Kinder und Jugendliche in Deutschland können sich glücklich schätzen. Sie wachsen auf in einem der zehn wohlhabendsten Ländern der Erde in einer Situation der sozialen Sicherheit und im Frieden. Es ist zwar nicht alles vollkommen, aber krasse Ausbeutung, Sklaverei und völlige Chancenlosigkeit sind überwunden. Die Emanzipation und Gleichstellung der Mädchen und Frauen ist weiter fortgeschritten als in den überwiegenden, ärmeren und rückständigeren Ländern der Erde. Die Möglichkeiten der freien Entfaltung der Persönlichkeit und der Talente sind größer als in der Mehrzahl aller Staaten des Erdballs. Die soziale Durchlässigkeit ist nicht absolut, aber doch besser als in Jahrtausenden zuvor.
Und dennoch ist ein Teil der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland nicht glücklich. Zahlreiche Kindheits- und Jugendprobleme schmälern die Freude am Leben. Im vorliegenden Buch sollen im ersten Kapitel exemplarisch einige der weit verbreiteten Kindheits- und Jugendprobleme ausführlicher beleuchtet werden. Identitätsfindungsschwierigkeiten weiblicher und männlicher Jugendlicher, Schulangst, Schulabsentismus und Schülersuizid, Drogenmissbrauch und Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom werden erörtert.
Im zweiten Kapitel wird die Frage aufgeworfen, inwieweit alternative Konzepte der Erziehung und Bildung zur Persönlichkeitsstabilisierung der heranwachsenden Kinder und Jugendlichen beitragen könnten. Unter anderem werden die pädagogischen Konzeptionen MONTESSORIs, STEINERs, NEILLs, KORCZAKs und FREIREs erörtert. Einige Auswirkungen der Reformpädagogischen Bewegung sind bis in die Gegenwart erhalten: Offener Unterricht, Wochenplan, Freiarbeit, Handlungsorientierter Unterricht, Projektmethode, Epochen- Unterricht, Berichtszeugnisse, Bewegte Schule, Jahrgangs-übergreifende Lerngruppen, Umwelt-Erziehung, Wald-Pädagogik, Zirkus-Pädagogik, Tierschutz-Erziehung, Internationale Schulen, Internationale Schülerbegegnungen, UNESCO-Modellschulen.
Das vorliegende Buch enthält ein drittes Kapitel, in dem exemplarisch einige ausgewählte neuartige Konzepte der erziehungswissenschaftlich relevanten Psychologie sowie zukunftsweisende Gedanken der Erziehung und Bildung formuliert werden. Multiple Intelligenzen und Werte-Erziehung, Indigo-Kinder und Positive Erziehung stehen unter anderem im Fokus der Erörterungen.
Zum Abschluss der Ausführungen werden mögliche Themen für ein zukunftsweisendes Curriculum in der Erzieher- und Lehrer-Ausbildung aufgelistet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kindheits- und Jugendprobleme
1.1 Weibliche Sozialisationsprobleme
1.2 Männliche Sozialisationsprobleme
1.3 Schulangst und Schülersuizid
1.4 Mobbing in der Schule
1.5 ADHS - moderne Zappelphilippe
1.6 Drogenmissbrauch
2. Alternative Konzepte der Pädagogik
2.1 Die Kunsterziehungsbewegung
2.2 Die Landerziehunhsheimbewegung
2.3 Das Lichtschulheim Lüneburger Land
2.4 Maria MONTESSORIs Pädagogik
2.5 Rudolf STEINERs Waldorf-Pädagogik
2.6 Alexander S. NEILLs Summerhill-Schule
2.7 Celestin FREINETs Pädagogik
2.8 Janusz KORCZAKs Rechte des Kinder
2.9 Paulo FREIREs Alphabetisierungs- und Bewusstseins-Bildung
3. Richtungsweisende Perspektiven
3.1 Die Indigo-Kinder
3.2 Multiple Intelligenzen
3.3 Konfliktlösung durch Mediation
3.4 Werte-Erziehung
3.5 Positive Erziehung
3.6 Bildung für die Zukunft
Ausblick: Fächerübergreifende Bildungsaufgaben
Zielsetzung & Themen der Publikation
Das Werk verfolgt das Ziel, aktuelle Probleme in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren und diesen Herausforderungen durch die Vorstellung alternativer pädagogischer Konzepte sowie zukunftsweisender Bildungsansätze zu begegnen.
- Analyse verbreiteter Kindheits- und Jugendprobleme (z.B. Schulangst, Sucht, ADHS, Mobbing).
- Historische und inhaltliche Darstellung bedeutender reformpädagogischer Strömungen und ihrer Akteure.
- Untersuchung neuerer psychologischer und spiritueller Entwicklungen wie das Indigo-Phänomen und Multiple Intelligenzen.
- Vermittlung von Kompetenzen in Konfliktlösung, Werte-Erziehung und positiver Erziehung.
- Diskussion über fächerübergreifende Bildungsaufgaben zur Sicherung einer humanen Bildungszukunft.
Auszug aus dem Buch
1.1 Weibliche Sozialisationsprobleme
Die Identitätsfindungsschwierigkeiten jugendlicher Mädchen äußern sich in intrapsychischen Konflikten, die autoplastisch, introvertiert, sich gegen die eigne Person richten. Depressionen, Selbstschädigungen und Essstörungen sind die häufigsten Formen abweichenden Verhaltens bei weiblichen Jugendlichen. Beispiehaft sei hier die „Anorexia nervosa“(griech), Appetitlosigkeit angeführt. Die Magersucht gibt sich durch eine starke Abnahme des Körpergewichts aufgrund extremer Ablehnung der Nahrungsaufnahme zu erkennen. Es kann von einer Selbstaushungerung durch Unterdrückung von Appetit und Hungergefühlen gesprochen werden.
Familiendynamische Einzelfallstudien untersuchen die familiären Einflüsse bei der Entstehung dieser Krankheit.Vorgetäuschte Harmonie oder Pseudo-Harmonie innerhalb der Familie lässt der weiblichen Heranwachsenden wenig Möglichkeit zur Abgrenzung. Es wird nicht über Gefühle und Gedanken gesprochen. Der Familienstil ist geprägt durch Leistungsorientierung, Ordnung und Perfektionismus. Die weiblichen Kinder unterliegen einem hohen Erwartungsdruck und versuchen, den Ansprüchen der Eltern gerecht zu werden. Oft lebt die Mutter die Wichtigkeit des Schlank Seins vor und kritisiert die Figur des eigenen Kindes. Obwohl äußerlich alles intakt scheint, fehlt es an „Nestwärme“ an emotionaler Wärme und Verständnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kindheits- und Jugendprobleme: Das Kapitel behandelt verschiedene soziale und psychische Belastungen von Heranwachsenden, darunter Schulangst, Mobbing, ADHS und Drogenmissbrauch, und beleuchtet deren Ursachen und Erscheinungsformen.
2. Alternative Konzepte der Pädagogik: Dieses Kapitel stellt bedeutende reformpädagogische Bewegungen und Ansätze vor, wie die Landerziehungsheime, die Montessori-Pädagogik sowie die Theorien von Freinet, Korczak und Freire.
3. Richtungsweisende Perspektiven: Der letzte Teil des Buches widmet sich zukunftsfähigen Bildungsansätzen, inklusive der Thematik der Indigo-Kinder, multipler Intelligenzen sowie Methoden zur Werte- und positiven Erziehung.
Schlüsselwörter
Reformpädagogik, Kindheits- und Jugendprobleme, Essstörungen, Suchtprävention, Schulerfolg, Montessori-Pädagogik, Waldorf-Pädagogik, Friedenspädagogik, multiple Intelligenzen, Werte-Erziehung, soziale Kompetenz, ganzheitliche Bildung, Indigo-Kinder, Persönlichkeitsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch analysiert die Herausforderungen, mit denen Kinder und Jugendliche in der modernen Gesellschaft konfrontiert sind, und stellt bewährte sowie neuartige alternative pädagogische Ansätze zur Unterstützung ihrer Entwicklung vor.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Erörterung von Sozialisationsproblemen (Sucht, Essstörungen, Mobbing), die Vorstellung klassischer Reformpädagogik sowie moderne Ansätze wie Persönlichkeitsstabilisierung und Gesundheitserziehung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Erzieher und Lehrer für eine ganzheitliche Erziehung zu sensibilisieren, die nicht nur auf Leistung, sondern auf Persönlichkeitsentfaltung, Selbstachtung und soziale Verantwortung setzt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, pädagogischer Reflexion und systematischer Einordnung internationaler pädagogischer Modelle, um eine theoretische Grundlage für zeitgemäße Erziehung zu schaffen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diagnose von Jugendproblemen, die historische Aufarbeitung reformpädagogischer Konzepte (z.B. Steiner, Montessori) und die Diskussion moderner Perspektiven wie der "Positiven Erziehung".
Was charakterisiert das Konzept der Indigo-Kinder in diesem Text?
Die Arbeit betrachtet Indigo-Kinder als eine spezielle Charaktergruppe von Kindern, die oft fälschlicherweise als ADHS-Patienten diagnostiziert werden, und betont die Notwendigkeit, deren Individualität und Sensibilität wertzuschätzen.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Medikamenten wie Ritalin bei Kindern mit ADHS?
Der Autor steht der häufig vorschnellen medikamentösen Behandlung kritisch gegenüber und plädiert stattdessen für einen multimodalen Therapieansatz sowie ein besseres Verständnis des Kindes in seinem sozialen Umfeld.
Welche Bedeutung misst der Autor der Elternarbeit in Waldorfschulen bei?
Die Elternarbeit wird als zentrales Element für eine lebendige Schulkultur angesehen, wobei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung für den Entwicklungsprozess der Kinder im Vordergrund stehen.
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- Professor Dr. phil. Karl-Heinz Ignatz Kerscher (Author), 2011, Kindheits- und Jugendprobleme als Herausforderung für alternative Konzepte in Erziehung und Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165772