Die vorliegende schriftliche Ausarbeitung meines Referates vom 06. Januar 2022 entstand im Rahmen des Seminars „Ich. Geschichte des Selbstportraits von Albrecht Dürer bis Maria Lassnig” und befasst sich mit dem 1638/39 entstandenen „Selbstporträt als Allegorie der Malerei“ von der italienischen Künstlerin Artemisia Gentileschi.
Artemisia Gentileschi (1593-1653) ist eine der wohl erfolgreichsten Malerinnen des Barocks. Nach ihrem Tod geriet sie jedoch Jahrhunderte in Vergessenheit, bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern wiederentdeckt wurde und ab den 1970er Jahren wegen ihrer unabhängigen künstlerischen Karriere und ihrer Vorliebe für starke Frauenfiguren als Vorreiterin des Feminismus gefeiert wird. Gentileschi schaffte es, sich als Künstlerin einen Namen zu machen in einer Zeit, wo es für Frauen kaum möglich war, sich als Künstlerin in der Gesellschaft zu behaupten.
Die vorliegende Arbeit gewährt einen Einblick in das bewegte Leben von Artemisia Gentileschi und setzt den Schwerpunkt auf das „Selbstporträt als Allegorie der Malerei“ welches im Hinblick auf die Ereignisse ihres Lebens sowie auf den geschichtlichen und ikonografischen Hintergrund analysiert und interpretiert wird.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Künstlerausbildung
- 2.1 Frauen und Künstlerinnen im 16. und 17. Jahrhundert
- 3. Leben und Werk von Artemisia Gentileschi
- 3.1 Die Vergewaltigung
- 3.2 Aufstieg zur anerkannten Künstlerin
- 3.3 „The only Caravvagista“
- 4. Selbstbildnis als Allegorie der Malerei
- 4.1 Cesare Ripas „La Pittura“
- 5. Resümee
- 6. Literaturverzeichnis
- 7. Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das "Selbstporträt als Allegorie der Malerei" (1638/39) der italienischen Künstlerin Artemisia Gentileschi. Das Hauptziel ist es, das Werk im Kontext ihres bewegten Lebens, der historischen und gesellschaftlichen Umstände ihrer Zeit sowie ihrer ikonografischen Bedeutung zu interpretieren, wobei ihre Rolle als Pionierin des Feminismus und der weiblichen Künstlerschaft im Barock hervorgehoben wird.
- Die Rolle der weiblichen Künstlerschaft und Selbstermächtigung im Barock.
- Biografische und künstlerische Entwicklung von Artemisia Gentileschi.
- Detaillierte Analyse des "Selbstporträts als Allegorie der Malerei".
- Ikonografische Untersuchung basierend auf Cesare Ripas "Iconologia".
- Herausforderungen und gesellschaftliche Stellung von Frauen und Künstlerinnen im 16. und 17. Jahrhundert.
- Feministische Lesarten und Rezeption von Gentileschis Werk.
Auszug aus dem Buch
4.1 Cesare Ripas „La Pittura“
Der italienische Schriftsteller und Gelehrte Cesare Ripa veröffentlichte 1593 die erste Fassung seines ikonografischen Wörterbuches „Iconologia“, das ca. 1000 Personifikationen enthält. Im Jahr 1603 folgte eine illustrierte Version des Buches, das die allegorische Bilderwelt des Barocks enorm beeinflusste.
In seinem Buch ist die Allegorie der Malerei mit ihren Attributen beschrieben¹³. Hierzu gehört eine goldene Kette mit einem Maskenanhänger, der für Nachahmung steht. Nach damaligem Verständnis imitierte die Malerei die Wirklichkeit, so wie auch eine Maske das Gesicht imitiert. ¹⁴ Weitere Attribute, die in ihrem Werk vorkommen, sind die widerspenstigen Haarsträhnen, die die göttliche Raserei des künstlerischen Temperaments symbolisieren und die Gewänder mit wechselnden Farben, die auf die Kunstfertigkeit der Malerin und die unendliche Vielfalt in der Malerei anspielen. Gentileschi beweist Geschick im Umgang mit Farbe und verwendet prächtige Violett- und Grüntöne für den Stoff der Ärmel. Zudem entwickelt sie reiche und sorgfältig abgestimmte Farbbeziehungen im gesamten Gemälde. Das dominante Rotbraun des Hintergrunds findet sich in Mieder und Rock wieder, das mit dem Dunkelgrün der Bluse und den blauvioletten Akzenten der Ärmel harmonisch abgestimmt ist. Ebenso präzise moduliert sie die Hautfarben zu weißen Highlights, um räumliche Ebenen zu schaffen und fasst die Farbgebung des Gemäldes in den fünf Farbflecken auf ihrer Palette zusammen.
Die US-amerikanische Kunsthistorikerin und Feministin Mary D. Garrard behauptet, dass Gentileschis Intention nicht in erster Linie darin lag, Ripas ikonografische Beschreibung der Allegorie der Malerei aufzugreifen, sondern ihr eigenes Interesse und ihre Beherrschung der Farbe sowie technische Fähigkeiten zu zeigen, die ihrer Meinung der Malerei angemessen sind¹⁵.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Thema des Selbstporträts von Artemisia Gentileschi vor und umreißt die Absicht, das Werk im Kontext ihres Lebens und der historischen Umstände zu analysieren und zu interpretieren.
2. Künstlerausbildung: Es beleuchtet die gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Rahmenbedingungen der Künstlerausbildung im 16. und 17. Jahrhundert und hebt die eingeschränkten Möglichkeiten für Frauen hervor.
3. Leben und Werk von Artemisia Gentileschi: Dieses Kapitel beschreibt Gentileschis Biografie, ihre frühe Karriere, den traumatischen Einfluss der Vergewaltigung und ihren bemerkenswerten Aufstieg zu einer anerkannten Künstlerin der Barockzeit.
4. Selbstbildnis als Allegorie der Malerei: Hier wird Gentileschis "Selbstporträt als Allegorie der Malerei" detailliert analysiert, wobei ikonografische Attribute aus Cesare Ripas "Iconologia" zur Interpretation herangezogen und die Verschmelzung von Künstlerin und Allegorie diskutiert werden.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst zusammen, wie Gentileschi mit ihrem Selbstporträt gesellschaftlichen Stereotypen entgegenwirkte und einen unabhängigen künstlerischen Weg einschlug, indem sie die Würde und philosophische Bedeutung des Malaktes betonte.
Schlüsselwörter
Artemisia Gentileschi, Selbstporträt, Allegorie der Malerei, Barockkunst, Caravaggio, Frauen in der Kunst, Kunstgeschichte, Ikonografie, Cesare Ripa, Feminismus, 17. Jahrhundert, Künstlerausbildung, Rollenbilder, Selbstermächtigung, Malerei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Artemisia Gentileschis "Selbstporträt als Allegorie der Malerei" aus den Jahren 1638/39 und analysiert dieses im Kontext ihres Lebens, der historischen Bedingungen und ikonografischen Hintergründe, um ihre Bedeutung als Künstlerin und Vorreiterin des Feminismus zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die weibliche Künstlerschaft und Selbstermächtigung im Barock, Artemisia Gentileschis Biografie, die detaillierte Analyse ihres Selbstporträts, ikonografische Studien sowie die gesellschaftlichen Herausforderungen für Frauen in der Kunst des 17. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das "Selbstporträt als Allegorie der Malerei" zu interpretieren und zu zeigen, wie Gentileschi durch dieses Werk ihr Selbstverständnis als Künstlerin ausdrückte und gängigen Stereotypen entgegenwirkte, indem sie die Dignität des Malaktes betonte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine kunsthistorische und ikonografische Analyse, um das Werk von Artemisia Gentileschi zu interpretieren, wobei biografische und soziokulturelle Kontexte zur Erklärung herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt Gentileschis Biografie, ihre Ausbildung als Künstlerin, die gesellschaftlichen Umstände für Frauen in der Kunst des 17. Jahrhunderts, den Einfluss traumatischer Lebensereignisse sowie eine detaillierte ikonografische Analyse ihres "Selbstporträts als Allegorie der Malerei" unter Bezugnahme auf Cesare Ripas "Iconologia".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Artemisia Gentileschi, Selbstporträt, Allegorie der Malerei, Barockkunst, Ikonografie, Frauen in der Kunst, Feminismus und Selbstermächtigung charakterisieren die Arbeit.
Wie unterschied sich die Ausbildungssituation für Frauen im 16. und 17. Jahrhundert von der der Männer?
Frauen erhielten in der Regel keine formale künstlerische Ausbildung in Werkstätten oder Akademien, die Männern vorbehalten waren. Ihre Rollen waren auf den Haushalt beschränkt, und künstlerische Betätigung wurde höchstens als musische Freizeitbeschäftigung im familiären Rahmen toleriert, nicht als Beruf.
Welche Rolle spielte die Vergewaltigung im Leben und Werk von Artemisia Gentileschi?
Die Vergewaltigung und der anschließende Prozess prägten Artemisia Gentileschis Leben und künstlerisches Schaffen enorm. Obwohl der direkte Einfluss auf spezifische Bildmotive diskutiert wird, beeinflusste das Trauma ihre Reputation und förderte möglicherweise ihre Darstellung starker Frauenfiguren, die sich gegen widrige Umstände behaupten.
Wie nutzte Gentileschi die allegorische Tradition zu ihrem Vorteil als weibliche Künstlerin?
Gentileschi verschmolz in ihrem Selbstporträt die Darstellung der Künstlerin mit der Allegorie der Malerei, was ihr als Frau einen Vorteil verschaffte, da Allegorien damals grammatikalisch meist weiblich waren. So konnte sie als "lebendige Verkörperung der Allegorie" ihr Können und ihre philosophische Sicht auf die Kunst präsentieren, was männlichen Kollegen verwehrt blieb.
Inwiefern widerspricht Gentileschis Selbstdarstellung in ihrem Selbstporträt den Konventionen weiblicher Porträts ihrer Zeit?
Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen weiblichen Selbstporträts, die die Künstlerin gepflegt und zurechtgemacht zeigen, präsentiert sich Gentileschi mit zerzaustem Haar und tief in die Arbeit versunken. Ihre aktive, gedrehte Pose und der Verzicht auf konventionelle Schönheit stellten eine bewusste Abkehr von den damaligen Darstellungsnormen dar.
- Citar trabajo
- L. S. Freese (Autor), 2022, Weibliche Künstlerschaft und Selbstermächtigung. Artemisia Gentileschis Selbstporträt als Allegorie der Malerei, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681385