Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen, warum junge Akademiker in die Zeitarbeit gehen. Welche multiplen Faktoren beeinflussen das Fällen einer Entscheidung von Wirtschaftswissenschaftlern zugunsten einer Arbeitsstelle als Zeitarbeitnehmer?
Herausgearbeitet werden in dieser Arbeit die wichtigsten motivationalen Variablen, die zu einer solchen Entscheidung führen. Weiterhin soll untersucht werden, ob sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Hochschulabsolventen, die diese Arbeitsform wählen, besondere Charakteristika aufweisen und welche Bedeutung Informationen im Zusammenhang mit ihrer Entscheidung haben.
Zeitarbeit, wie die Beschäftigung nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Deutschland genannt wird, scheint auch für Akademiker hoffähig geworden zu sein. Zeitarbeitsfirmen sind inzwischen Auftraggeber jeder siebten Stellenanzeige auf dem gesamtdeutschen Arbeitsmarkt.
Die Entscheidung für einen Arbeitsplatz ist auch in Zeiten, in denen ein Arbeitsleben immer seltener von einer lebenslangen Anstellung in einem einzigen Unternehmen geprägt wird, essentiell für einen Menschen. Die Arbeit hat einen großen Stellenwert im Leben, verbringt man dort doch viele Stunden seines wachen Daseins.
Betrachtet man dann das widersprüchliche Image der Branche Zeitarbeit, das zwischen extrem dynamisch und arbeitsmarktpolitisch engagiert bis zu sozial prekär und ausbeuterisch schwankt, je nachdem, woher die Informationen kommen, so scheint die nähere Untersuchung dieses sozialen Feldes als Ziel gut ausgebildeter, junger Menschen lohnenswert. Dies soll für den Bereich der wirtschaftswissenschaftlichen Akademiker im Folgenden geschehen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Zeitarbeit
1.1.1 Definition der Beschäftigungsform Zeitarbeit
1.1.2 Begriffsklärung
1.1.3 Rechtliche Entwicklung
1.1.4 Das atypische Beschäftigungsverhältnis
1.1.5 Statistische Daten
1.1.6 Vor- und Nachteile der Zeitarbeit aus Arbeitnehmersicht
1.1.7 Akademiker in der Zeitarbeit
1.2 Organisationswahl / Job Choice
1.2.1 Motivationale Aspekte
1.2.2 Motivation und Attribution
2. Empirischer Hintergrund
2.1 Forschungsstand im Bereich Zeitarbeit
2.2 Vorgehensweise in der Motivationsdiagnostik
2.3 Ableitung der empirischen Fragestellung
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Methode
3.1.1 Das problemzentrierte Interview
3.1.2 Leitfadenkonstruktion
3.1.3 Der Kurzfragebogen
3.1.4 Das Postskriptum
3.2 Vorbereitung und Durchführung
3.3 Stichprobenbeschreibung
3.4 Methode der Datenaufbereitung
3.5 Methode der Datenauswertung
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Motivationale Aspekte der Stellenwahl
4.1.1 Alternativen bei der Stellenwahl
4.1.2 Zugrunde liegende Information
4.1.3 Erfahrungshintergrund der Interviewpartner
4.1.4 Motive für die Zeitarbeit
4.1.5 Erwartungen der Interviewpartner
4.1.6 Emotion als Entscheidungskomponente
4.1.7 Soziokulturelle Realisierungsmöglichkeit
4.1.8 Einflussnahme des persönlichen Umfeldes
4.1.9 Situative Kontextvariablen der Stellenwahl
4.1.10 Werte und Persönlichkeit
4.2 Bewertung der Zeitarbeit
5. Interpretation
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die explorative Untersuchung der motivationalen Faktoren, die Wirtschaftswissenschaftler dazu bewegen, eine Tätigkeit in der Zeitarbeit aufzunehmen. Dabei soll insbesondere erforscht werden, welche Rolle Informationen und individuelle Erwartungen im Entscheidungsprozess spielen und ob sich bei den untersuchten Akademikern spezifische Charakteristika feststellen lassen.
- Motivationale Aspekte der Stellenwahl bei Akademikern
- Die Rolle der Zeitarbeit als instrumentelle Arbeitsform
- Einfluss von Informationen und Umfeld auf Entscheidungen
- Qualitative Analyse mittels problemzentrierter Interviews
- Vergleich zwischen theoretischen Annahmen und empirischen Ergebnissen
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Begriffsklärung
Die „gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung“, wie die um Neutralität bemühte amtliche Bezeichnung in Deutschland lautet, hat im deutschen Sprachgebrauch viele Synonyme, die unterschiedliche Assoziationen auslösen. Leiharbeit suggeriert "Verleih", dieser jedoch beinhaltet juristisch Unentgeltlichkeit, da Leihe laut § 598 BGB ein unentgeltliches Überlassen einer Sache bedeutet (KRONE, 1996, S. 18). Der Begriff Zeitarbeit wird von der Branche bevorzugt, da er im Besonderen „das Temporäre der vermittelten Arbeitseinsätze“ hervorhebt (SCHRÖDER, 1997, S. 9). Außerdem entspricht dieser Begriff am ehesten dem Wunschimage der Personaldienstleister und dem gesellschaftlichen Trend zu mehr Flexibilität und Individualität. Die Bezeichnungen Flexarbeit und Personalleasing sind seltener, aber auch gebräuchlich. Zeitarbeit ist eine Übersetzung des englischen „temporary work“, das sowohl für Zeitarbeit als auch für befristete Arbeitsverträge stehen kann (VOSWINKEL, 1995, S. 125). In Frankreich nennt man dies „travail temporaire“ (WIELAND ET AL., 2001, S. 19). Der Begriff Zeitarbeit wird in der wissenschaftlichen Literatur als weitgehend wertfreier Terminus genutzt (SCHRÖER & HUHN, 1998, S. 8), daher wird auch in dieser Arbeit hauptsächlich der Begriff Zeitarbeit verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Zeitarbeit, die Organisationswahl sowie motivationale Konzepte wie die Attributionstheorie, die als theoretischer Rahmen für die Untersuchung dienen.
2. Empirischer Hintergrund: Hier wird der Forschungsstand zur Zeitarbeit in Deutschland zusammengefasst und die theoretischen Vorgehensweisen der Motivdiagnostik erörtert, um die empirische Fragestellung abzuleiten.
3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt den qualitativen Forschungsansatz, insbesondere die Methode des problemzentrierten Interviews, die Konstruktion des Leitfadens und die Durchführung der empirischen Datenerhebung.
4. Darstellung der Ergebnisse: Dieser Teil präsentiert die empirischen Befunde zu motivationalen Aspekten, Alternativen, Informationen und den persönlichen Werten sowie der allgemeinen Bewertung der Zeitarbeit durch die Befragten.
5. Interpretation: Es erfolgt eine kategorienübergreifende Analyse der Ergebnisse, bei der Zusammenhänge zwischen subjektiver Wahrnehmung der Alternativen, Informationsquellen und Motivstruktur interpretiert werden.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und stellt heraus, dass Zeitarbeit von den befragten Akademikern primär als instrumentelles Mittel zum Zweck für eine anschließende Karriere genutzt wird.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Akademiker, Arbeitnehmerüberlassung, Organisationswahl, Motivation, Attribution, Stellenwahl, Job Choice, qualitative Forschung, problemzentriertes Interview, Motivdiagnostik, Wirtschaftswissenschaftler, Arbeitsmarkt, Karriere, Flexibilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die motivationalen Hintergründe, die Wirtschaftswissenschaftler dazu bewegen, eine Stelle als Zeitarbeitnehmer anzunehmen, obwohl dies früher eher ein Beschäftigungsfeld für Geringqualifizierte war.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Zeitarbeitsbranche, den psychologischen Theorien zur Organisationswahl und Motivation sowie der empirischen Erforschung der persönlichen Beweggründe von Akademikern in diesem Arbeitsfeld.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, die "Warum"-Frage der Stellenwahl zu beantworten und herauszuarbeiten, welche motivationalen Variablen und situativen Faktoren diese Entscheidung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie nutzt einen qualitativ-explorativen Forschungsansatz, wobei problemzentrierte Interviews nach Witzel sowie eine zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt werden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des theoretischen Hintergrunds, die Beschreibung des methodischen Vorgehens und die detaillierte Präsentation sowie Interpretation der empirischen Ergebnisse aus den Experteninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Schlagworte sind Zeitarbeit, Akademiker, Motivation, Organisationswahl, qualitative Forschung, instrumentelle Karriereplanung und Motivdiagnostik.
Welche Rolle spielt die "Übernahme" für die befragten Akademiker?
Die Möglichkeit einer Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis durch das Entleihunternehmen ist für die meisten Befragten das zentrale Motiv und der wichtigste Anreiz für die Wahl der Zeitarbeit.
Wie bewerten die befragten Akademiker das Konzept der Zeitarbeit?
Die Bewertung ist ambivalent: Während Zeitarbeit als instrumentelles "Sprungbrett" oder zur Überbrückung positiv gesehen wird, gibt es deutliche Kritik an der mangelnden Perspektive und dem Gefühl von Unsicherheit oder geringerer Wertschätzung.
- Citar trabajo
- C. Zöhnel (Autor), 1996, Motivationale Aspekte der Stellenwahl von Akademikern in der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167709