Über Pädagogik als Bildungslehre von Theodor Ballauff


Essay, 2010

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Pädagogik als Bildungslehre – Theodor Ballauff

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Ansätzen und Theorien innerhalb der Erziehungswissenschaften bzw. der Pädagogik. Die drei Hauptbausteine sind die: Hermeneutisch – Geisteswissenschaftliche Pädagogik; die Kritische Erziehungswissenschaft und die Kritisch – Rationale (Empirische) Erziehungswissenschaft. Zwischen diesen unterschiedlichen Theorien kam es in den 60er Jahren zum Positivismus Streit, bei der Frage ob Erziehungswissenschaften praktisch oder theoretisch sein sollten. Zwischen diesen klassischen Positionen steht Theodor Ballauff mit seiner Bildungslehre. Er besitzt zwar auch Elemente der Klassiker, ohne jedoch selber ein Klassiker zu sein. Dabei schafft er einen völlig neuen Ansatz für die Erziehungswissenschaften.

In seinem Buch Pädagogik als Bildungslehre setzt sich Ballauff zu Anfang erst mit den bisher bekannten Bildungslehren auseinander und kritisiert diese. So setzt er sich unter anderem auch kritisch mit der anthropologischen Begründung der Erziehung des Kindes auseinander, welche sich in die Defizientheorie und die Abundanztheorie aufspaltet. Die Defizientheorie sieht den Mensch als Mängelwesen an. Die Begründung dafür findet sich im zurückgehen von Instinkten und Spezialisierung, was zu einem nicht angepasst sein an die Umwelt führt. Der Mensch ist ungebunden und lose in der Welt. Er muss sich im laufe seiner Entwicklung erst selber finden/ definieren. Um das zu schaffen versucht er eine gesicherte Instanz zu schaffen welche im laufe der menschlichen Evolution immer wieder mit Göttern oder im Christentum mit einem allwissenden Gott besetzt wurde. Daraus entstehen dann Regeln und Normen welche als Selbstschutzmaßnahmen fungieren. Diese Defizite fordern einen Ausgleich welcher sich in der Erziehung des Menschen findet, welche den Weg vorgibt; wer man ist und was man sein kann.

Die Abundanztheorie hingegen geht davon aus, dass der Mensch überreich an Antrieben ist. Dabei überwiegen die erlernten Verhaltensmuster die angeborenen. Der Mensch ist vielmehr sogar freier als ein Tier, da er getriebener ist. Dabei findet die Entstehung noch vor der Fähigkeit der Reflexion statt. Allerdings sind dem Menschen auch Grenzen auferlegt, wie die räumliche 3D Wahrnehmung, Mimik, Gestik, Kindchenschema etc. Die Kernkritik Ballauffs an diesen Theorien ist, dass es unmöglich ist die Menschlichkeit aus dem Vergleich mit Tieren herzuleiten, da entscheidende Merkmale biologisch nicht erklärbar sind. Vielmehr hört der biologische Weg auf, bevor der Mensch überhaupt erreicht ist. Somit ist es unmöglich den Mensch aus Anlagen zu erklären. So spricht die Anthropologie auch von „dem Menschen“ und will somit eine Wesendefinition erreichen; als Vergleich Marx spricht von „den Menschen bzw. uns Menschen“. Für Ballauff nimmt die Anthropologie die Position einer Ersatztheologie ein. Für ihn ist der Mensch nur deshalb bemerkenswert, weil er denken kann und zudem über dieses denken auch reflektieren kann. Allerdings kann das Denken nicht hinter sich selber kommen im Sinne einer Illumination.

Auch mit der philosophischen Sicht von Kant geht Ballauff in die Kritik. Kant lebte von 1724 – 1804 und gilt als einer der großen Philosophen der Aufklärung. Dabei versucht Kant mit seiner Philosophie die Menschen aus ihrer selbst gewählten Unmündigkeit zu lösen. Dabei sieht Kant die Aufgabe von Erziehung und Bildung darin, die menschliche Anlage zum Guten auszugestalten, sodass das moralische Gesetz zu dessen oberstem Handlungsgrundsatz wird. Diese Anlage zum Guten teilt Kant in drei aufeinander aufbauende Klassen ein, nämlich in 1. die Anlage für die Tierheit; 2. die Anlage für die Menschlichkeit und 3. die Anlage zur Persönlichkeit. Diesen Anlagen entsprechen Formen der Erziehung bzw. der Bildung, nämlich I. die Disziplinierung, II. die Kultivierung und Zivilisierung und III. die moralische Bildung, im Sinne Kants kategorischem Imperativ. Die Formen der Erziehung sind letztlich Anpassungsleistungen des Menschen an seine gesellschaftliche Umwelt und erhalten ihre Legitimität dadurch, dass sie als Vorbereitung für die moralische Bildung dienen. In dieser folgt der Mensch, aus vernünftiger Einsicht, dem Sittengesetz/ kategorischem Imperativ („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemein gültiges Gesetz werde.“). Dabei will der Mensch das Gute um des Guten selbst willens. Hierzu kann er nicht erzogen werden, sondern muss sich selbst in Freiheit zur moralischen Bildung entschließen. Das bedeutet, das Handeln nach dem kategorischen Imperativ muss von jedem Menschen in Freiheit und durch Autonomie vollzogen werden.

Allerdings stellt sich bereits die Frage was das Gute ist. Im Sinne von Ballauff könnte es sich um die erfüllte Menschlichkeit handeln, welche wir allerdings noch nicht gefunden haben, sondern nach welcher wir streben.

Somit geht Ballauff in seinem Buch mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Theorien und Bildungsansätzen in die Kritik. Dabei versucht er eine neue Theorie, sein „antithetisches Bildungskonzept“ zu bilden und zu rechtfertigen. Dabei wendet sich Ballauffs „Antithetisches Bildungskonzept“ gegen eine jedwede Lehre eines letzten Ziels bzw. letzter Ziele. Pädagogischer Humanismus wie auch pädagogischer Realismus unterscheiden sich nach Ballauff nicht darin, Dinge; Lebewesen; Mitmenschen und deren Verhältnisse zum Nutzbringer ihres jeweiligen Zentrums zu instrumentalisieren. Nach Zurückweisung anthropologischer, soziologischer und ethischer Begründungen von Erziehungstheorie gründet Ballauff seine Theorie auf der Selbstlosigkeit. Dabei lehnt er eine Bildung als Selbstsuche genauso ab wie z.B. die menschliche Fundamentalideologie. Bei der Bildung als Selbstsuche geht es darum, dass der Mensch nicht als Mitglied der Gesellschaft geboren wird. Es muss folglich zu einer Sozialisation des Zöglings in irgendeiner Form der Erziehung kommen. Dadurch gelangt der Mensch zu „Bildung“ und kann nun von außen einen Blick auf die Sozialisation werfen und auf diese einwirken. Dieses einwirken geschieht dadurch, dass der Mensch in die Welt geht um Wissen zu suchen. Dieses Wissen wird umgewandelt und verarbeitet bevor es schließlich zur Anwendung kommt. Dabei ist die Reflexion Teil der Bildung vgl. hierzu das Höhlengleichnis nach Platon. Die menschliche Fundamentalideologie beschäftigt sich mit den oben bereits erwähnten anthropologischen Ansätzen also einer Abgrenzung menschlich/ nichtmenschlich. Dabei ist alles was nicht Mensch ist, Mittel zum Zweck. Die ethische Selbstrechtfertigungslehre beschäftigt sich mit der eigenen Persönlichkeit welche im Fokus des Interesses liegt. Rücksicht wird lediglich auf Mitmenschen genommen wobei es zu einer mangelnden Verantwortung der Umwelt gegenüber kommt. Als Beispiel für die Selbstrechtfertigungslehre führt Ballauff in seinem Buch Kant an. Des Weiteren kritisiert Ballauff auch noch die Willentlichkeit. Er behauptet, dass der Wille Wahrheit zum Willen der Nützlichkeit verkommt. Dabei ging der Mensch ursprünglich in die Welt hinaus um die Wahrheit zu finden, jetzt sucht er jedoch nur noch die Nützlichkeit. Dabei liegt für Ballauff die Wahrheit im Denken selbst. Die selbstlose Verantwortung auf die Wahrheit wird verfehlt und es kommt dazu, dass Pädagogik zu einer Berufswissenschaft der Lehrer verkommt.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Über Pädagogik als Bildungslehre von Theodor Ballauff
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Seminar Pädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V163956
ISBN (eBook)
9783640785865
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Bildungslehre, Theodor, Ballauff
Arbeit zitieren
Sascha Pfeiffer (Autor), 2010, Über Pädagogik als Bildungslehre von Theodor Ballauff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163956

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