The presented study compares two different german translations of William Shakespeares “The Merchant of Venice” with the strongly ambivalent figure of “Shylock, the Jew” in focal point. The aim of this paper is to investigate, how the characterization of Shylock changes between the translation of August Wilhelm Schlegel in the ceasing 18th century and the one of Erich Fried in 1986, therefore between pre- and post-knowledge of the holocaust.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. „Der Kaufmann von Venedig“
a. Kurzübersicht und skizzierter Handlungsverlauf
b. Ambivalenz der Shylock-Figur
III. Erich Fried als Mensch und Übersetzer
IV. Translationspraxis von August Wilhelm Schlegel
V. Szenenanalyse
a. Methodologische Vorüberlegungen
b. Erstes Textbeispiel: Akt 1, Szene 3
i. Dramenanalytische Einbettung
ii. Übersetzungsvergleich
c. Zweites Textbeispiel: Akt IV, Szene 1
i. Dramenanalytische Einbettung
ii. Übersetzungsvergleich
VI. „Fazit“
VII. Zu guter Letzt…
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Shylock-Figur in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Übersetzungsansätze von August Wilhelm Schlegel und Erich Fried. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Kenntnis des Holocausts im Bewusstsein Erich Frieds auf seine spezifische Übersetzungspraxis und die Darstellung des Antagonisten im Vergleich zum romantischen Referenztext von Schlegel ausgewirkt hat.
- Vergleich der Shakespeare-Übersetzungen von August Wilhelm Schlegel und Erich Fried.
- Analyse der Transformation der Shylock-Figur in Bezug auf ihre literarische Ambivalenz.
- Untersuchung der sprachlichen Gestaltung als Mittel der Charakterisierung in Schlüssel-Szenen.
- Einfluss der historischen Distanz und der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts auf die Translation.
- Funktion des Epilogs von Erich Fried als Mittel zur metatheoretischen Reflexion.
Auszug aus dem Buch
b. Ambivalenz der Shylock-Figur
„Der Kaufmann von Venedig“ ist unumstritten eines der problematischsten Stücke im Gesamtwerk Shakespeares, und dieser Umstand ist einzig und alleine der sehr zwiespältig betrachteten Figur des Shylocks anzulasten. Von einigen Kritikern als überaus antisemitisch beurteilt, wird im Verlauf der Handlung zwar einerseits die ständige Erniedrigung und letztlich sogar vollständige Entrechtung des Juden dargestellt, was zwar eine Diskriminierung abbildet, deswegen ja aber keineswegs diskriminierend ist, andererseits jedoch erscheint diese finale „Entmündigung“ nur als Konsequenz der vorhergegangenen Ereignisse und legitimiert offenbar jegliche Art von Demütigung gegenüber dem personifizierten Teufel in Menschengestalt, ganz so, als ob Shylock kein besseres Schicksal als das ihm zugeteilte verdient hätte.
Der Literaturwissenschaftler Edgar Neis beendet die Diskussion um die Bewertung Shylocks, indem er sie im Grunde wieder neu anzündet. Für ihn ist aufgrund der so stark eindeutigen „Uneindeutigkeit“ letzten Endes nur die eigene Meinung ausschlaggebend: „Man konnte Shylock anti- oder philosemitisch deuten, es kam nur auf die eigene Überzeugung an.“
Bevor näher auf die Charakterisierung des Antagonisten, seine Auftritte und deren Funktion innerhalb der Dramenstruktur eingegangen wird, sollte zunächst einmal Shakespeares Haltung gegenüber der „Judenfrage“ zumindest kurz angerissen werden: Weder Shakespeare noch sein Londoner Theaterpublikum haben, dies kann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit behauptet werden, jemals einen in ihrer Gesellschaft integrierten und den jüdischen Glauben praktizierenden Menschen getroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Problematik der Figur Shylock anhand von Heinrich Heines Rezeption und Darlegung der Zielsetzung der Untersuchung.
II. „Der Kaufmann von Venedig“: Überblick über die Entstehungsgeschichte, Gattungsfrage sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Ambivalenz der Hauptfigur.
III. Erich Fried als Mensch und Übersetzer: Biographische Einbettung von Erich Fried unter besonderer Berücksichtigung seines gesellschaftspolitischen Engagements und seiner übersetzerischen Intentionen.
IV. Translationspraxis von August Wilhelm Schlegel: Erläuterung der Entstehung und der ästhetischen Prinzipien der Schlegel-Tieckschen Übersetzung als klassischer Referenztext.
V. Szenenanalyse: Methodische Gegenüberstellung ausgewählter Schlüsselstellen unter Einbeziehung des englischen Originaltextes und einer Interpretation von Frieds fiktivem Epilog.
VI. „Fazit“: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Charakterisierungstransformationen durch die gewählten Übersetzungen.
VII. Zu guter Letzt…: Reflektion über das Forschungsziel und das Resümee zum Beitrag von Erich Frieds Übersetzung für das Verständnis Shakespeares.
Schlüsselwörter
Erich Fried, August Wilhelm Schlegel, William Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig, Shylock, Übersetzungstheorie, Literaturwissenschaft, Ambivalenz, Dramenanalyse, Antisemitismus, Holocaust, Translationspraxis, Literaturkritik, Charakterisierung, Lyrik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Charakterisierung der Figur Shylock durch die unterschiedlichen Übersetzungsstrategien von August Wilhelm Schlegel und Erich Fried verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen die literarische Ambivalenz von Shylock, die Unterschiede zwischen historischer und zeitgenössischer Shakespeare-Übersetzung sowie der Einfluss politischer und biographischer Erfahrungen der Übersetzer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der „Transformationen“ der Shylock-Figur, um festzustellen, wie Erich Fried, ein Übersetzer mit eigener Holocaust-Erfahrung, den Text im Vergleich zum Referenztext von Schlegel modifiziert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine vergleichende Text- und Szenenanalyse angewandt, die bei ausgewählten Schlüsselstellen das englische Original, die Übersetzung von Schlegel und die von Fried gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Übersetzer, eine methodische Analyse spezifischer Dramenszenen (insbesondere Akt 1, Szene 3 und Akt 4, Szene 1) sowie die Untersuchung von Frieds Epilog.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Literaturübersetzung, Shylock, Ambivalenz, Translationstransformationen und literarische Rezeption beschreiben.
Welche Rolle spielt die „Judenfrage“ in der Arbeit?
Die Arbeit diskutiert Shakespeares Haltung zur „Judenfrage“ und hinterfragt, wie stark eine Übersetzung antisemitische Einschreibungen der Vorlage reproduziert oder transformiert.
Welche Bedeutung kommt dem Epilog von Erich Fried zu?
Der von Fried hinzugefügte Epilog der Figur Lanzelot dient als metatheoretisches Instrument, um das Publikum zur kritischen Reflexion über die eigene Vorurteilsbildung zu bewegen.
- Arbeit zitieren
- Kristin Hellinger (Autor:in), 2010, "Hath not a gentle Jew eyes?", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165051