1. Einleitung
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick, Beavin, & Jackson, 1996, S. 53) Dieses Axiom von Paul Watzlawick ist bestimmend für jegliche Art der Kommunikation, sei sie verbal oder nonverbal. Einzige Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Personen interagieren. (Watzlawick, Beavin, & Jackson, 1996, S. 52f)
Für die vorliegende Hausarbeit ist dieser Ausspruch von solcher grundlegenden Bedeutung, da es um ein Kommunikationsmodell geht, welches in den Fokus der Betrachtungen rückt. Es gibt die verschiedensten Modelle mithilfe derer Kommunikation, respektive personelle Inter-aktion, erklärt und beschrieben, werden kann. Aufgrund dessen sind eine ausführliche Dar-stellung und ein detaillierter Überblick über besagte Modelle, innerhalb eines solchen Rahmens nicht zu realisieren.
Gerade weil der Bereich der Kommunikation ein solch breites Feld darstellt, ist eine Differen-zierung von Nöten, die sich aus dem Hintergrund des Seminars ergibt. Schwerpunktmäßig soll hier das EISBERGMODELL behandelt werden, unter dem Aspekt der Berufspädagogik. Um solch eine Thematisierung vorzunehmen ist es dennoch notwendig, andere Anwendungs-gebiete aufzuzeigen und die Herkunft dieses Modelles mit eingehend darzustellen.
Daraus lässt sich die Struktur der Hausarbeit ableiten. Zunächst werden Begrifflichkeiten näher erläutert, die eine zentrale Rolle spielen. Daraufhin soll der Ursprung respektive der Hintergrund des Eisbergmodells beleuchtet werden. Maßgeblichen Anteil daran hat Sigmund Freud mit seiner psychoanalytischen Interpretation des Bewussten und des Unbewussten. Dem schließt sich ein weiteres Anwendungsfeld an. In den Wirtschaftswissenschaften findet das Modell mit Bezug auf die Unternehmenskultur rege Verwendung. Die Idee geht zurück auf Edgar Henry Schein. Hans Ulrich Gresch hat das Eisbergmodell von Freud aufgegriffen und weiter verfeinert. Wie bereits erwähnt soll die Berufspädagogik bei all diesen Betrach-tungswinkeln nicht untergehen, weswegen als Bindeglied die Lernkultur angebracht wird, die als Bestandteil der Unternehmenskultur und somit auch des Eisbergmodells, dennoch eine Disziplin der Berufs- und Erwachsenenbildung ist. Im Fazit erfolgt eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen abgehandelten Bereichen und welchen Einfluss sie auf die Verwen-dung des Kommunikationsmodells haben, wenn es in der Berufspädagogik angewendet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1. Unternehmenskultur
2.2. Kommunikation
3. Das Eisbergmodell nach Sigmund Freud
4. Das Eisbergmodell nach Schein
4.1. Basis- und Grundannahmen
4.2. Werte, Normen und Standards
4.3. Artefakte, Symbole und Zeichen
5. Das Eisbergmodell der Kommunikation
6. Das Bindeglied Lernkultur
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Eisbergmodell als ein zentrales, interdisziplinäres Kommunikationsmodell mit besonderem Fokus auf die Berufspädagogik. Ziel ist es, die theoretischen Ursprünge bei Sigmund Freud sowie die wirtschaftswissenschaftliche Weiterentwicklung durch Edgar Henry Schein und Hans Ulrich Gresch aufzuarbeiten, um deren Relevanz und Einfluss auf die Gestaltung von Lernkulturen in Organisationen zu beleuchten.
- Psychoanalytische Grundlagen des Eisbergmodells (Freud)
- Kulturebenenmodell nach Schein (Artefakte, Werte, Basisannahmen)
- Kommunikationstheoretische Aspekte und unbewusste Botschaften
- Integration in die betriebliche Lernkultur
- Interdisziplinäre Anwendung in der Berufspädagogik
Auszug aus dem Buch
4.1. Basis- und Grundannahmen
Der Ausgangspunkt einer Kultur als tiefste Ebene von Abbildung 1 „besteht hiernach aus einem Satz grundlegender Orientierungs- und Vorstellungsmuster, die die Wahrnehmung und das Handeln leiten“ (Steinmann & Schreyögg, 2005, S. 712). Muster die meist unbemerkt über Jahrzehnte hinweg entstanden sind und ohne groß darüber nachzudenken, befolgt werden. Oft fällt eine Benennung sogar schwierig, da automatisch ablaufend, kein Bewusstsein darüber herrscht. Die Ordnung der Basisannahmen gestaltet SCHEIN (1985, S. 18) nach Kluckhohn/Strodtbeck (1961). Sie haben dabei in kulturvergleichenden Studien bei jeder Kultur Antworten auf sechs Grundfragen menschlicher Existenzbewältigung gefunden.
Wie sieht ein Unternehmen die Außenwelt? Wie werden Einflüsse durch die Umwelt und die daraus resultierenden Folgen interpretiert? Je nachdem wie die interne Positionierung abläuft kann der Impact von außerhalb als bedrohlich, herausfordernd, bezwingbar, übermächtig etc. angesehen werden. In diesem Zusammenhang ist die Differenzierung (Identitätsschaffung) von anderen Unternehmen, und wie Frage wie sie von statten geht, ebenfalls erheblich.
In jedem System und bei jedem Mitglied einer Unternehmung entwickelt sich eine Vorstellung darüber was als wahr oder falsch angesehen wird, real oder fiktiv, wenn die Situation ungeklärter weise auftritt. Worauf richtet sich dann das Vertrauen? Auf Fakten und Traditionen oder doch eher auf die vorgesetzte Autorität? Ist es die Wissenschaft oder der Pragmatismus (beispielsweise einem Versuch ob es funktioniert oder nicht) dessen man sich bedient oder ist es gar ein Kompromiss der als tragfähig gilt?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Axiom der Kommunikation ein und leitet die Struktur der Arbeit ab, die das Eisbergmodell aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet.
2. Begrifflichkeiten: Hier werden zentrale Konzepte wie Unternehmenskultur und Kommunikation definiert, wobei der Fokus auf ihrer theoretischen Einordnung und Bedeutung für zwischenmenschliche Interaktionen liegt.
3. Das Eisbergmodell nach Sigmund Freud: Dieses Kapitel erläutert die psychoanalytischen Wurzeln des Modells und Freuds Theorie über das Bewusste und Unbewusste als Basis für spätere Erklärungsmodelle.
4. Das Eisbergmodell nach Schein: Edgar Henry Schein erweitert das Modell auf die Unternehmenskultur, indem er diese in drei Ebenen unterteilt: Basisannahmen, Werte/Normen und Artefakte.
5. Das Eisbergmodell der Kommunikation: Hans Ulrich Gresch überträgt das Modell auf die Kommunikation und analysiert den Austausch von Botschaften unter Berücksichtigung bewusster und unbewusster Anteile.
6. Das Bindeglied Lernkultur: Dieses Kapitel verknüpft die Unternehmenskultur mit der Lernkultur und zeigt auf, wie diese den Prozess und das Ergebnis des Lernens in Organisationen beeinflusst.
7. Fazit: Das Fazit fasst die interdisziplinäre Herleitung zusammen und bestätigt den Einfluss der untersuchten Modelle auf die Berufspädagogik sowie deren praktische Anwendungsmöglichkeiten.
8. Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche verwendeten Quellen und die zugrunde liegende Fachliteratur für die Arbeit aufgeführt.
Schlüsselwörter
Eisbergmodell, Unternehmenskultur, Kommunikation, Sigmund Freud, Edgar Henry Schein, Hans Ulrich Gresch, Lernkultur, Bewusstsein, Unbewusstsein, Berufspädagogik, Interaktion, Basisannahmen, Artefakte, Werte, Normen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Eisbergmodell und dessen interdisziplinärer Anwendung zur Erklärung von Kommunikation und Unternehmenskultur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Psychoanalyse nach Freud, die organisationspsychologische Kulturentwicklung nach Schein sowie kommunikationstheoretische Ansätze und deren Relevanz für die Lernkultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung des Eisbergmodells und die Untersuchung seines Einflusses auf die Berufs- und Betriebspädagogik.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (Freud), die Anwendung auf Organisationen (Schein) sowie die kommunikationstheoretische und lernkulturelle Perspektive (Gresch).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Eisbergmodell, Unternehmenskultur, Kommunikation, Psychoanalyse und Lernkultur charakterisiert.
Wie unterscheidet Schein in seinem Kulturebenenmodell?
Schein unterscheidet drei Ebenen: Basisannahmen (unsichtbar), Werte/Normen (teilweise sichtbar) und Artefakte (sichtbar an der Oberfläche).
Welche Rolle spielt die „Freud’sche Fehlleistung“ im Kontext der Kommunikation?
Sie dient als Beispiel dafür, wie unbewusste Inhalte trotz Zensur in die bewusste Kommunikation gelangen und das Verhalten in zwischenmenschlichen Situationen beeinflussen können.
- Citation du texte
- Tobias Engfer (Auteur), 2011, Das Eisbergmodell. Ein Diskurs über ein ständig revitalisiertes Kommunikationsmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167714