Caesars Darstellung seines Gegenspielers Pompeius im Bürgerkrieg


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Entstehung des Bürgerkriegs

3 Caesars Darstellung des Pompeius
3.1 Pompeius als Auslöser für den Bürgerkrieg und sein Fortdauern
3.2 Pompeius als Stratege
3.3 Pompeius als Heerführer
3.4 Pompeius als Mensch

4 Schlussreflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Es existieren nur wenige bedeutende Persönlichkeiten der Antike, deren Ruhm bis in die heutige Zeit nicht verblasst ist. Die geschichtlichen Größen Pompeius und Caesar können hierzu gezählt werden und sollen Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit sein. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellungsweise des Pompeius im Bellum Civile (BC) von Caesar. Exemplarisch wird hauptsächlich nur das dritte Buch herangezogen, um Caesars Sichtweise der Ereignisse im Bezug auf Pompeius zu prüfen.

Interessant ist diese Thematik, da das Bild des Pompeius durch sein finales Scheitern im Bürgerkrieg gegen Caesar maßgeblich geprägt wurde. Sein Rivale Caesar stellt im Werk commentariorum libri tres de bello civili seine Darstellung des Kriegsverlaufs dar. Pompeius, der bis zum Bürgerkrieg erfolgreichster römischer Heerführer war, unterliegt hier Caesar, der zudem noch aus einer schlechteren Ausgangsbasis den Krieg begonnen hatte.

Es muss beachtet werden, dass Caesars Ausführungen über seinen Kontrahenten, seinen ehemaligen Weggefährten, nicht immer historisch stimmig sind, da er das BC als Element der Propaganda nutzte und es sehr zeitnah von ihm verfasst wurde, sodass durch die hiermit verbundene Emotionalität eine objektive Zeichnung des Gegners nicht möglich war. Insbesondere seine Pompeius-Darstellung weist eine mangelnde Distanz zu den Ereignissen auf (nach Karl Barwick). Die ersten beiden Bücher stellen das erste Kriegsjahr 49 v.Chr. dar, das dritte Buch fasst unvollständig die Ereignisse des Jahres 48 v.Chr. zusammen.[1]

Der Popular Caesar verfasste seine Berichterstattung über den Bürgerkrieg, der in den Jahren von 49-45 v.Chr. stattfand, aus zwei Gründen: Zum einen will er seine Vorgehensweise, die aus juristischer Sicht betrachtet Hochverrat wäre, sowohl vor Anhängern als auch Kritikern rechtfertigen, zum anderen versucht er seinen Ruhm für die Nachwelt zu zeichnen, indem er das Verhalten seines Gegners diskreditiert und seine eigenen Taten in das rechte Licht rückt.[2] Unter Kenntnisnahme dieser Voraussetzungen soll seine Darstellungsweise des Pompeius untersucht werden.

2 Entstehung des Bürgerkriegs

Im Jahr 60 v.Chr. schlossen sich Pompeius, Crassus und Caesar im so genannten ersten Triumvirat zusammen, nachdem Sulla im Jahr 79 v.Chr. seine Diktatur niedergelegt hatte. Pompeius und Crassus waren nun die führenden Männer in der römischen Politik. Pompeius verstärkte das Bündnis durch die Heirat von Caesars Tochter Julia. Durch dieses Triumvirat wurde Caesar das Konsulat im Jahr 59 v.Chr. ermöglicht. Im Anschluss wurde Caesar Prokonsul in Illyrien und Gallien. Er eroberte in dieser Zeit alle nicht-römischen Teile Galliens und verfügte nun nicht nur über die Befehlsgewalt, sondern auch über riesige Armeen und ungeheuere Reichtümer. Im Jahr 56 v.Chr. verlängerte man das Konsulat abermals und im Jahr 55 v.Chr wurden Crassus und Pompeius zu Konsuln ernannt. Auch Caesars Statthalterschaft in Gallien wurde um weitere fünf Jahre verlängert. Als Crassus im Jahr 53 v.Chr. im Krieg gegen die Parther gefallen war, näherte sich Pompeius aus Angst vor der Macht Caesars wieder dem Senat an und wurde 52 v.Chr. zum consul sine collega gewählt. Da zuvor seine Frau Julia gestorben war, die ein familiäres Bindeglied darstellte, brach das Triumvirat auseinander. Die Situation spitzte sich zu, als der Senat mit Billigung von Pompeius Caesar aufforderte, sein imperium niederzulegen und als Privatmann nach Rom zurückzukehren oder ultimativ zum Staatsfeind erklärt zu werden. Für Caesar bedeutete dies, dass er, ungeschützt vor strafrechtlichen Verfolgungen, wegen der Rechtsbrüche während seines ersten Konsulats, nach Rom zurückkehren musste. Wenn sich Caesar diesem Ultimatum nicht fügen wollte, musste er den ungleichen Kampf gegen Pompeius und die mit ihm verbündete Oligarchie, der „ein durchaus unsicheres Wagnis“[3] war, aufnehmen. Ergebnis langer Verhandlungen zwischen Caesar und dem Senat war letztendlich der Senatsbeschluss, dass Caesars Antrag abgelehnt wurde. Sein Antrag beinhaltete die Forderung, dass entweder sein Amt in seinen Provinzen bis zur erfolgten Konsulatswahl gewahrt bleibt oder sämtliche Kommandoinhaber (gemeint ist an dieser Stelle Pompeius) ihren Heeresbefehl niederlegen. Der Senat, die ordnungsgemäße Regierung Roms, erteilte seinen Organen am 7. Januar 49 v.Chr. das senatus consultum ultimum, den Staatsnotstand gegen den widerspenstigen Statthalter und der Bürgerkrieg wurde eröffnet. Pompeius wird mit der Verteidigung der Republik gegen Caesar beauftragt.[4]

3 Caesars Darstellung des Pompeius

Zur Darstellung des Pompeius verwendet Caesar immer wieder die Gegenüberstellung seiner Soldaten mit denen des Gegners bzw. stellt seine Vorgehensweise der des Pompeius gegenüber. Er charakterisiert Pompeius eher selten direkt, indem er sich abfällig über ihn oder seine Taktik äußert. Vielmehr zeichnet er durch diese ständigen Vergleiche ein negatives Bild von ihm, welches sich der Leser selber erschließen muss und ihm leicht gelingt. Caesar spricht von sich selbst in der dritten Person, sodass die Gegenüberstellungen der beiden Feldherrn objektiv und distanziert wirken.

3.1 Pompeius als Auslöser für den Bürgerkrieg und sein Fortdauern

Unter dem Gliederungspunkt 2 wurde bereits erwähnt, dass Caesar vor Beginn des Krieges nach (für ihn günstigen) Möglichkeiten suchte, diesem Bürgerkrieg aus dem Weg zu gehen, doch sein Antrag wurde abgelehnt und er musste den Krieg führen, wenn er seine dignitas nicht verlieren wollte, die für einen römischen Feldherrn eine herausragende Rolle spielte. „Zwei Jahre lang hatte er darum gerungen, ohne Waffengewalt zu erlangen, was er für sein gutes Recht hielt.“[5] Zur Vorbereitung für den Krieg gegen die Parther hatte der Senat beschlossen, dass Pompeius und Caesar je eine Legion stellen sollten. Pompeius jedoch forderte eine einst von ihm für den gallischen Krieg zur Verfügung gestellte Legion von Caesar zurück. Caesar musste somit zwei Legionen stellen und Pompeius keine, die letztendlich nicht einmal gegen die Parther geführt wurden, sondern unter dem Oberbefehl von Pompeius in Italien stationiert wurden. Dies war eine offensichtliche Provokation in Caesars Augen, wie auch ein vermuteter feindlicher Akt gegen ihn (vgl. I,2) und unterstreicht den oben zuvor genannten Bruch in ihrer amicitia. Indem er Mobilisierungsversuche seiner eigenen Truppen gegen sich selbst Pompeius vorwirft, bezeichnet er ihn indirekt als „falsch“, „treulos“ und „hinterhältig“. Er hat ihre freundschaftliche Bindung zum einen missachtet, indem er die Truppe von ihm zurückforderte und zum anderen, indem er das ultimatum des Senats (siehe Gliederungspunkt 2) gebilligt bzw. sogar initiiert hat.

Im gesamten BC unterbreitet Caesar Pompeius immer wieder Friedensvorschläge, die er ausschlägt. Im Folgenden soll nun konkret auf das dritte Buch des BC eingegangen werden, obgleich sich in den ersten beiden Büchern auch viele Indizien für Pompeius Schuld finden lassen.

In BC III,10 versucht Caesar ihm durch seinen Praefekt Lucius Vibullius Rufus Vorschläge für ein mögliches Friedensabkommen zukommen zu lassen. Er hielt ihn für besonders geeignet, da er ihn zweimal freigelassen hatte (einer von unzähligen Verweisen im BC auf die clementia Caesaris), er somit in seiner Schuld stand und zudem bei Pompeius Einfluss besaß. In dem Angebot heißt es: debere utrumque pertinaciae finem facere et ab armis discedere neque amplius fortunam periclitari (III,10,3f.), da beide Seiten genug Verluste erlitten haben und Rücksicht auf ihre Person und den Staat nehmen sollten. Ein Friedensschluss zu diesem Zeitpunkt wäre besonders geeignet, da beide Parteien noch gleich stark und voller Selbstvertrauen seien. Der Senat und das Volk in Rom müssten über die Friedensbedingungen entscheiden, da sie selbst zuvor auch zu keiner Einigung gelangt waren. Ergänzend und großmütig fügt Caesar diesem Vorschlag hinzu: Haec quo facilius Pompeio probari possent, omnis suas terrestris urbiumque copias dimissurum (III,10,11). Pompeius erhält erst nach geraumer Zeit diese Mitteilung, da L. Vibullius Rufus die Überbringung dieser Nachricht als nicht so wichtig erachtet hatte. Pompeius reagiert auf diese Berichterstattung hochmütig und stolz und ist zu keiner Einigung bereit:

‚Quid mihi,’ inquit ‚aut vita aut civitate opus est, quam beneficio Caesaris

habere videbor? cuius rei opinio tolli non poterit, cum in Italiam ex qua

profectus sum reductus existimabor.’ (III,18,4)

Seine Reaktion bestärkt Caesars Aussage, dass weder er selbst den Bürgerkrieg ausgelöst hat, noch die Schuld an seinem Fortdauern trägt. Pompeius ist zu stolz den Krieg zu beenden, da er Angst hat, seinen Ruhm hierdurch zu verlieren und zeigt sich unnachgiebig und uneinsichtig. Er verliert das Wohl des Staates aus den Augen und versucht aus egoistischen Beweggründen um seine Person den Krieg fortzusetzen, obwohl Caesar ihm in zweifacher Weise entgegengekommen ist. Einerseits hat er das Angebot unterbreitet und andererseits hat er seine Bereitschaft zum Frieden durch die oben bereits genannte Aussage, dass er bereit sei, als erster seine Landtruppen und die Besatzung der Städte zu entlassen, bekräftigt. Nochmals bestätigt wird Caesars Streben nach Frieden in dem Satz: conatus tamen nihilo minus est aliis rationibus per colloquia de pace agere (III,18,5). Er kann es mit seinem Stolz vereinbaren, seine Bemühungen in Zukunft weiterhin aufrechtzuerhalten, obwohl Pompeius völlig uneinsichtig war und dessen Selbstüberhebung eine Einigung nicht zulässt. Er geht in seinem Eifer und seiner Herrschsucht sogar so weit, die Möglichkeit eines Friedensschlusses vorzutäuschen, um dann aus dem Hinterhalt anzugreifen (vgl. III,19) und seine Verbissenheit im Kampf wird verdeutlicht, als der von Caesar zu Pompeius übergelaufene Labienus rief: ‚Desinite ergo de compositione loqui; nam nobis nisi Caesaris capite relato pax esse nulla potest’ (III,19,8). Caesar hingegen kann über seinen Stolz hinwegsehen, wenn er sich das Wohlergehen des Staates und das der Truppen vor Augen hält.

Vor der Entscheidungsschlacht beteuert Caesar in BC III,90 noch ein letztes Mal ausführlich, dass er den Krieg nicht gewollt habe, sich für einen Friedensschluss mehrfach voll eingesetzt hat, niemals das Leben seiner Soldaten leichtfertig aufs Spiel gesetzt hat und niemals den Staat um eines der beiden Heere bringen wollte. Zur Untermauerung dieser letzten Versicherung führt er seine Soldaten als Zeugen an: in primis commemoravit testibus se militibus uti posse, quanto studio pacem petisset (III,90,1). Er zählt ein letztes Mal seine fehlgeschlagenen Friedensgesuche auf über Vatinius, über A. Clodius mit Scipio und wie er sich vor Oricum bei Libo dafür einsetzte Gesandte zu Pompeius zu schicken. Caesar hat alles Mögliche getan, um dieser Entscheidungsschlacht aus dem Wege zu gehen und vorher Frieden zu schließen, doch dies war nicht erreichbar. Nun drängen in BC III,90,3 seine Leute voller Kampfeseifer zum Angriff und er hat nun keine Ausweichmöglichkeit mehr und tuba signum dedit.

HELLER merkt jedoch an, dass Caesar sehr wahrscheinlich eine bessere Ausgangssituation als Pompeius gehabt hätte, wenn das Volk und der Senat die Friedensbestimmungen festlegen würden, da Italien und Rom von seiner Anhängerschaft beherrscht wurde.[6]

„Es war das wichtigste und durchgängige Ziel der Schrift, den Leser davon zu überzeugen, daß Caesar den Konflikt nicht gewollt habe und ihm nur unter Preisgabe seiner Würde hätte aus dem Wege gehen können.“[7]

3.2 Pompeius als Stratege

In diesem Kapitel soll in Abgrenzung zu den folgenden beiden Gliederungspunkten Pompeius als Stratege dargestellt werden. Die verwendeten Titel Stratege, Heerführer und Feldherr sind im Prinzip identisch, doch werden sie in dieser Arbeit unterteilt. Charakteristisch für einen Strategen sind sein taktisches Geschick, wie auch eine geplante und überlegte militärische Vorgehensweise. Deshalb steht in diesem Abschnitt sein strategisches Handeln im Vordergrund. Ein guter Heerführer muss selbstverständlich auch ein guter Stratege sein, doch um Pompeius’ Charakterisierung zu systematisieren, wird unter dem Begriff Heerführer im Gliederungspunkt 3.3 v.a. die Qualität der Heeresführung betrachtet. Im Kapitel 3.4 werden die vorher erarbeiteten Charakterzüge kurz zusammengefasst und weiter ausgeführt, sodass man auf die Persönlichkeit des Menschen Pompeius schließen kann.

Die militärischen (nicht vorhandenen) Fähigkeiten des Pompeius stellt Caesar heraus, indem er seine eigene Vorgehensweise als überlegt und geplant darstellt, sodass Pompeius oftmals seine Taktiken nicht oder zu spät durchschaut; selten kommt ihm Pompeius taktisch zuvor. In BC III,41f. bricht Caesar von Asparagium nach Dyrrachium auf, nachdem Pompeius die dort von ihm angebotene Entscheidungsschlacht ablehnte. Caesar entwickelte eine neue Strategie und hoffte, Pompeius durch seinen Aufbruch nach Dyrrachium von dieser Stadt, wo Pompeius seinen Nachschub und sein gesamtes Waffenmaterial stationiert hatte, abzuschneiden oder dorthin abzudrängen. Da Caesar einen schwer begehbaren Umweg wählte, durchschaute Pompeius seinen Plan zunächst nicht, weil er ihn in die entgegengesetzte Richtung marschieren sah und naiv glaubte, dass der Mangel an Getreide Caesar hierzu gezwungen habe. Als er durch Kundschafter von Caesars Vorhaben erfuhr, brach auch er sein Lager ab und versuchte ihm auf einem kürzeren Weg zuvorzukommen. Caesar im Gegensatz hatte dies jedoch in seiner taktischen Vorausplanung einkalkuliert und ermahnte seine Soldaten, auch in der Nacht die Anstrengungen des Marsches weiterhin auf sich zu nehmen. Schließlich traf Caesar am kommenden Morgen vor Pompeius in Dyrrachium ein, als man in der Ferne gerade die Vorhut des Pompeius sehen konnte. Folglich stellt Caesar nüchtern fest: Pompeius interclusus Dyrrachio, ubi propositum tenere non potuit (III,42,1). Für den Leser sind diese oder ähnliche Stellen oftmals amüsant, da Caesar ihm in fast allen Fällen einen Schritt voraus ist und der Ausgang unverkennbar ist, doch er stellt die Ereignisse mit sachlicher Nüchternheit bis zum Ende dar, nicht ohne einen freudigen Unterton, den man zwischen den Zeilen erahnen kann: Dyrrachium venit, cum primum agmen Pompei procul cerneretur (III,41,5).

Auch in BC III,76 stellt er die nicht vorhandene militärisch-strategische Vorgehensweise des Pompeius wie seine eigenen taktischen Raffinessen zur Schau. Caesar macht in seinem alten Lager gegenüber von Asparagium Halt. Dort lässt er durch die Reiterei das Futterholen simulieren und befiehlt allen Soldaten, im Lager zu verweilen. Pompeius bezieht ebenfalls sein altes Lager, doch seine Soldaten entfernen sich weit vom Lager. Die einen, um Futter und Holz zu holen, die anderen lassen sich dazu verleiten, zum nahe gelegenen vorherigen Lager zurückzukehren, um persönliches Gepäck oder ähnliche Dinge nachzuholen, die wegen des plötzlichen Aufbruches zurückgeblieben waren. Sie lassen ihre Waffen in den Zelten zurück und entfernen sich weit vom Lagerwall. Caesar hat diese Situation vorausgesehen und geplant aufzubrechen, ohne dass die Pompeianer die Verfolgung aufnehmen konnten, sodass er einen Vorsprung erzielen konnte. Auch in den folgenden Nächten ging er ebenso geschickt vor und erarbeitete sich einen geraumen Vorsprung vor Pompeius. Dieser versuchte die vorausmarschierenden Feinde um jeden Preis einzuholen und strapazierte sein Heer durch übermäßig ausgedehnte Märsche, bis er quarta die finem sequendi fecit atque aliud sibi consilium capiendum existimavit (III,77,3). Abermals ist Caesar der Überlegene und Pompeius muss seine Verfolgung aufgeben. Durch das trickreiche Vorgehen Caesars ist Pompeius nicht in der Lage ihn einzuholen, so sehr er auch consequi cuperet (III,77,3). Er versucht ihm trotzig nachzusetzen, was ihm jedoch nicht gelingt.

Auf der anderen Seite schreibt Caesar oftmals die Gefechte, die gegen ihn ausgegangen waren, nicht dem Verdienst des Pompeius zu, sondern anderen äußeren Umständen. Exemplarisch kann hierfür BC III,60-63 oder III,72 genannt werden. In der erstgenannten Textstelle laufen zwei Reiter Caesars, die Allobroger Roucillus und Aecus, zum gegnerischen Heer über, wodurch Pompeius Insider-Wissen aus dem gegnerischen Heer erhält, welches er für sein weiteres Vorgehen nutzen konnte, da er nun die Schwachpunkte, i.d.F. eine Lücke im Befestigungswall, von Caesars Heer kennt. In der zweitgenannten Textstelle kritisiert Caesar, dass die Pompeianer ihren Sieg feiern und ihren eigenen Verdiensten zuschreiben, doch

non illi paucitatem nostrorum militum, non iniquitatem loci atque angustias

praeoccupatis castris et ancipitem terrorem intra extraque munitiones, non

abscisum in duas partis exercitum, cum altera alteri auxilium ferre non pos- set, causae fuisse cogitabant. (III,72,2)

Ferner bedachten sie nicht, dass sich seine Soldaten mehr Schaden selbst zugefügt hatten, da sie sich auf so engem Raum zusammengedrängt hatten und sie in keinem richtigen Gefecht gekämpft hatten. Auch maßen sie den Zufällen, die im Krieg eintreten und das Kriegsgeschehen völlig umstrukturieren können, keine Beachtung bei.

Abschließend kann konstatiert werden, dass Caesar in Pompeius einen außerordentlich schlechten Strategen sieht, der kein militärisches Talent besitzt. Caesar ist ihm in unzähligen Situationen taktisch überlegen und seine Niederlagen spricht er ungünstigen äußeren Umständen zu. „Er weist seinem Gegner in diesem militärischen Konflikt als Stratege ein hohes Maß an Kopf- und Konzeptionslosigkeit zu.“[8]

3.3 Pompeius als Heerführer

In Abgrenzung zu dem vorangegangen Kapitel sollen an dieser Stelle Pompeius Heerführerqualitäten, d.h. sein Verhalten gegenüber den Soldaten und ihre Führung, beleuchtet werden. Caesar macht an mehreren Stellen deutlich, oftmals im Vergleich zu seinen eigenen Soldaten, dass Pompeius Soldaten nicht ausreichend Einsatz zeigen, da sie schlecht motiviert und geführt werden. In BC III,60f. laufen zwei Reiter Caesars zu Pompeius über quodque novum et praeter consuetudinem acciderat (III,61,1). Niemals zuvor war weder ein Reiter noch ein Fußsoldat von Caesar zu Pompeius übergelaufen. Dieser Tatsache steht kontrovers gegenüber, dass Soldaten paene cotidie a Pompeio ad Caesarem perfugerent (III,61,2). Dieses Faktum verdeutlicht, dass die Soldaten bei Caesar zufrieden sind und sie willig seinen Befehlen folgen. Pompeius Soldaten hingegen sind schlecht geführt, sodass sie sich seinen Befehlen widersetzen, indem fast täglich einige zu Caesar überlaufen und ins feindliche Lager übergehen. Weiterhin kann man aus dieser Tatsache schließen, dass das Heer Caesars beliebt ist und Pompeius als Feldherr nicht ernst genommen wird und man sich ggf. auf der feindlichen Seite größere Siegeschancen erhofft.

[...]


[1] Vgl. Richter, Will: Caesar als Darsteller seiner Taten. Eine Einführung. Heidelberg 1977 (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften: N.F., Reihe 2, Bd. 61), S. 173.

[2] Vgl. Heller, Christian: Sic transit gloria mundi: Das Bild von Pompeius Magnus im Bürgerkrieg. Verzerrung – Stilisierung – historische Realität. St. Katharinen 2006 (PHAROS: Studien zur griechisch-römischen Antike, Bd. 21), S. 6.

[3] Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. 6., bearb. u. erw. Aufl. Wiesbaden 1960, S. 161.

[4] Vgl. Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. 6., bearb. u. erw. Aufl. Wiesbaden 1960, S. 159-177 und Fuhrmann, Manfred: Geschichte der römischen Literatur. Stuttgart 2005, S. 234ff.

[5] A.a.O., S. 180.

[6] Vgl. Heller, Christian: Sic transit gloria mundi: Das Bild von Pompeius Magnus im Bürgerkrieg. Verzerrung – Stilisierung – historische Realität. St. Katharinen 2006 (PHAROS: Studien zur griechisch-römischen Antike, Bd. 21), S. 15.

[7] Richter, Will: Caesar als Darsteller seiner Taten. Eine Einführung. Heidelberg 1977 (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften: N.F., Reihe 2, Bd. 61), S. 168.

[8] Heller, Christian: Sic transit gloria mundi: Das Bild von Pompeius Magnus im Bürgerkrieg. Verzerrung – Stilisierung – historische Realität. St. Katharinen 2006 (PHAROS: Studien zur griechisch-römischen Antike, Bd. 21), S. 22.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Caesars Darstellung seines Gegenspielers Pompeius im Bürgerkrieg
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Sallusts Iughurta und Caesars Bellum Civile
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V163996
ISBN (eBook)
9783640790609
ISBN (Buch)
9783640790302
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Ausführungen beziehen sich nur auf die inhaltliche Ebene. Diese sind gut, jedoch fehlen sprachliche und stilistische Mittel.
Schlagworte
Caesar und Pompeius, Caesar, Pompeius, Bellum Civile
Arbeit zitieren
Ann-Christin Graé (Autor), 2010, Caesars Darstellung seines Gegenspielers Pompeius im Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163996

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Caesars Darstellung seines Gegenspielers Pompeius im Bürgerkrieg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden