Gewohnheiten sind ein zentraler Bestandteil unseres Alltags und prägen unser tägliches Verhalten in hohem Maße, oft ohne unser bewusstes Zutun oder unsere aktive Aufmerksamkeit. Sie spielen für uns Menschen eine entscheidende Rolle, denn sie entlasten unser Gehirn und ermöglichen es uns, unsere Aufmerksamkeit auf andere Tätigkeiten zu richten. Die Auslösung und der Ablauf von Gewohnheiten erfolgen meist automatisch und ohne bewusste Steuerung. Bereits kleine Verhaltensänderungen, zum Beispiel in den Bereichen Ernährung oder Bewegung, können zu spürbaren Verbesserungen führen und das Wohlbefinden steigern.
Untersuchungen von Yesil (2019) zeigen, dass Menschen ihr Verhalten häufig an ihre Umgebung anpassen. Eine positiv wahrgenommene Umwelt fördert gesundheitsförderliches Verhalten, während eine negative Umwelt die Tendenz zu ungesünderen Gewohnheiten verstärken kann.
In Anbetracht dessen ergibt sich die Fragestellung, inwiefern das Leben von Menschen durch Gewohnheiten geprägt ist, die sie unter dem Einfluss ihrer sozialen Umwelt entwickeln, und ob diese Gewohnheiten eher als gesundheitsförderlich oder gesundheitsschädlich einzustufen sind. Zur Untersuchung dieser Fragestellung wird eine quantitative Befragung durchgeführt, die in einer Sport- und Gesundheitseinrichtung sowie im persönlichen Umfeld stattfindet. Ziel ist die Identifizierung und Herausarbeitung zentraler Einflussfaktoren innerhalb des sozialen Umfelds sowie die Analyse ihrer Rolle bei der Etablierung oder Veränderung von Verhaltensweisen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Genussmittelkonsum.
Inhaltsverzeichnis
- 1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG
- 2 ZIELSETZUNG
- 3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
- 3.1 Begriffserklärung, Kennzeichen und Abgrenzung von Gewohnheiten
- 3.2 Entstehung von Gewohnheiten
- 3.3 Arten von Gewohnheiten
- 3.4 Ziele von Gewohnheiten
- 3.5 Veränderungen von Gewohnheiten und ihre Modelle
- 3.6 Mess- und Diagnostikansätze von Gewohnheiten
- 4 METHODIK
- 4.1 Untersuchungsdesign
- 4.2 Messinstrumente
- 4.3 Datenauswertung und Statistik
- 5 ERGEBNISSE
- 5.1 Auswertung Forschungsfrage I
- 5.1.1 Auswertung positive Beeinflussung Ernährungsgewohnheiten
- 5.1.2 Auswertung positive Beeinflussung Bewegungsgewohnheiten
- 5.1.3 Auswertung positive Beeinflussung Genussmittelgewohnheiten
- 5.2 Auswertung Forschungsfrage II
- 5.2.1 Auswertung negative Beeinflussung Ernährungsgewohnheiten
- 5.2.2 Auswertung negative Beeinflussung Bewegungsgewohnheiten
- 5.2.3 Auswertung negative Beeinflussung Genussmittelgewohnheiten
- 5.3 Auswertung Forschungsfrage III
- 5.3.1 Auswertung der gesundheitsrelevanten Gewohnheiten
- 5.4 Auswertung Forschungsfrage IV
- 5.4.1 Auswertung altersabhängiger sozialer Einflussfaktoren
- 5.1 Auswertung Forschungsfrage I
- 6 DISKUSSION
- 6.1 Interpretation und Vergleich der Ergebnisse
- 6.2 Einordnung der Ergebnisse im Forschungsspiegel
- 6.2.1 Positive und negative Einflüsse
- 6.2.2 Einfluss sozialer Gruppen
- 6.2.3 Altersbezogene Unterschiede
- 6.3 Methodenkritik
- 6.5 Ausblick
- 7 ZUSAMMENFASSUNG
- 8 LITERATURVERZEICHNIS
- 9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
- 9.1 Abbildungsverzeichnis
- 9.2 Tabellenverzeichnis
- 9.3 Abkürzungsverzeichnis
- ANHANG
- Anhang 1: deskriptive und inferenzstatistische Statistik
- Anhang 2: Online-Umfrage
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss des sozialen Umfelds auf gesundheitsrelevante Gewohnheiten, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Genussmittelkonsum, mittels einer empirischen Analyse zu untersuchen. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern das Leben von Menschen durch Gewohnheiten geprägt ist, die sie unter dem Einfluss ihrer sozialen Umwelt entwickeln, und ob diese Gewohnheiten eher als gesundheitsförderlich oder gesundheitsschädlich einzustufen sind.
- Analyse des Einflusses des sozialen Umfelds auf gesundheitsrelevantes Verhalten.
- Identifizierung und Herausarbeitung zentraler Einflussfaktoren im sozialen Umfeld.
- Untersuchung der Rolle sozialer Gruppen (insbesondere Freundeskreis vs. Familie).
- Analyse altersbezogener Unterschiede in der Wahrnehmung sozialer Einflüsse.
- Empirische Untersuchung in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Genussmittelkonsum.
- Entwicklung praxisnaher Handlungsempfehlungen zur Gewohnheitsänderung.
Auszug aus dem Buch
Begriffserklärung, Kennzeichen und Abgrenzung von Gewohnheiten
Eine einheitliche Definition des Gewohnheitsbegriffs ist nicht existent. Vielmehr gibt es verschiedene Ansätze und Betrachtungsweisen, die das Konstrukt der Gewohnheit erklären. Hilmer (2023, S. 146) beschreibt Gewohnheiten als eine unbewusste, automatische Handlung. Sie dienen als kognitive Entlastung, indem alltägliche Entscheidungen vereinfacht werden und der Fokus auf komplexere Aufgaben gelenkt werden kann. Häcker und Stampf (1998) definieren Gewohnheiten als „angelernte, angebahnte, dem bedingten Reflex vergleichbare, relativ automatisierte Reaktionsabläufe“ (S. 201).
Ohne die Ausprägung von Gewohnheiten wäre der Mensch gezwungen, jede noch so kleine Handlung des Tages neu zu planen, sorgfältig zu steuern und gedanklich zu begleiten. Dies wäre ein enormer Aufwand, der vom morgendlichen Zähneputzen bis hin zum Nachrichtenschauen vor dem Schlafengehen reichen würde. Eine solche kognitive Beanspruchung durch alltägliche Handlungen würde in kürzester Zeit an ihre Grenzen stoßen und kaum noch mentale Kapazitäten für unerwartet auftretende zusätzliche Handlungen zur Verfügung stellen (Wood & Rünger, 2016).
Regelmäßige Wiederholung und automatische Initiierung sind wesentliche Merkmale einer Gewohnheit, die ohne bewusste Zielorientierung auskommt. Es handelt sich folglich um ein erlerntes Verhalten, das aufgrund bestimmter Reize des situativen Kontextes wiederholt wird. Diese Stimuli lösen das Verhalten automatisch aus. Diese Auffassung findet sich in der Definition von Ouellette und Wood (1998) wieder, die Gewohnheiten als „behavioral tendencies to repeat responses given a stable supporting context" (S. 55) beschreiben, sowie bei Verplanken und Aarts (1999), die sie als „learned sequences of acts that have become automatic responses to specific cues and are functional in obtaining certain end goals or states" (S. 104) charakterisieren. In Bezug auf das Gesundheitsverhalten spielen Gewohnheiten in zweierlei Hinsicht eine nicht zu unterschätzende Rolle. Als Verhinderer erschweren Gewohnheiten die Umsetzung geplanter gesundheitsförderlicher Maßnahmen, da diese die Unterdrückung bestimmter hinderlicher, aber einflussreicher Gewohnheiten erfordern. Auf der anderen Seite wirken Gewohnheiten als Treiber, die als starke und stabile Einflüsse für die Entwicklung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen genutzt werden können, sofern es gelingt, das neue gesundheitsförderliche Verhalten zu habitualisieren (Verplanken & Melkevik, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Gewohnheiten als zentralen Bestandteil des Alltags ein und beleuchtet deren positive wie negative Auswirkungen auf die Gesundheit, wodurch die Relevanz der Untersuchung des sozialen Umfelds für das Gesundheitsverhalten begründet wird.
2 Zielsetzung: Die Zielsetzung der Arbeit konzentriert sich auf die empirische Untersuchung des Einflusses des sozialen Umfelds auf gesundheitsrelevante Gewohnheiten in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Genussmittelkonsum, mit einem besonderen Fokus auf soziale Gruppen und altersabhängige Unterschiede.
3 Gegenwärtiger Kenntnisstand: Das Kapitel bietet eine umfassende theoretische Grundlage, indem es Gewohnheiten definiert, ihre Entstehungsprozesse, verschiedene Arten, Ziele, Modelle zur Veränderung sowie Ansätze zur Messung und Diagnostik darstellt.
4 Methodik: Hier wird das quantitative Forschungsdesign der Online-Umfrage detailliert beschrieben, einschließlich des Untersuchungsdesigns, der entwickelten Messinstrumente (Fragebogen) und der angewandten Methoden zur Datenauswertung und Statistik (Chi-Quadrat-Test, ANOVA, Cramérs V, Cohen's d).
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Studie werden präsentiert, wobei die Auswertungen zu den vier Forschungsfragen den positiven und negativen Einfluss des sozialen Umfelds auf Ernährungs-, Bewegungs- und Genussmittelgewohnheiten sowie die Rolle des Freundeskreises und altersbezogene Unterschiede aufzeigen.
6 Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die erzielten Ergebnisse im Kontext bestehender Forschung und theoretischer Ansätze, diskutiert die differenzierten Einflüsse sozialer Gruppen und Altersgruppen, beleuchtet methodische Limitationen und leitet Handlungsempfehlungen ab.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, dass der Einfluss des sozialen Umfelds auf gesundheitsbezogene Gewohnheiten vielschichtig und bereichsspezifisch ist, wobei negative Einflüsse tendenziell stärker ausgeprägt sind und jüngere Personen empfänglicher für hemmende soziale Einflüsse sein können.
Schlüsselwörter
Gewohnheiten, Gesundheitsverhalten, soziales Umfeld, Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsgewohnheiten, Genussmittelkonsum, Einflussfaktoren, Verhaltensänderung, empirische Analyse, quantitative Forschung, Altersunterschiede, soziale Unterstützung, Verhaltensmuster, Gewohnheitsbildung, Automatisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Gewohnheiten unser Gesundheitsverhalten prägen und welche Rolle das soziale Umfeld dabei als Treiber oder Verhinderer spielt, mit einem Fokus auf Ernährung, Bewegung und Genussmittelkonsum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Entstehung und Veränderung von Gewohnheiten, der Einfluss des sozialen Umfelds, gesundheitsrelevantes Verhalten (Ernährung, Bewegung, Genussmittelkonsum) sowie altersbezogene Unterschiede in der Wahrnehmung dieser Einflüsse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Identifizierung und Herausarbeitung zentraler Einflussfaktoren des sozialen Umfelds auf gesundheitsrelevante Gewohnheiten und die Analyse ihrer Rolle bei der Etablierung oder Veränderung von Verhaltensweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde ein quantitatives Forschungsdesign in Form einer Online-Umfrage verwendet, ergänzt durch deskriptive und inferenzstatistische Verfahren wie den Chi-Quadrat-Test, ANOVA, Cramérs V und Cohen's d.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den gegenwärtigen Kenntnisstand zu Gewohnheiten (Definition, Entstehung, Arten, Ziele, Veränderungen), die angewandte Methodik der Untersuchung (Untersuchungsdesign, Messinstrumente, Datenauswertung) sowie die Ergebnisse der vier Forschungsfragen und eine umfassende Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Gewohnheiten, Gesundheitsverhalten, soziales Umfeld, Einflussfaktoren, Verhaltensänderung, empirische Analyse, quantitative Forschung, Altersunterschiede und Automatisierung charakterisieren die Arbeit.
Spielt der Freundeskreis einen stärkeren Einfluss auf Gewohnheiten als die Familie?
Die Untersuchung konnte nicht bestätigen, dass der Freundeskreis einen signifikant größeren Einfluss als die Familie hat. Die Ergebnisse deuten vielmehr auf eine vergleichbare Rolle beider sozialer Gruppen im Kontext gesundheitsrelevanter Gewohnheiten hin.
Inwiefern unterscheiden sich positive und negative soziale Einflüsse?
Die Ergebnisse zeigen, dass negative soziale Einflüsse auf gesundheitsbelastende Gewohnheiten in allen untersuchten Verhaltensbereichen (Ernährung, Bewegung, Genussmittelkonsum) stärker und konsistenter ausgeprägt sind als positive Einflüsse.
Sind jüngere oder ältere Personen anfälliger für soziale Einflüsse auf Gewohnheiten?
Jüngere Personen (< 30 Jahre) scheinen tendenziell empfänglicher für negative soziale Einflüsse im Zusammenhang mit gesundheitsbelastenden Verhaltensweisen zu sein, während positive Einflüsse altersunabhängig wahrgenommen werden.
Welche Modelle zur Gewohnheitsveränderung werden in der Arbeit vorgestellt?
Die Arbeit stellt verschiedene Modelle zur Gewohnheitsveränderung vor, darunter die Gewohnheitsschleife nach Duhigg, das Veränderungsmodell nach Clear, die Reizkette nach Hilmer sowie das Transtheoretische Modell (TTM) von Prochaska und DiClemente.
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- Anonym (Author), 2025, Gewohnheiten als Treiber und Verhinderer im Gesundheitsverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1661457