Apuleius wurde um 125 n. Chr. in Madauros im heutigen Algerien geboren. Er gehörte aber keiner afrikanischen Unterschicht an, sondern verinnerlichte die römische und griechische Kultur wie ein wohlgebildeter Römer. Mit diesen Informationen sieht sich der Rezipient von Apuleius schon zu Beginn der Lektüre seines Werkes Metamorphoseon Libri XI vor ein Rätsel gestellt. Apuleius ist keinesfalls ein Stümper, was seine Wortwahl in den Geschichten der Metamorphoses bezeugt. Er imitiert die Werke namhafter Poeten, verweist in Sprache und Ausdruck auf rhetorische Größen und verleiht seinem Werk durch zahlreiche Neologismen eine einzigartige Opulenz. Diese Äußerung des Autors kann demnach als Scherz oder auch als warnender Hinweis gesehen werden, nicht alle Begebenheiten, die dem Leser begegnen werden, unvoreingenommen für Tatsachen zu halten. Nicht umsonst hat Apuleius das Land, in dem sich alle Metamorphoses abspielen werden, als „Thessalien“ vorgestellt, ist es doch das Land, über das die berühmte Hexe Medea flog und dessen Einwohnerinnen angeblich den Mond vom Himmel hexen können. Dieses Land ist gerade richtig für die phantastischen Hexen- und Spukgeschichten, die Apuleius der von Lukian überlieferten Vorlage, die Lucius Verwandlung in einen Esel zum Inhalt hat, hinzufügt, ist in Thessalien doch nichts so, wie es scheint.
Eine der zahlreichen Geschichten thematisiert die unheilvolle Totenwache des Thelyphron und die darauf folgende Totenbeschwörung. In dieser Arbeit sollen diese zehn Kapitel des zweiten Buchs interpretiert werden, wobei der Schwerpunkt auf die inhaltlichen Besonderheiten gelegt wird. Es soll über die unterschiedlichen kulturellen und religiösen Einflüsse, die Apuleius in seinem Werk thematisiert, Aufschluss geben und über die Art und Weise, wie Apuleius seine Geschichte strukturierte. Außerdem bleibt noch die Frage zu klären, wie die kleine Geschichte in das Gesamtwerk eingebaut wurde und zu welchem Zweck sie Lucius und dem Rezipienten erzählt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Thelyphron und die Totenwache (II, 20-26)
2.2 Thelyphron und die Totenbeschwörung (II, 27-30)
2.3 Die Geschichte als Beispiel für die Immutatio desultoriae scientiae
2.4 Die Einbettung der Novelle in das Gesamtwerk
3 Schluss
4 Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Episode der Totenwache und Totenbeschwörung in Apuleius’ Metamorphoses mit dem Ziel, die inhaltlichen Besonderheiten, die kulturellen sowie religiösen Einflüsse und die strukturelle Einbettung der Novelle in das Gesamtwerk zu analysieren und deren erzählerische Funktion zu ergründen.
- Interpretation der Thelyphron-Novelle (Buch II)
- Kulturelle und religiöse Hintergründe der antiken Totenbeschwörung
- Strukturelle Verknüpfung der Geschichte mit dem Gesamtwerk
- Analyse der narrativen Mittel und dramaturgischen Elemente
- Rolle der curiositas und der Magie im apuleischen Werk
Auszug aus dem Buch
2.1 Thelyphron und die Totenwache (II, 20-26)
Die Geschichte wird mit Lucius’ zwiespältigen Empfindungen gegenüber der Stadt eingeleitet. Er erwähnt die ihn ängstigende Vorstellung, dass Hexen Tote und Leichenteile ad exitiabiles viventium fortunas (II, 20) verwenden. Dieser Aspekt tritt auch in anderen Hexengeschichten auf. Die Steigerung der gängigen Hexengeschichte soll Lucius wohl noch mehr Angst einjagen. Thelyphron, der Erzähler und Leidtragende wird als eine Person vorgestellt, die in angulo (II, 20) gelagert ist. Durch die Betonung der räumlichen Trennung der lachenden Gesellschaft von der Person des Geschädigten, wird auch die soziale Distanz verdeutlicht. Erst auf Zuspruch von Byrrhena darf Thelyphron in gewisser Weise an der Tischrunde teilhaben. Es ist bezeichnend, dass kein anderer aus der Runde den Geschädigten beim Namen nennt. Sie weisen nur mit Augen und Fingern auf die Gestalt, die zu ihrer Erheiterung beiträgt. Durch Byrrhena erfährt Thelyphron eine gewisse Erhöhung, was er dankend annimmt. Die auffällige Rednerpose, die der Außenseiter einnimmt, symbolisiert den Wunsch, seine Stellung innerhalb der Gesellschaft zu verbessern, indem er etwas zu deren Zerstreuung und Erheiterung beiträgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Person Apuleius und die Thematik der Metamorphoses, verbunden mit der Darlegung des Ziels, die Novelle um Thelyphron inhaltlich und strukturell zu interpretieren.
2 Hauptteil: Detaillierte Analyse der Thelyphron-Novelle, unterteilt in die Untersuchung der Totenwache, der Totenbeschwörung, der literarischen Form sowie der integrativen Funktion der Geschichte innerhalb des Gesamtwerkes.
2.1 Thelyphron und die Totenwache (II, 20-26): Interpretation des Beginns der Novelle, wobei insbesondere die räumliche Trennung Thelyphrons, seine soziale Stellung und die Bedeutung der Nacht sowie des Schlafs thematisiert werden.
2.2 Thelyphron und die Totenbeschwörung (II, 27-30): Untersuchung des Auftritts von Zatchlas, der theatralischen Inszenierung der Beschwörung und der Glaubwürdigkeit des wiedererweckten Toten.
2.3 Die Geschichte als Beispiel für die Immutatio desultoriae scientiae: Analyse der literarischen Technik Apuleius', verschiedene bekannte Motive und Handlungsstränge virtuos zu einer neuen Erzählung zu verknüpfen.
2.4 Die Einbettung der Novelle in das Gesamtwerk: Erläuterung der Verbindung zwischen Thelyphron und Lucius sowie die Funktion der Novelle als warnendes Beispiel für die Gefahren der Magie.
3 Schluss: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Werk trotz der komplexen und phantastischen Erzählweise vor allem der spielerischen Unterhaltung dient.
4 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Apuleius, Metamorphoses, Thelyphron, Totenwache, Totenbeschwörung, Magie, Antike, Hexengeschichte, Thessalien, Literaturanalyse, Zatchlas, Isis-Kult, Novelle, Curiositas, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der zehngliedrigen Thelyphron-Novelle innerhalb des zweiten Buches der Metamorphoses von Apuleius.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die antike Hexen- und Magievorstellung, das Motiv der Totenwache, das Schicksal des Protagonisten Thelyphron und die literarische Einbettung in das Gesamtwerk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die kulturellen und religiösen Hintergründe der Geschichte sowie die erzählerische Struktur und Funktion innerhalb des Romans zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen interpretiert und diese mit Hilfe von Sekundärliteratur zu antiken Riten und Erzähltraditionen kontextualisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation der Totenwache, der Totenbeschwörung, eine Analyse der literarischen Kompositionstechnik und die Einbettung in den narrativen Rahmen des Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Apuleius, Metamorphoses, Thelyphron, Magie, Totenwache und Erzählstruktur.
Warum spielt die Rolle der Witwe eine entscheidende Bedeutung?
Die Witwe stellt sich im Verlauf der Geschichte als Hexe heraus, was ihre anfängliche Rolle als schutzbedürftige Trauernde ad absurdum führt und die Thematik der Täuschung unterstreicht.
Welche Funktion hat die Figur des Zatchlas?
Zatchlas fungiert als ägyptischer Priester und Zauberer, dessen Auftreten und Ritual der Totenbeschwörung als Kontrast zur nächtlichen, unheilvollen Magie der Hexen dient.
Gibt es Parallelen zwischen Thelyphron und Lucius?
Ja, beide Charaktere zeigen eine ähnliche Neugier, sind leichtsinnig gegenüber der Magie und erleiden durch ihre Überheblichkeit ein Schicksal, das sie als "Opfer" der erzählten Ereignisse kennzeichnet.
- Citation du texte
- Julia Braun (Auteur), 2010, Totenwache und Totenbeschwörung in Apuleius' "Metamorphoses", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166946