Sexuelle Belästigung ist ein Thema, welches sowohl gesellschaftlich als auch organisational als ein großes Tabuthema angesehen wird und mit welchem nicht offen umgegangen wird. Viele Arbeitnehmer*innen wissen nicht, ob oder dass ihr Arbeitgeber Unterstützungsangebote und Beratungen anbietet und dass sie in Fällen der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz darauf Anspruch haben.
Diese Hausarbeit behandelt ebendieses Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, da es in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen hat. Es erfolgt eine Darstellung des Begriffs sexuelle Belästigung unter Abgrenzung vom Gewaltbegriff sowie mögliche Erklärungen zur Entstehung von sexueller Gewalt, vordinglich am Arbeitsplatz. Weiterführend beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, welche psychosozialen Auswirkungen sexuelle Belästigung auf Menschen und ihre Arbeit hat und welche Reaktionen darauf erfolgen. Sowie mit der Frage, welche Rechten und Pflichten der Arbeitgeber hat und ob es geeignete präventive Maßnahmen gibt sexuelle Belästigung zu verhindern oder wenigstens zu minimieren. Abgeschlossen wird die Hausarbeit mit einem Fazit, welches die wichtigsten Punkte und mögliche Antworten auf die vorher gestellten Fragen zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Begriffsdefinitionen
- 2.1 Gewalt
- 2.2 Sexuelle Belästigung
- 3 Psychosoziale Auswirkungen und Erklärungen sexueller Belästigung
- 3.1 Psychosoziale Auswirkungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und Reaktionen
- 3.2 Mögliche Erklärungen für sexuelle Belästigung
- 4 Vorgehen am Arbeitsplatz
- 4.1 Rechte und Pflichten (des Arbeitsgebers)
- 4.2 Präventive Maßnahmen
- 5 Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit widmet sich dem Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, das aufgrund seiner gesellschaftlichen und organisationalen Relevanz sowie der Tabuisierung tiefgehend beleuchtet wird. Das Hauptziel ist es, die psychosozialen Auswirkungen sexueller Belästigung auf Individuen und ihre Arbeit zu analysieren, mögliche Reaktionen der Betroffenen zu untersuchen und die Rechte, Pflichten der Arbeitgeber sowie präventive Maßnahmen zur Verhinderung oder Minimierung dieser Form der Gewalt darzustellen.
- Definition und Abgrenzung von sexueller Belästigung und Gewalt
- Analyse der psychosozialen und gesundheitlichen Auswirkungen von sexueller Belästigung
- Erforschung möglicher Erklärungsansätze für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
- Darstellung der Rechte und Pflichten von Arbeitgebern im Umgang mit sexueller Belästigung
- Entwicklung und Bewertung präventiver Maßnahmen zur Vermeidung sexueller Belästigung
- Diskussion der individuellen Reaktionen Betroffener und deren Bewältigungsstrategien
Auszug aus dem Buch
3 Psychosoziale Auswirkungen und Erklärungen sexueller Belästigung
Ziel des dritten Kapitels ist es die möglichen (psychosozialen) Auswirkungen am Arbeitsplatz darzustellen sowie die Reaktionen der Betroffenen. Weiterführend werden Erklärungen gegeben, warum sexuelle Belästigung entstehen kann.
3.1 Psychosoziale Auswirkungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und Reaktionen
In diesem Kapitel soll auf die psychosozialen Auswirkungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz eingegangen werden. Aufgrund der Individualität eines jeden Menschen kann in diesem Kapitel nicht alles benannt werden, aber es wird versucht einen möglichst großen Überblick zu schaffen. Weiterführend wird auf mögliche Reaktionen und Handlungen Betroffener eingegangen.
Ebenso wie es für die Erklärung sexueller Belästigung keine einheitliche Definition gibt, sind auch für die Auswirkungen sexueller Belästigung keine einheitlichen Definitionen und Maßstäbe vorhanden (Ferreira und Vogt, 2022, S. 203). Bezogen auf sexuelle Belästigung im Arbeitskontext können psychische Auswirkungen von keinen über temporären bis hin zu schweren Auswirkungen führen (Foote & Goodman-Delahunty, 2021, S. 178). Foote und Goodman-Delahunty (2021, S. 178) benennen als temporäre Auswirkungen bspw. Anspannung, Angst und Enttäuschung. Starke Reaktionen beruhen nach ihnen auf einschneidenden, starken Fällen von sexueller Belästigung und können sich weiterführend in einer posttraumatischen Belastungsstörung äußern.
Viele Autoren sind sich allerdings einig, dass sexuelle Belästigung traumatisierend wirken kann sowie zu gesundheitlichen Störungen führen kann, vor allem bei physischen Fällen sexueller Belästigung (Nienhaus et al., 2016, S. 90, Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2024, S. 12, Foote & Goodman-Delahunty, 2021, S.180). Psychosoziale Belastungen und gesundheitliche Konsequenzen äußern sich unter anderem in körperlichen und seelischen Verletzungen, Rückzug, Isolation, Depression, Angststörung sowie sozialen Beeinträchtigungen. Ebenfalls können Folgen sexuelle Belästigung zu Substanzgebrauch führen, vor allem in Verbringung mit Gewalt (Koch-Gromus und Pawils, 2016, S. 1).
Weiter sind sich die meisten Autoren einig, dass eine erlebte Grenzüberschreitung zu Demütigung des Opfers sowie einer Beschämung führt (Krings, 2019, S. 2). Circa jede zweite bis dritte Person in der Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gab an die sexuelle Belästigung als psychisch belastend, erniedrigend sowie beschämend empfunden zu haben. Frauen gaben diese Punkte häufiger an als Männer (Schröttle et al., 2019, S. 12).
Neben kurzfristigen Folgen sind auch langfristige Folgen möglich (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2024, S. 12). Weitere Folgen der Würdeverletzung können Bedrohung, plötzliche Gefühle von Angst, Unsicherheit und Angespanntheit sein sowie längerfristige körperliche und psychische Beeinträchtigungen, welche unter Umständen medizinische oder therapeutische Maßnahmen beanspruchen. Zu nennen wären hier bspw. Angstzustände, Schlafstörungen, Essstörungen, Depressionen etc. (Dammann, 2021, S. 51).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als wichtiges und tabuisiertes Thema vor, grenzt es von Gewalt ab und skizziert die Hauptfragen zu psychosozialen Auswirkungen, Reaktionen, Rechten und Pflichten sowie präventiven Maßnahmen.
2 Begriffsdefinitionen: Definiert die Begriffe „Gewalt“ nach WHO und ILO sowie „sexuelle Belästigung“ gemäß AGG und EU-Recht, wobei die drei Kategorien verbal, non-verbal und physisch unterschieden werden.
3 Psychosoziale Auswirkungen und Erklärungen sexueller Belästigung: Erörtert die vielfältigen psychosozialen und gesundheitlichen Folgen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, die von temporären Beschwerden bis zu posttraumatischen Belastungsstörungen reichen, und diskutiert mögliche Erklärungen wie Machtunterschiede und Platzverweis.
4 Vorgehen am Arbeitsplatz: Beschreibt die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern nach dem AGG, einschließlich Beschwerderecht und Präventionsmaßnahmen, sowie die Rolle von Betriebsräten und die möglichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen.
5 Fazit: Fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Komplexität der Auswirkungen sexueller Belästigung und die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen sowie weiteren Forschungsbedarfs.
Schlüsselwörter
Sexuelle Belästigung, Arbeitsplatz, Psychosoziale Auswirkungen, Arbeits- und Gesundheitspsychologie, Gewalt, Prävention, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Arbeitgeberpflichten, Opferschutz, Machtunterschiede, Diskriminierung, Gesundheitliche Folgen, Intervention, Traumatisierung, Catcalling
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die psychosozialen Auswirkungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und untersucht, wie dieses tabuisierte Thema Individuen, Arbeitsumfelder und gesellschaftliche Strukturen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition von sexueller Belästigung im Kontext von Gewalt, ihre psychosozialen Auswirkungen und mögliche Erklärungen, sowie die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und präventive Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die psychosozialen Auswirkungen sexueller Belästigung auf Menschen und ihre Arbeit zu beleuchten, die Reaktionen der Betroffenen zu analysieren und Antworten auf Fragen zu Arbeitgeberpflichten und präventiven Maßnahmen zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die vorliegende Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und -zusammenfassung verschiedener wissenschaftlicher Publikationen, Studien und rechtlicher Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die Begriffsdefinitionen von Gewalt und sexueller Belästigung, die psychosozialen Auswirkungen auf Betroffene und mögliche Erklärungen für das Auftreten sexueller Belästigung, sowie das Vorgehen am Arbeitsplatz, einschließlich Rechten und Pflichten des Arbeitgebers und präventiver Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie sexuelle Belästigung, Arbeitsplatz, psychosoziale Auswirkungen, Prävention, AGG, Arbeitgeberpflichten und Opferschutz.
Was versteht man unter „Catcalling“ und welche rechtlichen Schwierigkeiten ergeben sich daraus?
Catcalling ist eine spezielle Form verbaler Belästigung, die sich durch Geräusche, Pfiffe, Beleidigungen oder vermeintliche Komplimente im öffentlichen Raum äußert. Rechtlich ist es schwierig, Catcalling als Straftat zu verfolgen, da sexuelle Belästigung in Deutschland oft erst bei körperlicher Berührung als Straftat gilt und die Deutung verbaler Kommentare von der subjektiven Wahrnehmung abhängt.
Welche Rolle spielen Machtunterschiede bei der Entstehung sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?
Machtunterschiede zwischen Täter und Opfer werden als ein zentraler Erklärungsansatz für sexuelle Belästigung genannt. Sie festigen bereits bestehende Ungleichheiten und können dazu genutzt werden, das Opfer zu verdrängen oder beruflichen Aufstieg zu verhindern, oft verstärkt durch das Androhen beruflicher Nachteile oder das Anbieten von Vorteilen.
Welche Maßnahmen werden am Arbeitsplatz empfohlen, um sexueller Belästigung vorzubeugen?
Zu den präventiven Maßnahmen gehören ein offener Umgang und die Enttabuisierung des Themas, die Schaffung eines höheren Problembewusstseins, regelmäßige Fortbildungen und Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit, feste Ansprechpartner sowie die Ausgabe von Broschüren und die Einrichtung betrieblicher Anlaufstellen.
Wie unterscheiden sich die Reaktionen der Betroffenen auf sexuelle Belästigung?
Die Reaktionen auf sexuelle Belästigung sind individuell und können in drei Kategorien unterteilt werden: aktive Reaktion (z.B. Beschwerde), Vermeidung (Täter meiden, um Beendigung bitten) und Duldung (Toleration). Die Vermeidung ist die meistgezeigte Reaktion, während die Duldung am unbeliebtesten ist.
- Citation du texte
- Luisa Pliquett (Auteur), 2024, Psychosoziale Auswirkungen von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1672289