Die Arbeit betrachtet die Frage von Medien und Moral/Ethik anhand des Gladbecker Geiseldramas. Sehr detaillierte Darstellung des Geiseldramas.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Fragen der Ethik
3. Ethik im Journalismus
4. Geiseldrama von Gladbeck vom 16. bis 18. August 1988 – Die Täter
4. 1. Banküberfall und Geiselnahme
4. 2. Die Flucht
4. 3. Die Entführung des Linienbusses
4. 4. Die Flucht im BMW
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die medienethische Dimension des Gladbecker Geiseldramas von 1988. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie das Fehlen professioneller journalistischer Moral und eine grenzüberschreitende Einmischung in laufende polizeiliche Ermittlungen katastrophale Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen können und welche Konsequenzen dies für die heutige journalistische Berufsethik hatte.
- Grundlagen der Ethik und der medienethischen Verantwortung
- Die Rolle des Journalismus als „vierte Gewalt“ und die damit verbundenen Pflichten
- Chronologische Analyse des Geiseldramas von Gladbeck unter Berücksichtigung polizeilicher und medialer Fehltritte
- Kritische Reflexion der journalistischen Einmischung in das Tatgeschehen
- Ableitung von Lehren für die aktuelle Medienethik und den Pressekodex
Auszug aus dem Buch
4. 4. Die Flucht im BMW
Die Täter übernehmen ein von der deutschen Polizei präpariertes Fluchtfahrzeug und fahren mit den Geiseln Ines Voitele und Silke Bischoff zurück in Richtung Bundesrepublik. Es ist kurz nach sieben Uhr morgens, als sie die Grenze passieren. In Wuppertal muss ein Apotheker unter vorgehaltener Waffe Marion Löblichs Bein verarzten, Rösner kauft Brötchen und einen Rock, damit Marion es bequemer hat. Die Polizei ist mit Sondereinsatzkommandos vor Ort, greift aber nicht ein, da jeweils nur ein Gangster das Auto verlässt. In Köln kommt es dann zu den absurdesten Szenen des Geschehens. Die Geiselgangster, längst aus allen Medien bekannt, kaufen auf der Einkaufsmeile Breite Straße Kaffee. Passanten erkennen die Täter und drängen sich um das Auto. Ines Voitele wird später zu der Situation, laut Spiegel, sagen: „Die saßen fast im Wagen, die saßen auf dem Wagen, die guckten alle in den Wagen rein.“ In dieser Situation presst Dieter Degowski der verängstigten Geisel Silke Bischoff den Revolver an den Hals. Reporter kommen aus den nahegelegenen Studios und Presseräumen der unterschiedlichsten Medien, einer fragt tatsächlich, wie es dem Opfer geht. Die Journalisten verhalten sich devot, bieten sich als Kaffee- und Bierlieferanten an, einer bringt Traininsanzüge, ein anderer will sogar Handschellen für die Geiseln besorgen. Ganz ungeniert geben die Geiselnehmer ein Interview nach dem anderen. Doch auch die Polizei ist vor Ort, ein Ermittler des Sondereinsatzkommandos hat sich als Polizist verkleidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, betont die Bedeutung der Journalistenethik für die Demokratie und kündigt die Untersuchung des Gladbecker Geiseldramas als Fallbeispiel an.
2. Grundlegende Fragen der Ethik: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der praktischen Philosophie, die Goldene Regel und Kants kategorischen Imperativ als Fundamente moralischen Handelns.
3. Ethik im Journalismus: Es wird die Rolle der Pressefreiheit, ihre gesetzlichen Grenzen sowie der Pressekodex und das journalistische Berufsethos analysiert.
4. Geiseldrama von Gladbeck vom 16. bis 18. August 1988 – Die Täter: Das Kapitel porträtiert die Täter des Geiseldramas und stellt ihre kriminelle Vorgeschichte sowie ihre Persönlichkeitsstrukturen dar.
4. 1. Banküberfall und Geiselnahme: Detaillierte Schilderung des Beginns der Tat, der polizeilichen Fehler und des Einsetzens der massiven Medienpräsenz.
4. 2. Die Flucht: Beschreibung des chaotischen Verlaufs der Flucht, der polizeilichen Unzulänglichkeiten und der ersten Kontakte zwischen Tätern und Presse.
4. 3. Die Entführung des Linienbusses: Darstellung der Geiselnahme im Bus, der gefährlichen medialen Einmischung und der dramatischen Zuspitzung der Lage.
4. 4. Die Flucht im BMW: Analyse der finalen Phase der Flucht in Köln, der absurden Interaktion zwischen Presse und Tätern und des tragischen Endes der Geiselnahme.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das Versagen von Polizei und Medien und weist auf die Anpassung des Pressekodex als direkte Konsequenz der Ereignisse hin.
Schlüsselwörter
Gladbeck, Geiseldrama, Medienethik, Journalismus, Pressefreiheit, Pressekodex, Berufsethos, Verantwortungsethik, Hans-Jürgen Rösner, Dieter Degowski, Silke Bischoff, Polizei, Berichterstattung, Sensation, Menschenwürde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das ethische Versagen von Journalisten während des Geiseldramas von Gladbeck im Jahr 1988 und dessen Auswirkungen auf das journalistische Berufsethos.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Medienethik, die Grenzen der Pressefreiheit, polizeiliches Krisenmanagement und die Verantwortung von Journalisten in Extremsituationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie skrupellose Einmischungen der Medien in ein Gewaltverbrechen dieses negativ beeinflussten und zu einer Verschärfung der ethischen Richtlinien führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode unter Rückgriff auf zeitgenössische Medienberichte (Spiegel) und fachwissenschaftliche Literatur zur Ethik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Ethik und eine detaillierte chronologische Aufarbeitung des Gladbecker Geiseldramas, von der Banküberfall-Phase bis zum tragischen Ende auf der Autobahn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienethik, Gladbeck, Pressefreiheit, journalistische Verantwortung und Sensationstourismus charakterisiert.
Inwiefern hat das Gladbecker Geiseldrama den Pressekodex verändert?
Die Ereignisse führten dazu, dass im Pressekodex explizite Regeln (wie Richtlinie 11.2) festgeschrieben wurden, die Interviews mit Tätern während laufender Straftaten untersagen und eigenmächtige Vermittlungsversuche der Presse verbieten.
Welche Rolle spielten Journalisten bei der Zuspitzung der Lage?
Journalisten fungierten teilweise als unfreiwillige oder unreflektierte Helfer der Täter, indem sie Interviews führten, als Mittelsmänner agierten oder durch unüberlegtes Verhalten polizeiliche Zugriffe sabotierten.
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- M. A. Silke Herzer (Author), 2010, Medien ohne Moral - Das Gladbecker Geiseldrama, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164566