Die Darstellung der Abrahamsfigur in christlicher und muslimischer Tradition


Hausarbeit, 2009
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2. Abraham in der christlichen Tradition
2. 1 Die Schriften des Alten Testaments
2. 2 Die Schriften des Neuen Testaments
2. 3 Die Bedeutung des Glaubens im abrahamitischen Kontext

3 Abraham in der islamischen Tradition
3. 1 Der Koran
3. 2 Abraham im Koran

4 Eine Charakteristik über die Person Abraham

5 Wie Abraham zum Glauben kam (in christlicher und muslimischer Tradition)

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der wohl erste Mensch, der an den Einen Gott glaubte. Der Vorfahr der Propheten Mose, Jesus und Mohammed. Der Stammvater der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam“[1].

Innerhalb dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt in der Betrachtung des Abrahamsbild in Christentum und Islam. Hier wird vor allem systematisch und teilweise vergleichend vorgegangen, um so den direkten Bezug zum Thema zu wahren und Gemeinsamkeiten und Differenzen besser verdeutlichen zu können. Jedoch ist Wissen über die Geschichte des Christentums und des Islam Voraussetzung, um der Arbeit folgen zu können. Auch wird versucht, Details anzusprechen, jedoch in nicht allzu großem Umfang, da dies der Größe der Hausarbeit nicht gerecht werde würde.

2. Abraham in der christlichen Tradition

2. 1 Die Schriften des Alten Testaments

Von Bedeutung ist, dass sich das Christentum aus dem Judentum heraus entwickelt hat und somit auch die Abrahamsfigur, welche innerhalb des Judentums als besonders fromm empfunden wird. Als Schwerpunkt der Abrahamtradition im Alten Testament gilt Genesis 11,25 – 25,11. In knapp 14 Kapiteln ist Abraham, zum Teil mit Sara die zentrale Figur. Immer bleibt er präsent, als von Gott Angeredeter.

Abraham findet erstmals in Mose 11, 25 Erwähnung, hierbei wird der Stammbaum Terachs erläutert. Demnach zeugte Terach Abraham, auch wird gesagt, dass Abrahams Frau Saraj war, welche unfruchtbar sei und keine Kinder hatte. In diesem Abschnitt Mose wandern sie aus Ur nach Charan, eigentlich sollte die Wanderschaft bis nach Kanaan gehen, doch dieses Land erreichten sie nicht; aus welchem Grund wird nicht erwähnt. Diese Reise ist nicht eine rein körperliche, sondern sie setzt die unterschiedlichen Traditionen der Urgeschichte und der Vätergeschichte ins Verhältnis.

In Mose / Genesis 12 findet Abrahams Auserwählung zum Propheten statt. Hier sagt ihm Gott, dass er aus seiner Heimat fortgehen soll und seine Familie ebenda zurücklassen solle, in ein Land, in welches Gott ihn führen wird[2].

Abraham verließ das Land zusammen mit Lot (sein Neffe) und Saraj; damals war er 75 Jahre alt. Sie ließen alles zurück, die Tierherde, als auch Familie, denn Abraham gehorchte dem Wort Gottes. Im Ort Sichem baute Abraham seinem Gott einen Altar[3]. Danach zogen sie weiter gen Süden. Schließlich gelangten sie nach Ägypten und Abraham hatte Angst um seine Frau, da sie schön ohne Gleichen sei. Daraufhin schlug Saraj vor, dass sie sich als seine Schwester ausgeben könnte. In Ägypten fiel die Schönheit dieser Frau auf und sie wurde zum Pharao gebracht[4]. Gott erwiderte diese Lüge mit Zorn und überschüttete den Pharao und dessen Hof mit Plagen. Daraufhin gab er Saraj dem Abraham zurück und sie verließen den Hof mitsamt der Gaben.

Wichtig erscheint im Alten Testament die Verheißung Gottes[5] ; Daraufhin folgt die so genannte „Bundesschließung“ zwischen Gott und Abraham[6].

Da Saraj unfruchtbar war, versprach sie Abraham eine ägyptische Magd (Hagar), welche für beide den Sohn Ismael austrug[7].

Genesis 17 verstärkt nun den Bund zwischen Gott und Abraham, da dieser stets seinem Willen gehorcht hatte und die Aufgaben vollbrachte, wie Gott es ihm sagte[8]. Daraufhin erfolgt die Beschneidung[9]. Danach folgt die Verheißung eines Sohnes[10]. Doch Abraham macht sich Aufgrund des hohen Alters der beiden Sorgen[11]. Daraufhin sprach Gott zu Abraham, dass diese Sorgen unbegründet sind[12]. Schließlich lassen sich Abraham und sein Sohn Ismael beschneiden, sowie alle anderen männlichen Personen. In Genesis 21 wird schließlich Isaak geboren[13]. Hier wird wieder deutlich, dass das Gottvertrauen Abrahams belohnt wurde, indem er in seinem hohen Alter noch einmal Vater wird; seine eigentlich unfruchtbare Frau Sara gebärt Isaak. Als die höchste Glaubensprüfung zwischen Abraham und Gott ist Genesis 22 anzusehen. Hier stellt Gott Abraham auf die Probe, ob er wirklich Gottesfürchtig ist, indem er seinen Sohn Isaak opfern soll[14]. Im Alter von 127 Jahren starb Sara[15], Abraham im Alter von 157 Jahren[16].

In der Erzählung Gen 15 wird von der Verheißung Gottes an Abraham berichtet; diese ist offen geschrieben und ermöglicht so, dass sich die christliche Gemeinde darin wiederfinden und beheimaten konnte. Abraham und seine Sippe sind von Haran aufgebrochen, haben Kanaan durchquert, sind nach Ägypten gezogen (aufgrund von Hungersnot) und sind anschließend wieder zurückgekehrt. Lot (der Neffe von Abraham) und Abraham haben sich getrennt, woraufhin Lot in Gefangenschaft geriet und Abraham ihn befreite und Melchisedek (Priesterkönig) begegnet ist.

Laut Bibel hat Gott von Anfang an das Leben Abrahams begleitet und zu ihm gesprochen. Doch die Verheißungen (Nachkommen, Land, Segen) erfüllen sich erst später; Abraham vertraute Gott laut Bibel dennoch gegen alle Wahrscheinlichkeit und bisherigen Erfahrungen; so zeichnet sich Abraham aus. Dieses Bestreben in Gottvertrauen ist auch für die frühe Christenheit charakteristisch. Gleichbedeutend verhält es sich mit dem Glauben an Christus, welcher trotz allen Erfahrungen Vertrauen und Zuwendung zu Gott verspürt. Im Prinzip kann man behaupten, dass Abraham die verleiblichte Verheißung Gottes für das Volk Israel darstellt. Durch diese Vermittlung Israels ist er Verheißer für die ganze Welt.

Im zweiten beziehungsweise dritten Jahrhundert nach Christi begann die Beschäftigung mit dem nunmehr „Alten Testament“. Die Abrahamsgeschichte wird vom Christusereignis her gelesen. Die wichtigste Passage ist nach wie vor Genesis 12 – 25. Abrahams Auswanderung symbolisiert nicht nur eine geografische Veränderung, sondern vielmehr eine geistige Bewegung, von der Unwissenheit zur Gotteserkenntnis, den Verzicht auf Güter und Bindungen, um sich auf etwas Zukünftiges einzustellen. Problematisch ist die Geschichte von Sara und Abraham in Ägypten zu betrachten. Ebenso mehrdeutig ist der Reichtum, mit welchem Abraham aus Ägypten zurückkehrt, denn bei seinem Auszug hatte er sich von allen materiellen Gütern gelöst. Dies könnte Ausdruck göttlichen Segens sein, aber auch Ursache von Lots Trennung.

2. 2 Die Schriften des Neuen Testaments

Betrachtet man Abraham in der Bibel, explizit im Neuen Testament, so wird deutlich, dass ein großer geschichtlicher Zusammenhang existent ist. Der Urvater fungiert als ein Symbol für eine gemeinsame Herkunft, welche Juden und Christen miteinander verbindet. Der Name Abraham wird am Anfang des Evangeliums nach Matthäus genannt[17] ; Mathäus nämlich beginnt mit dem Stammbaum Jesu. Im Matthäusevangelium spielen David und Abraham eine bedeutende Rolle: David symbolisiert die messianische Hoffnung, Abraham ist Figur für die Segensverheißung Gottes für das Volk (Israel)[18]. In besagtem Evangelium wird ausschließlich zukünftig berichtet, d. h. einen Blick in die Vergangenheit gibt es nicht. Innerhalb des Markusevangeliums findet Abraham in Jesu Worten Erwähnen, in welchem er von der Auferstehung berichtet[19]. Im Lukasevangelium wird von der Taufe Jesu erzählt und von diesem Zeitpunkt an wird rückwirkend berichtet. Aufgrund dieser Tatsache erscheint Jesu als „Gottes Sohn“ und Abraham als ein Vorfahr aus langer Reihe. Dadurch wird deutlich, dass Matthäus aufzeigt, dass die Geschichte mit Beginn der Existenz Jesu noch einmal neu beginnt, doch auch dieser Neubeginn hat eine Vorgeschichte.

Innerhalb des Neuen Testamentes sind Berichte über Abraham eher rar.

Im Kern der neutestamentlichen Erwähnungen steht das Interesse der Verheißung, welche Abraham von Gott erhält: Gott sagt ihm Land zu, reiche Nachkommen und Segen. Und vor allem: Abraham steht stellevertretend für de christliche Geschichte, aus welcher der christliche Glauben hervorgeht und die alle Gläubigen mit dem Gottesvolk Israel verbindet.

[...]


[1] Der Spiegel. Nummer 52 / 20.12.2008, S. 100

[2] Gen 12, 2 – 3: „Ich will dich zu einem großen Volke machen und dich segnen und deinen Ruhm erhöhen; sei du ein Segen! Segnen will ich, die dich segnen, und wer dich verflucht, dem will auch ich fluchen. In dir sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet sein!“. Aus: Die Bibel illustriert mit Werken von Albrecht Dürer. Vollständige Ausgabe des Alten und Neuen Testaments nach den Grundtexten übersetzt und herausgegeben von Prof. Dr. Vinzenz Hamp, Prof. Dr. Meinrad Stenzel, Prof. Dr. Josef Kürzinger. Würzburg 1962, S. 22

[3] Gen 12, 7: „Jener baute dort einen Altar für den Herrn, der ihm erschienen war“. Ebd. S. 23

[4] Gen 12, 16 - : „Dem Abraham aber erwies er (Pharao) Gutes um ihretwillen; er bekam Kleinvieh und Großvieh, Esel, Knechte, Mägde, Eselinnen und Kamele.“ Ebd. S. 23

[5] Gen 15, 3 - 6: „Abram fuhr fort: „Nachkommenschaft hast du mir ja keinen gegeben; siehe, mein Leibeigener wird mich beerben“. Da erging jedoch das Wort Gottes an ihn: „Nicht dieser wird dein Erbe sein, sondern ein leiblicher Sohn von dir wird dich beerben“. Er führte ihn hinaus ins Freie und sprach: „Schau doch auf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst!“ Und er versicherte ihm: „ So wird deine Nachkommenschaft sein“. Er aber glaubte dem Herrn, und dieser rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“. Ebd., S. 25

[6] Gen 15, 18 – 21: „An jenem Tag schloß der Herr mit Abraham einen Bund: „Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben, vom Strom Ägyptens bis zum großen Euphratstrome, nämlich die Keniter, die Kenissiter, die Kadmoniter, die Hethiter, die Perrissiter, die Rephaiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgaschiter und die Jebusiter!“. Ebd. S, 25

[7] Gen. 16, 16: „Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als Hagar ihm den Ismael gebar“. Ebd., S. 26

[8] Gen 17,5 – 6: „Fortan soll dein Name nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham, denn zum „Vater einer Völkermenge“ will ich dich bestellen. Und sehr fruchtbar will ich dich werden lassen und Könige werden aus dir hervorgehen“. Ebd., S. 26

[9] Gen 17, 12 – 13: „Im Alter von acht Tagen soll bei euch in euren Geschlechtern alles Männliche beschnitten werden, der Herausgeborene und der für Geld von einem Fremden Gekaufte, der nicht von dir abstammt. Beschnitten werden muß dein Herausgeborener und der für Geld Erworbene. Mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein!“ ebd., S. 27

[10] Gen 17, 15 - 16: „Gott sprach zu Abraham: „Du sollst den Namen deiner Frau nicht mehr Saraj nennen, sondern Sara (Fürstin) soll ihr Name sein! Ich will sie segnen und werde dir einen Sohn von ihr schenken“. Ebd. , S. 27

[11] Gen 17, 17: „Abraham fiel auf sein Angesicht nieder und lachte. Er dachte nämlich in seinem Herzen: Soll etwa einem Hundertjährigen noch ein Kind geboren werden?“ Ebd., S. 27

[12] Gen 17, 19: „Gott antwortete: „Nein, deine Frau Sara soll dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Isaak nennen“. Ebd. , S. 27

[13] Gen 21, 1- 3: „Der Herr nahm sich der Sara an, wie er verheißen hatte; er tat an ihr, wie er gesprochen. Sara empfing und schenkte dem Abraham in seinem Greisenalter einen Sohn zur festgesetzten Zeit, von der Gott gesprochen hatte. Abraham nannte den Sohn, den Sara ihm gebar, Isaak“. Ebd., S. 30

[14] Gen 22, 10 - 12 : „Dann streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sprach: „Abraham! Abraham!“ Der antwortete: „Hier bin ich!“ Jener sprach: „Strecke deine Hand nicht nach dem Knaben aus. Tue ihm nichts an, denn jetzt erkenne ich, daß du ein gottesfürchtiger Mann bist und selbst deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast.“ Ebd., S. 32

[15] Gen 23, 1: „Die Lebzeit der Sara betrug hundertsiebenundzwanzig Jahre“. Ebd. S., 33

[16] Gen 25, 7 – 8: „Dies ist die Zahl der Jahre, die Abraham gelebt hat: Hundertsiebenundfünfzig Jahre. Abraham verschied. Er starb im schönem Alter, betagt und lebenssatt, und ward zu seinem Stamme versammelt“. Ebd. S. 36

[17] Matth 1, 1 – 2: „Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Von Abraham stammte Isaak, von Isaak stammte Jakob, von Jakob stammten Juda und seine Brüder“. Ebd. S., 1073

[18] Matth 3, 9: „Und bildet euch nicht ein euch vorsagen zu dürfen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken“. Ebd. S., 1076

[19] Mark 12, 26: „Was aber die Toten und ihre Auferweckung betrifft, habt ihr nicht im Buche des Moses gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, wie Gott zu ihm sprach: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“. Ebd. S., 1129

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Abrahamsfigur in christlicher und muslimischer Tradition
Hochschule
Universität Bremen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V164942
ISBN (eBook)
9783640801909
ISBN (Buch)
9783640802371
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abraham, Islam, Christentum
Arbeit zitieren
Franziska Schau (Autor), 2009, Die Darstellung der Abrahamsfigur in christlicher und muslimischer Tradition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164942

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