Die Triebkraft zu Milos Navratils künstlerischem Schaffen liegt, seinem eigenen Bekunden nach, in der Agape, die im Wortschatz und im Denken der Menschen des 21. Jahrhunderts sicher keinen zentralen Platz einnimmt, aber dennoch wirkt. Für ihn war es zwingend. Das ist die subjektive Seite seiner künstlerischen Arbeit, die sich den Maßstäben professioneller Kunstkritik in weiten teilen entzieht, ja bewußt verweigert.
Inhaltsverzeichnis
1. Zwischen Abstraktion und Realismus
2. Milos Navratils künstlerische Entwicklung
3. Formale Ausdrucksmittel und künstlerische Mittel
4. Die EAN-Strichcode-Variationen
5. Kunstbegriff und Betrachterperspektive
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das künstlerische Schaffen von Milos Navratil, beleuchtet seine Entwicklung zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei und analysiert die philosophische sowie formale Bedeutung seiner Zeichen- und Symbolsprache.
- Biografische Einordnung und künstlerische Laufbahn Navratils.
- Analyse der malerischen Ausdrucksmittel und Farbtheorie.
- Auseinandersetzung mit den Strichcode-Variationen als kulminierender Werkgruppe.
- Diskurs über den Kunstbegriff und die Rolle des Betrachters.
- Reflexion über existenzielle Grundfragen in der zeitgenössischen Kunst.
Auszug aus dem Buch
Die Ausdrucksmittel der Malerei
Die Ausdrucksmittel der Malerei, deren Spielfeld die zweidimensionale Fläche ist, sind Linie, Form und Farbe. Eine Linie ist nicht einfach eine Linie; wie der Seismograph hochsensibel Bewegung aufzuzeichnen vermag, so kann sie Gefühle ausdrücken. Sie kann kraftvoll, entschieden, kühn, tänzerisch-bewegt, sicher und dabei spielerisch-leicht, aber auch behutsam tastend, gebrochen, ja verzagt sein. Formen können offen oder geschlossen, fest gefügt oder zögernd umrissen, von geometrischer Klarheit und Strenge, aber auch von nervöser, spannungsvoller Unregelmäßigkeit sein. In Milos Navratils Arbeiten begegnet man einfachen, klaren Konturen (Kreis, Quadrat), festen, raumkonstituierenden geometrischen Grundformen wie Kegel, Quader, Zylinder, die mit entschiedenen Linien in den Bildraum gesetzt werden; nie wird die Form amorph, das Zeichnerische triumphiert über das Malerische. Nicht zuletzt verrät auch das den Bildhauer, als der Milos Navratil ja seine künstlerische Laufbahn begann.
Seine Farbenskala offenbart eine starke Affinität zu Orange- und Gelbtönen, konstrastierend setzt er Rot und Grün, immer wieder auch Blau dazu. Das unterwirft seine Arbeiten einerseits der Wirkung der tradierten Farbensymbolik, schafft in den seriellen, abstrakten Zeichnungen auch eine gewisse Nähe zur konkreten Malerei – andererseits legt er auch Wert auf seine ganz individuelle Deutung. Für ihn ist das Rot Symbol für menschliches Leben in seiner Komplexität, das Schwarz steht für Tod, Verblendung, Haß, Gewalt, das Grün für vegetatives Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zwischen Abstraktion und Realismus: Einleitende Betrachtung über die Bedeutung individueller Kunstäußerungen in einer technisierten Welt sowie Einführung in die Person Milos Navratil.
2. Milos Navratils künstlerische Entwicklung: Darstellung des Lebenswegs des Künstlers, seiner Ausbildung und seiner Rückkehr zur Malerei nach Jahren berufsfremder Tätigkeiten.
3. Formale Ausdrucksmittel und künstlerische Mittel: Analyse der von Navratil verwendeten Techniken wie Gouache und Farbstifte sowie seiner spezifischen Farb- und Formensprache.
4. Die EAN-Strichcode-Variationen: Untersuchung der Bildserie, die sich aus dem Strichcode entwickelt hat und als Auseinandersetzung mit dem Individuum in der modernen Welt dient.
5. Kunstbegriff und Betrachterperspektive: Kritische Reflexion über die Rezeption von Kunst, das Verhältnis von Werk und Betrachter sowie die Ablehnung einer fixen Interpretation.
Schlüsselwörter
Milos Navratil, Abstraktion, Realismus, Malerei, Bildhauerei, Gouache, Farbensymbolik, Strichcode, Kunsttheorie, Existenzialismus, Formensprache, Betrachterrezeption, Symbolik, Zeitgenössische Kunst, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich dem künstlerischen Werk von Milos Navratil und untersucht dessen spezifische Ausdrucksweise zwischen Abstraktion und Realismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen, die Verwendung geometrischer Formen sowie die Bedeutung von Symbolen in der zeitgenössischen Malerei.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Werkbetrachtung, die dem Leser einen Zugang zur Bildsprache Navratils ermöglicht, ohne dabei die Freiheit der individuellen Interpretation einzuschränken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Analysen und diskursive Reflexionen, um sowohl das Werk selbst als auch den theoretischen Diskurs um den modernen Kunstbegriff zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der biografischen Einordnung über die Analyse der formalen Mittel bis hin zur detaillierten Betrachtung der Strichcode-Serie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Abstraktion, Symbolik, Strichcode-Variationen, Existenzialismus und die Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff.
Welche Bedeutung hat die Verwendung des Strichcodes in Navratils Werken?
Der Strichcode dient als Symbol für das Individuum in seiner Einzigartigkeit, wobei Navratil das allgegenwärtige Zeichen in einen neuen, transzendentalen Kontext überführt.
Warum lehnt der Autor eine strikte Interpretation der Werke ab?
In Anlehnung an Susan Sontag und Erika Pedretti wird argumentiert, dass eine zu starke theoretische Vorfestlegung den unmittelbaren, persönlichen Dialog des Betrachters mit dem Kunstwerk stören könnte.
- Quote paper
- Dipl.phil. Monika Spiller (Author), 2005, Zwischen Abstraktion und Realismus oder wie der EAN-Code in die Kunst kommt..., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166569