Die Hausarbeit untersucht die ägyptische Expedition der Athener (460–454 v. Chr.) im Rahmen der Pentekontaetie, also der fünfzig Jahre zwischen den Perserkriegen und dem Peloponnesischen Krieg. Sie beleuchtet die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Hintergründe dieses Unternehmens sowie seine unmittelbaren und langfristigen Folgen für Athen und den attischen Seebund.
Ausgehend von der Vorgeschichte werden zunächst die frühen Handelsbeziehungen zwischen Athen und Ägypten dargestellt, die bis in die archaische Zeit zurückreichen und durch die persische Eroberung Ägyptens im Jahr 525 v. Chr. eine entscheidende Zäsur erfuhren. Der Aufstand des libyschen Fürsten Inaros gegen die persische Herrschaft im Jahr 460 v. Chr. bildete den Anlass für das Eingreifen Athens, das im Bündnis mit seinen Seebundpartnern eine Flotte nach Ägypten entsandte.
Der Hauptteil der Arbeit behandelt den Verlauf der Expedition auf Grundlage der antiken Quellen, vor allem Thukydides, Herodot, Ktesias und Diodor. Dabei werden die Darstellungslücken und Widersprüche zwischen den Autoren aufgezeigt und mit archäologischen und epigraphischen Zeugnissen, insbesondere der Inschrift aus Samos, verglichen. Die Chronologie der Ereignisse wird kritisch rekonstruiert und in den Gesamtzusammenhang der athenischen Außenpolitik eingeordnet.
Besonderes Augenmerk gilt den Verlustzahlen und dem militärischen Ausgang: Nach anfänglichen Erfolgen endete die Expedition in einem vollständigen Desaster, als die athenische Flotte nach einer langen Belagerung auf der Nilinsel Prosopitis vernichtet wurde. Nur wenige Überlebende konnten entkommen.
Im abschließenden Teil werden die politischen und strukturellen Folgen analysiert. Die Niederlage führte zur Verlegung der Bundeskasse von Delos nach Athen und trug damit wesentlich zur Umwandlung des attischen Seebundes in ein athenisches Herrschaftsinstrument bei. Trotz der hohen Verluste blieb die Machtposition Athens im östlichen Mittelmeerraum ungebrochen, was sich in den folgenden Jahren durch neue militärische Unternehmungen und die Konsolidierung der Hegemonie zeigte.
Die Arbeit stützt sich auf zentrale Primärquellen und moderne Forschungsliteratur und bietet eine quellennah rekonstruierte Darstellung eines der bedeutendsten, aber oft unterschätzten Kapitel der athenischen Frühimperialpolitik.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Vorgeschichte
- 3. Die ägyptische Expedition
- 3.1. Verlauf
- 3.2. Chronologie
- 3.3. Verlustzahlen
- 4. Folgen
- 5. Zusammenfassung
- 6. Literaturverzeichnis
- 6.1. Quellen
- 6.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Diese Studienarbeit untersucht die ägyptische Expedition der Athener und ihrer Verbündeten detailliert. Ziel ist es, nach der Darstellung der Vorgeschichte, den Verlauf, die Chronologie und die Verlustzahlen der Expedition zu analysieren und abschließend deren weitreichende Folgen für Athen und den Attischen Seebund zu beleuchten.
- Die historischen Handelsbeziehungen zwischen Athen und Ägypten sowie deren Veränderungen.
- Die Gründe und Umstände des ägyptischen Aufstands gegen Persien und Athens Entscheidung zur Intervention.
- Die Rekonstruktion des Expeditionsverlaufs, der Chronologie und der erlittenen Verluste basierend auf antiken Quellen.
- Die innen- und außenpolitischen Konsequenzen der Expedition für Athen und den Attischen Seebund.
- Die Rolle der ägyptischen Expedition im Kontext von Athens Machtausweitung während der Pentekontaetie.
Auszug aus dem Buch
2. Vorgeschichte
Die Handelsbeziehungen zwischen Athen und Ägypten gehen bis in archaische Zeiten zurück. Nachdem Psammetich von Sais (663-609) die assyrische Besatzung aus Ägypten vertrieben hatte, gelangten zusammen mit den griechischen Söldnern, welche ihn unterstützt hatten, auch immer mehr griechische Kaufleute in das Nilland, welchen Psammetrich schließlich die dortige Ansiedlung erlaubte. Mit der ersten, gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. von griechischen Kaufleuten gegründeten Kolonie Naukratis im Nildelta haben sich die Handelsbeziehungen sicherlich noch weiter verstärkt. Sie war, wie Herodot berichtet, die einzige Siedlung, in welcher der griechische Güteraustausch vor Ort erlaubt war, was ihre Bedeutung für den Ägyptenhandel unterstreicht. Dort hat man vor allem athenische Keramik im Überfluss gefunden, woraus man auf die dominierende Stellung Athens im Handel mit Ägypten schließen kann.
Scheint der Handel mit dem seit Untergang des Assyrerreiches unabhängigen Ägypten also relativ erfolgreich und, abgesehen von den bei Herodot erwähnten Restriktionen, ohne größere Schwierigkeiten abgelaufen zu sein, so müsste man doch annehmen, dass, nachdem, wie aus dem 3. Buch der Historien des Herodot bekannt, Ägypten im Jahre 525 v. Chr. unter dem persischen Großkönig Kambyses II. in das persische Reich eingegliedert worden war und von diesem fortan in Personalunion als Pharao regiert wurde, eine Zäsur in den ägyptisch-athenischen Beziehungen eingetreten sei. Dies umso mehr, als sich der Handels-posten Naukratis seit Beginn der persischen Herrschaft im Niedergang befunden zu haben scheint. Doch scheint ein solcher Einschnitt in den Handelsbeziehungen nicht stattgefunden zu haben, was wohl auch damit in Verbindung steht, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Griechen auch in anderen ägyptischen Städten niedergelassen hatten. Freilich lässt die desolate Quellenlage hierfür keine sicheren oder endgültigen Schlussfolgerungen zu.
Aus demselben Grund bleiben auch die Ereignisse, die zum Aufstand der Ägypter gegen die persische Herrschaft 486/5 v. Chr. geführt haben, schwer ergründbar. Dieser war „um so bemerkenswerter, als gerade die Ägypter – soviel wir wissen – wenig Grund hatten, sich über die Herrschaft der Achämeniden zu beklagen." Einzig Herodot wirft ein genaueres Licht zumindest auf den Ablauf der Revolte, welche scheinbar vor allem deswegen eine zwei Jahre dauernde Selbständigkeit für Ägypten erreichte, da der bereits einen Feldzug zur Niederschlagung planende Großkönig Dareios I. im Jahr 486 v. Chr. gestorben war. Erst sein Nachfolger Xerxes unterwarf Ägypten wieder und setzte, dieses dabei, wie Herodot vorwurfsvoll vermerkt, „πολλὸν δουλοτέρην ποιήσας ἢ ἐπὶ Δαρείου ἦν“, seinen Bruder Achaimenes als Statthalter ein, wodurch der Sonderstatus der Personalunion von Pharao und Großkönig aufgehoben und Ägypten zur einfachen Satrapie ohne besondere Vorrechte herabgestuft wurde. In den folgenden Kriegen gegen die Griechen mussten die Ägypter auf Seiten der Perser an den Kämpfen teilnehmen. Nun ist es als sehr wahrscheinlich anzusehen, dass durch den Konflikt mit Persien die Beziehungen Athens und der anderen Griechenstädte mit Ägypten beeinträchtigt bzw. der Handel behindert war. Jedenfalls herrschte nach den Perserkriegen eine allgemein negative Stimmung in Griechenland gegenüber den Ägyptern. Was den Han-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die ägyptische Expedition der Athener ein, beleuchtet ihre Bedeutung in der Pentekontaetie und stellt die Forschungsfrage sowie die Struktur der vorliegenden Arbeit dar.
2. Vorgeschichte: Hier werden die frühen Handelsbeziehungen zwischen Athen und Ägypten sowie die Einflüsse der persischen Eroberung und des ägyptischen Aufstands auf diese Beziehungen beleuchtet.
3. Die ägyptische Expedition: Dieses Kapitel analysiert den Verlauf, die problematische Chronologie und die hohen Verlustzahlen der Expedition, basierend auf einer kritischen Bewertung der antiken Quellen wie Thukydides, Ktesias und Diodor.
4. Folgen: Die weitreichenden Konsequenzen des Desasters in Ägypten für Athen und den Attischen Seebund werden erörtert, insbesondere die Verlegung der Bundeskasse und die damit verbundene Umstrukturierung des Seebundes.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Ursachen, den Verlauf und die nachhaltigen Auswirkungen der ägyptischen Expedition auf die athenische Machtposition.
Schlüsselwörter
Ägyptische Expedition, Athen, Pentekontaetie, Thukydides, Perserreich, Attischer Seebund, Inaros, Chronologie, Verlustzahlen, Handelsbeziehungen, Antike Geschichte, Machtpolitik, Naukratis, Griechische Geschichte, Seeschlacht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ägyptischen Expedition der Athener und ihrer Verbündeten, einer bedeutenden militärischen Unternehmung während der Pentekontaetie, und analysiert deren Ursachen, Verlauf, Chronologie, Verluste und weitreichende Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Handelsbeziehungen zwischen Athen und Ägypten, die Gründe für Athens Beteiligung am ägyptischen Aufstand, die militärischen Ereignisse der Expedition, die Schwierigkeiten der zeitlichen Einordnung sowie die politischen und militärischen Konsequenzen für Athen und den Attischen Seebund.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist eine umfassende Untersuchung der ägyptischen Expedition der Athener und ihrer Verbündeten, indem deren Vorgeschichte, Verlauf, Chronologie, Verlustzahlen und die anschließenden Folgen detailliert beleuchtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse und kritischen Bewertung antiker Quellen, insbesondere Thukydides, Herodot, Ktesias und Diodor, ergänzt durch neuere Forschungsliteratur, um die Ereignisse zu rekonstruieren und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Vorgeschichte der Expedition, den detaillierten Verlauf der militärischen Operationen, die Problematik der Chronologiebestimmung und die katastrophalen Verlustzahlen, die Athen in Ägypten erlitt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Ägyptische Expedition, Athen, Pentekontaetie, Thukydides, Perserreich, Attischer Seebund, Inaros, Chronologie, Verlustzahlen, Handelsbeziehungen und Antike Geschichte.
Welche besonderen Herausforderungen gibt es bei der Rekonstruktion der Chronologie der Expedition?
Die Rekonstruktion der Chronologie ist besonders schwierig, da Thukydides keine exakte chronologische Reihenfolge einhält und Diodors Angaben als unzuverlässig gelten. Die Arbeit muss sich auf andere Quellen wie Totenlisten und Tributlisten stützen, was zu Unsicherheiten beim genauen Startjahr führt.
Wie beeinflusste das Desaster in Ägypten die Struktur des Attischen Seebundes?
Das Desaster führte zur Verlegung der Bundeskasse von Delos nach Athen, was eine strukturelle Veränderung des Seebundes zur Folge hatte. Athen nutzte dies, um seine hegemoniale Stellung zu festigen und alle Bündnisentscheidungen sowie die Tributveranlagung zentral zu steuern, wodurch die Abhängigkeit der Bundesgenossen verstärkt wurde.
Welche unterschiedlichen Berichte gibt es über die Verlustzahlen der athenischen Flotte?
Thukydides berichtet von einer fast vollständigen Zerstörung der 200 athenischen Schiffe und der nachgesandten 50 Schiffe. Ktesias hingegen nennt lediglich 40 Schiffe und einen vernichtenden Sieg. Die Arbeit argumentiert, trotz Einwänden, Thukydides' Darstellung der katastrophalen Verluste von etwa 250 Schiffen als wahrscheinlicher anzusehen.
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- Felix Wiesengrund (Autor), 2010, Die ägyptische Expedition der Athener. Athens imperialer Machtanspruch zwischen Perserkriegen und Peloponnesischem Krieg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1665389