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Mehr als nur ein Beruf? Moralische Verantwortung in der Sozialarbeit mit geflüchteten Familien

Titre: Mehr als nur ein Beruf? Moralische Verantwortung in der Sozialarbeit mit geflüchteten Familien

Thèse de Bachelor , 2025 , 70 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Lara Da Cunha Ammura (Auteur)

Travail Social
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Sozialarbeiterinnen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien erleben und bewältigen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Fachkräfte in diesem Arbeitsfeld häufig an fachliche, institutionelle und persönliche Grenzen stoßen und dabei mit komplexen moralischen Dilemmata konfrontiert sind. Auf Basis eines theoretischen Rahmens, der zentrale Konzepte wie moralische Verantwortung, Berufsethos, professionelle Abgrenzung sowie ethische Ansätze wie Deontologie, Care-Ethik und moralischen Stress integriert, werden diese Herausforderungen systematisch beleuchtet.
Empirisch stützt sich die Studie auf leitfadengestützte Interviews mit Sozialarbeiterinnen, deren Auswertung mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz erfolgte. Die Ergebnisse zeigen, dass moralische Spannungen vor allem dann entstehen, wenn institutionelle Vorgaben den individuellen Ansprüchen an Gerechtigkeit und Fürsorge entgegenstehen. Zugleich werden vielfältige Bewältigungsstrategien sichtbar, die von kollegialem Austausch über reflexive Praxis bis hin zu professioneller Selbstabgrenzung reichen.
Die Arbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis ethischer Entscheidungsprozesse in der Flüchtlingssozialarbeit und verdeutlicht, wie Fachkräfte zwischen strukturellen Rahmenbedingungen und persönlicher Verantwortung navigieren. Abschließend werden praxisorientierte Implikationen für die Soziale Arbeit formuliert und Perspektiven für zukünftige Forschung aufgezeigt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • 1 Einleitung
  • 2 Theoretischer Rahmen
    • 2.1 Moralischer Verantwortung in der Sozialarbeit
    • 2.2 Berufsethos und professionelle Abgrenzung
    • 2.3 Theorien zur moralischen Verantwortung
      • 2.3.1 Deontologische Ethik und ihre Relevanz in der Sozialarbeit
      • 2.3.2 Care-Ethik
      • 2.3.3 Moralischer Stress
    • 2.4 Herausforderungen in der Sozialarbeit
    • 2.5 Forschungsstand
  • 3 Methodisches Vorgehen
    • 3.1 Forschungsdesign: qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz
    • 3.2 Datenerhebung
    • 3.3 Interviewleitfaden
    • 3.4 Datenanalyse
  • 4 Ergebnisse der Untersuchung
    • 4.1 Deduktive Kategorien: theoriegeleitete Erkenntnisse
    • 4.2 Induktive Kategorien: unerwartete Erkenntnisse aus der Praxis
    • 4.3 Synthese: Verknüpfung von Theorie und Praxis
  • 5 Diskussion
    • 5.1 Vergleich der Ergebnisse mit dem theoretischen Rahmen
    • 5.2 Kritische Reflexion der moralischen Verantwortung
    • 5.3 Implikation für die Sozialarbeit
    • 5.4 Einordnung und Begrenzungen
  • 6 Fazit
  • Abbildungsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit widmet sich der zentralen Forschungsfrage: „Wie erleben und bewältigen Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien?“. Ziel ist es, sowohl Herausforderungen als auch Bewältigungsstrategien zu analysieren und daraus praxisorientierte Implikationen für die Soziale Arbeit abzuleiten.

  • Moralische Verantwortung und Berufsethos in der Sozialarbeit
  • Theoretische Konzepte von deontologischer Ethik und Care-Ethik
  • Phänomen des moralischen Stresses in der beruflichen Praxis
  • Spezifische Herausforderungen in der Sozialarbeit mit geflüchteten Familien
  • Qualitative Methoden zur Erfassung subjektiver Erfahrungen
  • Entwicklung praxisorientierter Implikationen und Bewältigungsstrategien

Auszug aus dem Buch

Care-Ethik

Die Care-Ethik ist ein ethischer Ansatz, der nicht Prinzipien in den Mittelpunkt stellt, sondern sich auf die Anerkennung von Abhängigkeiten, sozialen Kontexten und zwischenmenschlichen Beziehungen fokussiert. Sie hebt die moralische Bedeutung konkreter Lebenswelten, alltäglicher Praxis und emotionaler Verbindung hervor (Gödecke et al., 2022, S. 127). Wie Gödecke et al. (2022) betonen, liegt der Fokus dieses Ansatzes auf asymmetrische Beziehungen und Machtverhältnisse, die durch Abhängigkeiten entstehen können, beispielsweise im Umgang mit Kindern, älteren Menschen oder Personen mit Behinderungen. Ziel der Care-Ethik ist es, gerade diesen Gruppen eine Stimme zu geben und auf gesellschaftliche Strukturen hinzuweisen, die verhindern, dass ihre Interessen in Entscheidungsprozesse nicht integriert werden (S. 128).

Die Ursprünge der Care-Ethik sind eng mit den Arbeiten von Carol Gilligan verbunden, die sich in ihrem Werk In a Different Voice aus dem Jahr 1984 mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in moralischen Entscheidungsprozessen auseinandersetzte (Griffin, 1991). Gilligan kritisierte die Idee eines universellen, unparteiischen moralischen Standpunktes und betonte, dass moralische Urteile untrennbar mit den spezifischen situativen und relationalen Kontexten verbunden sind (Gödecke et al., 2022, S. 128). Ihre Forschung zeigt, dass moralische Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden, sondern stets auf soziale Dynamiken und Beziehungskonstellationen geprägt sind.

Ursprüngliche Konzepte der Care-Ethik fokussierten sich vor allem auf zwischenmenschliche Beziehungen, indessen Joan Tronto in ihrer Weiterentwicklung auch die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der Fürsorge hervorhebt. In ihrem Werk Moral Boundaries: A Political Argument for an Ethic of Care beschreibt Tronto vier zentrale Dimensionen der Fürsorge. Diese Dimensionen stellen verschiedene Phasen eines dynamischen Prozesses dar, der das umfassende Konzept der Care-Ethik verdeutlicht. Caring about bezeichnet die erste Phase des Fürsorgeprozesses und beschreibt das Erkennen und Wahrnehmen eines bestehenden Bedürfnisses. Diese Dimension setzt voraus, dass man den Bedarf von Fürsorge erkennt und einschätzt, ob auf das Bedürfnis reagiert werden sollte. Dabei erfordert es oft, sich in die Perspektive einer anderen Person oder Gruppe hineinzuversetzen, um diesen Bedarf zu verstehen. Diese Wahrnehmung wird sowohl kulturell als auch individuell geprägt (Tronto, 1993, S. 106).

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Einleitung: Stellt die Forschungsfrage vor: Wie Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen Ethos und moralischer Verantwortung mit geflüchteten Familien erleben und bewältigen, und skizziert die Struktur der Arbeit.

Kapitel 2 Theoretischer Rahmen: Erläutert ethische Prinzipien, moralische Verantwortung, Berufsethos, professionelle Abgrenzung sowie Konzepte wie deontologische Ethik, Care-Ethik und moralischen Stress im Kontext der Sozialarbeit.

Kapitel 3 Methodisches Vorgehen: Beschreibt das qualitative Forschungsdesign mittels Inhaltsanalyse nach Kuckartz, die Datenerhebung durch leitfadengestützte Interviews und die Analysemethode.

Kapitel 4 Ergebnisse der Untersuchung: Präsentiert die empirischen Ergebnisse der Interviews, unterteilt in deduktive (theoriegeleitete) und induktive (praxisbasierte) Kategorien zu moralischen Spannungsfeldern.

Kapitel 5 Diskussion: Setzt die empirischen Ergebnisse in Beziehung zum theoretischen Rahmen, reflektiert kritisch die Rolle moralischer Verantwortung und leitet Implikationen für die Praxis ab.

Kapitel 6 Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und ordnet die Relevanz für die Sozialarbeit mit geflüchteten Familien ein.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, moralische Verantwortung, geflüchtete Familien, Berufsethos, moralischer Stress, Care-Ethik, deontologische Ethik, qualitative Forschung, professionelle Abgrenzung, Selbstfürsorge, interkulturelle Kompetenz, ethische Dilemmata, Flüchtlingssozialarbeit, Spannungsfelder.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien erleben und bewältigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind moralische Verantwortung, Berufsethos, professionelle Abgrenzung, deontologische Ethik, Care-Ethik und moralischer Stress im Kontext der Flüchtlingssozialarbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie erleben und bewältigen Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien?“. Ziel ist die Analyse von Herausforderungen und Bewältigungsstrategien.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein qualitativ-empirisches Forschungsdesign basierend auf der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz verwendet, mit Datenerhebung durch leitfadengestützte Interviews.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen der moralischen Verantwortung und Ethik, das methodische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse sowie die Ergebnisse der empirischen Untersuchung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Soziale Arbeit, moralische Verantwortung, geflüchtete Familien, Berufsethos, moralischer Stress, Care-Ethik.

Warum ist die Care-Ethik für diese Arbeit besonders relevant?

Die Care-Ethik ist relevant, weil sie moralisches Handeln im Kontext von Beziehungen, Abhängigkeiten und Fürsorge thematisiert und damit eine tragfähige Orientierung für die Beziehungsarbeit mit geflüchteten Familien bietet.

Welche Rolle spielt moralischer Stress in der Flüchtlingssozialarbeit?

Moralischer Stress ist ein systemisch bedingtes Phänomen, das auftritt, wenn Fachkräfte wissen, was moralisch richtig wäre, aber aufgrund äußerer oder innerer Zwänge nicht entsprechend handeln können. Er führt zu emotionaler Erschöpfung und moralischer Dysfunktionalität.

Welche Bedeutung hat Selbstfürsorge für Sozialarbeiter_innen in diesem Kontext?

Selbstfürsorge ist eine grundlegende Voraussetzung professionellen Handelns und dient als Schutzmechanismus gegen emotionale Überlastung und Burnout, wobei Selbstreflexion, kollegialer Austausch und bewusste Abgrenzung zentrale Strategien sind.

Welche methodischen Begrenzungen weist die Studie auf?

Die Studie wurde ausschließlich mit weiblichen Fachkräften geführt und basierte auf einer begrenzten Anzahl von Interviews (vier), was die Generalisierbarkeit auf die gesamte Berufsgruppe einschränkt.

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Résumé des informations

Titre
Mehr als nur ein Beruf? Moralische Verantwortung in der Sozialarbeit mit geflüchteten Familien
Université
University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Köln
Note
1,7
Auteur
Lara Da Cunha Ammura (Auteur)
Année de publication
2025
Pages
70
N° de catalogue
V1669845
ISBN (PDF)
9783389164709
ISBN (Livre)
9783389164716
Langue
allemand
mots-clé
Migration Flüchtlinge Migrationsarbeit Beratung Moral Ethik Verantwortung Moralische Verantwortung Soziale Arbeit Ethik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Lara Da Cunha Ammura (Auteur), 2025, Mehr als nur ein Beruf? Moralische Verantwortung in der Sozialarbeit mit geflüchteten Familien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669845
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Extrait de  70  pages
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