Orientiert sich der Unterricht an den leistungsschwachen SuS, verlieren die leistungsstarken SuS ihre Motivation; umgekehrt werden die leistungsschwachen SuS überfordert.
Aus dieser Situation darf allerdings keine Entscheidungsfrage „entweder - oder“ entwickelt werden. Vielmehr müssen die einzelnen SuS in ihren Lernprozessen unterschiedlich unterstützt werden. Es müssen im Unterricht Situationen geschaffen werden, in denen sowohl die leistungsstarken wie auch die leistungsschwächeren SuS die Hilfe erhalten, die sie für ihren Entwicklungsprozess benötigen.
Eine Lösung dieses Problems liegt in einer Binnendifferenzierung, welche in der Literatur und Praxis der individuellen Förderung untergeordnet werden kann. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit gleichwertig sowohl von Binnendifferenzierung als auch von individueller Förderung gesprochen. Im Sinne der Binnendifferenzierung muss der Unterricht so ausgerichtet werden, dass alle SuS mit ihren Stärken und Schwächen angemessen berücksichtigt werden.
Die vorliegende Arbeit setzt an diesen skizzierten Aspekten an, indem sie Möglichkeiten und Chancen der individuellen Förderung innerhalb des Faches Sport herausstellt. Das dazu entwickelte Konzept zeigt eine Möglichkeit zur individuellen Förderung im Bereich der konditionellen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit) auf. Erprobt werden soll es in einem 11er Gk.
Im Rahmen dieser Arbeit werden die Entwicklung, Erprobung und Reflexion des Konzepts erläutert. Dabei sind insbesondere drei Lehrerfunktionen gefordert: das Diagnostizieren und Fördern, das Beraten sowie das Innovieren. Der Schwerpunkt wird dabei auf das Diagnostizieren und Fördern gelegt. Die Voraussetzung für die individuelle Förderung ist die Diagnose des Lernpotentials der SuS. Nur wenn der jeweilige Lernstand und Lernfortschritt sowie individuelle Lernprobleme und Leistungsmängel der SuS erkannt werden, können daraus Konsequenzen für die individuelle Förderung abgeleitet werden. Ausgehend von der Diagnose werden dann Maßnahmen zur individuellen Förderung durchgeführt, womit für diese Sequenz des Unterrichtskonzepts das Fördern in den Vordergrund tritt. Da es sich um ein von mir selbstständig entwickeltes Konzept handelt, wird damit gleichzeitig die Lehrerfunktion des Innovierens angesprochen.
Im Text wird auf eine CD verwiesen. Diese ist im Lieferumfang NICHT enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HERLEITUNG DES THEMAS
2.1 HERLEITUNG AUS DEN EIGENEN PERSÖNLICHEN PÄDAGOGISCHEN ERFAHRUNGEN
2.2 HERLEITUNG AUS DEM SCHULGESETZ
2.3 HERLEITUNG AUS DEN RICHTLINIEN UND FACHCURRICULA
2.4 HERLEITUNG ÜBER DAS FACH SPORT
3 EINGRENZUNG IN DIE GRUNDLAGEN DES THEMAS
3.1 GRUNDLAGEN DER BINNENDIFFERENZIERUNG
3.2 SPORTMOTORISCHE TESTS ALS DIAGNOSEINSTANZ DER BINNENDIFFERENZIERUNG IM SPORTUNTERRICHT
3.3 DER PHYSICAL-FITNESS-TEST
3.3.1 Anwendungsbereiche, Aufgaben und Auswertung
3.3.2 Konditionelle Fähigkeiten
4 KONZEPT ZUR BINNENDIFFERENZIERUNG IM SPORTUNTERRICHT
4.1 ZIELSETZUNG
4.2 DIDAKTISCH-METHODISCHE VORÜBERLEGUNG ZUR UMSETZUNG DES KONZEPTES IM SPORTUNTERRICHT
4.3 STRUKTUR, AUFBAU UND INHALTE DES KONZEPTES ZUR BINNENDIFFERENZIERUNG
4.3.1 Sequenz 1: Durchführung und Auswertung des Physical-Fitness Tests
4.3.2 Sequenz 2: Binnendifferenziertes Fördern nach individuellen Trainingsplänen
4.3.3 Sequenz 3: Durchführung und Auswertung des Re-Test (PFT)
4.4 ERGEBNISSE DER BINNENDIFFERENZIERUNG
5 REFLEXION UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie durch ein binnendifferenziertes Konzept zur Förderung der individuellen Fitness im Schulsport (Jahrgangsstufe 11) der Heterogenität in Sportklassen konstruktiv begegnet werden kann, um Lernprozesse jedes Schülers optimal zu unterstützen.
- Analyse von Heterogenität und Binnendifferenzierung im schulischen Kontext.
- Einsatz des Physical-Fitness-Tests (PFT) als diagnostisches Instrument.
- Entwicklung und Erprobung individueller Trainingspläne zur Steigerung konditioneller Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit).
- Evaluation von Leistungsfortschritten durch Re-Tests und pädagogische Reflexion.
Auszug aus dem Buch
3.2 SPORTMOTORISCHE TESTS ALS DIAGNOSEINSTANZ DER BINNENDIFFERENZIERUNG IM SPORTUNTERRICHT
Das binnendifferenzierte Arbeiten wird in der Sportdidaktik schon lange diskutiert und ist mittlerweile als Unterrichtsprinzip so gut wie unumstritten. Voraussetzung des binnendifferenzierten Förderns ist eine Diagnose der individuellen Lernvorraussetzungen der SuS. In dem vorliegenden Konzept wird als grundlegende Diagnoseinstanz zur Messung des individuellen Fitnesszustands die pädagogische Diagnostik verwendet. „Pädagogische Diagnostik umfasst alle diagnostischen Tätigkeiten, durch die bei einzelnen Lernenden und den in einer Gruppe lernenden Voraussetzungen und Bedingungen planmäßiger Lehr- und Lernprozesse ermittelt, Lernprozesse analysiert und Lernergebnisse festgestellt werden.“
Als diagnostische Verfahren können dabei grob drei Diagnosemöglichkeiten im Sportunterricht unterschieden werden: Alltagsdiagnose (subjektive Einschätzung des SuS), apparative Diagnose (präzise Erfassung des Leistungsstands der SuS über mechanische, elektronische und optische Verfahren), sportmotorische Test (Mittelweg aus der subjektiven Einschätzung und der apparativen Diagnostik). Sportmotorische Test sind nicht so präzise wie apparative Messungen, aber meist einfacher und ökonomischer durchführbar.
Sportmotorische Test können auf vier Ebenen klassifiziert werden:
1. Zielgruppe (Abhängig von Alter, Geschlecht, Leistungsniveau)
2. Gegenstandsbereiche (Unterscheidung zwischen allgemeine motorische Fähigkeiten (z.B. Kraft, Ausdauer (Cooper-Test)) und spezielle, sportarten-spezifische Fähigkeiten (z.B. Heidelberger Basketball-Test nach Bös)
3. Konstruktionsmerkmale (Unterscheidung von Tests, die genau eine Fähigkeit (homogene Tests, Einzeltest) oder in Tests, die mehrere Fähigkeiten (heterogene Tests, Testbatterie) untersuchen)
4. Standardisierungsgrad (feste Standardisierung des Test mit genormten Tabellen zum Einordnen der Testergebnisse)
Neben der Feststellung der augenblicklichen motorischen Leistungsfähigkeit lassen sich sportmotorische Tests auch zur Erhebung des Leistungsfortschritts, des Trainingserfolges etc. anwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Heterogenität im Sportunterricht und führt das Ziel der Arbeit ein, durch individuelle Förderung die Fitness der Schüler zu verbessern.
HERLEITUNG DES THEMAS: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit von Binnendifferenzierung anhand der persönlichen pädagogischen Praxis, rechtlicher Vorgaben im Schulgesetz sowie geltender Richtlinien und Lehrpläne.
EINGRENZUNG IN DIE GRUNDLAGEN DES THEMAS: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Binnendifferenzierung sowie sportmotorische Testverfahren und der Physical-Fitness-Test zur Diagnose erläutert.
KONZEPT ZUR BINNENDIFFERENZIERUNG IM SPORTUNTERRICHT: Das Kapitel beschreibt das praktische Vorgehen: von der Zielsetzung und Planung über die Durchführung der Testsequenzen bis hin zur Ergebnispräsentation der individuellen Fördermaßnahmen.
REFLEXION UND AUSBLICK: Im letzten Kapitel wird der Erfolg des Unterrichtsvorhabens reflektiert und die Wichtigkeit der Diagnose sowie des binnendifferenzierten Arbeitens für den zukünftigen Sportunterricht hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Binnendifferenzierung, individuelle Förderung, Schulsport, Heterogenität, Physical-Fitness-Test, Diagnosekompetenz, konditionelle Fähigkeiten, Leistungssteigerung, Sportmotorik, Trainingsplanung, pädagogische Diagnostik, Lehrerfunktionen, Unterrichtsqualität, Fitness, Schulsport-Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umsetzung von Binnendifferenzierung im Sportunterricht, um auf die unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen von Schülern in einer 11. Jahrgangsstufe einzugehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Umgang mit Heterogenität, die Anwendung von Diagnoseinstrumenten zur Ermittlung individueller Fitnesszustände und die gezielte Förderung durch individualisierte Trainingspläne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, ein Konzept zu entwickeln, mit dem jeder Schüler unabhängig von seinem Ausgangsniveau seine motorische Leistungsfähigkeit weiterentwickeln und messbare Fortschritte erzielen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktisch-methodische Entwicklungsarbeit durchgeführt, die auf pädagogischer Diagnostik (Physical-Fitness-Test) und der Erstellung sowie Auswertung individualisierter Trainingssequenzen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung des selbst entwickelten Unterrichtskonzepts sowie die Auswertung der Ergebnisse aus Pre- und Re-Tests.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Binnendifferenzierung, individuelle Förderung, konditionelle Fähigkeiten, Sportmotorik und pädagogische Diagnostik charakterisiert.
Warum wurde gerade der Physical-Fitness-Test ausgewählt?
Der Test wurde gewählt, da er die Kriterien der Objektivität, Validität und Reliabilität erfüllt, ökonomisch durchführbar ist und normierte Daten für Schüler ab 17 Jahren liefert.
Welche Rolle spielt die Lehrerrolle in diesem Konzept?
Der Lehrer nimmt eine zentrale Rolle als Diagnostiker, Förderer, Innovator und Berater ein, um den individuellen Lernprozess jedes Schülers, vergleichbar mit einem Gärtner, gezielt zu unterstützen.
- Citar trabajo
- Henning Pracht (Autor), 2010, Binnendifferenzierung im Sportunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165542