Die Arbeit untersucht den rechtlichen Umgang mit Schreckschusswaffen in Deutschland vor dem Hintergrund einer gestiegenen gesellschaftlichen Nachfrage und ihrer tatsächlichen Gefährlichkeit. Nach einer Darstellung aktueller Entwicklungen und rechtsmedizinischer Erkenntnisse werden die verfassungs- und europarechtlichen Grundlagen erläutert. Im Mittelpunkt steht anschließend das deutsche Waffen- und Beschussrecht: technische Zulassungsvorgaben, PTB-Kennzeichnung, Erwerb, Besitz, Führen und Aufbewahrung sowie die Anforderungen des Kleinen Waffenscheins. Zudem werden geplante gesetzliche Verschärfungen und die strafrechtliche Einordnung von Schreckschusswaffen behandelt. Ein rechtsvergleichendes Kapitel zeigt die unterschiedlichen Regelungsansätze in Niederlanden, Luxemburg und Frankreich, bevor über Entwicklungen und Perspektiven diskutiert wird.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- 1. Aktuelle gesellschaftliche Situation
- 2. Gefährlichkeit von Schreckschusswaffen
- II. Verfassungsrechtlicher und völkerrechtlicher Hintergrund
- III. Lage in Deutschland
- 1. Beeinflussung durch die Europäischen Union
- a. Richtlinie 91/477/EWG
- b. Durchführungslinie 2019/69
- 2. Waffen- und Beschussgesetz in Deutschland
- a. Beschussgesetz
- 1) Bauart-Zulassungsprüfung
- 2) PTB- Zulassungszeichen
- b. Waffengesetz
- 1) Anmerkung zum Schusswaffenbegriff
- 2) Regelungen im Waffengesetz
- 3) Führen einer Gas- und Schreckschusswaffe
- a) Kleiner Waffenschein
- b) Schießen mit Gas- und Schreckschusswaffen
- c) Verbote zum Führen von Gas- und Schreckschusswaffen
- d) Aufbewahrung von Gas- und Schreckschusswaffen
- a. Beschussgesetz
- 3. Baldige Verschärfung des Waffenrechts
- 4. Strafrechtliche Würdigung von Taten mit Schreckschusswaffen
- 1. Beeinflussung durch die Europäischen Union
- IV. Schreckschusswaffen im Ausland
- 1. Niederlande
- 2. Luxemburg
- 3. Frankreich
- V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Thema „Sicherheit im öffentlichen Raum“ mit einem speziellen Fokus auf Gas- und Schreckschusswaffen in privater Hand. Die primäre Forschungsfrage konzentriert sich darauf, den aktuellen Regelungsstand in Deutschland zu analysieren und zu bewerten, inwiefern Schreckschusswaffen zur wahrgenommenen oder tatsächlichen Verschlechterung der öffentlichen Sicherheit beitragen könnten. Darüber hinaus wird ein internationaler Vergleich mit anderen Ländern gezogen, um Unterschiede in den Regelungen aufzuzeigen und mögliche Harmonisierungsbedarfe zu identifizieren.
- Analyse des Regelungsstands von Gas- und Schreckschusswaffen in Deutschland
- Bewertung der Gefährlichkeit und des Verletzungspotenzials von Schreckschusswaffen
- Untersuchung des Einflusses der Europäischen Union auf das deutsche Waffenrecht
- Erläuterung der Anforderungen und des Erwerbs des „Kleinen Waffenscheins“
- Vergleichende Darstellung der Waffengesetze in den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich
- Diskussion über die Notwendigkeit und Implikationen einer möglichen Verschärfung des Waffenrechts in Deutschland
Auszug aus dem Buch
Gefährlichkeit von Schreckschusswaffen
Die verwendete Munition – Knallkartuschen – enthalten das Treibmittel Nitrozellulose. Sobald es gezündet wird, verbrennt es mit lautem Knall zu Gas. Dabei entsteht enormer Druck, der sich in Form eines Gasstrahls entlädt, der aus nächster Nähe wie ein Geschoss wirkt. Weiches Gewebe, wie die Herzkammerwand, kann durchschlagen, Rippenknochen gebrochen, Arterien durchtrennt, irreversible Augenschäden (bis zur Blindheit) können eintreten und sogar der Schädel kann vom Druck des Gasstrahles aufgesprengt werden besonders gefährdet ist der dünne Schläfenbereich. Das Mündungsfeuer der Schreckschusswaffe kann bis zu 3000 Grad Celsius heiß werden, was bis zu drittgradigen Verbrennungen beim Angeschossenen führen kann, denn je kürzer die Flugstrecke, desto länger die Brenndauer des pyrotechnischen Satzes am Opfer. Das Treibmittel Nitrozellulose verbrennt beim Zünden nicht vollständig und so werden Pulverreste mit Überschallgeschwindigkeit aus dem Lauf herausgeschleudert, die Haut bei einer Nähe von bis zu 60 cm zum Opfer durchsieben können, es können erhebliche dauernde Entstellungen entstehen - sogenannte Pulvertätowierungen.
Sofern eine Schreckschusswaffe mit Reizgaspatronen geladen ist, findet zudem eine (chemische) Einwirkung auf das Nervensystem statt. Ein aus 25 Zentimeter Entfernung abgegebener Schuss kann mit 180 Dezibel auf das Ohr des Opfers treffen kann. Dabei liegt die Schmerzensgrenze bei 120 Dezibel und ab 140 Dezibel können Gehörschäden bei Einzelimpulsen auftreten. Es können Knalltraumas entstehen; eine vollständige Ertaubung ist jedoch selten. Ebenfalls kann eine solche Waffe als Schlagwerkzeug benutzt werden, da sie einen kompakten, schweren Gegenstand darstellt, mit dem eine hohe kinetische Energie erreicht werden kann. Die Bandbreite an Verletzungen reicht von einfachen Schürfungen bis zu Knochenbrüchen am Kopf und weiteren letalen Verletzungen, wie zum Beispiel durch ein Schädel-Hirn-Trauma.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der öffentlichen Sicherheit und die Rolle von Gas- und Schreckschusswaffen ein, indem es Deutschlands Position in Sicherheitsrankings und die Notwendigkeit einer genauen Betrachtung dieser Waffenarten beleuchtet.
I.1 Aktuelle gesellschaftliche Situation: Es wird der Anstieg des Interesses an Gas- und Schreckschusswaffen nach der Silvesternacht 2016 und die damit verbundene Zunahme der Kleinen Waffenscheine in Deutschland dargestellt.
I.2 Gefährlichkeit von Schreckschusswaffen: Dieses Kapitel erläutert detailliert die potenziellen Gefahren und Arten von Verletzungen, die durch den Einsatz von Schreckschusswaffen entstehen können, einschließlich Brandwunden, Gehörschäden und physischem Trauma.
II. Verfassungsrechtlicher und völkerrechtlicher Hintergrund: Hier wird die rechtliche Grundlage der Notwehr in Deutschland sowie die Bedeutung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) im Kontext des Waffenbesitzes analysiert.
III. Lage in Deutschland: Das Kapitel befasst sich mit den nationalen Regelungen zum Waffenrecht, insbesondere dem Einfluss von EU-Richtlinien wie der Richtlinie 91/477/EWG und der Durchführungslinie 2019/69, sowie dem deutschen Beschuss- und Waffengesetz.
IV. Schreckschusswaffen im Ausland: Ein Vergleich der Regelungen in den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich zeigt die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der EU im Umgang mit Gas- und Schreckschusswaffen auf und beleuchtet Herausforderungen bei der Harmonisierung.
V. Fazit: Das Fazit zieht Schlussfolgerungen über die Effektivität des deutschen Waffenrechts, identifiziert Schwachstellen, insbesondere im Hinblick auf nicht-PTB-gekennzeichnete Waffen und die gesellschaftspolitische Problematik, und diskutiert Vorschläge zur zukünftigen Gesetzesverschärfung.
Schlüsselwörter
Sicherheit im öffentlichen Raum, Gas- und Schreckschusswaffen, Waffenrecht, Deutschland, Europa, Regelungsstand, Kleiner Waffenschein, Notwehr, Gefährlichkeit, Waffengesetz, Beschussgesetz, EU-Richtlinien, Vergleich, Waffenkriminalität, Selbstverteidigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle von Gas- und Schreckschusswaffen in privater Hand für die öffentliche Sicherheit, analysiert den Regelungsstand in Deutschland und vergleicht diesen mit anderen europäischen Ländern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die gesellschaftliche Situation von Gas- und Schreckschusswaffen, deren Gefährlichkeit, der verfassungs- und völkerrechtliche Hintergrund, die detaillierte Lage in Deutschland (Gesetze, Zulassungen, Führerscheine) und ein internationaler Vergleich der Regelungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Regelungsstand für Gas- und Schreckschusswaffen in Deutschland umfassend zu beleuchten, deren potenziellen Einfluss auf die öffentliche Sicherheit zu bewerten und die Regelungen im Vergleich zu anderen Ländern zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine rechtswissenschaftliche Analyse, indem sie gesetzliche Regelungen, Richtlinien, Gerichtsurteile und Statistiken heranzieht, um den Sachstand zu beschreiben und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die deutsche Gesetzeslage (Beschussgesetz, Waffengesetz, Kleiner Waffenschein), europäische Richtlinien und deren Einfluss, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, die potenziellen Gefahren von Schreckschusswaffen sowie einen detaillierten Ländervergleich der Vorschriften in den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Sicherheit im öffentlichen Raum, Gas- und Schreckschusswaffen, Waffenrecht, Deutschland, Regelungsstand, Kleiner Waffenschein, Gefährlichkeit und EU-Richtlinien charakterisieren die Arbeit.
Welche spezifischen Gefahren gehen von Schreckschusswaffen aus, und was sind „Pulvertätowierungen“?
Schreckschusswaffen können aus nächster Nähe schwere Verletzungen wie Gewebedurchschläge, Knochenbrüche, irreversible Augenschäden und Gehörschäden verursachen. „Pulvertätowierungen“ entstehen, wenn unverbrannte Pulverreste mit Überschallgeschwindigkeit aus dem Lauf geschleudert werden und sich in die Haut des Opfers einbrennen, was zu dauerhaften Entstellungen führen kann.
Inwiefern unterscheidet sich die Regelung von Schreckschusswaffen in Luxemburg von der in Deutschland?
In Luxemburg fallen Gas- und Schreckschusswaffen unter die „Catégorie B“ und können unter bestimmten Bedingungen von Volljährigen ohne Genehmigung des Ministers transportiert werden, was im Gegensatz zu Deutschland, wo ein Kleiner Waffenschein zum Führen erforderlich ist, eine liberalere Handhabung darstellt. Zudem gab es Kritik der EU-Kommission an Luxemburgs Umsetzung der Richtlinie, da diese als lückenhaft eingestuft wurde.
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- Anonym (Autor), 2023, Schreckschusswaffen in privater Hand. Regelungsstand und Vergleich mit anderen Ländern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681672