Obwohl in der Musik der Yorùbá auch Chordophone, Aerophone und Idiophone gespielt
werden, stellen die Membranophone die wichtigsten Instrumente ihrer traditionellen Musik
dar. Die Bàtá-Trommeln der im südwestlichen Nigeria lebenden Yorùbá haben eine lange religiöse Tradition. Durch den Rückgang der indigenen Religion, die Migration vom Land in die Stadt, die Popularität von neueren Musikinstrumenten sowie die Fusionen von Musikstilen sind sie jedoch im Verlaufe der Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden der Ursprung, die Bedeutung und die Verbreitung der Bàtá-Trommeln skizziert. Dazu werden Quellen von Musikethnologen, Historikern und Ethnologen hinzugezogen. Danach wird aufgezeigt mit welchen Mitteln die ältere Generation versucht ihre Tradition – in einer sich schnell verändernden Umwelt – zu
bewahren. Die Dùndún-Trommel stellt eine gewisse Konkurrenz gegenüber der Bàtá-Trommel dar. Auch wurde sie von Musikethnologen, wie Darius Thieme oder Akin Euba, genauer erforscht als andere Trommeln der Yorùbá sowie mit der Bàtá-Trommel verglichen. Deshalb findet auch die Dùndún - Trommel vermehrt Erwähnung, wenngleich die Bàtá-Trommel im Mittelpunkt steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Ursprung der Bàtá-Trommeln
3. Bàtá-Trommeln im religiösen System der Yorùbá
4. Das Bàtá-Ensemble
5. Die Verbreitung der Bàtá Trommel während des Sklavenhandels
6. Die Bàtá-Trommler im lokalen und globalen Markt
7. Die Wiederbelebung der Tradition im modernen Nigeria
8. Ausblick: Die Zukunft der traditionellen Bàtá-Ensembles in Èrìn-Òsun
9. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung, Verbreitung und den Wandel der Bàtá-Trommeln bei den Yorùbá im lokalen sowie globalen Kontext und analysiert, wie diese traditionelle Musikform auf sozioökonomische Veränderungen und religiöse Einflüsse reagiert.
- Historischer Ursprung und religiöse Bedeutung der Bàtá-Trommeln.
- Struktur und Charakteristika des traditionellen Bàtá-Ensembles.
- Auswirkungen der Diaspora und des Sklavenhandels auf die Verbreitung der Tradition.
- Herausforderungen durch Migration, wirtschaftlichen Wandel und populäre Musikstile.
- Strategien der älteren Generation zur Bewahrung der Tradition in transnationalen Netzwerken.
Auszug aus dem Buch
Die Wiederbelebung der Tradition im modernen Nigeria
Bis vor ungefähr zwanzig Jahren folgten die Zeremonien, an denen Bàtá-Trommler auftraten, dem traditionellen Ritualkalender und dauerten, je nach Saison und Stadt, von zwei Wochen bis zu mehreren Monaten. Weil – wie bereits oben erwähnt – viele zum Islam und Christentum konvertiert und/oder in die Städte gezogen waren, hatten die Bàtá-Trommler nicht mehr so oft die Möglichkeit im Yorùbá-Land aufzutreten. Aber durch ihre Auslandsauftritte wurden sie wieder vermehrt zu lokalen religiösen Festen und Ritualen und neu auch zu allgemein sozialen Anlässen eingeladen. Dies bedeutete zwar den Verlust der ausschliesslich religiösen Bedeutung der Bàtá-Trommeln, aber auch ein Anstieg der Auftritte und somit das Überleben der Bàtá-Ensembles im Yorùbá-Land. Die Auftritte im Ausland waren jedoch nicht der einzige Grund, dass die Ensembles wieder mehr gebucht wurden. Es gab viele praktizierende Moslems und auch Christen, die die Fertigkeit der Bàtá-Trommler schon lange bewunderten. Nur hatten sie zuvor nie die Möglichkeit an Zeremonien, an denen die traditionellen Bàtá-Ensembles spielten, teilzunehmen oder selbst den Beruf des Bàtá-Trommlers auszuüben.
Dies änderte sich langsam, als den Bàtá-Ensembles nicht mehr nur eine religiöse Rolle zukam. Es entstanden jedoch Spannungen, da nicht wenige Anhänger der Òrìsàs nicht wollten, dass Andersgläubige an ihren Zeremonien auftreten oder teilnehmen. Trotzdem gab es bereits seit den 50er Jahren viele Àyán-Trommler und Òjé-Tänzer, die zum Islam konvertiert waren. Gleichzeitig aber hatten sie ihren indigenen Glauben nicht aufgegeben und spielten im Rahmen der religiösen Zeremonien traditionelle Bàtá-Musik. Problematisch wurde es allerdings als praktizierende Muslime und Christen der jüngeren Generation die Bàtá-Trommeln mit populären Musikstilen – wie Fújì oder Jùjú - mischten. Insbesondere die Vermischung von Bàtá und Fújì löste in Èrìn-Òsun, in der Zeit als Klein ihre Feldforschungen durchführte, heftige Debatten zwischen den Generationen aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit skizziert den Ursprung und die Bedeutung der Bàtá-Trommeln und erläutert die methodische Herangehensweise anhand musikethnologischer Quellen.
2. Der Ursprung der Bàtá-Trommeln: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Trommelensembles der Yorùbá und beleuchtet die oralen Überlieferungen zur Entstehung der Bàtá-Tradition.
3. Bàtá-Trommeln im religiösen System der Yorùbá: Hier wird die Verknüpfung der Trommelmusik mit den lokalen Òrìsàs und deren Rolle als Kommunikationsmittel zwischen Mensch und Göttlichem analysiert.
4. Das Bàtá-Ensemble: Dieses Kapitel beschreibt die technische Struktur des Ensembles sowie die spezifischen Funktionen der einzelnen Instrumente.
5. Die Verbreitung der Bàtá Trommel während des Sklavenhandels: Untersuchung der Transformation und Bewahrung Yorùbá-kultureller Elemente in synkretistischen Religionen der Diaspora.
6. Die Bàtá-Trommler im lokalen und globalen Markt: Eine Analyse des sozioökonomischen Wandels und der Entstehung transnationaler Netzwerke für Musiker aus Èrìn-Òsun.
7. Die Wiederbelebung der Tradition im modernen Nigeria: Erörterung der veränderten soziokulturellen Rolle der Bàtá-Musik durch den Einfluss von Islam, Christentum und modernen Musikstilen.
8. Ausblick: Die Zukunft der traditionellen Bàtá-Ensembles in Èrìn-Òsun: Fazit über die Spannungsfelder zwischen Bewahrung traditioneller Kunst und dem kommerziellen Druck für die junge Musikergeneration.
Schlüsselwörter
Yorùbá, Bàtá, Trommel, Nigeria, Èrìn-Òsun, Musikethnologie, Religion, Òrìsà, Globalisierung, Tradition, kultureller Wandel, Musikensembles, transnationale Netzwerke, Identität, Fújì.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen und religiösen Bedeutung der traditionellen Bàtá-Trommeln der Yorùbá in Nigeria und deren Anpassungsprozessen in einer globalisierten Welt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der religiösen Verankerung der Instrumente, ihrem Wandel durch sozioökonomische Faktoren sowie den Strategien zur Bewahrung der Tradition in der modernen nigerianischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bàtá-Ensembles durch den Einfluss von Migration und globalen Märkten ihre ursprüngliche religiöse Bedeutung gewandelt haben, um als kulturelle Identitätsstifter zu überleben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse musikethnologischer, historischer und ethnologischer Quellen, insbesondere die Feldforschungen von Debra Klein in Èrìn-Òsun.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herkunft, die rituelle Funktion, die instrumentale Struktur sowie die Auswirkungen der Diaspora und moderner Musiktrends auf die Spielpraxis der Trommler.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Konzepte sind Yorùbá-Kultur, Bàtá-Trommeln, kultureller Wandel, religiöse Riten und transnationale Netzwerke.
Welche Rolle spielt der deutsche Wissenschaftler Ulli Beier für die Musiker?
Ulli Beier förderte die Kunstszene in Osogbo und half Musikern aus Èrìn-Òsun durch Auftrittsmöglichkeiten in Deutschland, wertvolle Netzwerke aufzubauen, die ihr wirtschaftliches Überleben sicherten.
Warum gibt es Spannungen zwischen den Generationen?
Die ältere Generation fürchtet den Verlust der traditionellen Identität durch die Vermischung von Bàtá mit modernen Musikstilen wie Fújì, die von der jüngeren Generation zur kommerziellen Einkommenssicherung vorangetrieben werden.
- Citation du texte
- Martina Schöb (Auteur), 2009, Die Yorùbá-Bàtá-Trommeln im lokalen und globalen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165885