Essay zum Film "If..." - Gewalt verursacht Gewalt

Darstellung des theoretischen Zusammenhangs am Beispiel des Films


Essay, 2006

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Handlung des Films

2. Anwendung kreislauftheoretischer Überlegungen zur Entstehung von Gewalt auf die Realität des Films

Literatur

1. Die Handlung des Films

Der Film „If...“ spielt in einem englischen College - Internat, indem strikte Regeln und eine strenge Rangordnung herrschen. Mit Disziplin und Härte in psychischer sowie physischer Form sollen die ausschließlich männlichen Schüler auf ihr künftiges Leben vorbereitet werden. Aber nicht nur die Lehrer üben Druck auf die Schüler aus, auch die Schüler untereinander. Neuankömmlinge (Jute) gilt es durch gleichaltrige Tutoren perfekt in das Regelwerk einzuführen. Fehler sind nicht erlaubt. Nicht nur damit die Neuen die Prüfung unter den Schülern bestehen, sondern auch damit die Tutoren einer möglichen Prügelstrafe entgehen.

Der Grundsatz der Schule „ Arbeitet und spielt, aber nie gleichzeitig1 täuscht anfangs darüber hinweg, dass den Schülern neben dem strikten Schulalltag und den Dienstleistungen, welche sie den Ranghöheren „Aufsichtsschülern“ und Lehrern erbringen müssen, kaum Freizeit bleibt. Als besonders eindringliches Beispiel für eine solche Dienstleistung erweist sich in einer der ersten Szenen des Films die autoritäre Anordnung des Aufsichtsschülers, Rowntree, gegenüber einem Fuchs, er solle seine Toilette anwärmen gehen, er käme gleich nach.

Der Film setzt mit Beginn eines neuen Semesters und dem Vorsatz nach noch strengeren Regeln ein. Die neue „ Ausgangssperre ab 5 Uhr “ mindert die Freiheit noch einmal exemplarisch.

Eine der Hauptfiguren des Films, Mick Travis, der als eitel und eingebildet geltende „Robin Hood“ unter den Schülern bringt das Empfinden dieses mangelnden Freiraums zum Ausdruck, indem er seinen Zimmergenossen gegenüber rhetorisch äußert: „ ... m ö chte wissen, was wir vom Leben haben “.2 Als Hauptfiguren neben Travis erscheinen die gleichaltrigen Schüler Knightly und Wallace, sowie der jüngere Philips, der aufgrund seiner Optik bei den Aufsichtsschülern besonderes Interesse weckt.

Der Alltag im Internat ist durchweg von homosexuellen und sadistischen Momenten geprägt, jedoch beschränkt sich die Darstellung von Autorität und Missachtung im Film fast ausschließlich auf Ereignisse zwischen den Senioren und Junioren. Von Lehrern ausgehende Quälereien erscheinen nur szenenhaft: im Mathematikunterricht belästigt ein Lehrer fast wie selbstverständlich einzelne Schüler und fügt ihnen Schmerzen zu.

Die Gespräche der Aufsichtsschüler drehen sich vorwiegend um die optischen Vorzüge der jüngeren und wie die Moral der Schule zu retten sei. Ob es auch tatsächlich zu homosexuellen Verbindungen kommt, ist mir beim einmaligen Sehen des Films, nicht klar geworden. Eine Szene, in der Wallace gekonnt am Reck seine Übungen vollzieht und Philips ihm von einem Geländer aus zusieht, würde auf eine homosexuelle Sympathie zwischen Philips und Wallace durchaus hindeuten, allerdings erscheint es mir in Bezug auf die Thematik des Essays, dem Kreislauf von Gewalt, nicht von allzu großer Bedeutung.

Die Clique um Travis, Knightly und Wallace ist den Lehrern, aber vor allem den Aufsichtsschülern (Senioren) ein Dorn im Auge: mit längeren Haaren und widerspenstigem Verhalten versuchen sie sich gegen den Anpassungsdruck der Schule zur Wehr zu setzen. Als die Schülerschaft gesammelt einem Mannschaftsspiel des Internats beiwohnen soll, reißen Travis und Knightly in die Stadt aus, wo sie ein Motorrad aus einem Schauraum stehlen. Während ihres ‚Ausflugs durch die Freiheit‘, lernen sie bei einem Zwischenstop ein Mädchen kennen, zu dem so etwas wie eine Freundschaft entsteht.

Auch Wallace und Philips bleiben dem Spiel fern und sitzen zur selben Zeit rauchend in einem Versteck und reden über ihr Leben und ihre Träume.

Trotz des noch strenger gewordenen Reglements sieht sich das Internat dem Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, immer noch als zu lasch zu gelten. Die Aufsichtsschüler beschließen daher unter Anwesenheit einiger Lehrer ein Exempel zu statuieren, um den Widerstand der Schüler vollends zu brechen. Aufgrund ihrer „ grundsätzlichen Haltung3 werden Travis, Wallace und Knightly für dieses ausgewählt und in einer Turnhalle nacheinander mit dem Stock geprügelt.

Der Direktor, der diese Form der Gewalt an seinem Internat wohl nicht dulden würde oder für nicht wünschenswert hielte, bekommt von dem Vorfall nichts mit und auch nur so erscheint es nachvollziehbar, dass sich die Clique, nachdem sie bei einer Militärübung einen Lehrer aus nächster Nähe mit unscharfer Munition beschießen, nur entschuldigen muß. Auch der verordnete Aufräumdienst soll den Dreien nicht als Strafe dienen, sondern sie sollen lernen „ zu dienen “, schließlich seien sie doch „ zu intelligent, um Rebellen zu sein.“4

Bei den Arbeiten in den Kellerräumen des Internats stoßen die Jungen auf die hauseigene Waffenkammer: Maschinengewehre, Granaten und scharfe Munition.

Bei einer Jubiläumsfeier des Internats, wo neben Mitgliedern der Königsfamilie, Eltern und Absolventen des Kollege auch General Denson, Vater eines Aufsichtsschülers, als Ehrengast anwesend sind, kommt es zum Befreiungsschlag. Die Clique lockt die Gäste durch eine Brandlegung ins Freie, wo diese von einem ‚Schlachtfeld‘ empfangen werden: es explodieren Granaten und die vier Jungs (Travis, Wallace, Knightly und Philips) sowie das Mädchen schießen von den Dächern wahllos in die Menge. Unter Führung des anwesenden Generals („ jeder ein Gewehr “) formiert sich direkte Gegenwehr und es wird zurück geschossen.

Selbst der Direktor, der sich ihnen mit erhobenen Händen und den Worten „ Habt Vertrauen, meine Jungs “ entgegenstellt, wird von dem Mädchen mit einem gezielten Kopfschuß getötet.

2. Anwendung kreislauftheoretischer Überlegungen zur Entstehung von Gewalt auf die Realität des Films

Unter Verwendung vorliegender Literatur von Andreas Böttger und vor allem Ferdinand Sutterlüty, möchte ich nun den Versuch unternehmen, den Kreislauf „Gewalt erzeugt Gewalt“ auf die Realität in „If...“ zu übertragen.

Beide Autoren gehen in ihren Forschungen von einem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen während der Sozialisation und späterer Täterschaft aus.

Da der Film ausschließlich das College als sozialisationsrelevanten Bezugsraum anbietet und kaum Hinweise zu direkten familiären Hintergründen liefert, soll allein der Internatsalltag betrachtet werden. Auch der Hinweis des Direktors, man verstünde sich als eine große „Familie“ unterstützt diese Beschränkung. Wenn im folgenden von „familiären“ Strukturen die Rede sein wird, so sind also stets nur Interaktionen gemeint, wie sie sich zwischen den Schülern und Lehrern zeigen.

Sich einfach gegen den unmenschlichen Alltag zu wehren liegt anfangs außerhalb der Möglichkeiten von Travis und seinen Freunden, obwohl sie von der körperlichen Statur her ihren Peinigern durchaus ebenbürtig wären. Die höhere Rangstufe der Senioren scheint vielmehr bis zu einem gewissen Grad selbst der Clique um Travis gerechtfertigt.

[...]


1 Filmzitat

2 Filmzitat; Travis äußert dieses Zitat in einer Szene zu Beginn, wo die Schüler damit beschäftigt sind, sich in ihren Zimmern einzurichten und ein Gong ertönt.

3 Filmzitat geäußert von Rowntree

4 Filmzitat: Wortlaut des Direktors

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Essay zum Film "If..." - Gewalt verursacht Gewalt
Untertitel
Darstellung des theoretischen Zusammenhangs am Beispiel des Films
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Mittelseminar Abweichendes Verhalten und soziale Kontrolle
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V167061
ISBN (eBook)
9783640834389
ISBN (Buch)
9783640834136
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Gewaltkreislauf, Sutterlüty, Böttger, Gewalt versursacht Gewalt, Jugendgewalt, Amokläufe an Schulen, Ursachen für Gewalt
Arbeit zitieren
Nora Normann (Autor), 2006, Essay zum Film "If..." - Gewalt verursacht Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167061

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