Augustinus interessiert sich in seiner ersten Phase seines Denkens, bis ca. 396 für zwei Dinge: Gott und die Seele. Diesen Zielen ordnet er sein Streben nach Erkenntnis unter. Beeinflusst durch die in der Spätantike üblichen Skepsis, ist Augustinus unzufrieden mit den Erklärungen seiner Zeit über die Herkunft des Bösen, Sinn und Zweck des Lebens, kann sich aber andererseits mit dem Zweifel nicht geben. Am Ausgangspunkt seiner Suche steht die „Selbstvergewisserung“:
„Der du den Willen hast, in dich hineinzuschauen, hast du das Wissen auch von deinem Sein? - Ich hab es. -Woher weißt du dies? - Das weiß ich nicht. – Empfindest du dich selbst als einfach oder als ein Vielfaches? - Das weiß ich nicht. - Weißt du, dass du selbst denkst? - Ich weiß es.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographische Anmerkungen
3. Der Stellenwert in der Theorie
4. Die Methode
5. Wahrheit als Erleuchtung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Prozess der Selbstvergewisserung bei Augustinus, um zu klären, wie er angesichts spätantiker Skepsis zu einem festen Standpunkt und zur Wahrheit gelangt. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Selbstvergewisserung für sein Denken fundamental ist und wie seine methodische Vorgehensweise sowie seine Erleuchtungslehre hierbei als Lösung für seine innere Zerrissenheit fungieren.
- Die Überwindung spätantiker Skepsis durch das augustinische Cogito.
- Die Rolle der Selbstvergewisserung als Diagnose- und Orientierungsinstrument.
- Die dialektische Methode des schreibenden Selbstgesprächs.
- Die Erleuchtungslehre im Gegensatz zur platonischen Wiedererinnerungslehre.
- Der Übergang vom suchenden Schüler zum christlichen Theologen.
Auszug aus dem Buch
Die Methode
Die Einsicht in die Notwendigkeit der Selbstvergewisserung als Ausgangspunkt aller wahren Erkenntnis hilft wenig weiter, wenn man nicht weiß, wie man sich seiner Selbst vergewissern kann. Das Sehvermögen der Seele, also ihre Fähigkeit zur Erkenntnis, ist die Vernunft. Die Methode der Selbstvergewisserung muss durch Anwendung der Vernunft geschehen. Anwendung der Vernunft kann aber nur bedeuten, sich von Irrtümern durch kritische Prüfung zu befreien.
Bei Augustinus geschieht dies durch das Schreiben seiner Bücher: "Der Erzähler breitet selbst seine Bühne aus. Alle Geschehnisse, die in der Lebenszeit zerstreut erst an dem Platz verharren, wo sie sich ereignen, werden erzählend zueinander in Beziehung gesetzt, durch einen roten Faden miteinander verknüpft und verstrickt, in ein sie alle gleichermaßen umfassendes Oval hineingestellt. Nur so vermag der Erzähler sich seine ständig werdende Identität zu vergegenwärtigen. In der Annahme dieses sich solchermaßen objektivierenden Selbstbildes ereignet sich die persönliche, einmalige und zugleich geschichtliche Identität. Ohne das hörende und reagierende Gegenüber würde niemand erzählen und folglich Ich sagen können."
In diesem Zitat wird deutlich, was der Kern und was das Problem beim Begreifen der augustinischen Methode ist. Die Kommentatoren der augustinischen Schriften bemerken einerseits den selbstdarstellerischen Charakter von Werken wie den „Selbstgesprächen“ und den „Bekenntnissen“, ziehen aber dann nicht die Konsequenz bezüglich ihres literarischen Charakters. Die Wandlung des Augustinus, die beispielsweise in den Bekenntnissen thematisiert wird, findet nicht in actu während des Schreibens statt. Für Augustinus ist sie bereits Vergangenheit, nur deshalb kann er derart formvollendet darüber berichten, wie er es in den „Bekenntnissen“ tut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Augustinus’ Suche nach Erkenntnis, Gott und der Seele, unterlegt mit der zentralen Frage nach der „Selbstvergewisserung“ als Antwort auf Skepsis.
2. Biographische Anmerkungen: Betrachtung von Augustinus’ Lebensweg, seiner Prägung durch den Manichäismus und die griechische Philosophie sowie der Bedeutung seiner Werke für die Suche nach Wahrheit.
3. Der Stellenwert in der Theorie: Analyse der theoretischen Verknüpfung von Seele, Gott und Wahrheit, wobei die Seele als unmittelbar erfahrbares Element göttlicher Ordnung identifiziert wird.
4. Die Methode: Untersuchung der dialektischen Methode des Schreibens, durch die Augustinus versucht, seine Identität zu fixieren und sich mittels kritischer Vernunft von Irrtümern zu befreien.
5. Wahrheit als Erleuchtung: Erörterung der augustinischen Erleuchtungslehre und des Unterschieds zur platonischen Wiedererinnerung, wobei die Gottesschau als Ziel der Erkenntnis fungiert.
6. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Selbstvergewisserung erweist sich als notwendiges Diagnoseinstrument, das den Menschen zur Hoffnung führt, auch wenn die letzte Wahrheit als Gnadenakt unzugänglich bleibt.
Schlüsselwörter
Augustinus, Selbstvergewisserung, Seele, Gott, Erkenntnis, Vernunft, Skepsis, Wahrheit, Erleuchtungslehre, Cogito, Identität, Philosophie, Gnade, Dialektik, Selbstgespräch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Konzept der Selbstvergewisserung bei Augustinus und wie dieser versucht, eine solide Basis für Erkenntnis inmitten einer skeptisch geprägten Welt zu finden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Erkenntnistheorie bei Augustinus, sein Verständnis von Seele und Gott, sowie die Rolle des Schreibens als methodisches Werkzeug zur Identitätsfindung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, was „Selbstvergewisserung“ im Kontext von Augustinus’ Denken bedeutet, wie dieser Prozess methodisch abläuft und welche Rolle er in seinem Übergang vom suchenden Individuum zum christlichen Denker spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor wendet eine hermeneutische Analyse an, indem er augustinische Quellentexte, insbesondere die „Selbstgespräche“ und die „Bekenntnisse“, textimmanent untersucht und mit philosophischen Hintergrundtheorien (wie der neuplatonischen Tradition) kontextualisiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung, eine Untersuchung des Stellenwerts der Seele in Augustinus’ Theorie, eine Analyse seiner literarischen und dialektischen Methode sowie eine eingehende Betrachtung der Erleuchtungslehre.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Schlüsselbegriffe wie Selbstvergewisserung, göttliche Erleuchtung, Skepsisüberwindung, Vernunft, Cogito-Gedanke und das Spannungsfeld zwischen rationaler Suche und göttlicher Gnade charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die augustinische Dialektik vom sokratischen Dialog?
Während bei Sokrates der Dialog auf die Entlarvung von Nichtwissen und die gemeinschaftliche Suche abzielt, nutzt Augustinus das Selbstgespräch als inneren, monologischen Prozess, um sein eigenes Selbst und dessen Bezug zur göttlichen Wahrheit zu klären.
Warum spielt die Erbsünde eine so entscheidende Rolle für Augustinus’ Erkenntnismodell?
Die Erbsünde begründet für Augustinus die unüberwindbare Kluft zwischen Mensch und Gott; sie schließt eine gottgleiche Fähigkeit zur direkten Ideen-Einschau aus und macht menschliche Erkenntnis letztlich immer vom Gnadenakt Gottes abhängig.
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- Patrick Siegfried (Autor), 2007, Die Selbstvergewisserung bei Augustinus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165515