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Das Privatsprachenargument Wittgensteins. Lässt sich über Empfindungen sprechen?

Titre: Das Privatsprachenargument Wittgensteins. Lässt sich über Empfindungen sprechen?

Dossier / Travail , 2025 , 20 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Finn Drossel (Auteur)

Philosophie - Divers
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In §243 der Philosophischen Untersuchungen beschreibt Wittgenstein die Vorstellung einer Sprache, in der jemand seine inneren Erlebnisse für den eigenen Gebrauch aufschreiben oder aussprechen könnte. Eine solche Sprache müsste jedem anderen unverständlich bleiben, weil ihre Wörter nur auf das Bezug nehmen, wovon allein der Sprechende wissen kann, nämlich auf seine unmittelbaren Empfindungen. Mit diesem Gedanken eröffnet Wittgenstein eine der bekanntesten Diskussionen seiner späten Philosophie. Die Frage, ob Sprache grundsätzlich privat sein kann, ist mehr als ein Detail der Sprachtheorie. Sie betrifft unser Verständnis davon, wie wir Empfindungen sprachlich ausdrücken und mitteilen. Empfindungswörter wie „Schmerz“ oder „Freude“ scheinen zunächst auf innere Erfahrungen zu verweisen, die nur dem jeweiligen Subjekt zugänglich sind. Dadurch entsteht das Problem, wie diese Wörter überhaupt Bedeutung gewinnen können. Wittgenstein zeigt jedoch, dass eine Sprache, die nur auf private Erlebnisse gestützt wäre, nicht funktionieren würde. Diese Frage ist auch heute noch aktuell. Oft wird von „postfaktischen Zeiten“ gesprochen. Damit ist gemeint, dass gemeinsame Grundlagen für Verständigung verloren gehen können, wenn Sprache nicht mehr durch überprüfbare Kriterien gestützt ist. Politische Schlagworte, Filterblasen in sozialen Medien oder gezielte Falschinformationen führen dazu, dass Wörter nur noch innerhalb bestimmter Gruppen Sinn ergeben. So entsteht der Eindruck, dass jeder seine eigene Sprache spricht. Wittgensteins Gedanke, dass Bedeutung immer an gemeinsamen Gebrauch gebunden ist, zeigt damit auch heute seine.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • 1. EINLEITUNG
  • 2. SPRACHE UND BEDEUTUNG
    • 2.1 DAS AUGUSTINISCHE SPRACHMODELL
    • 2.2 WITTGENSTEINS KRITIK UND BEDEUTUNG ALS GEBRAUCH
  • 3. EMPFINDUNGSWÖRTER UND PRIVATHEIT
    • 3.1 DIE ROLLE VON EMPFINDUNGSWÖRTERN
    • 3.2 PRIVATHEIT UND DIE IDEE PRIVATER OSTENSION
  • 4. DAS PRIVATSPRACHENARGUMENT
    • 4.1 DAS „KÄFER-IM-KASTEN“-GLEICHNIS
    • 4.2 SINN UND REICHWEITE DES ARGUMENTS
  • 5. KONSEQUENZEN FÜR DAS SPRECHEN ÜBER EMPFINDUNGEN
  • 6. RESÜMEE
  • 7. WISSENSCHAFTLICHER APPARAT
    • 7.1 LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Ludwig Wittgensteins Privatsprachenargument, um zu klären, wie es unser Verständnis von Empfindungswörtern prägt und welche Implikationen sich daraus für das Sprechen über Empfindungen ergeben. Das übergeordnete Ziel ist es, Wittgensteins Analyse der Empfindungswörter als eine sprachkritische Untersuchung zu präsentieren, die gleichzeitig die Grenzen von Subjektivität und Privatheit im Kontext der Sprache beleuchtet.

  • Wittgensteins Privatsprachenargument und seine Rekonstruktion
  • Vergleich der Sprachauffassung Wittgensteins mit dem augustinischen Sprachmodell
  • Analyse der Rolle von Empfindungswörtern und dem Konzept der Privatheit
  • Das "Käfer-im-Kasten"-Gleichnis als zentrale Veranschaulichung
  • Die Bedeutung von Sprache als öffentlicher Gebrauch und Regelbefolgung
  • Konsequenzen des Arguments für das Verständnis von Subjektivität und Sprache

Auszug aus dem Buch

4.1 Das „Käfer-im-Kasten“-Gleichnis

In §293 der Philosophischen Untersuchungen beschreibt Wittgenstein ein Gedankenexperiment. Jeder Mensch hat eine Schachtel, in der etwas liegt, das „Käfer“ genannt wird. Niemand kann in die Schachtel eines anderen sehen. Jeder kennt nur den eigenen Inhalt, und dieser könnte sich sogar verändern oder sogar verschwinden. Trotzdem würden alle weiterhin das Wort „Käfer“ benutzen, als ob klar wäre, wovon die Rede ist. Wittgenstein macht damit deutlich, dass der Inhalt der Schachtel für die Bedeutung des Wortes keine Rolle spielt. Er schreibt: „Das Ding in der Schachtel gehört überhaupt nicht zum Sprachspiel; auch nicht einmal als ein Etwas; denn die Schachtel könnte auch leer sein.“28 Selbst wenn jemand in die eigene Schachtel schaut, kann er nicht prüfen, ob andere das Gleiche sehen. Für die Sprache ist entscheidend, wie das Wort gebraucht wird, nicht was im Inneren vorhanden ist. Dieses Bild lässt sich leicht auf Empfindungen übertragen. Niemand kann in den Körper eines anderen schauen, um dort dessen Schmerz oder Freude unmittelbar zu sehen. So wie der Käfer in der Schachtel bleibt auch die Empfindung für andere verborgen. Dennoch funktioniert die Sprache, denn Menschen sprechen über Schmerzen, verstehen einander und reagieren darauf, obwohl das Erleben selbst nicht sichtbar ist. Entscheidend ist also nicht der private Inhalt, sondern die Art, wie der Käfer („Schmerz“) im Alltag verwendet wird. Daher ist das Gleichnis eine eindrucksvolle Veranschaulichungen des Privatsprachenarguments. Die Bedeutung von Empfindungswörtern besteht nicht in einem verborgenen inneren Gegenstand, sondern in der Praxis des gemeinsamen Sprachgebrauchs. 29 Das Gleichnis weist die Vorstellung zurück, Wörter müssten wie Namen funktionieren. Gerade Empfindungswörter zeigen, dass ihre Bedeutung im Gebrauch liegt und nicht im Zugriff auf ein inneres Erlebnis. Das Käfer-im-Kasten-Gleichnis veranschaulicht damit auf besonders klare Weise, warum es keine private Sprache geben kann. Empfindungen sind zwar real und werden erlebt, doch niemand kann sie wie Gegenstände betrachten oder vergleichen. Die Bedeutung von Empfindungswörtern gründet allein darin, wie diese Wörter öffentlich gebraucht werden. 30

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1: EINLEITUNG: Stellt Wittgensteins Privatsprachenargument und die Vorstellung einer rein privaten Sprache vor, beleuchtet seine historische Einordnung und die Aktualität der Debatte um Sprachverständigung.

Kapitel 2: SPRACHE UND BEDEUTUNG: Erklärt Wittgensteins Sprachauffassung als vielfältige Sprachspiele und kritisiert das augustinische Sprachmodell, das Bedeutung als feste Zuordnung zu Gegenständen versteht.

Kapitel 3: EMPFINDUNGSWÖRTER UND PRIVATHEIT: Analysiert die besondere Rolle von Empfindungswörtern, die nicht wie Namen für innere Gegenstände funktionieren, und widerlegt die Idee einer privaten Ostension anhand des Tagebuch-Arguments.

Kapitel 4: DAS PRIVATSPRACHENARGUMENT: Präsentiert das zentrale Argument Wittgensteins, insbesondere das "Käfer-im-Kasten"-Gleichnis, um zu zeigen, warum eine rein private Sprache begrifflich unmöglich ist und Bedeutung im Gebrauch liegt.

Kapitel 5: KONSEQUENZEN FÜR DAS SPRECHEN ÜBER EMPFINDUNGEN: Diskutiert die Spannung zwischen der Öffentlichkeit der Sprache und der Subjektivität von Empfindungen und erklärt, wie über Empfindungen im Rahmen gemeinsamer Sprachspiele gesprochen werden kann.

Kapitel 6: RESÜMEE: Fasst die Hauptergebnisse der Arbeit zusammen, betont die begriffliche Klärung des Privatsprachenarguments und dessen Relevanz für aktuelle Debatten über Sprachverständigung.

Schlüsselwörter

Wittgenstein, Privatsprachenargument, Empfindungswörter, Sprachphilosophie, Bedeutung als Gebrauch, Sprachspiele, augustinisches Sprachmodell, Käfer-im-Kasten-Gleichnis, Privatheit, Öffentlichkeit, Regelbefolgung, Subjektivität, Ostension, Sprachkritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Ludwig Wittgensteins Privatsprachenargument und dessen Konsequenzen für unser Verständnis des Sprechens über Empfindungen, wobei die Sprachbedeutung nicht auf privaten Erfahrungen basieren kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind Wittgensteins Sprachphilosophie, die Kritik am augustinischen Sprachmodell, die Natur von Empfindungswörtern, das Konzept der Privatheit in Bezug auf Sprache sowie die Bedeutung als Gebrauch in Sprachspielen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu klären, wie Wittgensteins Privatsprachenargument zu einem besseren Verständnis von Empfindungswörtern beiträgt und welche Folgen dies für das Sprechen über Empfindungen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine begriffliche Analyse und Interpretation von Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen" sowie relevanter Sekundärliteratur, um das Privatsprachenargument zu rekonstruieren und seine Implikationen aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Sprachauffassung Wittgensteins, seine Kritik am augustinischen Modell, die Rolle von Empfindungswörtern und die Idee der privaten Ostension, das Privatsprachenargument mit dem Käfer-im-Kasten-Gleichnis und die Konsequenzen für das Sprechen über Empfindungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Wittgenstein, Privatsprachenargument, Empfindungswörter, Sprachphilosophie, Bedeutung als Gebrauch, Sprachspiele, Privatheit, Öffentlichkeit, Regelbefolgung und Subjektivität.

Was ist das "Käfer-im-Kasten"-Gleichnis und welche Rolle spielt es?

Das "Käfer-im-Kasten"-Gleichnis ist ein Gedankenexperiment, bei dem jeder eine Schachtel mit einem "Käfer" hat, den nur er selbst sehen kann. Es verdeutlicht, dass der private Inhalt der Schachtel für die Bedeutung des Wortes "Käfer" irrelevant ist, ähnlich wie private Empfindungen für die Bedeutung von Empfindungswörtern.

Wie unterscheidet sich Wittgensteins Auffassung von Sprache vom augustinischen Sprachmodell?

Wittgenstein kritisiert das augustinische Modell, das Sprache als ein System von Benennungen und Wörtern als Namen für Gegenstände versteht. Er selbst betrachtet Sprache als ein Netz von Sprachspielen, in denen die Bedeutung eines Wortes durch seinen Gebrauch innerhalb einer gemeinschaftlichen Praxis bestimmt wird.

Welche Aktualität besitzt Wittgensteins Privatsprachenargument in "postfaktischen Zeiten"?

Wittgensteins Analyse zeigt, dass gemeinsame Grundlagen für Verständigung verloren gehen können, wenn Sprache nicht mehr durch überprüfbare Kriterien gestützt ist, was in "postfaktischen Zeiten" mit Phänomenen wie Filterblasen und Falschinformationen relevant wird, wo Wörter nur noch innerhalb bestimmter Gruppen Sinn ergeben.

Was versteht Wittgenstein unter "Privatheit" im Kontext von Sprache, und welche Formen unterscheidet Kanterian?

Kanterian unterscheidet zwischen epistemischer Privatheit (nur die betroffene Person weiß über ihre Empfindung) und eigentumsbezogener Privatheit (die Empfindung gehört der Person). Wittgenstein lehnt die epistemische Privatheit für die Sprachbedeutung ab, da diese Öffentlichkeit und Regelgebundenheit erfordert.

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Résumé des informations

Titre
Das Privatsprachenargument Wittgensteins. Lässt sich über Empfindungen sprechen?
Université
University of Münster  (Sprachphilosophie)
Cours
Wittgensteins Philosophische Untersuchungen
Note
1,3
Auteur
Finn Drossel (Auteur)
Année de publication
2025
Pages
20
N° de catalogue
V1674375
ISBN (PDF)
9783389165652
ISBN (Livre)
9783389165669
Langue
allemand
mots-clé
privatsprachenargument wittgensteins lässt empfindungen
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Citation du texte
Finn Drossel (Auteur), 2025, Das Privatsprachenargument Wittgensteins. Lässt sich über Empfindungen sprechen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1674375
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Extrait de  20  pages
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