In der vorliegenden Arbeit werden kulturspezifische Aspekte des fremdsprachlichen Textverstehens anhand eines Textbeispiels in Bezug auf den fremdsprachlichen Deutschunterricht untersucht. Zu Beginn der Arbeit möchte ich die Relevanz und Aktualität meiner fremdsprachendidaktischen Analyse erörtern. Das Thema ist insofern von großer didaktischer Bedeutung, weil Förderung kommunikativer Kompetenzen in der Fremdsprache allgemein zu einem der Hauptziele des Fremdsprachenunterrichts gehört. Das Lernen einer Fremdsprache ist gleichgesetzt mit dem Lernen einer fremden Kultur. Demzufolge ist die Befähigung der Lernenden zur interkulturellen Kommunikation als ein übergeordnetes Ziel im Fremdsprachenunterricht zu betrachten. Insofern ermöglichen die landes- und kulturkundlichen Dimensionen in den Texten den Lernern, auf das Anderssein der Zielkultur sensibilisiert zu werden, die kulturellen Unterschiede zwischen der eigenen und der Zielkultur zu erkennen und zu akzeptieren, aber auch die Fähigkeit zu entwickeln, die möglichen Stereotype zu differenzieren (vgl. Krechel 1989 in Zeuner 2001, S. 91). Des Weiteren ist es oft der Fall, dass schriftliche Texte unter Umständen die einzige Kontaktmöglichkeit zur Zielsprache und -kultur außerhalb des Landes sind. Mit dieser Arbeit möchte ich herausfinden, wie ein Fremdsprachenlehrer vorgehen kann, um dem Nicht-Muttersprachler den Zugang zu landeskundlichen Textinhalten zu ermöglichen und auch dann relevante Informationen aus einem Text zu entnehmen, wenn es diesem an sprachlichem, stilistischem oder kulturellem Vorwissen für ein erfolgreiches Textverstehen möglicherweise noch mangelt.
In der Einführung zur Arbeit werde ich die theoretischen Grundlagen und Definitionen der kulturspezifischen Aspekte allgemein erläutern. Zuerst werde ich auf den Kulturbegriff näher eingehen, danach auf den damit eng verbundenen Fremdheitsbegriff. Dem folgend wird die Interkulturalitätsdebatte in der Fremdsprachendidaktik in Bezug auf das interkulturelle Lernen und Landeskunde präsentiert. Anschließend wird auf das Textverstehen in einer Fremdsprache direkt eingegangen und dabei die Relevanz des sprachlichen, stilistischen und kulturellen Hintergrundwissens der Lerner anhand des Artikels „Leseverstehen aus der Perspektive des Nicht-Muttersprachlers“ von Selma Meireles analysiert. Den Schluss bildet ein praktischer Beitrag in Form einer Textanalyse und Vorschlags für die Textarbeit anhand eines von mir ausgesuchten Textes von Wladimir Kaminer.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen und Definitionen
1.1 Kulturbegriff
1.2 Fremdheitsbegriff
1.3 Interkulturelles Lernen und Landeskunde
2 Textverstehen in einer Fremdsprache
3 Fremdsprachliches Textverstehen an einem Textbeispiel
3.1 Die Analyse kulturspezifischer Aspekte des Textes
3.2 Die praktische Anwendung des Textes im DaF-Unterricht
3.2.1 Aufgaben zur Annäherung an den Text
3.2.2 Aufgaben zur Texterschließung und Textdeutung
3.2.3 Aufgaben zur Weiterarbeit mit dem Text
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie kulturspezifische Aspekte beim fremdsprachlichen Textverstehen im Deutschunterricht (DaF) methodisch integriert werden können, um Lernenden den Zugang zu landeskundlichen Inhalten trotz mangelnder Vorkenntnisse zu ermöglichen.
- Grundlagen des Kulturbegriffs und der Interkulturalitätsdebatte
- Prozesse und Barrieren des Textverstehens bei Nicht-Muttersprachlern
- Analyse kulturspezifischer Metaphern und Stereotype am Beispiel von Wladimir Kaminers "Lula Kebap"
- Methodische Ansätze zur Textarbeit: von der Vorphase bis zur kreativen Weiterarbeit
- Förderung der interkulturellen Kompetenz durch den Einsatz authentischer literarischer Texte
Auszug aus dem Buch
Die Analyse kulturspezifischer Aspekte des Textes
Für die vorliegende Arbeit habe ich einen Textausschnitt aus dem Buch „Küche totalitär – Das Kochbuch des Sozialismus“ von Wladimir Kaminer ausgesucht. Bevor wir zum Text direkt übergehen, möchte ich zunächst den Autor und sein Buch vorstellen.
Wladimir Kaminer wurde 1967 in der Hauptstadt der ehemaligen Sowjetunion Moskau geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Kaminer veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften und organisiert Veranstaltungen wie seine mittlerweile international berühmte „Russendisko“. Mit der gleichnamigen Erzählungssammlung sowie zahlreichen weiteren Büchern ist er in Deutschland zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren der Gegenwart geworden. Seine Bücher kennzeichnen sich dadurch, dass sie einerseits sehr deutsch und dabei gleichzeitig sehr russisch sind. Kaminer schreibt also für den deutschen Leser über die russische Kultur.
Mit dem ausgewählten Buch ermöglicht Kaminer dem deutschen Leser, die sowjetische Küche zu entdecken, indem er gleichzeitig die einzelnen Republiken kurz vorstellt, ihre Geschichte und ihre Charakteristika mit einbezieht. Im Mittelpunkt der Geschichte steht allerdings immer eine unvergessliche Begegnung mit der jeweiligen regionalen Küche. Als Highlight des Kochbuches gibt es natürlich die passenden Rezepte zum Nachkochen, wozu übrigens auch Olga Kaminer, die Ehefrau des Autors, ihren Beitrag geleistet hat.
Der analysierte Text trägt die Überschrift „Lula Kebap“. Die Handlung ereignet sich in Aserbaidschan, einem westasiatischen Staat am Kaspischen Meer, der im Norden an Russland, im Süden an den Iran und im Westen an Armenien grenzt. Der Text charakterisiert sich durch das eigenartige Ironisieren des Autors, was sehr typisch für den Schreibstil Kaminers ist. Der Autor ironisiert hier mehrfach: einerseits aus der eigenen Perspektive des ehemaligen Sowjetbürgers, andererseits aus der Perspektive des ehemaligen DDR-Bürgers, der Handlungsperson der hier erzählten Geschichte. Beide Staaten existieren nicht mehr, von daher beinhaltet der Text, wie das Buch insgesamt, eine gewisse ironische Distanz des Autors gegenüber diesen beiden untergegangenen Welten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die didaktische Relevanz der Untersuchung kulturspezifischer Aspekte beim Textverstehen und skizziert den methodischen Ansatz anhand eines literarischen Beispiels.
1 Theoretische Grundlagen und Definitionen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kultur und Fremdheit und bettet die Interkulturalitätsdebatte in den Kontext der Fremdsprachendidaktik ein.
2 Textverstehen in einer Fremdsprache: Hier wird der kognitive Prozess des Leseverstehens analysiert, wobei besonders die Rolle von Sprach- und Weltwissen als notwendige Voraussetzungen für erfolgreiches Verstehen hervorgehoben wird.
3 Fremdsprachliches Textverstehen an einem Textbeispiel: Der Hauptteil verknüpft theoretische Erkenntnisse mit einer praktischen Analyse des Textes "Lula Kebap" und leitet daraus konkrete didaktische Handlungsempfehlungen für den Unterricht ab.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung interkultureller Kompetenz im Fremdsprachenunterricht und unterstreicht den Nutzen authentischer Texte zur Bewältigung kultureller Verstehensschwierigkeiten.
Schlüsselwörter
Fremdsprachendidaktik, Interkulturelles Lernen, Landeskunde, Textverstehen, Wladimir Kaminer, Kulturverstehen, DaF-Unterricht, Lesestrategien, Kulturspezifische Aspekte, Literaturdidaktik, Fremdheit, Authentische Texte, Sprachwissen, Weltwissen, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Lernende im Deutschunterricht (DaF) kulturell geprägte, authentische literarische Texte erfolgreich verstehen und interpretieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Fremdsprachendidaktik, die Rolle von Landeskunde, interkulturelle Kommunikation sowie Strategien zur Überwindung von Verstehensschwierigkeiten bei fremdsprachigen Lesern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, mit denen Lehrer Schülern helfen können, interkulturelle Barrieren beim Lesen abzubauen und tieferes Verständnis für die Zielsprache und -kultur zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung kulturwissenschaftlicher und didaktischer Literatur sowie einer exemplarischen, detaillierten Analyse eines literarischen Textbeispiels.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert kulturspezifische Herausforderungen und Metaphern in Wladimir Kaminers Text "Lula Kebap" und leitet daraus konkrete Aufgaben für den Unterricht ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Interkulturelles Lernen, Textverstehen, Landeskunde, Fremdheitsbegriff und die didaktische Einbindung authentischer Texte.
Warum wurde gerade ein Text von Wladimir Kaminer für die Analyse gewählt?
Der Text bietet aufgrund seiner vielschichtigen kulturellen Perspektiven – russische Herkunft, deutsche Rezeption und aserbaidschanischer Schauplatz – ein ideales Beispiel für interkulturelle Begegnungen.
Wie trägt das Kapitel zur praktischen Anwendung im Unterricht bei?
Es liefert konkrete Unterrichtsvorschläge wie Rollenspiele, Collage-Erstellungen und kreative Schreibaufträge, um Schüler aktiv in den Textverstehensprozess einzubinden.
- Citar trabajo
- Ekaterina Avalon (Autor), 2010, Fremdsprachliches Textverstehen unter Einbeziehung kulturspezifischer Aspekte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165357