Das Anfang der 1990iger Jahre entwickelte Konzept der Public Private Partnerships (PPP) dient der gemeinsamen Ausführung und Finanzierung von öffentlichen Vorhaben durch öffentliche und privatwirtschaftliche Akteure und kommt aufgrund politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen seit Beginn des 21. Jahrhunderts auch verstärkt in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zum Einsatz. Die vorliegende Arbeit untersucht diese Partnerschaften am Beispiel der österreichischen „Wirtschaftspartnerschaften“ aus organisationssoziologischer Perspektive und legt den Fokus dabei auf deren Zustandekommen und den Prozess ihrer Aushandlung. Durch hermeneutische Vorgehensweise und unter Anwendung qualitativer Methoden wird auf Basis der Negotiated Order Theory untersucht, mit welchen Strategien die beiden Akteure ihre unterschiedlichen – und oft widersprüchlichen – Organisationsinteressen durchzusetzen versuchen und diese schlussendlich in eine gemeinsame und beidseitig akzeptierte Lösung zu integrieren vermögen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Public Private Partnerships in der Entwicklungszusammenarbeit
1.1 Der entwicklungspolitische Kontext
1.2 Public Private Partnerships in der Entwicklungszusammenarbeit
1.2.1 Das Konzept
1.2.2 Definition und Abgrenzung
1.2.3 Akteure und Zielsetzungen
1.2.4 Partnerschaft und Zielkonflikte
1.2.5 Kritik
1.3 Public Private Partnership in der österr. Entwicklungszusammenarbeit
1.3.1 Entstehungshintergrund
1.3.2 Das Instrument
1.3.3 Status Quo
2. Organisationsoziologische Verortung von Public Private Partnerships
2.1 Organisationssoziologie als Disziplin
2.2 Organisationssoziologische Perspektiven
2.2.1 Agenturtheorie
2.2.2 Neoinstitutionalistische Organisationstheorie
2.2.3 Negotiated Order Theory
3. Methodik
3.1 Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen
3.2 Stand der Forschung
3.3 Methodisches Vorgehen
3.3.1 Methodologische Positionierung im Interpretativen Paradigma
3.3.2 Das qualitative Interview
3.3.3 Die Themenanalyse
3.3.4 Das Forschungsdesign
4. Empirik
4.1 Der empirische Prozess
4.2 Das empirische Feld
4.2.1 Das Instrument der Wirtschaftspartnerschaft
4.2.2 Ablauf der Antragstellung
4.2.3 Anforderungen an Wirtschaftspartnerschaften
4.3 Die Akteure des empirischen Felds
5. Ergebnisse
5.1 Handlungsmotivationen
5.1.1 Gründe für die Zusammenarbeit
5.1.2 Projekt-Typen
5.2 Konfliktfelder
5.2.1 Interorganisationale Konflikte
5.2.2 Intraorganisationale Konflikte
5.3 Strategien der Aushandlung
5.3.1 Einhaltung formaler Kriterien als Voraussetzung
5.3.2 Voranpassung
5.3.3 Verwendung einer gemeinsamen Sprache
5.3.4 Perspektivenübernahme
5.3.5 Gegenseitige Akzeptanz und neues Rollenverständnis
5.3.6 Inklusion externer Berater
5.4 Wirtschaftspartnerschaften als Negotiated Order
6. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Public Private Partnerships in der Entwicklungszusammenarbeit aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie privatwirtschaftliche und öffentliche Akteure trotz unterschiedlicher Handlungsprämissen und Organisationsziele erfolgreich kooperieren, ihre Interessen in kollektiv akzeptierte Lösungen integrieren und interorganisationale Aushandlungsprozesse bewältigen können.
- Analyse der Handlungsmotivationen von privatwirtschaftlichen und öffentlichen Akteuren
- Untersuchung von Konfliktfeldern (Inter- und Intraorganisationale Dynamiken)
- Darstellung und Validierung von sechs zentralen Strategien der Aushandlung
- Theoretische Verankerung durch die Negotiated Order Theory
- Empirische Fallstudien zur österreichischen Wirtschaftspartnerschaft
Auszug aus dem Buch
1.1 Der entwicklungspolitische Kontext
Die sozialen, ökonomischen und politischen Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte haben auch auf die Strukturen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit gewirkt. Die hohen entwicklungspolitischen Ansprüche, denen sich die internationale Gemeinschaft verschrieben hat, erfordern neue Formen der Kooperation und machen Allianzen zwischen unterschiedlichsten Akteuren notwendig. Neben Regierungen, Entwicklungsinstitutionen und zivilgesellschaftlichen Initiativen haben sich so nach und nach privatwirtschaftliche Unternehmen zu bedeutenden Akteuren der internationalen Entwicklungspolitik gewandelt.
Dabei ist die Einbindung des privaten Sektors in Agenden der Entwicklungszusammenarbeit – in Form von so genannten Public Private Partnerships (siehe Definition Kap. 1.2.2) – als Produkt jahrzehnterlanger Strukturveränderungen und als Resultat einer Kette aufeinander folgender entwicklungspolitischer Paradigmen zu verstehen (vgl. Eberlein 2005: 146).
Die internationale Entwicklungspolitik fokussierte nach dem Zweiten Weltkrieg über vier Jahrzehnte hinweg auf die Stärkung nationaler Regierungen in der Dritten Welt, die durch technische und finanzielle Hilfe in der effizienten Gestaltung ihrer Aufgaben unterstützt werden sollten. Entwicklung wurde in diesem Kontext als Modernisierungsprozess konzipiert, der die Umwandlung traditionaler in moderne Gesellschaften ermöglichen und somit die Verbesserung der sozio-ökonomischen Bedingungen in den betroffenen Ländern beschleunigen sollte. Zentraler Akteur in diesem Prozess war der Staat, die Bevölkerung und deren Organisationen wurden lediglich als Träger traditioneller Werte, als Modernisierungshemmnisse und damit als „Nicht-Akteure“ von Entwicklung betrachtet (vgl. Lapeyre 2005: 25).
Anfang der 1980iger Jahre wurde diese Sichtweise – und mit ihr die zentrale Stellung des Staates in der Entwicklungspolitik – durch die neoliberale Wende nachhaltig erschüttert und durch ein neues Paradigma ersetzt. Nachdem die kreditfinanzierten Entwicklungsbestrebungen der Länder der Dritten Welt nicht zum erhofften wirtschaftlichen Aufschwung und dem Anschluss an die Industrienationen geführt hatten, sondern ganz im Gegenteil diese – durch hohe und vielmals ineffizient eingesetzte Kredite – gestützte Vorgehensweise den Beginn einer weltweiten Schuldenkrise markierte, wurde durch den von Weltbank und IWF propagierten Washington-Konsensus mit Beginn der 1980iger Jahre ein neues Paradigma der Entwicklungspolitik eingeführt (vgl. Eberlein 2005: 149).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Public Private Partnerships in der Entwicklungszusammenarbeit: Dieses Kapitel stellt das Konzept der Public Private Partnerships in den entwicklungspolitischen Kontext und beschreibt das spezifische Instrument der österreichischen Wirtschaftspartnerschaften.
2. Organisationsoziologische Verortung von Public Private Partnerships: Hier werden relevante organisationstheoretische Ansätze vorgestellt und für die Analyse des Untersuchungsgegenstandes evaluiert, wobei die Negotiated Order Theory als zentrales Analyseinstrument begründet wird.
3. Methodik: Das Kapitel erläutert das explorativ-qualitative Forschungsdesign, die Vorgehensweise bei den Experteninterviews sowie die angewandte Themenanalyse zur Auswertung der erhobenen Daten.
4. Empirik: Dieser Teil beschreibt den praktischen Forschungsprozess, das empirische Feld der Wirtschaftspartnerschaften sowie die Auswahl der untersuchten Fälle und Akteure.
5. Ergebnisse: Hier werden die Resultate der empirischen Studie präsentiert, insbesondere die Handlungsmotivationen, die Konfliktfelder sowie die identifizierten Aushandlungsstrategien der Akteure.
6. Reflexion: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick auf weiterführende Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Public Private Partnerships, Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaftspartnerschaften, Organisationssoziologie, Negotiated Order Theory, Aushandlungsprozesse, Konfliktmanagement, österreichische Entwicklungszusammenarbeit, interorganisationale Kooperation, qualitative Sozialforschung, Wirtschaftsakteure, Wirkungsanalyse, Stakeholder, Governance, internationale Entwicklungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der "Public Private Partnerships" im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit aus einer organisationssoziologischen Perspektive, wobei das österreichische Programm der Wirtschaftspartnerschaften als empirisches Untersuchungsfeld dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die interorganisationale Kooperation zwischen staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren, das Management von divergierenden Organisationszielen sowie die praktische Aushandlung von Projekten in einem dynamischen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, wie privatwirtschaftliche und öffentliche Akteure trotz unterschiedlicher Handlungsprämissen erfolgreich zusammenarbeiten und ihre organisationsspezifischen Interessen in eine kollektiv akzeptierte, erfolgreiche Kooperation integrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein explorativ-qualitativer Ansatz gewählt, der auf der interpretativen Sozialforschung basiert. Die Datenerhebung erfolgt durch qualitative Interviews, die Auswertung mittels Themenanalyse nach Froschauer und Lueger.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch organisationsoziologische Perspektiven (insb. Negotiated Order Theory), eine methodische Vorbereitung, eine empirische Analyse des Feldes sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich Aushandlungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Public Private Partnerships, Entwicklungszusammenarbeit, Negotiated Order Theory, Aushandlungsprozesse, Wirtschaftspartnerschaften und organisationale Kooperation.
Welche Bedeutung haben die "extrinsischen" gegenüber den "intrinsischen" Projekten?
Die Unterscheidung betrifft die Notwendigkeit der Förderung: Intrinsische Projekte entstammen aus dem operativen Kerngeschäft und fänden auch ohne Förderung statt, während extrinsische Projekte explizit für das Förderinstrument Wirtschaftspartnerschaft entworfen werden und ohne diese nicht existieren würden.
Warum spielt die "Negotiated Order Theory" eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Die Theorie ist ideal, um die hohe soziale Komplexität und die informellen Aushandlungsprozesse abzubilden. Da die Projekte durch Ambiguität und geringe Standardisierung geprägt sind, dient diese Theorie dazu, Ordnung nicht als statisch, sondern als prozesshaft ausgehandelt zu verstehen.
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- Bakk. Daniel Rössler (Autor), 2011, Public Private Partnerships in der Entwicklungszusammenarbeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167454