Medien und Migration im Kontext türkischer Zuwanderer


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2. Medien und Migration
2.1 Türkische Migranten und transnationale Medien – eine Einführung
2.2 Die mediale Darstellung der türkischen Migranten in Deutschland
2.3 Medien und Medienangebote für Zuwanderer
2.4 Wirkung und Funktion der Diasporamedien
2.5 Phasen der türkisch – deutschen Medienbeziehung

3 Integration durch Medien?

4 Identität und Medien

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Innerhalb dieser Arbeit „Medien und Migration im Kontext türkischer Zuwanderer“ wird ein etwas breiteres Themenspektrum angesprochen. Hierbei wird hauptsächlich das Fernsehen als Diasporamedium[1] benannt und erläutert, sowie Medienangebote für Migranten, als auch die Sichtweise deutscher Medien in Bezug auf Zuwanderer. Radio und Internet finden hierbei keine Bedeutung, da das Fernsehen als Medium umfangreich zu erläutern ist; auf Zeitungen wird nur im sehr schwachen Rahmen Bezug genommen. Diese Arbeit ist eine Darstellung der momentanen und vergangenen Forschungen innerhalb der Migration im Kontext der Medien und stellt keine individuelle Feldstudie dar. Auch wird auf die Identitätsbildung eingegangen. Es soll geklärt werden, ob, und wenn ja, inwiefern sich das Medium Fernsehen auf die Identitätsbildung von Zuwanderern auswirkt beziehungsweise auswirken könnte.

Insgesamt verläuft diese Arbeit eher zusammenfassend als spezifisch, da dies absolut zu umfangreich wäre. Hierbei werden vor allem türkische Migranten angesprochen, da für dieses Themenfeld wissenschaftliche Studien vorhanden sind. Ziel der Arbeit ist demnach die Erläuterung und Analyse der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Untersuchungen der Migrationsforschung in Bezug auf Medien (dem Fernsehen).

2. Medien und Migration

2. 1 Türkische Migranten und transnationale Medien – eine Einführung

Anfangs ist der Begriff des Transnationalismus zu klären, da nur so ein Verständnis für diese Arbeit gewährleistet werden kann.

Transnationalismus im Allgemeinen bezeichnet einen Prozess innerhalb der Globalisierung; so verlaufen beispielsweise soziale Interaktionen über die Grenzen von Nationalstaaten hinweg. Für die Migrationsforschung bedeutet dies, dass sich die Migranten mit mehreren Nationen identifizieren und dadurch soziale Interaktionen auslösen[2].

Im Laufe der 1990er Jahre war es der türkischen Bevölkerung in Europa vermehrt möglich, Zugang zu Satellitenfernsehen zu erlangen. Dadurch wurde realisierbar, dass türkische Migranten Zugang zum Alltagsgeschehen innerhalb der Türkei via Fernsehen erleben können. Aufgrund dieser Tatsache entstand im selben Jahrzehnt eine Debatte über das Thema der Migration im Kontext zu Medien. Hierbei sprachen viele konservative Soziologen und Politikwissenschaftlern das an, dass transnationales Fernsehen eine „[…] ernsthafte, kulturelle und politische Bedrohung darstelle“[3]. Innerhalb dieser Debatte wurde behauptet, dass sich die Migranten aufgrund des TV – Angebots diesem verstärkt hingeben würden und sich nur besagte Kanäle ansehen, was wiederum dazu führt, dass diese sich in einer private Medienwelt zurückzögen. Die Wissenschaftler glaubten, dass türkische Migranten ihre eigenen türkischen Medien bevorzugen würden. Die Experten gingen davon aus, dass der Konsum türkischer TV – Sender eine Distanzierung der Migranten vom sozialen Leben in der Gesellschaft herbeiführen könnte. Satellitenprogramme wurden sozusagen als „Bedrohung“ der Integration und somit auch für die Einigkeit und Geschlossenheit der deutschen Gesellschaft betrachtet[4].

Es wird deutlich, dass eine Unruhe gegenüber transnationalen Entwicklungen besteht. Es entsteht der Eindruck, dass das „deutsche Volk“ gegen eine „[…] imaginierte kulturelle Invasion verteidigt […]“[5] werden müsse. Ebenso ist aufzuzeigen, dass diese Debatte eine deutsche ist, und grundsätzlich das „Türkisch – sein“ als anders empfunden wird und daraus Schlüsse gezogen werden. Es besteht die Annahme, dass Türken grundsätzlich unter dem Einfluss türkischer Medien stehen, so der Wissenschaftler Kevin Robins.

Dieser in Deutschland herrschende Dialog wird bestimmt durch die Befürchtung, dass sich die nationale Gemeinschaft auflöst und somit Einheit und Homogenität zerstört. Der Autor Robins schließt daraus, dass man sich nicht mit der Realität transnationaler Medien auseinander gesetzt hat, noch mit Perspektiven, welche dieses bewirken können[6].

Laut Robins sind Diaspora – Türken nicht als Minderheit anzusehen; es wäre wichtig, von ihren Erfahrungen zu lernen, welche sie innerhalb der Thematik transnationaler Medien durchleben[7].

2.2 Die mediale Darstellung der türkischen Migranten in Deutschland

Das Bild der Ausländer in Deutschland wurde oft negativ verzerrt, so schrieb eine Tageszeitung 1964 „Gastarbeiter erstach Deutschen“[8]. Somit entstand bei den Lesern der Eindruck, dass Ausländer beispielsweise krimineller seien als Deutsche. Aufgrund von Kulturferne und/oder Unwissenheit wurde recht wenig Positives über Migranten berichtet. Dies wirkt eher vorurteilsstärkend, als vorurteilslösend. Summa Summarum „[…] werde eine Medienwirklichkeit erzeugt, die zwar mit der realen Wirklichkeit nicht übereinstimmt, die aber gerade deswegen die reale Wirklichkeit im Sinne der Medienwirklichkeit verändert“[9]. Diese erzeugte Medienwirklichkeit wurde nicht hinterfragt und demnach nicht auf Glaubwürdigkeit geprüft, sodass die Medienwirklichkeit als Tatsache aufgefasst wurde[10].

Andererseits ist aufzuzeigen, dass es die Aufgabe der Medien ist, über Konflikte und Gewalt zu berichten. Doch gerade in diesem Metier sollten sie sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein, welch eine Wirkung ein solcher Bericht erzielen kann.

Noch einmal ist aufzuzeigen, dass häufig ein ungleiches Bild der Migranten in Deutschland vorherrscht. Jedoch sollte berücksichtigt werden, dass innerhalb der zweiten Generation der Zuwanderer eine Weiterentwicklung und Anpassung stattgefunden hat, wie beispielsweise bessere Deutschkenntnisse. Gerade in Bezug auf den Islam und den damit verbundenen Werten und Traditionen (beispielsweise das Tragen eines Kopftuches für Muslima) ist zu erkennen, dass diese Berichte teilweise wirklichkeitsverzerrend wirken, da nicht alle Muslima Kopftuch tragen. Im Grunde genommen mangelte es zur Zeit dieser Studie von Karl – Heinz Meier – Braun tatsächlich noch etwas an Informationen und Hintergrundberichten der „fremden Kultur“ (Jahr 2001). Jedoch kann in dieser Arbeit gut aufgezeigt werden, inwiefern sich die Wissenschaft mit dem Thema Migration und Medien auseinander gesetzt hat.

[...]


[1] „Diaspora“: „Mit dem Begriff der Diaspora ist ursprünglich gemeint, dass sich Menschen von einem Zentrum aus zerstreuen und in der Fremde Gemeinschaften bilden, die sich auf dieses Zentrum beziehen“ aus: Bonfadelli, Heinz; Bucher, Priska; Hanetseder, Christa; Hermann, Thomas; Ideli, Mustafa; Moser, Heinz: Jugend, Medien und Migration. Empirische Ergebnisse und Perspektiven. Wiesbaden 2008, S. 159

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Transnationalismus, 07.11.2009, 16:33 Uhr

[3] Robins, Kevin (2004): Beyond Imagined Community? Transnationale Medien und türkische MigrantInnen. In:Hipfl, Brigitte/Klaus, Elisabeth/ Scheer, Uta (Hg.): Identitätsräume. Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Bielefeld, S. 116

[4] ebd., S. 117

[5] ebd., S. 117

[6] vgl. Robins, Kevin (2004): Beyond Imagined Community? Transnationale Medien und türkische MigrantInnen. In:Hipfl, Brigitte/Klaus, Elisabeth/ Scheer, Uta (Hg.): Identitätsräume. Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Bielefeld, S. 118

[7] vgl. ebd., S. 130

[8] Die Ausländerbeauftragte der Freien und Hansestadt Hamburg (Hg.): Medien, Migration, Integration. Elektronische Massenmedien und die Grenzen kultureller Identität. Schriftenreihe der HAM. Berlin 2001, S. 125, Karl – Heinz Meier – Braun „Bleiben Chancen ungenutzt? Migration und Medien“

[9] Die Ausländerbeauftragte der Freien und Hansestadt Hamburg (Hg.): Medien, Migration, Integration. Elektronische Massenmedien und die Grenzen kultureller Identität. Schriftenreihe der HAM. Berlin 2001, S. 126, Karl – Heinz Meier – Braun „Bleiben Chancen ungenutzt? Migration und Medien“

[10] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Medien und Migration im Kontext türkischer Zuwanderer
Hochschule
Universität Bremen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V164940
ISBN (eBook)
9783640801893
ISBN (Buch)
9783640802401
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Migration, Migrant, Zeitung, Fernehen, Radio, Türkisch
Arbeit zitieren
Franziska Schau (Autor), 2009, Medien und Migration im Kontext türkischer Zuwanderer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164940

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