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Täter oder Opfer? - Die Rolle der Presse im Dritten Reich

Title: Täter oder Opfer? - Die Rolle der Presse im Dritten Reich

Seminar Paper , 2008 , 13 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jan Horak (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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Thomas Mann stellte sich diese Fragen im Sommer 1945 vor dem Hintergrund der Nürnberger Gerichtsverfahren, in denen den überlebenden Vertretern der nationalsozialistischen Führungsriege der Prozess gemacht wurde. Doch der bekannte Exilant und Gegner des NS-Regimes war nicht der einzige. In den Folgejahren und bis in die Gegenwart wurde die „Schuldfrage“ in Bezug auf die Presse immer wieder gestellt und von zahlreichen Historikern und Publizistikwissenschaftlern untersucht. Diese Arbeit erhebt infolge dessen und aufgrund des eng bemessenen Rahmens nicht den Anspruch, neue Forschungsergebnisse zu liefern. Vielmehr sollen ein Überblick über die Pressepolitik der Nationalsozialisten und Einblicke in die veränderten Arbeitsbedingungen der Redakteure geboten werden. Da es sich um einen sehr komplexen und aufgrund der zahlreichen betroffenen persönlichen Schicksale in starkem Maße emotionsgeladenen Teil deutscher Geschichte handelt, ist eine wertfreie, ausschließlich an historischen Tatsachen orientierte Darstellungsweise jedoch nur bedingt geeignet. Denn die Antwort auf die Frage, ob die deutsche Presse im Dritten Reich eher in der Täter- oder in der Opferrolle zu sehen ist, lässt sich kaum durch die undifferenzierte Einzelbetrachtung historischer Ereignisse ermitteln. Die folgenden Ausführungen sollen den Leser vielmehr in die Lage versetzen, sich sowohl auf Basis der gelieferten Fakten als auch unter Berücksichtigung der aus den skizzierten Entwicklungen resultierenden Konsequenzen für die involvierten „Zeitungsmacher“ – für die Menschen hinter der „Institution Presse“ – selbst ein Urteil zu bilden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die deutsche Presse zum Zeitpunkt der Machtübernahme

3. Nationalsozialistische Presselenkung

3.1 Rechtlich-Institutionelle Kontrolle

3.2 Ökonomische Kontrolle

3.3 Inhaltliche Kontrolle

4. Widerstand unmöglich?

4.1 Die „Reichspressekonferenz“ als Lenkungsorgan

4.2 Sanktionsdrohungen und redaktionelle Realität

5. Der „Widerstand zwischen den Zeilen“

5.1 Rudolf Pechel: Ein Journalist gegen das System?

6. Fazit

7. Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle der Presse im Dritten Reich, um zu analysieren, ob Journalisten primär als Täter oder Opfer des NS-Regimes zu bewerten sind. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die Zwänge, die Instrumentalisierung durch staatliche Presselenkung und die begrenzten Spielräume für Journalisten zu schaffen, anstatt pauschale Schuldzuweisungen vorzunehmen.

  • Strukturen der nationalsozialistischen Presselenkung
  • Methoden der rechtlichen, ökonomischen und inhaltlichen Kontrolle
  • Die Auswirkungen staatlicher Repressionen auf den redaktionellen Alltag
  • Möglichkeiten und Grenzen des sogenannten „Widerstands zwischen den Zeilen“
  • Das Fallbeispiel Rudolf Pechel und die Problematik retrospektiver Widerstandslegenden

Auszug aus dem Buch

4.1 Die „Reichspressekonferenz“ als Lenkungsorgan

Die von Joseph Goebbels meist persönlich geleiteten täglichen „Reichspressekonferenzen“ des RMVP dienten zwar primär der Vermittlung der Auflagenmeldungen und Tagesparolen, stellten jedoch auch ein hervorragendes Instrument zur Kontrolle und Einschüchterung der anwesenden Pressevertreter dar. Eine „Pressekonferenz der Heeresleitung“ hatte es schon im dem Ersten Weltkrieg gegeben, um die Presse über den Kriegsverlauf zu informieren. Während der Weimarer Republik übernahmen die Journalisten diese Einrichtung und luden wiederholt Regierungsvertreter ein, um diesen die Gelegenheit zu geben, Stellungnahme zu aktuellen politischen Themen zu beziehen. Mit der Einrichtung der „Reichspressekonferenz“ im September 1939 verkehrten die Nationalsozialisten diesen Umstand ins Gegenteil: Die Konferenzen wurden nun vom RMVP abgehalten, die teilnehmenden Journalisten (Vertreter in Berlin ansässiger Zeitungen sowie Korrespondenten der wichtigsten überregionalen Zeitungen) nach verschärften Kriterien ausgewählt und eingeladen. Es muss betont werden, dass der Begriff der „Konferenz“ irreführend gewählt ist, da während dieser Veranstaltungen zu keiner Zeit eine Diskussion stattfand. Es handelte sich vielmehr um ein Diktat von Informationen, Weisungen und Empfehlungen, „von denen jeder Journalist wußte [sic!], daß ihre Nichtbeachtung ernste Folgen haben würde, auch ohne daß diese Tatsache zunächst offen ausgesprochen wurde“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung in die Fragestellung nach der Schuldfrage der Journalisten und Erläuterung des methodischen Rahmens dieser Untersuchung.

2. Die deutsche Presse zum Zeitpunkt der Machtübernahme: Analyse der vor 1933 bestehenden Strukturen und der Tradition der staatlichen Einflussnahme, die den Nationalsozialisten als Grundlage diente.

3. Nationalsozialistische Presselenkung: Darstellung der systematischen Kontrolle durch rechtliche, ökonomische und inhaltliche Maßnahmen zur Gleichschaltung der Medien.

4. Widerstand unmöglich?: Untersuchung des journalistischen Alltags unter der Herrschaft von Angst, Sanktionen und der gezielten Instrumentalisierung durch Lenkungsorgane wie die „Reichspressekonferenz“.

5. Der „Widerstand zwischen den Zeilen“: Reflexion über die Möglichkeiten und Legendenbildung rund um den publizistischen Widerstand, verdeutlicht am Beispiel von Rudolf Pechel.

6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der verworrenen Situation der Journalisten, die zwischen staatlichem Zwang und individuellen Spielräumen agierten.

7. Literaturangaben: Verzeichnis der für diese Arbeit herangezogenen Quellen und Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Presse, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Presselenkung, Gleichschaltung, Journalismus, Reichspropagandaministerium, Widerstand zwischen den Zeilen, Propaganda, Zensur, Rudolf Pechel, Schuldfrage, Medienkontrolle, Berufsverbot, Totalitarismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Situation der Presse und der Journalisten während des Dritten Reiches und untersucht deren Handlungsspielräume sowie die Instrumentalisierung durch das NS-Regime.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der nationalsozialistischen Presselenkung, den daraus resultierenden Arbeitsbedingungen für Redakteure und der Debatte über den sogenannten „Widerstand zwischen den Zeilen“.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Frage zu erörtern, ob die deutsche Presse im Dritten Reich eher als Täter oder Opfer einzustufen ist, wobei eine undifferenzierte Betrachtung vermieden werden soll.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die fachwissenschaftliche Literatur und historische Quellen nutzt, um die komplexen Zusammenhänge der damaligen Presselandschaft aufzuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die verschiedenen Kontrollmechanismen des Regimes – rechtlich, ökonomisch und inhaltlich – sowie die Auswirkungen auf den journalistischen Alltag detailliert dargestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Presselenkung, Gleichschaltung, nationalsozialistische Herrschaft, Journalistenrolle und publizistischer Widerstand.

Wie funktionierte die inhaltliche Kontrolle der Presse konkret?

Dies erfolgte durch zentrale Vorgaben via Nachrichtenagenturen, verbindliche Auflagenmeldungen des Propagandaministeriums und ab 1940 durch die Einführung einer festgeschriebenen Tagesparole, die den Wortlaut der Artikel diktierte.

Warum wird das Beispiel Rudolf Pechel als Fallstudie verwendet?

Pechel dient als anschauliches Beispiel dafür, wie Journalisten nach 1945 ihre eigene Vergangenheit glorifizierten, obwohl sie zuvor publizistisch Schützenhilfe bei der Etablierung des NS-Regimes geleistet hatten.

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Details

Title
Täter oder Opfer? - Die Rolle der Presse im Dritten Reich
College
University of Hamburg  (Institut für Medien und Kommunikation)
Course
Das Mediensystem der Bundesrepublik
Grade
1,0
Author
Jan Horak (Author)
Publication Year
2008
Pages
13
Catalog Number
V164929
ISBN (eBook)
9783640802166
ISBN (Book)
9783640802586
Language
German
Tags
Kommunikationswissenschaft Publizistik Presse im Nationalsozialismus Nationalsozialistische Presselenkung Gleichschaltung Widerstand zwischen den Zeilen Pressegeschichte Nationalsozialismus NS-Presse Zensur Pressezensur Presse-Zensur Pressepolitik Parteipresse Presse im Dritten Reich Pressekontrolle Medienkontrolle Presselenkung Propaganda NS-Propaganda Drittes Reich Mediengeschichte Medienpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Horak (Author), 2008, Täter oder Opfer? - Die Rolle der Presse im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164929
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