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Welche Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969

Título: Welche Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969

Trabajo Escrito , 2025 , 23 Páginas , Calificación: 1.0

Autor:in: F. Stasiak (Autor)

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Die 68er-Bewegung gilt bis heute als Inbegriff studentischer Auflehnung und gesellschaftlicher Erneuerung. Häufig wird angenommen, der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) habe durch seine Proteste maßgeblich zur Demokratisierung der Hochschulen beigetragen. Die vorliegende Studie hinterfragt diese verbreitete Annahme, indem sie den Einfluss des SDS auf die Hamburger Hochschulgesetzgebung zwischen 1967 und 1969 untersucht. Hamburg bildet dabei ein besonders aufschlussreiches Untersuchungsfeld, da die dortige Reform als erste umfassende Hochschulgesetzgebung der Bundesrepublik gilt und zugleich von einem Spannungsfeld aus Protest, Dialog und Radikalisierung geprägt war. Methodisch folgt die Arbeit einem quellen- und diskursanalytischen Ansatz. Auf Grundlage authentischer Originalzeugnisse – darunter Flugblätter, Senatsprotokolle, AStA-Schriften, SDS-Denkschriften und zeitgenössische Presseberichte – wird die Wirkmacht des SDS entlang einer eigens entwickelten analytischen Tetrade operationalisiert: mediale Sichtbarkeit, interne Handlungsfähigkeit, institutionelle Kooperation und Gestaltungsmacht. Ergänzend erfasst die Kategorie der passiven Wirkmacht die ideelle und diskursive Einflussdimension. Sekundärliteratur aus Zeit-, Bildungs- und Ideengeschichte bildet den theoretischen Rahmen der Untersuchung. Die Ergebnisse zeigen, dass der SDS in Hamburg zwar eine hohe symbolische Präsenz erreichte, seine reale politische Wirkung jedoch begrenzt blieb. Interne Fragmentierung, ideologische Abschottung und der Bruch mit gemäßigten Akteuren verhinderten eine aktive Mitgestaltung der Gesetzgebung. Gleichwohl wirkten Reformideen aus der Frühphase des SDS, insbesondere das Modell der Drittelparität, in abgewandelter Form fort: Sie wurden von moderaten Studierenden, Gewerkschaften und politischen Kräften aufgegriffen, entideologisiert und in das Hamburger Hochschulgesetz von 1969 integriert. Insgesamt zeigt sich, dass die Bedeutung des SDS weniger in seiner realpolitischen Durchsetzungskraft als vielmehr in seiner diskursiven Wirkmacht lag. Als ideeller Impulsgeber rahmte er hochschulpolitische Debatten, popularisierte Reformbegriffe und beschleunigte den gesellschaftlichen Modernisierungsdiskurs, ohne selbst maßgeblich an legislativen Entscheidungen beteiligt zu sein. [...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • 1. Einleitung
  • 2. Hochschulkrise und Reformdiskurse in den frühen 1960er Jahren
    • 2.1 Hochschulkrise und Modernisierungsdruck: Ausgangslage der Reformbestrebungen
    • 2.2 Reformpfade: Rationalisierungs- und Demokratisierungsdiskurse
    • 2.3 Demokratisierungsforderungen der Studierenden vor 1967
  • 3. Der SDS zwischen hochschulpolitischer Opposition und beginnender Radikalisierung (1961–1967)
    • 3.1 Forschungsperspektiven auf den SDS
    • 3.2 Ideologische Grundlagen und Selbstverständnis des SDS (1961–1967)
    • 3.3 Demokratisierungsforderungen, Strategien und Mobilisierungsschwächen des SDS (1961–1967)
  • 4. Protest und Reformbemühungen in Hamburg (1967–1969): Zwischen Gesprächsbereitschaft und Radikalisierung
    • 4.1 Protestkultur und politische Dynamik an der Universität Hamburg (1967–1969)
  • 5. Aktive und passive Einflussformen des SDS auf die Hochschulgesetzgebung in Hamburg
    • 5.1 Aktive Wirkmacht: Der SDS im direkten Kontext der Hamburger Hochschulgesetzreform 68-69
    • 5.2 Passive Wirkmacht: Der SDS als ideeller Impulsgeber im Hamburger Reformdiskurs
  • 6. Fazit
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Wirkmacht des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung am Beispiel Hamburgs im Zeitraum von 1967 bis 1969. Dabei wird die Frage beantwortet, inwiefern der SDS Einfluss auf die legislativen Entscheidungsprozesse nehmen konnte, und regionale Besonderheiten der Studentenbewegung berücksichtigt.

  • Analyse der Hochschulkrise und der Reformdiskurse in den frühen 1960er Jahren.
  • Detaillierte Untersuchung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) als Akteur, seiner Ideologie, Ziele und Strategien.
  • Beleuchtung der spezifischen Protestkultur und politischen Dynamik an der Universität Hamburg von 1967 bis 1969.
  • Differenzierung zwischen aktiven und passiven Einflussformen des SDS auf die Hochschulgesetzgebung.
  • Identifikation der Rolle der "Ordinarienuniversität" und der Forderungen nach Demokratisierung.
  • Bewertung der Ergebnisse im Kontext der Forschungsdebatte zur Studentenbewegung.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

"Überall erscheint die Welt ohne Alternativen, passt man sich den jeweiligen Gegebenheiten an, ohne sich zu engagie- ren, und sucht sein persönliches Glück in Familienleben und Berufskarriere. In der modernen Gesellschaft bilden Stu- denten kaum mehr ein Ferment produktiver Unruhe." (Von Friedeburg, 1965, S. 18)

Mit dieser Fehleinschätzung wurden die tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklungen letztlich verkannt. Kaum zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Friedeburgs Diagnose avancierten die Universitäten zu Schauplätzen intensiver Konflikte. Hörsaalbesetzungen, Massenkundgebungen und Forderungen nach De- mokratisierung machten sie zum Brennglas öffentlicher Auseinandersetzungen. Im Zentrum stand insbeson- dere das studentische Bestreben, ein verbindliches Mitspracherecht in akademischen Entscheidungsprozes- sen zu erlangen und dieses auch in Hochschulgesetzen zu verankern.

Bis heute hält sich in der bundesdeutschen Öffentlichkeit hartnäckig die Vorstellung, die Studentenrevolte von 1968 habe Politik, Gesellschaft und Hochschulen gleichermaßen grundlegend verändert. Insbesondere wird angenommen, der rigorose Druck der Protestierenden habe nicht nur gesellschaftliche Reformen ange- stoßen, sondern auch legislative Entscheidungsprozesse im Hochschulbereich – etwa bei der Mitbestimmung in universitären Gremien – maßgeblich beeinflusst.

Beide Deutungen greifen jedoch zu kurz. Die Studentenbewegung der 1960er-Jahre war weder einheitlich noch monolithisch: Neuere Forschungen zeigen, dass regionale Besonderheiten, unterschiedliche politische Strömungen und divergierende Zielsetzungen der Akteure ein vielschichtiges Bild zeichnen. Pauschalisie- rende Narrative übersehen diese regionalen und akteursbezogenen Differenzen und führen damit zu ver- kürzten Geschichtsbildern. Eine präzise Untersuchung studentischer Wirksamkeit, besonders im Kontext der Hochschulreformen, erfordert daher eine gezielte, regional und akteursspezifisch differenzierende Analyse.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich aus diesem Grund auf den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) in Hamburg – eine radikale Speerspitze der Bewegung an einem Standort, der bislang in der Forschung wenig beachtet wurde. Entlang dieser Konstellation entwickelt sie die Leitfrage:

Welchen Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzge- bung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969.

Für eine belastbare Beantwortung der Leitfrage bedarf es eines strukturierten methodischen Vorgehens. Die Arbeit entwickelt zur Operationalisierung der Wirkmacht des SDS eine analytische Tetrade aktiver Wirkkrite- rien (mediale Präsenz, institutionelle Durchsetzung, Gestaltung von Entscheidungsprozessen und Koopera- tion mit politischen Akteuren). Ergänzend wird ein fünftes, passives Kriterium – die diskursive Impulsgebung – berücksichtigt, wodurch sowohl politische Durchsetzungsfähigkeit als auch ideelle Anstöße erfasst werden können. Grundlage der Untersuchung sind authentische Originalquellen (z. B. Flugblätter, Protokolle, Senats- akten, Presseberichte) sowie einschlägige zeithistorische, struktur- bzw. regionalgeschichtliche und politik- wissenschaftliche Studien, die in Kombination eine unmittelbare wie kontextualisierte Analyse der Wirkungs- macht des SDS ermöglichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der Wirkmacht des SDS auf die Hamburger Hochschulgesetzgebung vor und umreißt die methodische Herangehensweise zur Analyse aktiver und passiver Einflussformen.

2. Hochschulkrise und Reformdiskurse in den frühen 1960er Jahren: Beschreibt die Ausgangslage der Reformbestrebungen durch die "Bildungskatastrophe" und analysiert die vorherrschenden Rationalisierungs- und Demokratisierungsdiskurse sowie die frühen Forderungen der Studierenden.

3. Der SDS zwischen hochschulpolitischer Opposition und beginnender Radikalisierung (1961–1967): Beleuchtet die ideologischen Grundlagen und das Selbstverständnis des SDS, seine frühen Demokratisierungsforderungen und die Gründe für seine zunächst geringe Mobilisierungswirksamkeit vor 1967.

4. Protest und Reformbemühungen in Hamburg (1967–1969): Zwischen Gesprächsbereitschaft und Radikalisierung: Analysiert die spezifische Protestkultur und politische Dynamik an der Universität Hamburg nach dem Tod Benno Ohnesorgs und die zunehmende Radikalisierung im Kontext der Hochschulgesetzgebung.

5. Aktive und passive Einflussformen des SDS auf die Hochschulgesetzgebung in Hamburg: Untersucht differenziert die aktive Wirkmacht des SDS anhand von Kriterien wie medialer Sichtbarkeit und Handlungsfähigkeit sowie seine passive Rolle als ideeller Impulsgeber im Reformdiskurs.

6. Fazit: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bewertet die Wirksamkeit des SDS im Lichte der Forschungsfrage und ordnet die Befunde in den breiteren Forschungskontext ein.

Schlüsselwörter

SDS, Studentenbewegung, Hochschulgesetzgebung, Hamburg, 1968, Hochschulreform, Drittelparität, Demokratisierung, Ordinarienuniversität, Protestkultur, Radikalisierung, Wirkmacht, AStA, 1967-1969, Reformdiskurs

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Wirkmacht des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung, speziell am Beispiel Hamburgs in den Jahren 1967 bis 1969.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Hochschulkrise der 1960er Jahre, Reformdiskurse, die Rolle des SDS als politischer Akteur, die Protestkultur in Hamburg sowie aktive und passive Einflussformen auf legislative Prozesse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage: "Welchen Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969."

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit operationalisiert die Wirkmacht des SDS anhand einer analytischen Tetrade aktiver Wirkkriterien (mediale Präsenz, institutionelle Durchsetzung, Gestaltung von Entscheidungsprozessen, Kooperation mit politischen Akteuren) und ergänzt diese um ein fünftes, passives Kriterium (diskursive Impulsgebung).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Ausgangslage der Hochschulkrise, die Entwicklung und Ideologie des SDS, die Protestdynamik in Hamburg und die differenzierten aktiven und passiven Einflussformen des SDS auf die Hochschulgesetzgebung detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie SDS, Studentenbewegung, Hochschulgesetzgebung, Hamburg, Hochschulreform, Drittelparität, Demokratisierung, Protestkultur, Radikalisierung und Wirkmacht.

Welche Rolle spielte die "Ordinarienuniversität" im Reformdiskurs?

Die "Ordinarienuniversität" galt als anachronistische, hierarchische und undemokratische Struktur, die von vielen Studierenden als Inbegriff der Probleme angesehen wurde und zum zentralen Kristallisationspunkt der Forderungen nach Demokratisierung der Hochschulen wurde.

Wie unterschied sich die Protestkultur in Hamburg von anderen Universitätsstädten?

Im Gegensatz zu Städten wie Berlin oder Frankfurt, wo rasch konfrontative Protestformen dominierten, war der Hamburger AStA zunächst auf Vermittlung bedacht, und die politische Kultur blieb bis weit ins Jahr 1968 von Gesprächsbereitschaft geprägt, obwohl sich unter der Oberfläche Unmut regte.

Was versteht die Arbeit unter "aktiver" und "passiver" Wirkmacht des SDS?

Aktive Wirkmacht beschreibt die unmittelbare, institutionelle oder gezielt strategische Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse, während passive Wirkmacht ideelle Impulse meint, die nicht direkt zu politischen Entscheidungen führen, aber mittelbar über symbolische oder diskursive Beiträge Reformprozesse beeinflussten.

Welche konkrete Forderung des SDS fand Eingang in die Gesetzgebung, wenn auch in abgewandelter Form?

Das vom SDS bereits 1961 konzipierte Modell der Drittelparität, welches eine gleichberechtigte Repräsentation von Professorenschaft, Studierenden und Mittelbau forderte, wurde von gemäßigten Studierenden aufgegriffen, entideologisiert und fand schließlich in abgewandelter Form Eingang in die Hamburger Gesetzgebung.

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Detalles

Título
Welche Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969
Universidad
University of Münster  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Curso
Theorie und Geschichte der Erziehung und Bildung
Calificación
1.0
Autor
F. Stasiak (Autor)
Año de publicación
2025
Páginas
23
No. de catálogo
V1665605
ISBN (PDF)
9783389162941
ISBN (Libro)
9783389162958
Idioma
Alemán
Etiqueta
68er Bewegung Sozialistischer Deutscher Studentenbund Hochschulreformen Hamburger Hochschulgesetz 1969 Demokratisierung der Universität Ordinarienuniversität Drittelparität Studentischer Protest Radikalisierung und Reform Außerparlamentarische Opposition SDS Denkschrift Hochschule in der Demokratie Benno-Ohnesorg-Proteste Universität Hamburg Diskursive Wirkmacht Symbolpolitik und Medienereignis Ideelle Impulsgeber Bildungskatastrophe und Modernisierung Frankfurter Schule und kritische Theorie Studentische Mitbestimmung Zwischen Reform und Revolte
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
F. Stasiak (Autor), 2025, Welche Wirkmacht hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) auf die Hochschulgesetzgebung? Eine Analyse am Beispiel Hamburgs 1967-1969, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1665605
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