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Konstituierung von Wortbedeutungen durch Praktiken semantischer Elaboration

Title: Konstituierung von Wortbedeutungen durch Praktiken semantischer Elaboration

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 11 Pages

Autor:in: Sarah Nadjafi (Author)

Didactics for the subject German - Grammar, Style, Working Technique
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Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Ergebnisse der Studie von Arnulf Deppermann zur „Konstitution von Wortbedeutung im Gespräch“ auszuarbeiten. Hierzu wird zunächst seine Kernthese vorgestellt und sein methodisches Vorgehen beschrieben. Im nächsten Abschnitt werden Bewertungsausdrücke und ihre Eignung für eine semantische Analyse thematisiert. Anschließend werden die von Deppermann ermittelten „Praktiken der semantischen Elaboration“, also die vom Sprecher verwendeten Praktiken zur Herstellung der kontextspezifischen Semantik von Ausdrücken, gekennzeichnet. Darauf aufbauend sollen die Ergebnisse der Analyse von fünf Gesprächsausschnitten aufgeführt werden, um die lokale Semantik des Bewertungsausdrucks assi in der Jugendsprache zu explizieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstitution von Wortbedeutungen in der Interaktion

3. Deppermanns methodisches Vorgehen

4. Bewertungsausdrücke

5. Praktiken der semantischen Elaboration

6. Varianten der lokalen Bedeutungskonstitution von assi

6.1 assi als abwertende Fremdkategorisierung

6.2 assi als aufwertende Selbstkategorisierung

6.3 assi als verallgemeinerte Kategorisierung sinnlicher Normabweichung

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Arnulf Deppermanns Studie zur Konstitution von Wortbedeutungen im Gespräch aufzuarbeiten und die lokale Semantik des jugendsprachlichen Ausdrucks „assi“ anhand von Gesprächsausschnitten zu analysieren.

  • Grundlagen der Wortbedeutungskonstitution in der sozialen Interaktion
  • Methodik der Gesprächsanalyse zur Untersuchung von Bewertungsausdrücken
  • Praktiken der semantischen Elaboration wie referenzielle Explikation und expressive Enaktierung
  • Differenzierung zwischen abwertender Fremd- und aufwertender Selbstkategorisierung
  • Kontextabhängigkeit und funktionale Variabilität von jugendsprachlichen Ausdrücken

Auszug aus dem Buch

6.1 assi als abwertende Fremdkategorisierung

In einem Gespräch der Jugendlichen über die Mutter eines Bekannten fällt der Satz „[< ey die is so ASSI:::;>“ . Nach Deppermann fungiert assi hier als Bewertungsausdruck, der eine negative soziale Kategorisierung enthält. Durch den Einsatz des Gradpartikels „so“ werde die abwertende Kategorisierung weiter verstärkt. Die Aussage „[< ey die is so ASSI:::;>“diene hier als Vorankündigung für eine Klatschgeschichte. Bei assi handele es sich in diesem Zusammenhang also um eine klatschrelevante Kategorisierung. Darüber hinaus weist Deppermann darauf hin, dass im gleichen Gesprächsausschnitt die Frau als „AS[sischlampe:.>“ bezeichnet wird. In diesem Fall werde assi als Präfixoid verwendet und drücke, durch die Verbindung mit dem negativ konnotierten Wort „Schlampe“ Verachtung und Ekel aus. Das auffälligste semantische Merkmal von assi sei die Mischung von Ekel und Unterhaltsamkeit, da die Frau als Klatschobjekt angesehen werde und bei den jugendlichen Sprechern für Unterhaltung sorge.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Kernthesen von Arnulf Deppermann zur Wortbedeutungskonstitution zu erläutern und den Ausdruck „assi“ analysierend zu beleuchten.

2. Konstitution von Wortbedeutungen in der Interaktion: Hier wird die These dargelegt, dass Wortbedeutungen nicht feststehen, sondern situativ durch interaktive Praktiken im Gespräch entstehen.

3. Deppermanns methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt den fallvergleichenden Ansatz der Studie anhand von Aufnahmen männlicher Jugendlicher zur Bestimmung kontextspezifischer Semantik.

4. Bewertungsausdrücke: Es wird die Problematik der semantischen Entleerung und Hyperbolisierung von Bewertungsadjektiven erörtert, die erst durch Gebrauch einen spezifischen Sinn erhalten.

5. Praktiken der semantischen Elaboration: Dieses Kapitel führt zentrale Verfahren wie referenzielle Explikation, Kontrastierung und expressive Enaktierung als Werkzeuge der Bedeutungskonstitution ein.

6. Varianten der lokalen Bedeutungskonstitution von assi: Anhand verschiedener Gesprächsbeispiele wird untersucht, wie „assi“ kontextabhängig als soziale Fremd- oder Selbstkategorisierung sowie als deskriptiver Ausdruck fungiert.

7. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass Bewertungsausdrücke lediglich einen minimalen semantischen Kern besitzen und ihre tatsächliche Bedeutung erst in der jeweiligen Verwendung gewinnen.

Schlüsselwörter

Wortbedeutung, Gesprächsanalyse, semantische Elaboration, assi, Jugendsprache, soziale Kategorisierung, Interaktion, Bewertungsausdrücke, referenzielle Explikation, expressive Enaktierung, Kontext, Normabweichung, Selbstkategorisierung, Fremdkategorisierung, Sprechpraxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Bedeutung von Wörtern – insbesondere von Bewertungsausdrücken – nicht fest vorgegeben ist, sondern erst aktiv in der sozialen Interaktion durch die Sprecher konstruiert wird.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die interaktive Konstitution von Semantik, die Analyse spezifischer Sprachpraktiken und die empirische Untersuchung von jugendsprachlichen Begriffen im Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Ergebnisse von Arnulf Deppermanns Studie nachzuvollziehen und zu zeigen, wie das Adjektiv „assi“ in verschiedenen sozialen Situationen unterschiedliche Bedeutungsnuancen annimmt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die gesprächsanalytische Methode, um anhand von Transkripten zu verdeutlichen, welche Rolle Kontext und rhetorische Mittel bei der Sinnstiftung spielen.

Was ist der Kern des Hauptteils?

Im Hauptteil werden die theoretischen „Praktiken der semantischen Elaboration“ eingeführt und anschließend in verschiedenen Gesprächsbeispielen mit dem Wort „assi“ praktisch angewendet.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bedeutungskonstitution, semantische Elaboration, kontextuelle Semantik und die pragmatische Funktion von Jugendsprache.

Wie unterscheidet sich die Verwendung von „assi“ als Fremd- von der Selbstkategorisierung?

Als Fremdkategorisierung dient „assi“ primär der Abwertung und sozialen Distanzierung; als Selbstkategorisierung kann es ironisch zur Aufwertung und Identitätsstiftung innerhalb der Gruppe genutzt werden.

Welche Rolle spielt das Lachen bei der Bedeutung von „assi“?

Lachen fungiert oft als expressive Enaktierung, die hilft, den Verstoß gegen soziale Normen zu entmoralisieren und das gesagte Wort mit einem positiven, selbstbewussten Unterton zu besetzen.

Warum wird „assi“ im Kontext einer Party als „verallgemeinerte Kategorisierung“ bezeichnet?

In diesem Kontext dient der Ausdruck nicht nur zur sozialen Einordnung einer Person, sondern beschreibt diffus negative sinnlich-emotionale Zustände wie Ekel oder Unwohlsein.

Ist „assi“ laut der Arbeit ein Wort mit fest definierter Bedeutung?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass solche Begriffe semantisch weitgehend „entleert“ sind und ihre spezifische Bedeutung erst durch die jeweilige interaktive Verwendung erhalten.

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Details

Title
Konstituierung von Wortbedeutungen durch Praktiken semantischer Elaboration
College
University of Münster  (Germanistisches Institut)
Course
Hauptseminar: Grammatik der gesprochenen Sprache
Author
Sarah Nadjafi (Author)
Publication Year
2010
Pages
11
Catalog Number
V166033
ISBN (eBook)
9783640818198
ISBN (Book)
9783640821549
Language
German
Tags
Deutsch Linguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Nadjafi (Author), 2010, Konstituierung von Wortbedeutungen durch Praktiken semantischer Elaboration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166033
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