Instrumentalisierung Karls durch NS-Parteidogmatiker und Adolf Hitler
- Gegenüberstellung von Karl dem Großen und dem sächsischen Widerstandsfürsten Widukind
Auszug aus dem Buch
4.1 Erste Phase: Karl der Großen zu Beginn der NS-Herrschaft
Für die Untersuchung des Karlsbildes während der Anfangsphase des Nationalsozialismus werden vor allem Zitate des Parteidogmatikers Alfred Rosenbergs verwendet. Und wer sonst als Alfred Rosenberg, der nicht nur Gründer und Reichleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur war, sondern 1934 auch zum Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP von Adolf Hitler persönlich ernannt wurde, eignet sich am besten, um den kultur-historischen Zeitgeist des Dritten Reiches zu erfassen? Seine Ideen, sein Geist erfühlten unter der Aufsicht Hitlers sowohl die Lehrbücher als auch die öffentliche Meinung, so dass Rosenbergs Äußerungen und Publikationen als der „selbsternannte“ Chef-Rassenideologe sich für die Betrachtung des bestandenen und geschaffenen Karlsbildes hervorragend eignen.
In seinem Werk „Blut und Ehre – Ein Kampf für die deutsche Wiedergeburt“ betont Alfred Rosenberg, dass für ihn heute (1932) nicht Karl der Große, sondern sein sächsischer Widerstreiter Widukind „ein Symbol für den Bewohner und Schirmer angeborener Eigenart als Voraussetzung der angestrebten, in Blut und Bodenverwurzelten Volkskultur“ gewesen ist. Noch deutlicher drückt er sich bei seiner Rede „Deutsche Wiedergeburt“, einer Rede zur Eröffnung der deutschen Kulturtage in Köln (Oktober 1933) aus, als er erneut seinen Standpunkt bekräftigt, dass „nicht Karl der Große der eigentliche Begründer und Träger der deutschen Reichsidee“, sondern der sächsische „Rebell Widukind, der Gründer des Reiches“ war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas und des methodischen Ansatzes zur Analyse der Rezeption Karls des Großen im NS-Regime.
2. Leben und Persönlichkeit Karls des Großen - ein Überblick: Historischer Abriss über das Leben und Wirken Karls sowie seine Rolle als Herrscher im Frühmittelalter.
3. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus: Analyse der Rahmenbedingungen und der ideologischen Ausrichtung der mediävistischen Forschung während der NS-Diktatur.
4. Karl der Große im Schatten des NS-Regimes – wie aus dem „Sachsenschlächter“ ein „germanischer Europäer“ wurde: Detaillierte Untersuchung der drei Phasen des Wandels des Karlsbildes unter Einfluss von NS-Propaganda und ideologischen Debatten.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die den kontinuierlichen, oft widersprüchlichen Wandlungsprozess des Karlsbildes unter der nationalsozialistischen Herrschaft bestätigt.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Nationalsozialismus, Geschichtsbild, Widukind, NS-Propaganda, Sachsenkriege, Germanen, Hitler, Geschichtswissenschaft, Mittelalter, Instrumentalisierung, Ideologie, Reichsidee, Europäische Einigung, Drittes Reich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die historische Gestalt Karls des Großen während des Nationalsozialismus bewertet, instrumentalisiert und politisch missbraucht wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Wandel des Karlsbildes zwischen 1933 und 1945, die Rolle der nationalsozialistischen Geschichtsschreibung und die spezifische Bedeutung der Sachsenkriege in diesem ideologischen Kontext.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es, den Wandlungsprozess der historischen Deutung Karls des Großen während der zwölfjährigen NS-Diktatur aufzuzeigen und zu klären, ob dieses Bild ideologisch stringent blieb oder sich den politischen Notwendigkeiten anpasste.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor führt eine literatur- und quellenbasierte Analyse durch, indem er Reden, Publikationen von NS-Parteidogmatikern und zeitgenössische geschichtswissenschaftliche Werke vergleichend betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Untersuchung in drei chronologische Phasen, die den Wandel vom negativ besetzten „Sachsenschlächter“ hin zum idealisierten germanischen Begründer des Reiches und späteren „Europäer“ dokumentieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Instrumentalisierung, NS-Geschichtsideologie, Rezeption von Geschichte und die Transformation historischer Mythen definiert.
Welche Rolle spielte die Figur des Widukind im Kontext der Untersuchung?
Widukind wurde von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg zunächst als völkische Identifikationsfigur und „Rebell“ gegen Karl den Großen erhoben, um den vermeintlich undeutschen Charakter des fränkischen Kaisers zu betonen.
Wie veränderte sich die Haltung Adolf Hitlers gegenüber Karl dem Großen im Laufe der Jahre?
Hitler entwickelte sich von einer anfänglichen Skepsis gegenüber dem „fränkischen Eindringling“ hin zu einem bewussten Fürsprecher, der Karl als großen Herrscher und ersten Einiger Europas für seine propagandistischen Ziele und die Gründung der SS-Division „Charlemagne“ instrumentalisierte.
- Citation du texte
- Andrej Trifonov (Auteur), 2009, Das Karlsbild im Wandel der Zeit , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163023