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Die Waschbärmafia

Wie die Müllbanditen nach Deutschland kamen

Titre: Die Waschbärmafia

Pas d'entrée , 2025 , 147 Pages

Autor:in: Andrea Schmidt-Küster (Auteur)

TinyTales
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Résumé Extrait Résumé des informations

Wusstest du, dass Waschbären gar nicht immer in Deutschland lebten? Vor hundert Jahren gab es hier noch keinen einzigen, denn da lebten sie nur in Nordamerika! Aber wie kamen sie dann hierher? Und warum?

In dieser spannenden und lustigen Geschichte erfährst du, wie drei neugierige Waschbären – Jimmy, Antonio und Rüdiger – in den 1930er Jahren von New York bis nach Deutschland reisen. Sie erleben Abenteuer auf hoher See, gründen einen eigenen Laden, verlieben sich und entdecken schließlich, dass Pelzhandel vielleicht doch keine so gute Idee ist.

Mit viel Witz und Charme erzählt Andrea Schmidt-Küster, wie aus kleinen Müllbanditen große Weltenbummler wurden – und warum es heute so viele Waschbären in Deutschland gibt.

Extrait


Auszüge aus dem Buch

Cover: Die Waschbärmafia

Kapitel 1

Kapitel 1

Ihr lernt die Hauptfiguren unserer Geschichte kennen

Jetzt will ich Euch erst einmal die Hauptfiguren unserer Geschichte vorstellen:

Da war zuerst einmal James, genannt Jimmy. Er wuchs auf einer kleinen Farm in Oklahoma auf. Als die Farmersfrau ihr erstes Kind bekam, nannte sie es James, und die Waschbärmutter dachte: „Was für ein hübscher Name, so werde ich meinen ersten Sohn auch nennen.“ Und so kam Jimmy zu seinem Namen.

Als er erwachsen war merkte er, dass das Farmleben ihm nicht besonders gefiel, er träumte schon lange von der großen Stadt. Eines Tages machte er sich zu Fuß, per Bus und per Anhalter auf den langen Weg nach New York. Nach fast 1500 km und 14 Tagen kam er endlich dort an.

Er fand einen Job in einer Konservenfabrik und ein Zimmer zur Untermiete bei Mrs. Joker. In seiner Freizeit spielte er Mundharmonika und eines Abends lernte er in einer Kneipe beim Billardspielen Antonio kennen.

Antonio war der zweite im Bunde. Seine Eltern lebten in einem Schuppen, der zu dem italienischen Restaurant „Pizzeria Antonio“ gehörte. Seine Mutter liebte Pizza und bekam vom Restaurantbesitzer oft die Stücke, die er nicht verkauft hatte, geschenkt. Als Dank nannte sie ihren ersten Sohn Antonio. Er wohnte noch bei Mama und Papa, arbeitete aber auch in der Konservenfabrik. Er spielte gerne Fußball und sang abends manchmal schöne Lieder – Serenaden - unter dem Fenster seiner Freundin Maria. Und wie die ganze Familie des Restaurantbesitzers war er katholisch. Darum trug er auch immer seine Kette mit einem goldenen Kreuz. Er hatte sich schon früh angewöhnt, mit einem italienischen Akzent zu sprechen. Das fand er einfach chic. Manchmal ging er in die Kneipe zum Billardspielen.

Nummer drei war Rüdiger. Seine Eltern wohnten auf dem Dachboden einer Familie, die erst vor kurzem aus Leipzig in Deutschland in die USA emigriert war. Sie hatten im Erdgeschoss einen kleinen Laden für Kurzwaren eröffnet, sprachen noch nicht gut Englisch, und waren begeistert von ihren Waschbär-Untermietern. In Deutschland gab es zu der Zeit ja noch keine Waschbären.

Als Rüdiger geboren wurde, nannte seine Mutter ihn nach dem Sohn der deutschen Familie. Er lernte schneller deutsch als die Kurzwarenhändler englisch, und übersetzte für sie wann immer sie ihn brauchten. Als er größer war, arbeitete er im Laden mit.

Rüdiger nähte gerne und war sehr stolz auf den blauen Arbeitsanzug, den er selbst gemacht hatte. Er lernte fleißig, da er später gerne zur Waschbäruniversität gehen und Chemie studieren wollte. Weil er gehört hatte, dass viele Chemiker eine Fliege tragen – da eine Krawatte zu leicht vom Bunsenbrenner, den man im Labor braucht, angebrannt werden kann – trug er immer eine rote Fliege. Ab und zu ging er abends in die Kneipe, um Billard zu spielen. Hier lernte er Jimmy und Antonio kennen.

Als Rüdiger ihnen erzählte, dass er in dem Kurzwarenladen arbeitete, meinte Antonio: „Wir arbeiten in der Konservenfabrik von Mr. Moller. Hast du nicht Lust, auch dort zu arbeiten? Sie bezahlen ganz gut und die Arbeit ist nicht zu schwer. Und wir könnten uns öfter sehen.“

Rüdiger war bei allem, was er tat, immer sehr vorsichtig. „Ich weiß nicht, antwortete er. „Ich muss erst darüber nachdenken.“ Aber der Sohn des Kurzwarenhändlers war inzwischen so groß, dass er im Laden mitarbeiten konnte. Außerdem sprach er schon gut Englisch, so dass er für seine Eltern übersetzen konnte, wenn Kunden kamen. Eigentlich gab es für Rüdiger keinen Grund, es nicht mit einer Arbeit in der Konservenfabrik zu probieren. „OK, ich komme morgen vorbei und frage, ob sie mich einstellen.“

Da man in der Fabrik noch Arbeiter suchte, bekam Rüdiger einen Job. Ein halbes Jahr lang lief alles prima. Die drei Freunde arbeiteten in der Fabrik, machten in ihrer Freizeit jeder das, was ihm Spaß machte. Und hin und wieder trafen sie sich nach der Arbeit noch in der Kneipe, um zusammen Billard zu spielen. Und dann kam der 24. Oktober 1929, und damit der Börsencrash.

Unsere Waschbären hörten zwar von dem Crash, sie gingen auch bei der Börse vorbei, um sich das Spektakel anzusehen. Viele Menschen hatten sich vor dem Gebäude, in dem die Börse war, versammelt. Sie waren verzweifelt und schrien laut. „Wir wollen unser Geld zurück!“ „Ich habe alle meine Ersparnisse verloren“, rief ein Mann. „Wie sollen wir jetzt unsere Kinder ernähren?“ riefen andere Leute.

Da unsere Waschbärfreunde keine Aktien gekauft hatten, verloren sie auch kein Geld. Sie dachten zuerst, dass sie noch einmal Glück gehabt hatten.

Aber nach einigen Monaten musste die Konservenfabrik schließen. Jimmy, Antonio und Rüdiger verloren ihre Arbeit.

Sie hatten alle drei ein wenig gespart und Rüdiger und Jimmy mussten nur wenig Miete zahlen. Antonio wohnte ja noch zuhause. Also machten sie sich anfangs wenig Sorgen. Sie würden schon bald eine neue Arbeit finden. Aber so sehr sie auch suchten – wie Millionen von anderen Menschen auch – sie fanden nichts. Und so sparsam sie auch waren, das Geld wurde immer weniger. Selbst auf das Bier oder eine Limo in der Kneipe mussten sie immer öfter verzichten.

An einem Abend im März 1930 trafen sie sich endlich wieder einmal bei Benkin’s, ihrer Stammkneipe. Das Geld reichte gerade für ein Bier für jeden. Sie waren alle recht niedergedrückt. Da sagte Jimmy: „So kann das nicht weitergehen. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ „Ich habe mir schon überlegt nach Deutschland zu emigrieren. Vielleicht gibt es dort mehr Arbeit. Und Deutsch spreche ich ja inzwischen auch ganz gut“, meinte Rüdiger. „Und was wird dann aus uns?“ Antonio schüttelte den Kopf. „Wir müssen etwas suchen, womit wir zusammen Geld verdienen können.“

Nach einigen Minuten Stille sagte Jimmy: „Mein Geld ist alle, aus, nix mehr da. Ich habe nur noch den alten Pelzmantel von meiner Oma, den ich verkaufen könnte.“ Ein paar Minuten lang sagte keiner etwas. Dann: „Si si, das ist es!“ Antonio sprang begeistert im Kreis. „Pelze!“ Die beiden Freunde schauten ihn verwundert an. „Versteht ihr nicht? Viele Leute verkaufen gerade ihre Pelzmäntel, die viel Geld wert sind, für ein paar Dollar. Was haltet ihr von diesem Plan: Wir verkaufen alles, was wir noch haben. Dann schmeißen wir unser Geld zusammen und kaufen dafür Pelzmäntel. Und dann fahren wir mit dem Schiff nach Europa und verkaufen die Pelze dort?“

Jimmy und Rüdiger dachten eine Weile nach. Rüdiger, der immer der vorsichtigste der drei war, zählte erst alle möglichen Probleme auf, die es geben könnte. Aber dann ließ er sich von der Begeisterung der beiden Freunde anstecken.

Kapitel 1

[...]

Kapitel 6

Kapitel 6

Die erste Hochzeit

Zwei Tage später kam Jimmy wieder aus Amerika zurück. Und tatsächlich brachte er Dolly mit. Auf der Hinreise nach New York war er mit der „Europa“ gefahren. Er wollte so schnell wie möglich bei Dolly ankommen. Allerdings kam nach zwei Tagen ein schrecklicher Sturm auf. Er dauerte 36 Stunden, das Schiff wurde hin- und her geschleudert und zum ersten Mal in seinem Leben war auch Jimmy richtig seekrank.

Als er in New York ankam, wartete Dolly schon am Hafen auf ihn. „Oh Jimmy, wie schön, dass wir uns endlich wiedersehen. Du hast mir so gefehlt! Wie ist die Reise gewesen?“ Jimmy murmelte: „Oh, ganz nett.“ Er wollte nicht zugeben, wie schlecht es ihm gegangen war, da er Angst hatte, dass Dolly sonst nicht mit ihm zurückfahren würde. „Ich freue mich auch wahnsinnig.“

„Komm doch mit zu meinen Eltern, die freuen sich auch, dass du wieder da bist.“ Dolly verriet ihm nicht, dass ihre Eltern sich hauptsächlich deshalb freuten, weil Dolly die ganze Zeit traurig und schlecht gelaunt gewesen war, seit Jimmy nach Hamburg gereist war. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Jimmy traute sich endlich, Dolly zu fragen, ob sie ihn heiraten wolle. Und da auch ihr Vater einverstanden war, verlobten sie sich. Es war nur eine ganz kleine Feier. Dolly hatte vorher gefragt: „Wollen wir deine Eltern nicht auch zur Verlobung einladen?“ Aber Jimmy hatte ihr erklärt, dass das nicht ginge. „Du weißt doch, dass ich möglichst bald wieder nach Hamburg zurückfahren möchte. Und wenn wir warten, bis meine Eltern aus Oklahoma hier sind, das dauert doch Ewigkeiten. Wenn wir das nächste Mal nach New York kommen, sagen wir ihnen vorher Bescheid. Oder wir nehmen uns richtig viel Zeit und besuchen sie auf der Farm“, erklärte Jimmy.

Einige Tage später fuhren sie zusammen nach Hamburg zurück. Dieses Mal aber wieder mit der „New York“. Das Wetter war auch wieder schön und niemand wurde seekrank.

In den ersten Monaten nach ihrer Ankunft wohnte Fräulein Dolly Raccoon noch als Untermieterin bei einer alten Dame. Damals schickte es sich einfach nicht, mit seinem Freund oder Verlobten zusammen zu wohnen, wenn man nicht verheiratet war. Dolly hatte zuhause Schneiderin gelernt und fing sofort an, für andere Frauen Kleider zu nähen. So verdiente sie etwas Geld, das sie für ihre Aussteuer sparte.

Außerdem lernte sie, wie man Leder und Pelze näht und repariert, damit sie später im Geschäft unserer Waschbärfreunde mitarbeiten konnte. Das Geschäft lief prima, Jimmy, Antonio und Rüdiger verdienten gutes Geld und waren sparsam. Aber sie nahmen sich immer Zeit, um gemeinsam etwas zu unternehmen: Billard spielen in der neuen Stammkneipe, Fußballspielen, Musik machen und am Wochenende Ausflüge auf der Alster – dem Fluss der durch Hamburg fließt – oder mal eine Landpartie.

Antonio und Rüdiger freuten sich, dass Dolly jetzt in Hamburg war. Jimmy war immer gut gelaunt, Dolly war sehr nett und kam ab und zu in die Wohnung, um für alle zu kochen. Das war dann jedes Mal etwas besonders Leckeres. „Du hast dich wieder selbst übertroffen“, meinte Rüdiger dann jedes Mal. Und Antonio fügte hinzu: „Dolly, du bist Gold wert!“ Jimmy schmunzelte und freute sich, dass sich alle so gut verstanden.

Die Jungs konnten zwar auch etwas kochen, aber meistens lief es doch auf Pasta, Pasta und noch mal Pasta hinaus. Und ab und zu Kartoffeln mit Hering, schließlich waren sie ja in Hamburg.

Als der nächste Frühling kam, heirateten Jimmy und Dolly in der St. Petri Kirche.

Die Wohnung über dem Ladengeschäft war jetzt zu klein geworden. Und da die drei sowieso vorgehabt hatten, ein neues Geschäft in einer anderen Stadt aufzumachen, war jetzt der richtige Moment. Sie überlegten lange, welche Stadt wohl am besten sei.

Rüdiger sagte: „Ich würde ja so gerne ein Geschäft in Leipzig eröffnen, aber jetzt müssen wir wohl erst einmal etwas für Jimmy und Dolly finden.“ „Am schönsten wäre es,“ meinte Dolly, „wenn wir auch ein Haus finden könnten mit einer Wohnung oben und einem Laden unten, wie ihr es jetzt hier in Hamburg habt.“ „Wo möchtet ihr denn am liebsten hinziehen“, fragte Antonio. „Habt ihr schon darüber nachgedacht?“

Dolly antwortete: „Ich würde sooo gerne nach München ziehen. Die Stadt soll so schön sein, und die Frauen tragen dort alle Dirndl. Ich glaube, das würde mir auch gut stehen.“ Und da nichts gegen München sprach und Jimmy seiner Dolly gerne einen Gefallen tat, beschlossen sie, nach München zu ziehen.

Am nächsten Tag gaben sie eine Anzeige in einer Münchner Zeitung auf und bald erhielten sie einige interessante Angebote.

„Hier schau mal“, rief Jimmy eines Abends. „Das hier wäre genau das Richtige: drei Zimmer, Küche und Bad im Obergeschoss. Unten ein Laden mit Büro und Lager. In der Nähe der Frauenkirche. Was meinte ihr?“

Keiner hatte etwas einzuwenden, nicht einmal Rüdiger sah ein Problem, und so unterschrieb Jimmy den Vertrag und schickte ihn nach München zurück.

Jimmy und Dolly packten ihre Sachen in Kisten und Koffer, und beauftragten eine Spedition, alles nach München zu bringen. Für die Bahnfahrt würden er und Dolly jeder nur einen kleinen Koffer mit den nötigsten Dingen mitnehmen und natürlich einen großen Proviantkorb. So war das Reisen einfacher. Heute dauert die Strecke von Hamburg nach München mit einem ICE nur noch 6 ½ Stunden. Damals wurden die Waggons noch von einer Dampflokomotive gezogen und man musste mehrfach umsteigen. Da konnte die Fahrt einen ganzen Tag lang dauern. Also war es gut, wenn man genug zu Essen und zu Trinken dabei hatte.

Am Tag der Abfahrt begleiteten Antonio und Rüdiger ihren Freund Jimmy und dessen Frau Dolly zum Bahnhof und unter vielen Tränen und Gelächter verabschiedeten sie sich. Als der Zug unter Fauchen losfuhr, lief Antonio noch den Bahnstein entlang und rief: „Wir besuchen euch sobald wie möglich. Macht‘s gut! Bleibt gesund! Vergesst nicht zu schreiben!“ Rüdiger und er winkten dem Zug noch lange nach.

Fin de l'extrait de 147 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Die Waschbärmafia
Sous-titre
Wie die Müllbanditen nach Deutschland kamen
Auteur
Andrea Schmidt-Küster (Auteur)
Année de publication
2025
Pages
147
N° de catalogue
V1659320
ISBN (ebook)
9783389156841
ISBN (Livre)
9783389156858
Langue
allemand
mots-clé
Waschbären Kinderbuch Waschbärmafia Müllbanditen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Andrea Schmidt-Küster (Auteur), 2025, Die Waschbärmafia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659320
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Extrait de  147  pages
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