„Das einzig Überraschende an der Wirtschaftskrise von 2008 war die Tatsache, dass sie für so viele überraschend kam.“
So der Einstieg eines von vielen jüngst veröffentlichten Büchern, welche die schwerste Weltwirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 1930er Jahren versucht aufzuarbeiten.
Was mit der US-Immobilienkrise begann, führte zur einer weltweiten Bankenkrise und endete über eine Wirtschaftskrise in einer globalen Staatenkrise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnete bereits im Oktober 2008 mit weltweiten Verlusten durch die Finanzkrise in Höhe von 1,4 Billionen Dollar.
Diese Arbeit soll:
-einen Überblick über die Entstehung der Finanzkrise geben,
-seinen Schwerpunkt auf die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Bezirk Weser-Ems setzen und
-einen Finanzierungsalternativenkatalog herausarbeiten.
Um die aktuelle Situation erfassen zu können, wurden dazu zwei Erhebungen im Bezirk Weser-Ems durchgeführt.
Adressaten der ersten Befragung waren kleine und mittelständische Unternehmen. Als Gegenstück dazu wurde die zweite Befragung mit Kreditinstituten der Region durchgeführt. So lässt sich aufgrund teilweiser identischer Fragestellungen die Finanzkrise aus zwei Blickwinkeln betrachten.
Hieraus wird ein Katalog mit Finanzierungsalternativen abgeleitet und unter der aktuellen Krisensituation bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung, Problemstellung und Vorgehensweise
2 Von der Subprime-Krise zum Versagen des internationalen Finanzsystems
3 Die Krise als Chance zur Veränderung und Neuorientierung
3.1 Aus der Vergangenheit lernen
3.2 Die umfassendste US-Finanzreform seit 80 Jahren
3.3 Eine Reform der Ratingagenturen ist unvermeidbar
3.4 Basel III
3.5 „Geschäftsmodell Deutschland“ auf dem Prüfstand
3.6 Schlusswort zur Krise
4 Die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen
4.1 Definition KMU
4.1.1 Bedeutung des deutschen Mittelstandes
4.2 Erhebung im Bezirk Weser-Ems
4.2.1 Erläuterungen zum methodischen Vorgehen
4.2.2 Die Fragebögen
4.2.2.1 Darstellung und Aufbau der Fragebögen
4.2.3 Durchführung und Ablauf der Befragung
4.3 Auswertung der Umfragen zur Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen im Bezirk Weser-Ems
4.3.1 Beschreibung der Stichprobe KMU-Erhebung
4.3.2 Beschreibung der Stichprobe Bank-Erhebung
4.3.3 Die Umfrageergebnisse
4.3.3.1 Identifikation der Stichprobe
4.3.3.2 Beziehung Bank und KMU in der Krise
4.3.3.3 Fördermittel für kleine und mittlere Unternehmen
4.3.3.4 Bewertung der Finanzkrise aus zwei Perspektiven
5 Bewertung möglicher Finanzierungsalternativen zum Bankkredit
5.1 Unternehmensfinanzierung in der Krise
5.2 Finanzwirtschaftliche Ziele zur Bewertung von Finanzierungsalternativen
5.2.1 Erhalt der Sicherheit
5.2.2 Maximierung der Rentabilität
5.2.3 Aufrechterhaltung der Liquidität
5.2.4 Erhalt der Unabhängigkeit
5.3 Bewertungsschema
5.4 Alternative Finanzierungsformen
5.4.1 Leasing
5.4.2 Factoring
5.4.3 Mitarbeiterdarlehen
5.4.4 Mezzanine Finanzierungsinstrumente
5.4.4.1 Stille Gesellschaft
5.4.4.2 Nachrangdarlehen
5.4.5 Beteiligungskapital (Private Equity/Venture Capital)
5.5 Vergleich und Bewertung der Alternativen nach den ausgewählten finanzwirtschaftlichen Zielen
5.5.1 Erhalt der Sicherheit
5.5.2 Maximierung der Rentabilität
5.5.3 Aufrechterhaltung der Liquidität
5.5.4 Erhalt der Unabhängigkeit
5.6 Alternativenkatalog und Schlussbetrachtung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Bezirk Weser-Ems. Ziel ist es, ein besseres Verständnis über die Kreditabhängigkeiten und die Rolle der Banken zu gewinnen sowie einen Katalog an Finanzierungsalternativen zu entwickeln, der unter den aktuellen Krisenbedingungen bewertet wird.
- Analyse der Entstehung der weltweiten Finanzkrise.
- Untersuchung der Finanzierungslage von KMU im Bezirk Weser-Ems mittels empirischer Erhebungen.
- Kritische Gegenüberstellung der Perspektiven von Unternehmen und Kreditinstituten.
- Erarbeitung und Bewertung von alternativen Finanzierungsformen zum klassischen Bankkredit.
- Ableitung eines Finanzierungsalternativenkatalogs für mittelständische Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Eine Reform der Ratingagenturen ist unvermeidbar
Ratingagenturen, die mit ihren Noten die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls angeben, spielen eine entscheidende Rolle für die Risikobewertung auf den Finanzmärkten. Die drei größten und bekanntesten sind die amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s Investors und Fitch Rating. Ratingagenturen vergeben Noten für fast alles, von Hypotheken über Unternehmensanleihen bis hin zu den Staatsschulden ganzer Nationen. Sie genießen heutzutage mit ihren Bewertungen größtes Vertrauen und erspart vielen eine eigene Prüfung der Risiken. Spätestens jedoch mit dem Ausbruch der Krise sind Ratingagenturen heftig in die Kritik geraten. Sie haben Ramschpapiere zu Bestnoten verholfen und Lehman noch kurz vor dem Untergang mit »A+« bewertet. Um hier nicht vorschnell zu urteilen, sollte man erst auf die Entwicklung von Ratingagenturen zurückblicken.
Die Geschichte von Ratingagenturen geht bis in den frühen 1930er Jahren zurück. Einen Aufschwung erlebten sie 1975 mit der Zertifizierung durch die Börsenaufsicht. In den Anfangsjahren wurden Ratingagenturen von den Investoren finanziert, die einzelne Anlagen bewerten ließen. Als das Einnahmemodell mit der Zeit zunehmend uninteressanter wurde – viele Investoren haben sich die Bewertungen umsonst von Freunden besorgt – stellten die Ratingagenturen ihr Geschäftsmodell einfach um. Sie boten von nun an ihre Dienstleistungen nicht mehr den Investoren, sondern den Ausgebern der Schuldtitel an. Dies entsprach auch den Reformen der Börsenaufsicht, die den Emittenten ein Rating für ihre Produkte vorschrieb. Hier sah man sich bald einen erheblichen Interessenkonflikt ausgesetzt. Die Banken, die Wertpapiere auf dem Markt bringen wollten, konnten sich bei den Agenturen nach dem besten Rating „umschauen“ und Angebote vergleichen. Ratingagenturen konnten die geplante Emission zwar als „Schrott“ bewerten, riskierten damit aber den Kunden zu verlieren. Das Interesse verlagerte sich immer mehr dahin, den Banken das zu geben, was sie verlangten, weil sie durch die Banken letztendlich finanziert wurden. Das ist so als würden Studenten ihren Professor für ihre Noten bezahlen. Wenn mehrere Professoren zur Auswahl stehen, würden diejenigen, die nur »Einser« verteilen bald beliebter sein und sie würden mehr verdienen als ihre strengeren Kollegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung, Problemstellung und Vorgehensweise: Definition der Forschungsfrage zur Finanzierungssituation von KMU in der Wirtschaftskrise und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2 Von der Subprime-Krise zum Versagen des internationalen Finanzsystems: Aufarbeitung des Krisenverlaufs von der US-Immobilienkrise hin zur globalen Wirtschafts- und Bankenkrise.
3 Die Krise als Chance zur Veränderung und Neuorientierung: Diskussion von Regulierungsansätzen, Reformen der Ratingagenturen, Basel III und der Hinterfragung des deutschen Wirtschaftsmodells.
4 Die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen: Detaillierte Darstellung der empirischen Erhebungen bei Unternehmen und Banken im Bezirk Weser-Ems inklusive Auswertung.
5 Bewertung möglicher Finanzierungsalternativen zum Bankkredit: Analyse verschiedener Finanzierungsformen wie Leasing, Factoring und Mezzanine-Kapital anhand finanzwirtschaftlicher Kriterien.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Entwicklung und Notwendigkeit der Neuorientierung in der Unternehmensfinanzierung.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, KMU, Mittelstand, Finanzierung, Bankkredit, Weser-Ems, Ratingagenturen, Basel III, Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital, Liquidität, Rentabilität, Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Bezirk Weser-Ems während der Finanz- und Wirtschaftskrise und untersucht mögliche alternative Finanzierungsmöglichkeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Verlauf der Finanzkrise, die Abhängigkeit des Mittelstands von Bankkrediten, die Auswirkungen der Krise auf die Kreditvergabepraxis sowie die Evaluation alternativer Finanzierungsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ableitung eines Katalogs von Finanzierungsalternativen zum Bankkredit, um kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung und Handlungsoptionen in Krisenzeiten zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein empirisches Design nach dem Prinzip der Triangulation gewählt, bei dem zwei aufeinander abgestimmte quantitative Befragungen – eine bei Unternehmen und eine bei Kreditinstituten – durchgeführt und ausgewertet wurden.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der empirischen Daten aus dem Bezirk Weser-Ems sowie eine detaillierte finanzwirtschaftliche Bewertung von Finanzierungsalternativen anhand von Kriterien wie Sicherheit, Rentabilität und Liquidität.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelstand, Finanzkrise, Bankkredit, KMU, Liquidität und alternative Finanzierungsinstrumente geprägt.
Wie bewerten die befragten Banken die aktuelle Kreditvergabepraxis?
Die Banken beurteilen die Situation meist weniger kritisch als die Unternehmen. Eine deutliche Verschärfung der Kreditrichtlinien wurde von ihnen mehrheitlich nicht berichtet, was auf eine Diskrepanz zwischen Bankensicht und Unternehmenswahrnehmung hindeutet.
Welche Rolle spielt die "Herr-im-Haus-Mentalität" bei KMU?
Diese Haltung beschreibt die Skepsis vieler mittelständischer Inhaber gegenüber externen Beteiligungsfinanzierungen, da sie eine mangelnde Kontrolle oder den Verlust der unternehmerischen Unabhängigkeit fürchten.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema "Leasing" und "Factoring"?
Diese Instrumente werden als Ergänzung zum klassischen Kredit identifiziert, wobei Leasing bereits eine hohe Verbreitung findet, während Factoring trotz seiner Vorteile in Bezug auf Liquiditätssicherung noch unter mangelnder Bekanntheit leidet.
Wie schätzen die Teilnehmer das Ende der Krise ein?
Die Kreditinstitute zeigen sich durchweg optimistischer und sehen den Wendepunkt der Krise bereits als erreicht an, während die befragten Unternehmen die zukünftige Erholung deutlich pessimistischer und unentschlossener bewerten.
- Quote paper
- Patrick Bremer (Author), 2010, Die Finanzierungssituaton von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der derzeitigen Situation einer Finanz- und Wirtschaftskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167015