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Kritik im Spiegel der Kritik: Hat Kritik noch eine Zukunft?

Von Horkheimers kritischer Theorie zu ausgewählten, zeitgenössischen Perspektiven bei Foucault, Butler, Jaeggi, Wesche und Geuss

Title: Kritik im Spiegel der Kritik: Hat Kritik noch eine Zukunft?

Term Paper (Advanced seminar) , 2025 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Herbert Gross (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

In der nachfolgenden Ausarbeitung zur Kritik (Untersuchung) der Kritik werden als Ausgangspunkt die grundlegenden Vorstellungen von Max Horkheimer, was Kritik sei und was sie bezwecke, die er in seinem Aufsatz ´Traditionelle und kritische Theorie´ 1937 veröffentlicht hat, fokussiert dargestellt. Danach wird anhand einer selektiven Auswahl, die Rahel Jaeggi und Tilo Wesche in einem Band mit der Überschrift ´Was ist Kritik´ 2009 – also mehr als 70 Jahre später - herausgegeben haben, versucht, durch deren Rekonstruktion zu bestimmen, wie es dem Projekt Kritik im Vergleich zu seinem Ursprung geht. Gilt die Horkheimer´sche Diktion noch, oder gibt es etwas neues, Anders? Oder ist es nur eine diversifizierte Fortschreibung? Und letztlich natürlich: Hat die Kritik eine Zukunft?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Hauptteil
    • 2.1. Die kritische Theorie von Max Horkheimer als Ausgangspunkt.
    • 2.2. Michel Foucaults Entunterwerfung ist nach Judith Butler der Aufruf zur Selbsttransformation mit offenem Ausgang
    • 2.3.1. Jaeggis Form der Ideologiekritik richtet sich gegen die herrschenden Verhältnisse.
    • 2.3.2. Ideologiekritik ist immanente Kritik
    • 2.3.3. Der Prozess der immanenten Kritik liefert kein klares, fixes Ergebnis.
    • 2.4. Nach Tilo Wesche zeigt sich das Kritikpotenzial v.a. im Sinnüberschuss verschiedener Darstellungsformen
      • 2.4.1. Kritik als Rechtfertigungspraxis zielt auf die nichteingelösten Potenziale der Moderne
      • 2.4.2. Kritikformen der Reflexion und Therapie bei Irrtümern bzw. Zwangsvorstellungen....
      • 2.4.3. Kritikform der Darstellung in Kunst, Dialog und Theorie bei Simplifikationen
    • 2.5. Nach Raymond Geuss wird die Kritik mit dem Bürgertum untergehen
      • 2.5.1. Was ist bürgerliche Philosophie und welche Argumente sprechen dafür?.
      • 2.5.2. Ein andere Sicht hält den bürgerlichen Optimismus für ungerechtfertigt, wodurch das Ende der Kritik eingeleitet wird
  • 3. Fazit
  • 4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Kritik, beginnend mit Max Horkheimers kritischer Theorie als Ausgangspunkt. Sie analysiert, wie sich das Verständnis von Kritik durch ausgewählte zeitgenössische Perspektiven von Foucault, Butler, Jaeggi, Wesche und Geuss weiterentwickelt hat, um zu beurteilen, ob Horkheimers Definition noch gültig ist, ob es neue Ansätze gibt oder ob es sich um eine diversifizierte Fortschreibung handelt, und letztlich, ob Kritik eine Zukunft hat.

  • Analyse von Max Horkheimers kritischer Theorie als fundamentalem Rahmen.
  • Erforschung zeitgenössischer Kritikkonszepte bei Michel Foucault und Judith Butler (Entunterwerfung).
  • Untersuchung von Rahel Jaeggis Ideologiekritik als immanente Kritik.
  • Betrachtung von Tilo Wesches Kritikverständnis durch den Sinnüberschuss verschiedener Darstellungsformen.
  • Darstellung von Raymond Geuss' These über das Ende der Kritik im Kontext des Bürgertums.
  • Evaluation der Zukunft und Relevanz von Kritik in der heutigen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

Michel Foucaults Entunterwerfung ist nach Judith Butler der Aufruf zur Selbsttransformation mit offenem Ausgang

Michel Foucault, so führt Judith Butler ihre Rezeption ein, fragt nicht nur, was Kritik sei, sondern versucht zu umreißen, welche Fragen und Tätigkeiten sie kennzeichnen. Butler attestiert Foucault einen starken normativen Ansatz, auch wenn er sich nicht in einem klassischen Sollen zeigt. Fokus ist „die Herausbildung des Selbst [...] sobald eine Existenzweise gewagt wird, die nicht von der Herrschaft der Wahrheit [...] gestützt wird“24. Kritik könne nichts Einheitliches sein, weil es von den jeweiligen Kritik-Gegenständen abhänge. Kritik ist für Foucault auch deswegen das System, wie bewertet wird, v.a. wie das Verhältnis von Wissen und Macht ist. Das impliziert „die Frage nach den Grenzen unserer sichersten Denkweisen [, wo z.B. die] Kategorien, mit denen das soziale Leben geregelt ist [...] Inkohärenz[en] oder ganze Bereiche des Unaussprechlichen hervor[bringen]"25,26

Die kritische – und somit moralische und politische - Haltung benennt Foucault mit der "Kunst nicht regiert zu werden bzw. [der] Kunst nicht auf diese Weise und um diesen Preis regiert zu werden“27. Und weiter formuliert er: „Dann [...] hätte die Kritik die Funktion der Entunterwerfung“28. In einer anderen Definition drückt er das in Bezug auf Gesetze aus, die ungerecht seien und universalen und unverjährbaren Rechten widersprechen. Die Grenzen des Rechts sieht er darin, dass man etwas „nur annehmen [könne], wenn man die Gründe [dafür] selber für gut befindet29, weil man „nicht [grundsätzlich] als wahr annehmen [müsse, was] eine Autorität [...] als wahr vorschreibt“30. Foucault ist sich des Risikos dieser Aussage bewusst und will darum so nur „nach der Ordnung [...] fragen, in der eine solche Forderung lesbar und möglich wird“31. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass die Regierung mit ihrem Recht das gesamte Feld moralisch und politisch ordnet und zur Gewissheit erklärt.

Und die Gefahr ist sogar noch größer durch die von Foucault so genannte Regierungsintensivierung, d.h. die Regierung okkupiert die Seinsweise der Regierten durch Berufung auf die Wahrheit. Diese „Rationalisierung [führe zu einem] Furor der Macht [, die] das Subjekt durch Zwang zu begrenzen“32 versuche.33

Wenn sich „das Subjekt [dann] das Recht herausnimmt, die Wahrheit auf ihre Machteffekte hin zu befragen und die Macht auf diese Wahrheitsdiskurse hin“34 so Foucault - dann beginnt die Kritik. Diese muss die Nötigung von Wissen aufzeigen, die z.B. durch das System von Regeln des anerkannten wissenschaftlichen Diskurses entstünde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Führt in das Thema Kritik ein, definiert ihren etymologischen Ursprung und ihre Rolle in der menschlichen Praxis. Sie skizziert vier zentrale Fragestellungen der Kritik und stellt die Forschungsfrage nach der Zukunft der Kritik anhand von Horkheimer und zeitgenössischen Perspektiven.

2.1. Die kritische Theorie von Max Horkheimer als Ausgangspunkt: Erläutert Max Horkheimers kritische Theorie, die auf die Transformation der Gesellschaft abzielt, indem sie Widersprüche aufzeigt und sich von der traditionellen Theorie abgrenzt, die den Status quo hinnimmt.

2.2. Michel Foucaults Entunterwerfung ist nach Judith Butler der Aufruf zur Selbsttransformation mit offenem Ausgang: Untersucht Foucaults Konzept der "Entunterwerfung" als Form der Kritik, die sich gegen Macht-Wissen-Verhältnisse richtet und zur Selbsttransformation aufruft, indem sie die Akzeptabilität von Systemen hinterfragt.

2.3. Jaeggis Form der Ideologiekritik richtet sich gegen die herrschenden Verhältnisse: Stellt Rahel Jaeggis Ideologiekritik als immanente Kritik dar, die gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse durch das Aufzeigen innerer Widersprüche in Normen und Praktiken transformieren will, ohne ein fixes Ideal vorzugeben.

2.4. Nach Tilo Wesche zeigt sich das Kritikpotenzial v.a. im Sinnüberschuss verschiedener Darstellungsformen: Beschreibt Tilo Wesches drei Formen der Kritik (Reflexion, Therapie, Darstellung), die sich im Sinnüberschuss zeigen und darauf abzielen, nicht realisierte Potenziale der Moderne zu aktivieren und Täuschungen aufzudecken.

2.5. Nach Raymond Geuss wird die Kritik mit dem Bürgertum untergehen: Präsentiert Raymond Geuss' These vom Untergang der Kritik im Zuge des Niedergangs der bürgerlichen Philosophie und ihrer reformistischen Haltung, die angesichts globaler Krisen ihre Relevanz verlieren könnte.

3. Fazit: Zieht ein Resümee der vorgestellten Kritikkonszepte von Horkheimer, Foucault, Jaeggi, Wesche und Geuss, betont ihre Gemeinsamkeiten (gesellschaftsbezogen, reflektiert) und Unterschiede sowie die anhaltende Notwendigkeit von Kritik trotz fehlender klarer Muster.

Schlüsselwörter

Kritik, Kritische Theorie, Horkheimer, Foucault, Butler, Jaeggi, Wesche, Geuss, Ideologiekritik, Selbsttransformation, Macht-Wissen, Gesellschaftsanalyse, normative Maßstäbe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Konzept der Kritik, beginnend bei Max Horkheimers kritischer Theorie bis hin zu verschiedenen zeitgenössischen philosophischen Perspektiven, um ihre Entwicklung und Zukunftsaussichten zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder umfassen die kritische Theorie Horkheimers, Foucaults Konzept der Entunterwerfung, Jaeggis Ideologiekritik, Wesches Kritik als Sinnüberschuss in Darstellungsformen und Geuss' These vom Untergang der bürgerlichen Kritik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu bestimmen, wie sich das Projekt der Kritik seit Horkheimer entwickelt hat, ob seine Diktion noch gilt, und ob Kritik in der Zukunft noch relevant ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine rekonstruktive Analyse und vergleichende Darstellung philosophischer Theorien, um die verschiedenen Verständnisse und Formen von Kritik zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt detailliert die kritischen Theorien von Max Horkheimer, Michel Foucault (rezensiert von Judith Butler), Rahel Jaeggi, Tilo Wesche und Raymond Geuss, wobei jeweils deren spezifische Ansätze zur Kritik beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Kritik, Kritische Theorie, Horkheimer, Foucault, Jaeggi, Wesche, Geuss, Ideologiekritik, Selbsttransformation, Macht-Wissen, Gesellschaftsanalyse, normative Maßstäbe.

Wie unterscheidet sich Horkheimers kritische Theorie von der traditionellen Theorie?

Horkheimers kritische Theorie grenzt sich von der traditionellen Theorie ab, indem sie nicht nur einzelne Missstände im gegebenen System verbessern will, sondern den gesamten Gesellschaftsbau bewertet und auf strukturelle Widersprüche abzielt, um eine emanzipatorische Veränderung herbeizuführen.

Was versteht Foucault unter "Entunterwerfung" und wie hängt dies mit Kritik zusammen?

Foucault versteht "Entunterwerfung" als die "Kunst nicht regiert zu werden" oder die Kunst, auf eine bestimmte Weise nicht regiert zu werden. Dies ist eine kritische Haltung, die darauf abzielt, die Zwangsmechanismen von Wissen und Macht sowie deren Wahrheitsansprüche zu dekonstruieren und eine Selbsttransformation des Subjekts anzustoßen.

Warum sieht Raymond Geuss die Kritik mit dem Bürgertum untergehen?

Raymond Geuss argumentiert, dass die Kritik untrennbar mit der bürgerlichen Welt und ihrer reformistischen Philosophie verbunden ist. Angesichts großer globaler Krisen, die über bürgerliche Problemlösungen hinausgehen, prognostiziert er, dass mit dem Untergang der bürgerlichen Welt auch die Grundlage für diese Form der Kritik verschwindet.

Welche Rolle spielt der "Sinnüberschuss" bei Tilo Wesches Kritikverständnis?

Bei Tilo Wesche manifestiert sich das Kritikpotenzial im "Sinnüberschuss" verschiedener Darstellungsformen (Kunst, Dialog, Theorie). Dieser Sinnüberschuss ermöglicht es, eingefahrene Denkgewohnheiten aufzubrechen und neue Zugänge zur Wirklichkeit zu eröffnen, ohne dabei normative Vorgaben zu machen.

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Details

Title
Kritik im Spiegel der Kritik: Hat Kritik noch eine Zukunft?
Subtitle
Von Horkheimers kritischer Theorie zu ausgewählten, zeitgenössischen Perspektiven bei Foucault, Butler, Jaeggi, Wesche und Geuss
College
Munich School of Philosophy
Course
Kritik als Denkfigur. Aktuelle (Diskurs-)Konstellationen zur Kritik der Kritik
Grade
1,0
Author
Herbert Gross (Author)
Publication Year
2025
Pages
20
Catalog Number
V1661462
ISBN (eBook)
9783389158210
ISBN (Book)
9783389158227
Language
German
Tags
Kritik Kritische Theorie Bürgerliche Philosophie Immanente Kritik Ideologiekritik Kritikformen Subjektbildung Sinnüberschuss Selbsttransformation Rahel Jaeggi Michel Foucault Raymond Geuss Tilo Wesche Max Horkheimer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Herbert Gross (Author), 2025, Kritik im Spiegel der Kritik: Hat Kritik noch eine Zukunft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1661462
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