Macht Schule krank?

Ein Portfolio


Ausarbeitung, 2010
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Behandelte Aufgaben

Einleitung

Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf

Die „Potsdamer Lehrer-Studie“

Bewegung und Entspannung

Verhältnismanagement

Impuls und Fazit

Literatur

Behandelte Aufgaben

Pflichtaufgabe 1:

Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf

- Reflektieren Sie die Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf
- ist eine Gewichtung aus Ihrer Sicht nötig bzw. möglich?
- welche der vorgestellten Beanspruchungen könnte nach Ihrer Einschätzung für Sie persönlich belastend werden oder ist es bereits?
- Sehen Sie Möglichkeiten, präventiv gegenzusteuern (jetzt?, noch im Studium?, im Referendariat?, im Beruf?)

Wahlaufgaben:

Die Potsdamer Lehrer-Studie

- Wie gestaltet sich eine Schule, an der überwiegend Lehrer mit den Risikomustern A und B unterrichten?

Bewegung und Entspannung

- Welche Entspannungsmethode hat Ihnen am besten gefallen? Stellen Sie diese kurz vor und erläutern Sie, was Ihnen daran gefallen hat.

Verhältnismanagement

- Welche Gestaltungsideen und Vorschläge haben Sie, um Gesundheitsförderung und somit mehr Entlastung für Sie an Schulen zu verwirklichen? Welche Wünsche haben Sie in dieser Hinsicht?

Pflichtaufgabe 2:

Impuls

- Macht Schule krank? Dies war der reißerische Aufmacher für das Seminar. Müsste man nach dem Seminar nicht sagen „Schule macht krank“! Was denken Sie?

Einleitung

„Macht Schule krank?“ – Dieser Titel für ein Seminar stach im Vorlesungsverzeichnis der Schulpädagogik heraus und erregte meine Aufmerksamkeit. Ich fragte mich, ob eine solche Frage wirklich beantwortet werden kann. Ist sie zu pauschal gestellt oder kann man sie am Ende des Seminars tatsächlich mit ja oder nein beantworten?

Schon in der Einführungsvorlesung der Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften erinnerte ich mich an eine Einheit über Lehrergesundheit und die Einteilung von Lehrerinnen und Lehrern in bestimmte „Typen“. Ob diese noch immer gültig sind, und ob man an Schulen wirklich präventiv gegen „lehrertypische Erkrankungen“ vorgeht? Durch die Erfahrungen an der Schule, an der ich als Vertretungslehrer arbeite und aus dem Schulpraktikum habe ich einen eher lockeren Umgang mit dem Thema psychische und physische Belastungen im Lehreralltag bemerkt. Sofort fiel mir der Ausspruch eines älteren Lehrers ein, den ich fragte, ob ich in einen seiner Stunden hospitieren könnte: „Klar, aber ich mach nix tolles, ich reiß mir hier kein Bein mehr aus. Ich bin burnout.“ Wie ich damit umgehen sollte, war mir in dieser Situation nicht bewusst, sodass ich freundlich lächelte und ihn trotzdem in seinen Unterricht begleitete – und verstand was er mit seiner Aussage meinte, da er ohne Konzept nur irgendwie versucht die Stunde rumzukriegen. Ob diese Aussage nur eine nicht ernst zu nehmende Schutzbehauptung für mangelnde Vorbereitung war oder ob tatsächlich eine physische und psychische Krankheit dahinterstand, ließ sich in dieser kurzen Zeit jedoch nicht klären.

Ich versuche in diesem Portfolio, sowohl die Mikroebene des einzelnen Lehrers zu betrachten, wie auch auf einer systemischen Ebene Vorschläge und Gedanken zu entwickeln, ob und wie Schule krank machen kann, was man als einzelner Lehrer für seine Gesundheit machen kann und wie das System Schule zu einer gesundheitlichen Förderung seiner Arbeitskräfte beitragen kann.

Ich beginne mit einer generellen Analyse über die lehrertypischen Belastungsfaktoren, seien sie auf die Einzelperson, den Unterricht, das System Schule oder das Bildungswesen bezogen. Anschließend soll aus einer empirischen Untersuchung, der so genannten „Potsdamer Lehrer-Studie“ wissenschaftlich erwiesene Fakten zum derzeitigen Stand der physischen und psychischen Belastungen von Lehrkräften benannt und damit die Interventionsdringlichkeit hinterfragt und gegebenenfalls verdeutlicht werden. Unabhängig von systemischen Umwälzungen sollte es ja jedem Lehrer möglich sein, sich vom Alltagsstress z.B. mithilfe von speziellen Bewegungs- und Entspannungsmethoden zu befreien und „abzuschalten“. Welche der im Seminar vorgestellten Methoden ich im Lehrerberuf für durchführbar halte, und welche ich für mich persönlich befürworten würde, werde ich in diesem Absatz beschreiben. Nach der Betrachtung auf dieser untersten Mikroebene des Lehrers wird es noch einmal eine Analyse der momentanen Situation an Schulen geben, inwiefern sie bereits etwas für die Gesundheitsförderung tun und was in Zukunft getan werden muss, bzw. kann. Abschließend nehme ich mich dem Titel des Seminars „Macht Schule krank“ an und versuche, daraus ein generelles Fazit über das Seminar zu entwickeln; welches waren die vermittelten Inhalte, das erworbene Wissen sowie die praktisch erlernten Fähigkeiten für ein gesünderes Arbeitsleben als Lehrer.

Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf

Wie in den ersten Seminarsitzungen vorgestellt, gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Belastungen für Lehrerinnen und Lehrer. Der Versuch diese zu kategorisieren hat als Resultat hervorgebracht, dass in nahezu allen Bereichen die beruflichen Anforderungen zu Überforderung und damit gesundheitlicher Beeinträchtigung führen können.

Eine Gewichtung der Belastungskriterien und eine eigene Bewertung inwiefern diese belastend für einen selber sind, empfinde ich als individuell nötige, wenn auch sehr zeitintensive Aufgabe. Das Problemfeld auszuloten erfordert eine nicht unerhebliche Fähigkeit zur Selbstdiagnostik. Ein erster Schritt sollte es sein, dass man sich vorhandene Schwächen und Fehler eingesteht und nicht davor die Augen verschließt. Dabei ist es nicht Sinn der Übung, sich selbst ein Zeugnis der Unfähigkeit auszustellen, da es auch Bereiche gibt, auf die man nur wenig oder gar keinen Einfluss hat. Diese sind beispielsweise räumliche Voraussetzungen in der Schule, Vorgaben des Lehrplans oder vor allem die schulorganisatorischen Bedingungen, wie die Schul- und Klassengröße. Mit diesen strukturellen Gegebenheiten muss man lernen umzugehen, da realistischerweise eine Änderung nicht kurzfristig erreicht werden kann. Weiterhin können Belastungen und Beanspruchungen durch kleinere Problemfelder entstehen: schlecht ausgestattete Räume, veraltete, überteuerte daher gänzlich fehlende Schulausstattung, tristes Schulgebäude, … Diese Faktoren spielen zwar eine kleine Rolle, können sich aber bei Problemen im Unterricht zu einem Problembündel aufsummieren und damit belastend wirken. Wenn man beispielsweise ein schleppendes Vorankommen in einer Klasse bemerkt, spürt man möglicherweise den Druck der Schulleitung und die Vorgaben der Lehrpläne mehr. Dadurch kann Stress und eine größere Sensibilität hervorgerufen werden, ohne dass solche Faktoren vordergründig als belastend empfunden werden. Eine zentrale Aussage lautet daher, dass ein gut funktionierender Unterricht großen Einfluss auf die Lehrergesundheit darstellt.

Um sich seiner selbst bewusst zu werden, sollte meiner Meinung nach ein Berufsanfänger sich zunächst die Frage stellen, wie er seinen Beruf sieht, wo seine Grenzen liegen und was seine Ziele sind: Ist es überhaupt möglich, neben der Rolle des Unterrichtenden noch die Rolle des Sozialarbeiters, Psychologen, Ersatz-Elternteils und guter Freund zu sein, kann man eine Abgrenzung von Beruflichem und Privaten herstellen und wie kann man mit Enttäuschungen und Rückschlägen, die es sicherlich geben wird, umgehen? Aus meiner Schulerfahrung wandelt man als Lehrer in dieser Hinsicht auf einem schmalen Grat. Natürlich hat man in gewissem Sinne einen Erziehungsauftrag, der jedoch in keinem Fall mit dem der Eltern gleichzusetzen ist, sondern ergänzenden Charakter hat. Wenn ein Heranwachsender im Elternhaus nicht konsequent Regeln und Grenzen erfahren hat, wird es in der Schule eine fast unlösbare Aufgabe sein, ihm solche zu vermitteln. Ich denke, dass die Schule als wichtiger Sozialisationsraum dient. Lehrer sollten Lernbegleiter sein, können aber die erzieherische Rolle der Eltern nicht ersetzen sondern können nur auf einem von ihnen gelegten Fundament aufbauen und dieses ausbauen.

Obwohl ich noch nicht im Lehrerberuf tätig bin, habe ich schon einige Problemfelder ausgemacht, bei denen ich „anfällig“ sein könnte; allerdings gibt es auch Aspekte, die mir nach meiner bisherigen Erfahrung keine Probleme bereiten dürften. Diese werden in den folgenden Absätzen dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Macht Schule krank?
Untertitel
Ein Portfolio
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Schulpädagogik)
Veranstaltung
Macht Schule krank?
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V167414
ISBN (eBook)
9783640837465
ISBN (Buch)
9783640837731
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf, Prävention, Potsdamer Lehrer-Studie, Risikomuster bei Lehrern, Entspannungsmethoden, Bewegung und Entspannung, Verhältnismanagement, Gesundheitsförderung, Fähigkeit zur Selbstdiagnostik, Schule als Sozialisationsraum, Lärmpegel, Stimmleistung, Distanzierungsfähigkeit, Professionele Distanz, Soziale Verantwortung, Zeitmanagement, Perfektionismus, Potsdamer Trainings-Modell, Soziale Schlüsselkompetenzen, Selbstüberforderung, Risikomuster, Lehrer als Einzelkämpfer, Schaarschmidt-Sieland-Modell
Arbeit zitieren
Carlos Steinebach (Autor), 2010, Macht Schule krank?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167414

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