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Historische Rekonstruktion des Zusammenhangs zwischen dem Bürgertum des 18. Jahrhunderts und der Entwicklung der Geschlechtscharaktere

Die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht

Title: Historische Rekonstruktion des Zusammenhangs zwischen dem Bürgertum des 18. Jahrhunderts und der Entwicklung der Geschlechtscharaktere

Seminar Paper , 2010 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Marcus Gießmann (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Das Thema der Geschlechter ist in unserem täglichen Leben in verschiedensten Bereichen allgegenwärtig. Gesellschaftliche Veränderungen wie z.B. von der Wohn- und Arbeitssituation bis hin zur Industrialisierung sowie der Einfluss neuer geistiger Strömungen wie z.B. der Rationalismus machen deutlich, inwieweit die unterschiedlichsten Bereiche miteinander verflochten sind und sich wechselseitig beeinflussen. Da das Thema Geschlecht in den verschiedenen Bereichen stets involviert ist bedeutet dies, dass das Thema Geschlecht selbst ein Bereich unter anderen Bereichen ist und daher eine reziproke Beziehung mit ihnen haben muss. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass das Thema Geschlecht für die Soziologie ein bedeutsames Forschungsgebiet ist, weil es einen relevanten Beitrag zur Erklärung von soziologischen Problemen in anderen Bereichen liefert wie z.B. in der Arbeitssoziologie.
Dass es Männer und Frauen gibt, ist unbestritten. Warum sind die heutigen Vorstellungen der Geschlechter soziologisch betrachtet so wie sie sind, d.h. warum haben Männer und Frauen als Geschlechter ihre jeweiligen Rechte, Pflichten und Rollen inne? Da die Momentaufnahme der Geschlechter nur die Gegenwart abbilden kann, bedeutet das, dass die Geschlechter wie wir sie erleben etwas Gewordenes sind. Es ist nun einem besseren Verständnis von Geschlecht äußerst förderlich, wenn man die historische Entwicklung soziologisch rekonstruiert. Insbesondere sollten relevante Zeitabschnitte in der Entwicklung der Geschlechter hervorgehoben werden. Ziel dieser Arbeit ist eine soziologische Rekonstruktion der Entwicklung der Geschlechter mit dem Fokus auf der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, weil sich hier entscheidende Veränderungen ergeben haben und diese deswegen in diesem Kontext besonders relevant ist.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historisch-soziologische Rekonstruktion der Entwicklung des Bürgertums

2. Die Entstehung der Geschlechtscharaktere

3. Zusammenschau

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung der Geschlechterrollen soziologisch zu rekonstruieren, mit einem besonderen Fokus auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts als entscheidende Phase gesellschaftlicher Transformation. Die Forschungsfrage untersucht dabei, warum sich spezifische Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Bürgertum etablierten und wie diese mit wirtschaftlichen sowie politischen Veränderungen verknüpft waren.

  • Die Transformation von der vorindustriellen Hausväter-Gesellschaft zur bürgerlichen Kleinfamilie.
  • Die sozio-ökonomischen Ursachen für die Trennung von Arbeitsort und Wohnraum.
  • Die Entstehung und Funktion des Konzepts der „Geschlechtscharaktere“ als dichotomes Ordnungsschema.
  • Der Einfluss von Aufklärung, Humanismus und Anthropologie auf das Geschlechterrollenverständnis.
  • Die langfristige Wirkung dieser Konstruktionen auf die moderne Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

2. Die Entstehung der Geschlechtscharaktere

Wie im vorherigen Punkt bereits erwähnt, brachte die Dynamik der Trennung der lokalen Bereiche von Haus- und Erwerbsarbeit ein psycho-soziales Attributionsschema mit sich. Den Frauen und Männern (des Bürgertums) wurden aufgrund ihrer biologischen Verschiedenheit unterschiedliche Wirkbereiche, komplementäre sowie auch gegensätzliche Charakterzüge zugeschrieben. Das Konzept der Geschlechtscharaktere bildete sich im 18. Jahrhundert aus und wurde im 19. Jahrhundert dazu verwendet, physiologische Geschlechtsmerkmale auf psychologische zu übertragen. Der Gedanke dahinter – bewusst oder unbewusst – war, die Natur bzw. das Wesen von Mann und Frau zu erfassen, gegeneinander abzugrenzen und in ein Ordnungsschema zu bringen. Intention war – entgegen aufklärerischer Postulate – ein System zu entwerfen, das die im Alltag des „ganzen Hauses“ schon vielfach praktizierte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Rollenzuschreibung normativ aufrechterhalten und neu legitimieren sollte.

Es ist als Kontrastprogramm angelegt, in dem die von der Natur abgeleiteten physischen und psychischen Eigenschaften von Mann und Frau eben diesen für den öffentlichen Bereich und jene für den häuslichen Bereich prädestinierten. Dem Mann wurden Prädikate wie z.B. Aktivität, Tapferkeit, Durchsetzungsvermögen, Gewalt, Geist, Vernunft und Wissen, der Frau hingegen Prädikate wie z.B. Passivität, Schwäche, Bescheidenheit, Abhängigkeit, Güte, Gefühl, Empfänglichkeit, Liebenswürdigkeit, Taktgefühl und Schönheit zugeschrieben. Betrachtet man das Beschriebene vor der Folie der Geschichte, so ist zu konstatieren, dass die Geschlechtscharaktere im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts erfunden wurden und erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre relevante Position im psycho-sozialen Wertgefüge der Menschen verlieren. Nach Hausen erfuhr das Konzept der Geschlechtscharaktere im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eine völlig neue Qualität: „Der Geschlechtscharakter wird als eine Kombination von Biologie und Bestimmung aus der Natur abgeleitet und zugleich in das Innere der Menschen verlegt.“ Wo früher die Standesdefinitionen als reliable Referenzfolie der Orientierung dienten, traten also im 18. Jahrhundert Charakterdefinitionen an deren Stelle.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit der Geschlechterthematik und begründet die Notwendigkeit einer historischen soziologischen Rekonstruktion für das heutige Verständnis von Rollenbildern.

1. Historisch-soziologische Rekonstruktion der Entwicklung des Bürgertums: Dieses Kapitel analysiert den Übergang von der vorindustriellen Hausväter-Gesellschaft zur bürgerlichen Wohnsituation, die erstmals eine räumliche Trennung von Privatleben und Erwerbsarbeit sowie eine Privatsphäre etablierte.

2. Die Entstehung der Geschlechtscharaktere: Das Kapitel untersucht die Entwicklung dichotomer Rollenzuschreibungen im 18. Jahrhundert, die auf der vermeintlichen biologischen Bestimmung von Mann und Frau basieren und ihr Handeln in den öffentlichen bzw. häuslichen Bereich aufteilen.

3. Zusammenschau: Die Zusammenschau fasst die Gründe für die Etablierung des Geschlechtscharakter-Konzepts im Bürgertum zusammen und reflektiert deren langfristige Wirkung sowie die Persistenz der resultierenden Stereotypen bis in die heutige Zeit.

Schlüsselwörter

Geschlechtscharaktere, Bürgertum, 18. Jahrhundert, Industrialisierung, Hausväter-Gesellschaft, Rollenverteilung, Sozialisation, Geschlechterkonstruktion, Privatsphäre, Erwerbsarbeit, Arbeitsteilung, Anthropologie, Humanismus, Ergänzungstheorem, Gatten-Familie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und Etablierung der Geschlechterrollen im Bürgertum des 18. Jahrhunderts und deren soziologische Hintergründe.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen den Wandel der Wohn- und Arbeitsverhältnisse, die Entstehung des bürgerlichen Familienideals sowie die philosophische und anthropologische Begründung der Geschlechterdifferenz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist eine soziologische Rekonstruktion der Entwicklung der Geschlechter, um zu erklären, wie und warum sich spezifische Rollenbilder und das Konzept der „Geschlechtscharaktere“ herausbildeten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen historisch-soziologischen Ansatz, um gesellschaftliche Transformationen des 18. Jahrhunderts theoretisch zu rekonstruieren und zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Übergang von der ständischen Hausväter-Gesellschaft zur modernen Industriegesellschaft, die Entstehung der Geschlechtscharaktere sowie deren Funktion als soziales Ordnungsschema.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechtscharaktere, Bürgertum, industrielle Transformation, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und das Ergänzungstheorem der Geschlechter.

Welchen Einfluss hatte der Humanismus auf die Geschlechterrollen laut dieser Arbeit?

Der Humanismus richtete den Fokus auf das Individuum, was im Kontext der entstehenden philosophischen Anthropologie und Psychologie das Interesse an einer vermeintlich naturgegebenen Bestimmung des Wesens von Mann und Frau verstärkte.

Warum wird das Konzept der Geschlechtscharaktere als deterministisch bezeichnet?

Es wird als deterministisch eingestuft, da es biologische Merkmale bei der Geburt nutzt, um die Eigenschaften, Rechte und Pflichten eines Individuums für seinen gesamten Lebensverlauf festzuschreiben.

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Details

Title
Historische Rekonstruktion des Zusammenhangs zwischen dem Bürgertum des 18. Jahrhunderts und der Entwicklung der Geschlechtscharaktere
Subtitle
Die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht
Grade
1,7
Author
Marcus Gießmann (Author)
Publication Year
2010
Pages
17
Catalog Number
V166949
ISBN (eBook)
9783640831517
ISBN (Book)
9783640830978
Language
German
Tags
historische rekonstruktion zusammenhangs bürgertum jahrhunderts entwicklung geschlechtscharaktere konstruktion geschlecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Gießmann (Author), 2010, Historische Rekonstruktion des Zusammenhangs zwischen dem Bürgertum des 18. Jahrhunderts und der Entwicklung der Geschlechtscharaktere, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166949
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