Islam und Fundamentalismus


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Skizze der Entwicklung des islamischen Fundamentalismus

4. Selbstverständnis des Islam
4.1 Absolutheitsanspruch
4.2 Totalitätsanspruch im Islam
4.3 Universalitätsanspruch des Islam

5. Islam und Moderne
5.1. Die Ziele und Ansichten gegenwärtiger islamischer Fundamentalisten.
5.2. Der Islam als Bedrohung
5.2.1.Terrorismus
5.3. Perspektiven für den Islam (?)

6. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

„ Wie gefährlich ist der Islam? “ 1

„ Der Koran, das mächtigste Buch der Welt “ 2

„ Papst contra Mohammed. Glaubenskampf um den Islam, die Vernunft und die Gewalt “ 3

Auch dank dieser Titel sind Begriffe „Islamischer Fundamentalismus“, „Islamismus“ oder auch „politischer Islam“, „Extremismus“ oder „Terrorismus“ aus der öffentlichen Medienwelt und dem Bewusstsein der Menschen heutzutage nicht mehr wegzudenken. Sie sind nahezu überall präsent.

Allerdings wird dabei häufig einiges außer Acht gelassen, wie z.B. die begriffliche Unklarheit, deren Aufklärung aber nicht explizites Ziel dieser Arbeit ist, zumindest bezüglich des „Fundamentalismus.“ Vor allem seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 rückte die Problematik des islamischen Fundamentalismus schlagartig in das Bewusstsein der Menschen und oft wird der Islam dabei selbst auf die fundamentalen Strömungen reduziert, die dann quasi automatisch mit dem „Terrorismus“ gleichgesetzt werden.

Um den Stellenwert des gegenwärtigen islamischen Fundamentalismus für die gesellschaftliche Entwicklung einschätzen zu können, soll der historische Einfluss von Fundamentalismus innerhalb des Islam kurz dargestellt werden. Eine angemessene Bewertung der aktuellen Strömung, deren Erläuterung den weiteren Verlauf der Arbeit bestimmt, kann erst durch die Kenntnis der Tradition erfolgen. Dazu zählt aber auch das Selbstverständnis des Islam, dessen Darstellung auch für die aktuelle Entwicklung von Bedeutung erscheint.

Danach wird der Focus auf unsere heutige Zeit gelegt und geklärt, in wieweit der Islam, vor allem durch den Terrorismus, eine spürbare und ernsthafte Bedrohung darstellt. Schließlich werden mögliche Perspektiven für den Islam in der heutigen Zeit erläutert, woraufhin ein Fazit anschließt, welches die aus dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse beinhaltet und den Schlusspunkt eben dieser bildet.

2. Begriffsbestimmung

Auffällig ist, dass viele Autoren den Begriff „Fundamentalismus“ im Zusammenhang mit dem Islam bewusst zu vermeiden versuchen.4 Warum sie dies tun, erklären sie oft nicht. Zu- dem verwenden die Autoren Begriffe wie z.B. „Islamismus“ oder „Fundamentalismus“, ohne dabei zu hinterfragen, ob man sie z.B. synonym verstehen kann, was sie selbst darunter wirk- lich erfassen und ohne dem Leser zu erklären, warum sie gerade diese Begriffe verwenden. Das Problem besteht vor allem darin, dass es keine einheitliche Definition dessen gibt, was „Fundamentalismus“ bedeutet und somit viel Spielraum für eigene Interpretationen offen lässt.

Auch wenn wir in unserer heutigen Zeit häufig an den die Kennzeichnung derjenigen Musli- me denken, die mit aller Kraft einen islamischen Staat aufrichten oder radikal wiederherstel- len wollen, wenn der Begriff „Fundamentalismus“ bzw. „fundamentalistisch“ auftaucht, gibt es dieses Phänomen in allen Religionen und hat zudem einen nicht-islamischen Ursprung. Er bezeichnete ursprünglich eine in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhundert entstandene Be- wegung, die gegen die liberale und moderne Theologie gerichtet war. Damals beschrieb es eine von protestantischen Christen angefachte, die gegen die Verfallserscheinungen ihres Glaubens und für ihr biblisches Grundgerüst eintraten und mit der Schriftreihe „The Fundamentals“ ihre Ansichten niedergeschrieben hatten. Das Fundament, auf das man sich bezog, war die Bibel als das ursprüngliche Wort Gottes.5 Da der Fundamentalismus dieser neu erweckten Bewegung nicht so stark war, dass sie die USA in einen Gottesstaat verwandeln wollte und konnte, stufte man sie als rein religiösen Fundamentalismus ein.

Als gemeinsamen Ausgangspunkt für beide Phänomene, die beschriebene Bewegung in den USA und fundamentalistische Tendenzen im Islam, wird die fundamentale Rückkehr zu den Quellen, also im Falle des islamischen Fundamentalismus die Rückbesinnung auf „den Koran und die Sunna (Überlieferung, Herkommen, Brauch) als Quellen der Wahrheit“6 angeführt. Somit bedeutet es den unmittelbaren Bezug auf den Koran, die Überlieferung der Propheten und daneben „das Bemühen um Authentizität des Islam, der Widerstand gegen von außen kommende Einflüsse, die Vorstellung von der Gleichheit aller Muslime und das Eintreten für die Einheit (und Einheitlichkeit) des Islam unter Zurückweisung der Vielfalt der islamischen Welt.“7 Kritisches Denken und eigene Gedanken oder Interpretationen sind somit nicht erwünscht.

Grundhaltung und Anspruch von Fundamentalisten und fundamentalistischem Denken ist es somit, „über die alleinige Wahrheit zu verfügen“8, eben eine Wahrheit, die keiner Reform bedarf und der Glaube an „die Überlegenheit der eigenen Religion“9, die neben sich keine andere duldet und sich gegen die heutige plurale Welt der Religionen stellt. In eben diesem beschriebenen Sinne definiert Bassam Tibi, ein Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Islam/Fundamentalismus, den islamischen Fundamentalismus als eine „to- talitäre Ideologie.“10

Festzuhalten ist allerdings in Bezug auf das öffentliche Bewusstsein und die mediale Berichterstattung, dass der Terrorismus „einen Aspekt des Fundamentalismus darstellen [kann], doch dürfen beide keineswegs gleichgesetzt werden“11, da das politische Handeln der Fundamentalisten in „Institutionen oder in anderweitigem legalem Rahmen erfolgen, [...] aber auch die Form von Terrorismus annehmen“12 kann.

3. Skizze der Entwicklung des islamischen Fundamentalismus

Muhammad fühlte sich um das Jahr 610 berufen, als Prophet in Mekka aufzutreten und den Glauben an den einen Gott zu verkünden. 622 zieht er mit seinen Anhängern nach Medina, wo der islamische Staat mit dem politischen Wirken Muhammads entsteht. Als er 632 starb, hatte sich der Einfluss des Islams auf die ganze arabische Halbinsel ausgeweitet. Circa 20 Jahre nach seinem Tod, lag der Koran in allen Teilen fest, die heilige Schrift des Islam, die, gemäß dem Glauben der Muslime, die wörtliche Offenbarung an den Propheten Muhammad darstellt.13

Ein Merkmal der Offenbarungsreligionen ist die Rückkehr zu ihren eigenen Ursprüngen und somit zu einer Reform auf Grundlage der Offenbarung und die Lehrer des jeweiligen Stifters. Innerhalb des Islam hat es keine Bewegung gegeben, die man z.B. mit der christlichen Reformation vergleichen könnte.14

Dennoch gab es im Verlauf der islamischen Geschichte immer wieder Strömungen, die den „ursprünglichen und reinen Islam“15 zu vertreten beanspruchten. Diese häuften sich vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, da die Muslime zum ersten Mal mit westlichem Gedankengut konfrontiert wurden. Die Ausdehnung der Kolonialherrschaft über die islamische Welt dauer- te ungefähr ein Jahrhundert, vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Ende des ersten Welt- krieges. Die islamische Welt geriet unter die Macht europäischer Mächte.16 So kam es zu ei- nem Kulturschock für die islamisch-arabischen Länder, der für die Muslime die Notwendig- keit hervorrief, ihre kulturelle Identität zu verteidigen. Dadurch, dass die nichteuropäischen Völker als minderwertig beschrieben wurden, verteidigten die Europäer die Notwendigkeit ihrer Einmischung, was ihrerseits zu einem negativ geprägten Bild des Islams führte. Der Is- lam sah sich gezwungen, sich gegebenenfalls kompromisslos zu verteidigen.17 So wurde der Islam für viele Muslime etwas, „was in ihrem Bewusstsein überwiegend- und bei manchen von ihnen sogar ausschließlich- ein Wesenselement ihrer kulturellen Identität darstellt, das gegen äußere Angriffe verteidigt werden muss.“18 Der Glaubenskampf ('djihad'), auch der bewaffnete, wurde für den Moslem religiöse Pflicht.19

1928 folgte, nach vielen Forderungen und Verstärkungen bezüglich der Verteidigung des Islam20, die Gründung einer ägyptischen Muslimbruderschaft, die das Eindringen westlicher Mentalität gewaltsam verhindern wollte.21

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entstanden in allen islamischen Ländern nationalistische Strömungen, die letztendlich in der Unabhängigkeit mündeten. Nach Ende des Kalten Krieges, kam es erneut zur Konfrontation mit dem Westen. 1979 gelang bereits im Iran und 1992 in Afghanistan die Einführung eines Gottesstaates und damit verbunden auch die Durchsetzung der Scharia als Rechtssystem in einigen islamischen Ländern und Aufruf zum heiligen Krieg. Dadurch erhielten die Fundamentalisten ihre politische Macht.22

[...]


1 Stern, September 2007.

2 Spiegel (52/2007).

3 Spiegel (32/2006).

4 Anm.: Vgl. dazu: Gumppenberg, Marie-Carin von: Zentralasien-eine Krisenregion?, in: Politische Studien, Nr. 387, Januar/Februar 2003, S. 107, Anm. 6.

5 Vgl. Bart (1992) 4f.

6 Ebd. 6.

7 Steinbach (1998) 138.

8 Bauer (1999) 7.

9 Ebd. 10.

10 Tibi (1995) 17.

11 Tibi (2002) 24.

12 Ebd.

13 Vgl. Krämer (2005) 17-27.

14 Vgl Ende (1996) 90.

15 Ebd.

16 Vgl. Ebd. 104.

17 Vgl. Ebd. 106f.

18 Ebd.

19 Vgl. Sure 9, Vers 29-33.

20 Anm. Die genaue Darstellung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Gut nachzulesen bei Ende (1996) 90-128.

21 Ende (1996) 126.

22 Tibi (2002) 248-254.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Islam und Fundamentalismus
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V167152
ISBN (eBook)
9783640835638
ISBN (Buch)
9783640836000
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Fundamentalismus, Terrorismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Islam und Fundamentalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167152

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