Individualisierungsphänomene in Organisationsgesellschaften

Eine Detailbetrachtung von Online-Communities großer deutscher Firmen


Seminararbeit, 2010

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Abstrakt
1.2. Problemstellung
1.3. Aufbau der Hausarbeit

2. Hintergrund
2.1. Organisationen und gesellschaftlicher Kontext – ein kurzer historischer Exkurs
2.2. Organisationale Grunddimensionen: Ordnung, Gebilde, Vergemeinschaftung

3. Virtuelle Räume und Online Communities
3.1. Entwicklung von Online Communities im organisationalen Kontext
3.2. Betrachtung der organisationalen Grunddimensionen in Bezug auf virtuelle Umwelten

4. Kritischer Diskurs
4.1. Anwendbarkeit von organisationalen Schematas auf Online Communities großer deutscher Firmen
4.2. Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weitere virtuelle Bereiche

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Stellenwert von Organisationen in der modernen Gesellschaft hat sich in den letzten beiden Jahrhunderten signifikanten Wandlungsprozessen gegenüber gesehen. Einhergehend mit der funktionalen Differenzierung und hochgradigen Spezialisierung gesellschaftlicher Teilbereiche, gewinnen Organisationen in diesem Kontext an Stellenwert. Sie bilden teilweise in sich geschlossene Einheiten, mit eigenen Regeln und gewinnen unter anderem durch hohe Kapitalakkumulationen einen wesentlichen Einfluss auf die gesamte Gesellschaft.

Mit der Entwicklung des Internets baut sich ein komplett neues Spannungsfeld auf, in dem Organisationen in einem virtuellen Kontext agieren.

1.1. Abstrakt

Die Arbeit thematisiert die wesentlichen Charakteristika von Organisationen in modernen Gesellschaften. Diesbezüglich wird zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss über die Entwicklung und Stellung von Organisationen in der Gesellschaft gegeben. Damit einher gehend werden die drei entscheidenden Dimensionen von Organisationen, Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung, vorgestellt.

Diese Betrachtung wird unter Einbeziehung der aktuellen Entwicklung der digitalen Medien (insbesondere des Internets) exemplarisch anhand von großen deutschen Firmen in Online Communities betrachtet. Die Zielsetzung der kritischen Analyse ist die Evaluation möglicher Unterschiede zur realen Welt. Zur Quantifizierung solcher Differenzen referenziert die Betrachtung kontextuell auf den drei vorgestellten Dimensionen. Nach der Initialbetrachtung wird eine Übertragbarkeit der Resultate auf weitere Bereiche des Internets thematisiert.

Die betrachteten Beispiele zeigen deutliche Differenzen in der Übertragbarkeit der drei Organisationsdimensionen. Eine starke kontextuelle Abhängigkeit in Bezug auf das Geschäftsmodell, die Nutzergruppe und die soziale Interaktion innerhalb der Online Communities ist beobachtbar. Allgemein zeigen die drei Dimensionen unterschiedlich starke Aussagekraft für den virtuellen Raum. Bedingt durch Möglichkeiten der Anonymisierung und rechtlicher Grauzonen zeigt die klassische Betrachtung von Organisationen entlang dieser Dimensionen Limitationen im Erklärungswert. Die Betrachtung bezüglich weiterer Kommunikationsmedien im Internet unterstreicht diese Differenzen.

1.2. Problemstellung

Wesentliche Veränderungen der modernen Gesellschaft haben den Stellenwert von Organisationen im gesellschaftlichen Gesamtkontext über die letzten Jahre immer wieder verändert[1]. Angesichts aktueller Trends muss diese Betrachtung um eine wesentliche Dimension erweitert werden, nämlich die Auswirkung von digitalen Räumen (vgl. Pichler, 2009). Gründe für diese Fokuserweiterung stellen zum einen die immer schwerwiegenderen Einflüsse von Organisation im Allgemeinen dar, z.B. im Zuge der letzten Weltwirtschaftskrise (vgl. Köhler, 2009, S.123ff.). Zum anderen potenziert sich dieser Einfluss durch den Wandel zur Informationsgesellschaft mit digitalen Räumen.

Dies wurde das erste Mal anhand der Internetblase 2002 und den weitreichenden Folgen daraus (auch in der Wahrnehmung und gesellschaftlichen Verantwortung) von großen Organisationen deutlich. Ebenso in der Weltwirtschaftskrise 2009, angestoßen durch das Gewerbe der Banken, spielten digitale Umgebungen eine wesentliche Rolle[2].

Abseits von diesen Krisensituationen muss auch die Wechselwirkung mit dem Internet betrachtet werden. Denn durch verschiedenste Effekte, wie z.B. die Demokratisierung von Wissen, Reduktion von Barrieren, Automatisierungsvorgängen und komplett neuen Informationsumgebungen haben die digitalen Räume[3] auf fast jede Organisation einen Einfluss (vgl. Schreyögg, 2003, S.199ff.). An vielen Stellen können sich Organisationen den Schnittstellen mit dem Internet nicht entziehen. Deshalb ist eine konsequente Betrachtung der Einflüsse dieser virtuellen Umgebungen auf das Interaktionsverhalten, mit und innerhalb von Organisationen, ein wichtiger Aspekt der soziologischen Organisationsbetrachtung. Dieses interdisziplinäre Forschungsfeld ist gleichzeitig ein Repräsentant aktueller Problemfelder der Forschung. Enthält es doch diverse Einflüsse aus verschiedenen Disziplinen. Sowohl betriebswirtschaftliche, informationstechnische als auch soziologische Faktoren spielen gleichermaßen eine wichtige Rolle - nur im gesamtheitlichen Kontext ist das Problem vollständig erfassbar (Wasser, 1986, S. 94ff.).

1.3. Aufbau der Hausarbeit

Der verbleibende Teil der Arbeit gliedert sich wie folgt:

In Kapitel 2 werden zunächst die wichtigsten Hintergrundinformationen in Bezug auf das Themenfeld der Organisationsbetrachtung zusammengefasst. Diese enthalten zum einen historische Informationen zur allgemeinen Entwicklung von Organisationen, zum anderen eine strukturelle Gliederung von Organisationseigenschaften entlang dreier, bezeichneter Dimensionen.

Danach geht Kapitel 3 auf den Kontext virtueller Räume, im Speziellen am Beispiel von Online Communities, ein. Diese werden vorgestellt und danach inhaltlich gegenüber den drei Strukturdimensionen abgeglichen.

Im kritischen Diskurs der Arbeit in Kapitel 4 wird zunächst exemplarisch auf Online Communities von großen deutschen Firmen eingegangen. Dabei wird thematisch die Leitfrage evaluiert, inwiefern die Klassifizierungsdimensionen in diesen Umfeldern anwendbar sind. Darauf folgend wird der Fokus auf eine Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf weitere Anwendungsszenarien erweitert.

Letztlich erfolgt in Kapitel 5 eine Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und ein Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.

2. Hintergrund

Dieses Kapitel beinhaltet die notwendigen Hintergrundinformationen zum Thema Organisation. Dabei wird zuerst auf die geschichtliche Entwicklung und Relevanz von Organisationen im gesellschaftlichen Kontext und danach auf ein mögliches Klassifizierungsschema für Organisationen im Allgemeinen eingegangen.

2.1. Organisationen und gesellschaftlicher Kontext – ein kurzer historischer Exkurs

Die Organisation als häufig verwendete Einheit geht eng mit der Entwicklung des Kapitalismus einher. In früherer Geschichte existieren bereits nicht-ökonomische Organisationen, wie z.B. die Kirche. Doch erst durch den Kapitalismus fand die Organisationsform eine deutliche Ausbreitung, nicht zuletzt durch die Vorteile der drei Strukturdimensionen Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung. Diese Vorteile werden im Detail im zweiten Teil dieses Kapitels behandelt.

Mit dem 16.Jahrhundert änderte sich die gesellschaftliche Betrachtung. Alte Weltbilder wichen neuen Einflüssen[4] und internationaler Handel machte das Warenumfeld zunehmend komplexer. Erste Entwicklungen zur funktional differenzierten Gesellschaft, weg von der vorherrschenden Ständegesellschaft[5], führten unter anderem auch zu neuen Gemeinschaftsformen.

Aus ökonomischer Betrachtung fallen besonders in dieser Zeit zum ersten Mal Aspekte wie Disziplin, Rationalisierung und Produktivität von Arbeit in die Betrachtung (vgl. Türk, 2010, S.30ff.). Diese Entwicklung verstärkt sich in den Folgejahren, insbesondere im Zeitalter der Industrialisierung des 18. und frühen 19. Jhd. weiter. Zum ersten Mal kommen auch in wissenschaftlichem Kontext Gedanken der effizienten Arbeitsteilung auf, wie z.B. im Taylorismus (vgl. Winter, 2007, S.35ff.).

Ein weiterer wesentlicher geschichtlicher Entwicklungsschritt kristallisiert sich im 19. Jhd. heraus, indem die bestehenden Organisationen an Formenvielfalt gewinnen. Dies geht einher mit drei wesentlichen Merkmalen:

- Der Entstehung von organisierter Willensbildung und Interessenvertretung:

Durch diesen Wandel war es erstmals möglich die Interessen von Organisationen separat von denen natürlicher Personen zu trennen. Durch die Vertretung der Organisationsmeinung durch natürliche Personen wuchs der Nachdruck mit dem Forderungen und folglich Einfluss ausgeübt werden konnten[6].

- Der Etablierung des bürokratischen Staatsapparates:

Entlang der kapitalistischen Vorbilder formte der Staat den Verwaltungsapparat nach der Ablösung vom monarchischen System in Europa. Bei dieser Form der Organisation war allerdings keine derart konsequente Ausrichtung auf ökonomischen Erfolg und infolgedessen weniger effiziente Prozesse definiert (Böttcher et al., 1982, S.206ff.).

- Der Durchsetzung und Ermächtigung der industriell-kapitalistischen Großunternehmen:

Durch Konsolidierungen auf verschiedenen Märkten und damit einhergehender Akkumulierung von Kapital entstanden große Konzerne. Diese organisatorischen Großunternehmer gewannen besonders in der Nachkriegszeit größeren Einfluss[7].

[...]


[1] Veränderungen beinhalten hauptsächlich die Stellung von Organisationen im gesellschaftlichen Kontext. Besonders durch rechtliche Rahmenbedingungen, wie die Einführung der juristischen Person, können Unternehmensinteressen gebündelt zusammengefasst und rechtlich vertreten werden.

[2] http://www.ocg.at/publikationen/oj/pdfs/oj0901.pdf

[3] Digitale Räume sind nenngleich mit virtuellen Räumen/Umgebungen zu betrachten, die sich definieren als eine Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ggf. ihrer künstlich modellierten physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit Compute-generierten, interaktiven virtuellen Welt. Die Darstellung kann von reiner textueller Umgebung bis zuCompute-ranimierter Umgebung reichen.

[4] Wie z.B. Kolonialisierung, ein deutlich breiteres Warenspektrum und eine multi-kulturellere Ausrichtung in den großen Kolonien Amerika und Australien.

[5] Beispiele für neue Gesellschaftsformen sind in Amerika durch den Bürgerkrieg und der Abkoppelung von einer monarchischen Herrschaftsform zu erkennen.

[6] Dieser Organisationswandel wird in der Literatur durch die Begriffe „Organisierter Kapitalismus“ bzw. „Korporatismus“ beschrieben (vgl. hierzu Türk, 2010, S.33f.)

[7] Um der weiteren Konsolidierung Einhalt zu gebieten entstanden so u.a. staatliche Organisationen, wie die Kartellbehörde, Netzagentur und Finanzdienstleistungsaufsicht, um Monopolismus (und folglich Marktineffizienz) zu verhindern. Andererseits suchen Großunternehmen zunehmend die Nähe zu politischen Instanzen, wie z.B. durch Lobbyismus (vgl. Speth, 2006, S.231ff.).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Individualisierungsphänomene in Organisationsgesellschaften
Untertitel
Eine Detailbetrachtung von Online-Communities großer deutscher Firmen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V163754
ISBN (eBook)
9783640790975
ISBN (Buch)
9783640790906
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele weitere Texte, alle mit 1,0-2,0er Noten auf www.tobiasfritsch.net vorhanden.
Schlagworte
Milieus, Lageparameter, Individualisierung, Konzerne, Systemtheorie, Organisationsgesellschaft, Online Communities, Internet, Digitalisierung
Arbeit zitieren
Dr. Tobias Fritsch (Autor), 2010, Individualisierungsphänomene in Organisationsgesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163754

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