Informelles Lernen mit dem neuen Medium Internet


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 INFORMELLES LERNEN
2.1 Ein Auszug aus der Begriffsgeschichte des Informellen Lemens
2.2 Informelles Lernen vs. formales Lernen und ihre Definitionen
2.3 Zunehmende Bedeutungen des Informellen Lemens in der Gesellschaft
2.3.1 Informelles Lernen in der Familie
2.3.2 Informelles Lernen in der Peergroup

3 LERNEN MIT NEUEN MEDIEN - WEB 2.0 UND E-LEARNING
3.1 Medien - neue Medien
3.2 Technologien far Informelles Lernen - „Social Software“
3.3 E-learning

4 INFORMELLES LERNEN UND E-LEARNING
4.1 Informelles Lernen erzielt Medienkompetenz
4.2 Forderung informellen Lemens durch das Internet - Web 2.0
4.3 Lernumgebung - forderliche Mafinahmen
4.4 Informelles Lernen im Web 2.0

5 ALLGEMEINE ANALYSE VON WIKIs

6 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

7 LITERATURVERZEICHNIS.

1 EINLEITUNG

Informelles Lemen wird in der Debatte um das lebenslange Lemen stark disku- tiert. Es erfasst alle Lernvorgange, die im Alltag stattfinden. Darunter fallen das Lernen in der familiaren Kommunikation, am Arbeitsplatz, sowie „Lernen im Rahmen von Multimediaanwendungen oder dem Internet../(vgl. http://www2.tu- berlin.de/fak1/gsw/gl/dok/il3w.html).

Ziel dieser Arbeit soll die Verknupfung von Informellem Lernen mit dem neuen Medium Internet sein. Dabei soll gezeigt werden, wie durch eine geeignete E-learning Umgebung informell gelernt werden kann.

In Kapitel 2 wird explizit auf das Informelle Lernen eingegangen. Darin wird eine Abgrenzung zum formalen Lernen vorgenommen und gezeigt, wie es in der Ge- sellschaft immer bedeutsamer wurde. Kapitel 3 befasst sich mit der Begriffsbe- stimmung und Abgrenzung von Medien und neuen Medien. Es wird speziell auf das neue Medium Internet eingegangen, sowie auf die Technologien fur informel­les Lernen, die „social software4/ Im Rahmen dieser Arbeit sollen „Wikis“ naher erlautert werden, da sie im Anwendungsteil analysiert werden. Anschliefiend wird das Verstandnis von E-learning fur diese Arbeit festgelegt. Die Verbindung von Kapitel 2 und 3 findet in Kapitel 4 statt: im E-learning wird das Internet mit dem informellen Lernen kombiniert. Beim E-learning wird Medienkompetenz ange- eignet. Fur erfolgreiches informelles Lernen sind die Kriterien des informellen Lernens nach Marsick et al. notwendig, auf die in Kapitel 4.3 eingegangen wird. Daran schliefit sich die Analyse von „Wikis“ in Kapitel 5 an, wonach die Arbeit in Kapitel 6 mit einer Zusammenfassung und einem Fazit ihren Abschluss findet. Informelles Lernen, Wikis, Weblogs und Web 2.0 gelten in dieser Arbeit als Ei- genname, weshalb keine Anfuhrungszeichen gesetzt werden. Aus Grunden besse- rer Lesbarkeit ist der Text in mannlicher Form geschrieben, was aber keine Wer- tung darstellt.

2 INFORMELLES LERNEN

Im nun folgenden Kapitel Informelles Lernen, soll zuerst auf den Begriff des In-formellen Lernens eingegangen und seine Definition und eine Abgrenzung zum formalen Lernen vorgenommen werden. Hieran schliefit sich die Frage an, wieso das Informelle Lernen heute in der Gesellschaft an Bedeutung gewonnen hat.

2.1 Ein Auszug aus der Begriffsgeschichte des Informellen Lernens

Ursprunglich ist Informelles Lemen ein Begriff nach Dewey (1997), der spater zur us-amerikanischen Erwachsenenbildung gehorte, wobei schon hier Informel­les Lernen und „informelle Bildung“ unscharf verwendet wurden (vgl. Rauschen- bach et al., 2007, S. 37). In diesem Zusammenhang ist wichtig zu erwahnen, dass es zwischen Informellem Lernen und „informeller Bildung“ eine Abgrenzung gibt. Wenn von Informellem Lernen gesprochen wird, sollte es keinesfalls durch den Begriff der „informellen Bildung“ ersetzt werden. Overwien (1999) geht da- von aus, dass Informelles Lernen von „informeller Bildung“ unterstutzt wird. Bei „Bildung“ kann man meistens davon ausgehen, dass sie zielgerichtet erfolgt. In­formelles Lernen muss jedoch nicht zielgerichtet sein. Geht es aber darum, Lern- umgebungen fur das Informelle Lernen zu erstellen, so sollte hier der Begriff der „informellen Bildung“ verwendet werden (vgl. http://www2.tu-berlin.de/fak1/- gsw/gl/dok/il3w.html).

Wie oben bereits Informelles Lernen von „informeller Bildung“ abgegrenzt wur- de, soll jetzt eine Trennung zwischen Informellem Lernen, seiner Subkategorie dem „inzidentellem Lernen“, und dem „implizitem Lernen“ vorgenommen wer­den (vgl. Rauschenbach, 2007, S. 43; S. 45).

Informelles und inzidentelles Lernen unterscheiden sich voneinander im Grad der Absicht (vgl. Watkins et al., 1990, S. 215), wobei inzidentelles Lernen bei Wat­kins und Marsick ein Teil des Informellen Lernens ist (vgl. Watkins, Marsick, 1990, S. 12 ff.).

Informelles Lernen nach Karen E. Watkin und Victoria J. Marsick ist „ein in- strumentelles Lernen, ein Mittel zum Zweck“. Dieser Zweck kann dabei „die bes- sere Losung einer aufierschulischen Aufgabe, einer Situationsanforderung, [oder] eines Lebensproblems mit Hilfe des Lernens sein“ (Dohmen, 2001, S.19). Infor­melles Lernen kann dabei beabsichtigt oder unbeabsichtigt verlaufen, wobei sich die lernende Person bewusst ist, dass ein Lernvorgang stattfindet. „Inzidentelles Lernen“, als Subkategorie des Informellen Lernens, gilt als Nebenprodukt von Tatigkeiten (Rauschenbach et al., 2007, S. 43).

Als „inzidentelles Lernen“ wird bei Overwien (2005) das nicht zweckbestimmte oder nicht zielgerichtete Lernen bezeichnet, das auch als unbewusstes Gelegen- heitslernen bekannt ist (vgl. Dohmen, 1996, S. 26), wobei sich der Lernende, des eigentlichen Lernens nicht bewusst ist (vgl. Overwien, 2005, S. 343, vgl. Raus- chenbach et al., 2007, S. 43). Neben den geplanten Inhalten werden noch andere Inhalte gelernt (vgl. Winkler et al., 2005, S.48). Erst durch Reflektieren merken die Lernenden, dass Situationen Lernsituationen waren (vgl. Rauschenbach et al., 2007, S. 43).

Als „implizites Lernen“ wird ein Lernen bezeichnet, das vom Lernenden nicht bewusst erlebt, aber in der Situation direkt erfahren wird, ohne dass organisierte und strukturierte Lernprozesse als Grundlagen genommen werden, oder Regeln und Gesetzmafiigkeiten aufgestellt wurden (vgl. Overwien, 2005, S. 343). Das von Polany (1967) beschriebene „tacit knowledge“ ist solch ein entstandenes Ne- benprodukt von probierendem Handeln, das dem Lernenden aber nicht bewusst ist (vgl. ebd. S. 343). Das Lernen aus Fehlern wird als inzidentelles Lernen bezeich­net (vgl. Watkins et al., 1990, S. 215). Lernprozesse, die zum Fahrradfahren und Schwimmen befahigen, werden als implizites Lernen bezeichnet (vgl. Rauschen­bach et al., 2002, S. 45). Bei Watkins und Marsick ist das inzidentelle Lernen ein Teil des Informellen Lernens, das auch far diese Arbeit angenommen wird.

Das wichtigste Kennzeichen des Informellen Lernens war fur Watkin und Marsick in den ersten beiden Studien, dass es hauptsachlich in einem nicht organisierten Lernkontext stattfindet, in dem der Lernende selbst seine Erfahrungen macht und diese auch ohne das Zutun anderer verarbeitet (vgl. Dohmen, 2001, S. 18). Ihre erste Sichtweise des Informellen Lernens, in der die Kontextbezogenheit noch nicht berucksichtigt wurde, unterziehen sie einer Revidierung, wobei sie vor allem von der Arbeit von Cesh (1998) inspiriert wurden (vgl. Rauschenbach et al., 2007, S. 42). Durch die anschliefiende starkere Einbindung der Kontextbezogenheit (vgl. Cesh, 1999), kommen zur vorherigen Problembestimmung und Erfahrungsrefle- xion (vgl. Watkins et al., 1999; Marsick et al., 1990), die fur die Analyse wichtige Lem- und Handlungsbedingungen als weiteres Merkmal hinzu (vgl. Rauschen­bach, 2007, S. 43). Erfolgreiches Informelles Lernen bei Lernenden, hangt nicht nur von ihrem aktiven, kreativen, qualitativen, reflexivem Einsatz, sondern auch von den anregenden, oder unterstutzenden Potentialen ihrer Umwelt ab (vgl. Dohmen, 2001, S. 19).

Durch den Einfluss neuer Medien gewinnt die Wissensvermittlung aufierhalb der Schule heute grofiere Bedeutung. Durch diese Vormachtstellung der neuen Medi- en, die sich durch eine „Dynamisierung der Wissensbestande“ und „die Vielfalt der moglichen Anwendungen aus[zeichnen]“, bufit die Schule, als organisierte und sehr institutionell aufgebaute Qualifikationsvermittlung, ihre Monopolstel- lung allmahlich ein (Tully, 1994, S. 14). Dieses institutionell organisierte Lernen in Schulen wird als formales Lernen bezeichnet, das dem Informellen Lernen ge- genubersteht. Dieser Sachverhalt soll im nachsten Kapitel behandelt werden.

2.2 Informelles Lernen vs. formales Lernen und ihre Definitionen

Nach der Faure-Kommission (1973), soll das Informelle Lernen zirka 70% des menschlichen Lernens umfassen, was aber nur eine Schatzung darstellt (vgl. Overwien, 2005, S. 340). In der einschlagigen Literatur findet sich nach Garrick keine einheitliche Definition zu Informellem Lernen, da jeder, der einen Versuch zu einer Theorie des Informellen Lernens unternimmt, seine eigene Perspektive und seine individuelle Ansicht hat und durch „implizite und explizite Deutungs- muster bestimmt und begrenzt [ist]“ (Dohmen, 2001, S. 24f). Das haufig noch er- wahnte „nicht-formale Lernen“ wird in dieser Arbeit nicht behandelt. Fur diese Arbeit sollen deshalb die allgemein anerkannten Definitionen des Informellen und „formalen Lernens“ nach der Europaischen Kommission 2001 gelten:

„Informelles Lernen: Lernen, das im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familien- kreis oder in der Freizeit stattfindet. Es ist (in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernforderung) nicht strukturiert und fuhrt ublicherweise nicht zur Zer- tifizierung. Informelles Lernen kann zielgerichtet sein, ist jedoch in den meis- ten Fallen nichtintentional (oder inzidentell/beilaufig) “.

Formales Lernen: Lernen, das ublicherweise in einer Bildungs- oder Ausbil- dungseinrichtung stattfindet, (in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernfor- derung) strukturiert ist und zur Zertifizierung fuhrt. Formales Lernen ist aus der Sicht des Lernenden zielgerichtet“ (Europaische Kommission, 2001, S. 9, S. 32f.).

Informelles Lernen lasst sich nach „Marsick, Volpe und Watkins (1999) durch folgende Faktoren kennzeichnen: Es ist in der Arbeit und taglichen Routine inte- griert und wird durch innere sowie aufiere Anregungen verursacht. Es ist ein un- bewusster Vorgang und entsteht ungeplant. Der darin vorhandene Vorgang von Reflexion und Aktion basiert auf dem Prinzip der Induktion. In der Form einer „Community of practice“ besteht eine Beziehung zwischen anderen Lernern (vgl. Marsick et al., 1999, S. 90). Diese Kennzeichen sind fur die Analyse von Bedeu- tung. Im Unterschied dazu steht das formale Lemen nach Dehnbostel, das struktu- riert und organisiert in einem institutionellen Kontext stattfindet und auf ein Er- gebnis hin angelegte Lerninhalte vermittelt. Es ist meistens an didaktisch- methodischen Richtlinien orientiert und vermittelt Theoriewissen, welches wis- senschaftlich reduziert ist. Diese Lernsituation wird von einer padagogisch vorge- bildeten Person begleitet, die mit den Lernenden interagiert (vgl. Dehnbostel, 2007, S. 47f.).

Nach dieser ausfuhrlichen Darstellung des wissenschaftlichen Diskurses zu In- formellem Lernen soll jetzt darauf eingegangen werden, wieso Informelles Lernen in der heutigen Zeit an Bedeutung gewonnen hat.

2.3 Zunehmende Bedeutungen des Informellen Lernens in der Gesellschaft

Durch die Herauslosung aus vorgegebenen Sozialstrukturen, sowie die verlorene Sicherheit der traditionellen Normen, wie beispielsweise des Glaubens, haben die jungen Menschen traditionell keine Richtlinie mehr, an der sie sich orientieren konnten, um sich wieder neu sozial einzubinden (vgl. Beck, 1986, S. 206). Die neue soziale Einbindung, die Wiedereingliederung, findet nach den Milieukonzep- ten im Gegensatz zu Beck (1986) nicht nur in Institutionen, sondern in Milieus statt, die nicht durch die Individualisierung aufgelost werden (vgl. Berger, 2007, S. 3). Deshalb ist nicht nur, wie im Neoliberalismus, der Markt das alleinige Steuerungsinstrument (vgl. Drees, 2008, S. 79), das jeden einzelnen vor die Ver- antwortung stellt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und seine Biographie zu erstellen (vgl. Beck, 1986, S. 216f.). Die Milieus bilden den Rahmen, in dem die Biographie erstellt wird und in dem Werte und Normen angeeignet werden (vgl. Schulze, 1993, S.174). Fur diese Arbeit soll die Definition zu soziale Milieus nach Schulze gelten: Milieus sind „...Personengruppen, die sich durch gruppen- spezifische Existenzformen und erhohte Binnenkommunikation voneinander abhe- ben. Durch Binnenkommunikation werden soziale Milieus zu segmentierten Wis- sensgemeinschaften, die auf offentliche Ereignisse mit einem milieuspezifischen Kommentar reagieren“ (ebd., S. 174). Nach Schulze (1993) ist in den Untersu- chungen von Allerbeck et al. (1985) die Intensivierung informeller Gruppenkon- takte der Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren am auffalligsten (vgl. ebd., S. 376). Deshalb wird fur diese Arbeit auch davon ausgegangen, dass die Peerg- roup einen wichtigen Informellen Lernort darstellt und naher beleuchtet werden sollte. Des Weiteren pragen Individualisierung und Globalisierung die Individuen und konfrontieren sie mit hohen Anforderungen (vgl. Beck, 1995, S. 15). Innerhalb eines Milieus (Schulze 1993), zu dem auch die Familie zählt, können sie sich orientieren und suchen Lösungen zu ihren Situationen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Informelles Lernen mit dem neuen Medium Internet
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Bildungswissenschaft)
Note
1.3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V167696
ISBN (eBook)
9783640846740
ISBN (Buch)
9783640842872
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Insgesamt zieht sich das Thema als roter Faden durch alle Kapitel hindurch und wird am Ende nochmals anhand der zuvor vorgestellten Inhalte zusammenfassend gut reflektiert.
Schlagworte
Informelles Lernen, Mediale Bildung, Medienkommunikation, Lernen mit dem Internet, Medium Internet, Hausarbeit, Bildungswissenschaft, Lernen mit neuen Medien, E-Learning, Wiki, Web 2.0, Medienkompetenz, Social Software, Formales Lernen, Lernumgebung
Arbeit zitieren
Stefanie Pfeiffer (Autor), 2008, Informelles Lernen mit dem neuen Medium Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167696

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