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Entwicklung und Anwendung eines Modells zur Feststellung von "enlargement fatigue" in EU-Beitrittskandidaten an den Beispielen Albanien und Nordmazedonien

Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, warum in Albanien die Zustimmung zum EU-Beitritt ungebrochen hoch ist, in Nordmazedonien jedoch spürbar nachlässt, obwohl der EU-Beitrittsprozess beider Länder auf gleichem, quasi nicht vorhandenen Niveau ist. Dazu wird ein Modell mit den Indikatoren "Anzahl der Verfassungsänderungen", "Dauer der sonstigen Westintegration" und "Ethnosymmetrie" entwickelt und auf beide Länder angewendet. Es zeigt sich, dass Nordmazedonien im Zuge des EU-Beitrittsprozesses sowohl oft seine Verfassung ändern musste, als auch eine abnormal lange Dauer der sonstigen Westintegration vorweist und eine eher symmetrische Ethnosymmetrie hat, was alles das Beitrittsverfahren so stark verzögert, dass die Bevölkerung spürbar "müder" wird und daher - ganz im Gegensatz zu Albanien - an "enlargement fatigue" leidet. Eine Anwendung des Modells auf andere EU-Beitrittskandidaten wie Bosnien und Herzegowina oder Montenegro könnte Aufschluss geben, ob in beiden Ländern ein Risiko für "Müdigkeit" besteht.

Excerpt


Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Das Phänomen enlargement fatigue
2.2. Das vorgeschlagene Modell
2.2.1. Erster Indikator: Anzahl der Verfassungsänderungen
2.2.2. Zweiter Indikator: Dauer der sonstigen Westintegration
2.2.3. Dritter Indikator: Ethnosymmetrie
2.2.4. Zwischenfazit

3. Anwendung des Modells auf die beiden Länder
3.1. Albanien
3.1.1. Anzahl der Verfassungsänderungen
3.1.2. Dauer der sonstigen Westintegration
3.1.3. Ethnosymmetrie
3.1.4. Zwischenfazit
3.2. Nordmazedonien
3.2.1. Anzahl der Verfassungsänderungen
3.2.2. Dauer der sonstigen Westintegration
3.2.3. Ethnosymmetrie
3.2.4. Zwischenfazit

4. Schluss

Anhang

Quellen

Bildquellen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Fährt man auf der Autobahn A-1 in Nordmazedonien von Gevgelija bei der griechischen Grenze nach Norden, wird man Zeuge eines interessanten Schauspiels: Eine der an dieser Strecke zahlreichen Tafeln, die die Mitfinanzierung des aktuellen Abschnitts durch die Europäische Union verkündet, wurde mit einem Graffito beschmiert: Ein großes „EU“ wurde durchgestrichen, daneben schrieb man „RUSSIA“; eine klare Forderung nach einem Kurswechsel in der Außenpolitik des kleinen Balkanstaates.

Auf Autobahnschildern an der A-1 sind Graffiti nichts Ungewöhnliches: Verweise auf den neuen Namen der Strecke wurden von Nationalisten teilweise mit „Aleksandar“ überschmiert - hier ein Verweis auf den früheren Namen der Straße „Aleksandar Makedonski“, gemeint ist Alexander der Große; im Norden werden seit ein paar Jahren die Ortsnamen auf den Schildern zusätzlich auch auf Albanisch gekennzeichnet - an einigen Tafeln wurden die albanischen Namen jedoch ebenfalls wieder übermalt. Dieses sehenswerte Phänomen lässt tief in die Lage Nordmazedoniens blicken: Zwischen Nationalismus und Völkerverständigung, Konflikte mit äußeren (Griechenland, Bulgarien) und inneren Akteuren (albanische Minderheit), Ost und West, sowie Frust und Drang in die EU. Betroffen sind auch die Zahlen zum Vertrauen in die Union: 2025 lag der Anteil bloß bei 54% (European Western Balkans 28.05.2025)

Ganz andersjedoch die Lage beim westlichen Nachbarn: Albanien verzeichnet seit Jahrzehnten extrem hohe Zustimmungsraten zum EU-Beitritt und der EU selbst (80% Vertrauen 2025 (ebd.)), und das, obwohl die Beitrittsverhandlungen beider Länder im Falle Albaniens noch in den Kinderschuhen stecken und im Falle Nordmazedoniens noch nicht einmal begonnen haben. 2025 wurde die proeuropäische Regierung unter Edi Rama mit einem erneut höheren Stimmanteil von über 50% in ihrem Amt bestätigt, während zusätzlich keine dezidiert euroskeptische Partei im Parlament vertreten ist (Europe Elects 2025). Im Gegensatz dazu konnte jedoch Hristijan Mickoski 2024 nach einem haushohen Sieg gegen die stark proeuropäischen Sozialdemokraten mit seiner nationalistischen VMRO-DPMNE den Regierungssitz am Ilinden-Boulevard in Skopje für sich erobern.

Bei dieser diametralen Entwicklung der beiden Länder während ihres Beitrittsprozesses stellt sich die Frage, warum das Phänomen der enlargement fatigue in Nordmazedonien so viel ausgeprägter ist in Albanien, obwohl dort der Beitrittsprozess kaum weiter fortgeschritten ist.

Dabei soll vor allem ein Blick auf die Beziehungen zur EU, aber auch zu den Nachbarn und besonders auf innenpolitische Angelegenheiten der Länder selbst geworfen werden.

Ziel dieser Hausarbeit soll die Entwicklung eines simplen theoretischen Modells sein, das im Optimalfall auf andere EU-Beitrittskandidaten angewendet werden kann. Kernpunkte sind die Indikatoren „Anzahl der Verfassungsänderungen“, „Dauer der sonstigen Westintegration“ und „Ethnosymmetrie“, auf die nachher näher eingegangen werden soll.

Wichtige Quellen sind hierbei Umfragen, die neuesten Fortschrittsberichte der EU, aber auch wichtige Ereignisse der Tagespolitik, die vor allem im Falle Nordmazedoniens mit Fragen des nationalen Selbstbewusstseins zu tun haben. Es wird sich zeigen, dass besonders - anders als in Albanien - dort alle drei Indikatoren des Modells in Richtung „ enlargement fatigue “ weisen und das Land deshalb schon „müde“ ist - noch bevor der eigentliche Kraftakt der Beitrittsverhandlungen überhaupt begonnen hat.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Das Phänomen enlargementfatigue

Anders als es vielleicht scheint, reichen die Wurzeln der enlargement fatigue bis in die 1960er- Jahre zurück, als es französische Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Erweiterung der damals noch EG gab. Wirkliche Relevanz erfuhr das Thema jedoch ab den 2000ern, als man Gründe für die gescheiterten Referenden zur Vertiefung der europäischen Einigung suchte (O'Brennan 2013, 37). Somit ist vor allem die Dimension innerhalb der EU selbst, d.h. die Reluktanz gegenüber der Neuaufnahme von Staaten, hauptsächlich gewesen. Für diese Arbeitjedoch wird das Phänomen leicht abgewandelt und um die Dimension der Bewerberländer, die ab einem bestimmten Punkt „die Kraft und Lust verlieren“, Mitglied der Union zu werden, ergänzt. Zwar gibt es innerhalb neuerer Literatur Begriffe wie „ accession fatigue “ (O'Brennan 2014, 234) oder „ commitment fatigue “ (Stojkov, Warin 2025) dafür, jedoch beziehen diese sich eher auf das Verhalten der politischen Elite. Diese Arbeitjedoch fokussiert sich auf das Verhalten der Gesellschaft; daher wird auf den bewährten Begriff der „ enlargement fatigue “ zurückgegriffen, auch wenn die Trennlinie zu den anderen Begriffen zugegebenermaßen unscharf ist.

Albanien und Nordmazedonien finden sich in einem Beitrittsprozess wieder, der nicht mehr vom klassischen „ external incentives model“[1] geprägt ist (O'Brennan 2014, 221). Vielmehr hat seit der Eurokrise der Rat (und somit jeder einzelne Mitgliedsstaat) einen massiven Einflussgewinn verbuchen können, der jedoch im Widerspruch zum auf die Kommission zugeschnittenen Rechtsrahmen der Beitrittsverhandlungen steht. Dadurch kann jeder Mitgliedsstaat erst recht nach Gutdünken jeden Fortschritt der Verhandlungen durch sein Veto verzögern, wie es bspw. Griechenland, Bulgarien und Frankreich getan haben2, was bei den Beitrittskandidaten selbst für Frust sorgen kann: „.. .the enlargement process has been removed from its own internal, rational and normative decision-making space and subjected to overt and dangerous politicisation“ (s. O'Brennan 2013, 38f.). Wie gesagt, gilt es hier vor allem, Gründe für die fatigue innerhalb der Gesellschaft Nordmazedoniens im Gegensatz zu deren Nichtvorhandensein in Albanien zu finden.

2.2. Das vorgeschlagene Modell

Die Beitrittsprozesse von Albanien und Nordmazedonien sind zwar beide de facto auf dem gleichen (niedrigen bzw. nicht vorhandenen) Niveau, dennoch ist die Bevölkerung einerseits stark proeuropäisch, während sie andererseits an „ enlargement fatigue “ leidet. Dies gilt es wissenschaftlich zu erklären, um bestenfalls ein Grundgerüst zu schaffen, das auch auf andere Beitrittskandidaten wie Bosnien und Herzegowina angewendet könnte, um dort eventuell eine „Müdigkeit“ gar prognostizieren zu können.

Es werden drei Indikatoren vorgeschlagen, die je nach Ausprägung eine günstige Ausganslage für „ enlargement fatigue “ innerhalb der Bevölkerung eines Beitrittskandidaten diagnostizieren können. Hierbei sollten im Optimalfall alle Indikatoren in dieselbe Richtung tendieren; dann ist das bekannte Phänomen mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden. Ohne diese Trias, d.h. beispielsweise bei Gültigkeit nur eines Indikators, ist hingegen nicht von „Müdigkeit“ auszugehen.

Es ist wichtig, dass trotz aller Generalisierungsversuche jedes Land immer noch seine eigene Kultur, Geschichte und Tradition besitzt und somit auf einzelne Entwicklungen anders reagieren kann. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann deshalb nicht erhoben werden.

2.2.1. Erster Indikator: Anzahl der Verfassungsänderungen

Die Verfassung ist die Grundlage eines jeden demokratischen Rechtsstaats. Sie legt fest, aus welchen Organen der Staat besteht, welchen Handlungsspielraum sie haben, welche Rechte die Bürger haben, usw. Nicht umsonst sind Verfassungsänderungen in der Regel nur durch besondere Voraussetzungen möglich, sei es durch eine Zweidrittelmehrheit im Parlament oder durch Volksabstimmung.

Gerade für noch junge Demokratien ist die Verfassung daher besonders wichtig, da sie den demokratieunerfahrenen Akteuren die Spielregeln auferlegt, an die diese sich anpassen müssen.3 Wird nun einem solchen Staat von einem äußeren Akteur wie der Europäischen Union eine Änderung dieses Grundgerüsts „aufgezwungen“, kann diese „äußere Einmischung“ zu Reaktanz führen, vor allem wenn es wie im Falle Nordmazedoniens um nationale Fragen geht. Hierbei gilt es zu beachten, dass in beiden Ländern die Verfassung allein durch das Parlament geändert kann, was den Gedanken der „Fremdbestimmung“ innerhalb der Bevölkerung bestärken könnte, da diese an diesem Verfahren nicht beteiligt wird.

Je öfter die Verfassung durch den Beitrittsprozess geändert werden muss, umso wahrscheinlicher ist daher „ enlargement fatigue “. Wird der konstitutionelle Wandel inhaltlich jedoch von der Bevölkerung unterstützt, ist dies nicht der Fall. Daher müssen die anderen Indikatoren ebenfalls in dieselbe Richtung tendieren, um einen logisch sicheren Schluss ziehen zu können

2.2.2. Zweiter Indikator: Dauer der sonstigen Westintegration

Fast jedes Mitglied der EU ist ebenfalls Mitglied in anderen westlichen Organisationen, sei es die OECD, die OSZE, die Partnerschaften mit der Europäischen Union oder, für diese Arbeit relevant, die NATO.

Für die Staaten Osteuropas und des Balkans war und ist der NATO-Beitritt die erste große Hürde auf dem Weg zum EU-Beitritt. Ist diese genommen, zeigt das der Bevölkerung, dass sie nun offiziell Teil der westlichen Wertegemeinschaft ist und daher dem EU-Beitritt einen entscheidenden Schritt nähergekommen ist. Ist jedoch das Gegenteil der Fall, verzögert sich also der NATO-Beitritt, wirkt dies demoralisierend: Wenn schon „nur“ der Beitritt zu einem bloßen militärischen Bündnis, bei dem einige für den EU-Beitritt relevante Aspekte keine Rolle spielen, so schleppend verläuft, ist es unwahrscheinlich, dass es bei der EU-Mitgliedschaft anders laufen sollte. Diese Desillusionierung kann im Zusammenspiel mit den anderen Indikatoren fast schon zwangsläufig zur „ enlargement fatigue “ führen, auch wenn der NATO- Beitritt mit Verzögerung erfolgen sollte, da die in den Augen der Bevölkerung erwartete Länge des EU-Beitrittsprozesses es schlicht „nicht wert“ sein kann.4 Im Zweifelsfall wird der Blick auf andere Großmächte wie China, Russland oder die Türkei geworfen werden, da der Zugang zu denen bei weitem nicht so kompliziert ist wie der Zugang zur EU.

Doch hier sind Generalisierungen ebenfalls schwierig: Beispielsweise muss ein Staat nicht den NATO-Beitritt anstreben (Serbien) oder kann es sogar rein rechtlich nicht (militärische Neutralität in der Verfassung Moldawiens festgelegt), andererseits könnte theoretisch nur die Mitgliedschaft im Nordatlantikvertrag wünschenswert sein und nicht die in der EU. Dies ist jedoch bei Albanien und Nordmazedonien nicht der Fall: Beide Länder wollen eines Tages Mitglieder beider Institutionen sein.

2.2.3. Dritter Indikator: Ethnosymmetrie

Es gibt wohl kein so relevantes Thema auf dem Balkan wie das der Ethnie - Ursache für die brutalen Jugoslawienkriege, aber auch für Unruhen innerhalb der Staaten selbst. Gerade die EU legt großen Wert auf Antidiskriminierung und Gleichbehandlung von Minderheiten (Teil des politischen Teils der Kopenhagener Kriterien), weshalb dieses Thema auch eine große Rolle in den Beitrittsprozessen spielt.

Dieses Modell nutzt aber, anders als vielleicht erwartet, nicht den Indikator als „Anzahl der Ethnien“, sondern als ihre Symmetrie, sprich: Die Größenverteilung der Ethnien ist von Bedeutung. Ein Staat 1 mit 90% Ethnie A, 6% Ethnie B und 4% Ethnie C kann als stabiler angesehen werden als ein Staat 2 mit 60% Ethnie A, 40% Ethnie B - zwar hat er eine größere Fragmentierung, da aber die Minderheiten einen sehr geringen Bevölkerungsanteil haben, können diese einerseits weniger rebellieren, andererseits hat die Mehrheit geringere Anreize, überhaupt diskriminierend zu handeln. Heißt für den EU-Beitrittsprozess, dass dieser tendenziell schneller verläuft, da das oben genannte Kriterium eher erfüllt ist.

Staat 2 jedoch tendiert eher dazu, instabiler zu sein: Einerseits kann die Minderheit fordern, nicht mehr als „Minderheit“ selbst bezeichnet werden zu wollen, andererseits sind Diskriminierung oder schlicht ethnische Unruhen wahrscheinlicher, um die Minderheit kleinzuhalten.5 Es ist somit wahrscheinlicher, dass es beim Thema Minderheitenpolitik politischen Zündstoff gibt, der wiederum die EU dazu bringt, mehr Forderungen in diesem Bereich aufzustellen; als Resultat verzögern sich somit auch die Beitrittsverhandlungen selbst und das Risiko für „ enlargement fatigue “, v.a. innerhalb der ethnischen Mehrheit, erhöht sich.

Somit gilt für den Indikator sinngemäß: Je symmetrischer die ethnische Zusammensetzung des Staates, umso wahrscheinlicher ist „ enlargement fatigue “, v.a. innerhalb der ethnischen Mehrheit. Ist siejedoch stark asymmetrisch, ist das Risiko gering.

2.2.4. Zwischenfazit

Man sieht, dass das Modell versucht, möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen: Die politische Kultur des Landes in Verbindung mit den Verfassungsänderungen, die jüngere Geschichte und Beziehung zur westlichen Wertegemeinschaft in Verbindung mit der Dauer der Westintegration und ethnische Fragen, davon ausgehend auch politische Stabilität und die Menschenrechtslage, in Verbindung mit der Ethnosymmetrie. Hat ein Staat somit aufgrund der angestrebten Mitgliedschaft seine Verfassung oft geändert, einen langen Weg zum NATO- Beitritt gehabt und eine eher symmetrische ethnische Zusammensetzung, welche den Beitrittsprozess an sich wahrscheinlich verzögert oder verlängert, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass seine Bevölkerung an „ enlargement fatigue “ leidet oder leiden wird, was wiederum anhand von Umfragen nachvollzogen werden kann.

Im folgenden Kapitel werden die beiden Indikatoren auf Albanien und Nordmazedonien angewandt. Es wird sich zeigen, dass das vorgeschlagene Modell eine Möglichkeit sein kann, das Vorhandensein der , fatigue “ in Nordmazedonien, nicht aber in Albanien zu erklären.

3. Anwendung des Modells auf die beiden Länder

3.1. Albanien

3.1.1. Anzahl der Verfassungsänderungen

Ein wesentlicher Faktor, der für den Beitrittsprozess eine große Rolle spielte, ist die Justizreform: Anfangs gar ausschlaggebend für den Beginn der Verhandlungen, beinhaltete sie eine Änderung von einem Drittel der Verfassung, um bspw. die Unabhängigkeit der Justiz und den Kampf gegen Kriminalität und Korruption zu stärken (Beshku, Mullisi 2018, 46f.). Diese umfassenden Verfassungsänderungen wurden vom Parlament in parteiübergreifender Zusammenarbeit beschlossen, also ohne Beteiligung der Bevölkerung in Form z.B. einer Volksabstimmung (Fiesinger 2023).

In seinem Bericht von 2024 bescheinigte der Rat der EU dabei Albanien eine konsequente Durchführung der Reform, auch wenn weitere Verbesserungen nötig sind (Council of the European Union 2024, 14). Dies wird von der Kommission in ihrem Albania Report von 2024 gestützt (European Commission 2024a, 28ff.) und korrespondiert mit den 42% der Albaner, die sich eine größere Rolle der EU im Einsatz für besseres law enforcement wünschen (WeBalkans 2025a, 1); dies birgtjedoch Enttäuschungspotential, falls sie diesem Wunsch nicht nachkommt.

Die öffentliche Meinung über die Reform[6] war während ihrer Implementierung gespalten: 2022 befanden 34,5% sie für positiv, 31,3% für negativ; 2021 umfasste die Unterstützung gar nur 24,8%. Die Skepsis unter Anhängern der Opposition war dabei größer (s.u.) (Euronews Albania, 16.06.2022). 2025 andererseits, nach Vollendung der Reform, gaben 59% der Befragten an, dass diese in ihren Augen effektiv war - besonderer Beliebtheit und Vertrauens erfreut sich dabei auch die im Zuge dessen geschaffene Antikorruptionsbehörde SPAK, die mit 75% als mit Abstand am meisten vertraute Institution des Landes gilt (A2 CNN 14.01.2025).

Jedoch gibt es in der Literatur Stimmen, die der Reform kein derart gutes Zeugnis attestieren, da sie u.a. - siehe Fußnote 6 - die Justiz aufgrund der Entlassungen zeitweise paralysiert hat und ohne tiefgreifendes Verständnis ihrer Probleme in Albanien entworfen wurde (Sejamini 2025, 24ff.). Demnach ist die Gefahr nicht zu unterschätzen, dass die Reform zu oberflächlich

6.1. ZT..

[6] Und somit auch über den sog. „Vetting-Prozess , welcher alle Richter und Staatsanwälte einer Überprüfung über Fachkompetenz und Korruption unterzieht und zu Entlassungen führen kann (Fiesinger 2023) war und gar im schlimmsten Falle ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Wirkung mehr entfalten könnte - mit fatalen Folgen für das Ansehen der EU im Land.

Der fade Beigeschmack des „Aufgezwungen-Seins“ vor allem auf Seiten der Opposition, welche nach europäischem und amerikanischem Druck der Reform zustimmte (Sejamini 2025, 23), stützt die im Theorieteil aufgestellte These, dass dies zu Reaktanz gegen den EU-Beitritt auf Seiten der Bevölkerung führt, welche sich in den Umfragen zumindest zeitweise widergespiegelt hat.

Die Änderung von immerhin einem Drittel der gesamten Verfassung auf Druck der EU ist beispiellos (ebd.) und lässt den Indikator somit aufgrund der verhaltenen Unterstützung der Bevölkerung („nur“ 59%) und des alle Ebenen der Justiz umfassenden Charakters (ebd.), welcher als einer der Gründe für die während der Zeit der Reform niedrigen Zustimmungswerte angesehen werden kann, eher in Richtung enlargement fatigue tendieren.

3.1.2. Dauer der sonstigen Westintegration

Nach dem schrittweisen Übergang zur Demokratie ab 1990 wandten sich die Regierungen Albaniens konsequent dem Westen zu: Noch im selben Jahr wurde das Land Teil des PHARE- Hilfsprogramms zur Unterstützung potentieller zukünftiger EU-Mitgliedsstaaten und erhielt auf diesem Wege bis 2005 etwa eine Milliarde Euro an finanziellen Hilfen; kurz darauf folgte ein Handels- und Kooperationsabkommen des Landes mit der EU (Hoffmann 2005, 58).

Vor allem relevant sind jedoch die sonstigen westlichen Institutionen, denen das Land beitrat, u.a. Weltbank7 und vor allem die NATO. Ersterer trat Albanien bereits 1990 bei, der NATO 2009. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass der Beitritt zum Nordatlantikvertrag sehr geräuschlos verlief: 2008 wurde offiziell die Einladung an das Land ausgesprochen, im April des nächsten Jahres erfolgte der Beitritt (Landeszentrale für politische Bildung Baden- Württemberg 2025).

Betrachtet man die öffentliche Meinung und welchen internationalen Institutionen/Ländern sie am meisten vertraut, ist das Bild handfest (WeBalkans 2025a, 1): Nah hinter der EU (92%) folgt die Nato mit 89% Vertrauen, gefolgt von den USA mit 88% und der Weltbank mit 79%. Wendet man daher nun die im Theorieteil dargelegten Grundlagen an, nämlich dass relevant ist, ob sich die Bevölkerung auch als Teil der westlichen Welt sieht (was durch schnelle Beitritte zu westlichen Organisationen begünstigt wird), kann man einen eindeutigen Schluss ziehen: Das sehr hohe Vertrauen zur NATO, der man schnell und konfliktlos beitreten konnte, sowie auch zur Weltbank8, zeigt, dass dies definitiv der Fall ist. Davon abgesehen sprechen die Werte der EU und USA für sich.

Ergänzend dazu sei noch ein möglicher Faktor erwähnt, nämlich die Zuneigung zum Westen aufgrund seines Eingreifens im Kosovokrieg zugunsten der Albaner, sowie die faktische Abspaltung der Region von Serbien auf westliche Initiative. Dies kann als Vertrauensbeweis gegenüber den Albanern dienen, dass sie militärischen Schutz durch den Westen erfahren haben, und deshalb von diesem als Teil der westlichen Gemeinschaft angesehen werden (und das „trotz“ der überwiegend muslimischen Bevölkerung, anders als bspw. die Türkei!).

Der Indikator „Dauer der sonstigen Westintegration“ schlägt somit aufgrund jener Kürze unstreitig entgegen der enlargementfatigue aus.

3.1.3. Ethnosymmetrie

Beim Zensus von 2023 gaben 91,0% an, zur albanischen Ethnie zu gehören, während 2,8% Teil einer Minderheit (z.B. Griechen) sind; zu erwähnen ist aber, dass für 5,6% der Bevölkerung keine Daten über die Volkszugehörigkeit erhoben werden konnten (Republika e Shqiperise - Instituti i Statistikave 2024, 126). Das ändert aber nichts an der Ethnosymmetrie des Landes, die stark asymmetrisch ist - Albanien entspricht daher dem im Kapitel 2 erwähnten „Staat 1“ mit einem Größenverhältnis Mehrheit-Minderheiten von 91% zu 9% - und diese QuasiHomogenität senkt die Wahrscheinlichkeit von Diskriminierung gegenüber den Minderheiten, was wiederum den EU-Beitrittsprozess nicht verlängert und enlargement fatigue vorbeugt.

Selbstverständlich sind Minderheitenrechte zentrales Thema in den „Council conclusions on enlargement“ und im „Albania report“: In ersterem wird das Land weiter aufgefordert, den Minderheitenschutz zu verstärken, und dafür gelobt, dass es schrittweise weitere Gesetze auf den Weg bringt, um diesen auf europäisches Niveau anzugleichen (Council of the European Union 2024, 15). Die Kommission ist in ihrem Bericht kritischer: Die Bemühungen in puncto Rechte von Angehörigen einer Minderheit bedürfen demnach einer Intensivierung und die Gesetze darüber (u.a. Minderheitensprachen) sollen in diesem Jahr (2025) verabschiedet werden (European Commission 2024a, 6). Interessant ist jedoch, dass diese Forderung bereits im Bericht von 2023 erhoben wurde und Albanien dem nicht nachkam (European Commission 2023, 28) - eine gewisse Reluktanz scheint wohl doch innerhalb der Regierung vorzuherrschen.

Somit kann die These, dass in einem schematischen „Staat 1“ mit (stark) asymmetrischer Ethnosymmetrie Diskriminierung gegenüber Minderheiten sehr unwahrscheinlich ist, anhand von Albanien bestätigt werden. Zwar gibt es noch Nachholbedarf beim Minderheiten schutz, dies ist aber keineswegs mit aktiver Diskriminierung zu verwechseln, die von der EU dementsprechend moniert worden wäre. Probleme mit der griechischen Minderheit sind zwar sporadisch und könnten Auswirkungen auf den Beitrittsprozess durch mögliche griechische Vorbehalte haben (siehe z.B. Tagesschau vom 18.05.2024), diese sind aber weit von einer systematischen Benachteiligung entfernt, die in einem der Berichte angeprangert worden wäre und somit die These falsifizieren würde.

Somit schlägt auch der dritte Indikator „Ethnosymmetrie“ zweifellos gegen enlargement fatigue aus.

3.1.4. Zwischenfazit

Das in dieser Arbeit vorgeschlagene Modell hat sich im Falle Albaniens bewährt. Zwar tendierte der erste Indikator in Richtung enlargement fatigue, dies wurde aber durch die anderen beiden Indikatoren, die entschieden gegen die „Müdigkeit“ ausgeschlagen haben, kompensiert. Das Phänomen herrscht somit in der albanischen Bevölkerung nicht vor. Gestützt wird dies durch Umfragen, in denen 82% der Befragten ein positives Bild von der EU haben und nur 4% ein dezidiert negatives (WeBalkans 2025a, 1), gepaart mit den bereits erwähnten sehr hohen Vertrauenswerten.

Ein Umschlagen in Richtung enlargement fatigue ist auch in naher Zukunft nicht zu erwarten, obwohl es Unsicherheiten gibt: Einerseits könnte eine künftige aktive Diskriminierung von Minderheiten den Beitrittsprozess verlangsamen und die Zustimmung der Bevölkerung zurückgehen lassen (ohne jedoch zu fatigue zu werden, da Indikator 2 seine Gültigkeit behält), andererseits herrscht die Gefahr einer zu großen Euphorie - immerhin gehen 46% der Befragten davon aus, dass der EU-Beitritt in den nächsten fünf Jahren erfolgen wird (WeBalkans 2025a, 2). Sollte dies nicht der Fall sein, ist Enttäuschung nicht auszuschließen.

Enttäuschung ist auch einer der Gründe für enlargement fatigue, die im östlichen Nachbarstaat Nordmazedonien herrscht. Im Folgenden soll dieser Zustand durch das Modell erklärt werden.

3.2. Nordmazedonien

3.2.1. Anzahl der Verfassungsänderungen

Durchliest man einen der zahlreichen Berichte von EU-Organen über den Beitrittsprozess von Nordmazedonien, kommt man um das Zauberwort der „constitutional changes“ nicht herum. Da dieser Aspekt eine so große Rolle spielt, ist eine Zweiteilung dieses Unterartikels erforderlich: Zunächst sollen übrige Themen behandelt werden, in denen die EU Verfassungsänderungen fordert, danach folgt eine Analyse der Auswirkungen der Verfassungs - und Namensänderung infolge des Prespa-Abkommens mit Griechenland. Beides hat Konsequenzen auf das Ausschlagen des ersten Indikators in unserem Modell.

Bereits in den „Council conclusions on enlargement” vom Juli 2022 spielen “constitutional changes” eine prominente Rolle: Gelobt wird die Anstrengung der damaligen nordmazedonischen Regierung, Verfassungsänderungen in Angriff zu nehmen, um Angehörige von Minderheiten9, wie z.B. Bulgaren, offiziell in die Konstitution des Landes aufzunehmen (Council of the European Union 2022, 2) - ein sensibles Thema, gerade für Nationalisten. Dies dürfte einer der Gründe dafür sein, dass im Bericht von 2024 moniert wird, dass die angestrebten Änderungen noch nicht vollzogen wurden. Hier wird, in typischem Brüsseler Bürokraten-Englisch, Druck ausgeübt: Sobald diese Änderungen verabschiedet würden, sei der Rat sofort dazu bereit, die ersten Verhandlungskapitel zu öffnen10 (Council of the European Union 2024, 16). Dieser Druck geht direkt auf bulgarische Intervention zurück (AP News 15.05.2025).

Zu ähnlichen Schlüssen kommt die Kommission in ihrem „North Macedonia Report“: Neben den nicht durchgeführten Verfassungsänderungen, um im Land lebende Angehörige anderer Völker in die Verfassung aufzunehmen (European Commission 2024b, 4), wird interessanterweise durch die Formulierung, dass in der Verfassung die Unabhängigkeit des staatlichen Rechnungsprüfungsamtes noch nicht garantiert sei11, indirekt der Wunsch geäußert, dies durch eine Verfassungsänderung anders werden könne (European Commission 2024b, 10).

Die öffentliche Meinung zu den Änderungen betreffend die Angehörigen anderer Völker ist eindeutig: Im Mai 2023 sprachen sich nur 30% dafür und 64% der Befragten dagegen aus, im Oktober 2022 waren es nochjeweils 35% und 56% gewesen (International Republican Institute 2023, 77). Eine zwischen Oktober und Dezember 2024 durchgeführte Umfrage ergab eine Zustimmung von nur 20% (MIA 17.02.2025). Die sinkende Zustimmung fällt deutlich auf.

Besondere Erwähnung muss in jedem Falle auch die Änderung des Staatsnamens mittels Verfassungsänderung infolge des Prespa-Abkommens mit Griechenland erhalten. Nach jahrelangem Protest des südlichen Nachbarn gegen den alten Namen „Mazedonien“ wurde der Streit durch den Vertrag beider Länder 2018 beigelegt; Kompromisslösung war dabei die Änderung des in der Verfassungsänderung festgelegten Staatsnamens von „Republik Mazedonien“ in „Republik Nordmazedonien“12. Dies erfolgte auch unter dem Druck westlicher Staaten (CNN 13.02.2019).

Die dafür nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament wurde dabei denkbar knapp erreicht (80 von 120 Stimmen nötig, in der Endabstimmung 81 Ja-Stimmen); zusätzlich wurden noch weitere Änderungen vorgenommen, die sich auf die Rechte der albanischen Minderheit und auf die Ablehnung künftiger Gebietsansprüche bezogen (Spiegel 11.01.2019).

Interessant ist, dass zu diesem Thema 2018 ein Referendum abgehalten wurde, welches zwar eine Zustimmung von fast 95% ergab, aber aufgrund von Boykottbewegungen seitens der Opposition mit einer Wahlbeteiligung von nur knapp 37% unter dem zur Rechtsverbindlichkeit nötigen Quorum von 50% lag. Ein zuverlässiger Schluss im Sinne der öffentlichen Meinung kann daher nicht wirklich gezogen werden.

Umfragen zeigten jedoch ein gespaltenes Bild: Im Februar 2019 unterstützten 44,6% das Abkommen, 45,6% lehnten es ab (Ekathimerini 25.02.2019); im Juli 2020 lag der Anteil der Unterstützer bei 58% (To Pontiki 05.07.2020). Besonders interessant ist, dass 2021 39% angaben, dass sie die Umbenennung auch dann unterstützt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass die Beitrittsverhandlungen anschließend durch bulgarischen Widerstand verzögert werden würden; 31% antworteten mit „vielleicht“. Nur etwas mehr als ein Drittel meinte, die Umbenennung hätte dem Land geschadet, während gleichzeitigjeweils knapp ein Drittel dafür war, dass die nordmazedonische Regierung das Abkommen aufkündigt, neuverhandelt oder so belässt (Konrad-Adenauer-Stiftung 2021, 7f., 12). In jedem Falle ist die Zustimmung bedeutend höher und die Ablehnung bedeutend niedriger als bei der bereits behandelten, noch durchzuführenden Verfassungsänderung.

All dies hat natürlich Auswirkungen darauf, ob der Indikator in Richtung von „ enlargement fatigue “ tendiert oder nicht: Die Anzahl an Verfassungsänderungen, die Nordmazedonien im Zuge des Beitrittsprozesses durchgeführt hat, war beachtlich und daher signifikant.13 Anders als in Albanienjedoch sind die Änderungen vor allem von nationaler Bedeutung und daher von höherer Wichtigkeit für die Bevölkerung. Auch in Skopje wird die Verfassung per Parlamentsbeschluss geändert, also ebenfalls „an den Köpfen der Bürger vorbei“ (das PrespaReferendum sei hier ausgeklammert). Die Umbenennung, die auf massivem Druck aus Europa und Amerika beruhte, sowie der Druck der EU, weitere Verfassungsänderungen durchzuführen, die von der Mehrheit der Bevölkerung unwiderlegbar abgelehnt werden, entsprechen ganz den theoretischen Voraussetzungen für den Indikator 1, der von einer großen Anzahl an Verfassungsänderungen unter Druck aus Brüssel ausgeht, welche als zu große Einmischung in die Grundfesten des Landes angesehen werden kann. Der Indikator „Anzahl der Verfassungsänderungen“ schlägt daher eindeutig in Richtung „ enlargement fatigue “ aus.

3.2.2. Dauer der sonstigen Westintegration

„Ms ßi'.ro rpg Ekkaöog, p FYROM 6sv prcaivst oro NATO“ - „Mit Veto Griechenlands wird FYROM nicht Teil der Nato“. So äußerte der damalige griechische Premierminister Kostas Karamanlis die Entscheidung Griechenlands auf dem NATO-Gipfel in Bukarest am 02.04.2008, den NATO-Beitritt des nördlichen Nachbarn zu blockieren (badragan 23.07.2010). Als Begründung nannte er vor dem Parlament in Athen die ausbleibende Kompromissbereitschaft des Landes im Namensstreit: „Ohne Lösung, keine Einladung“ (Nsa AppoKparia 23.02.2008).

Hier zeigt sich bereits, dass die sonstige Westintegration Nordmazedoniens, anders als die Albaniens, bei weitem nicht so geräuschlos und effektiv ablief. Der Namensstreit mit Griechenland verhinderte dies bis zum Prespa-Abkommen.

In Bezug auf die EU begann die Zusammenarbeit ab 1999 durch den Beginn des Stabilisierungs- und Assoziationsprozesses, welches 2001 unterzeichnet wurde und 2004 in Kraft trat (European Commission 2024b, 91). Dem IWF trat das Land 1992 und der Weltbank 1993 bei14, der NATO jedoch erst 2020. Gerade diese lange Zeitspanne zwischen 2008 und 2020 ist einer der größten Unterschiede zur sonstigen Westintegration, wie sie beispielsweise in Albanien ablief. Es liegt daher, ganz den theoretischen Grundlagen des zweiten Indikators entsprechend, nahe, dass diese Verzögerung in der Bevölkerung den Glauben daran, dass sie ein wirklicher Teil des Westens ist, nachhaltig geschwächt hat.

Die vorhandenen Daten stützen dies: 2025 vertrauten 79% der Weltbank und 76% dem IWF, d.h. Organisationen, denen Nordmazedonien kurz nach der Unabhängigkeitserklärung und daher schnell beitreten konnte. Der NATO hingegen vertrauten nur 73% (WeBalkans 2025b, 1). Die Tatsache, dass der Nordatlantikvertrag signifikant weniger Vertrauen erfährt als Weltbank und IWF, lässt sich somit nur aufgrund des viel längeren und schwierigeren Beitrittsprozesses, der noch dazu nur nach der Änderung des Staatsnamens erfolgte, sinnvoll erklären; und das, obwohl die NATO-Mitgliedschaft für das Land so prestigeträchtig ist, dass die NATO-Flagge sowohl im Plenarsaal des Parlaments hängt als auch in den Porträts der Ministerpräsidenten im Hintergrund zu sehen ist (siehe Anhang).

Ebenfalls im Anhang in Abbildung 3 lässt sich eindrucksvoll ablesen, wie die Zustimmungswerte der Bevölkerung zur NATO mit zunehmender Dauer des Beitrittsprozesses um immerhin knapp 20% sanken. Man kann daher auch, makaber gesehen, von einer „NATO- fatigue“ sprechen.

Der Indikator „Dauer der sonstigen Westintegration“ schlägt daher deutlich, aufgrund des langwierigen NATO-Beitrittsprozesses (im Vergleich zu z.B. Weltbank und IWF), der in der Bevölkerung sichtlich den glauben daran, „richtiger“ Teil des Westens zu sein, geschwächt hat, was sich in den bereits behandelten Umfragewerten zur NATO in der öffentlichen Meinung widerspiegelt, in Richtung enlargement fatigue aus - schließlich erscheint es aus Sicht der Menschen unklar, warum es beim EU-Beitrittsprozess anders sein sollte.

3.2.3. Ethnosymmetrie

Der 2021 durchgeführte Zensus ergab folgendes Bild für die im Land wohnhafte Bevölkerung (Republic ofNorth Macedonia - State Statistical Office 2022, 32f.):

58,4% gaben an, Mazedonier zu sein; es folgen die Albaner mit einem Anteil von 24,3%. Weitere Ethnien (Türken, Roma, Serben, Bulgaren etc.) spielen mit Werten nicht höher als 5% kaum eine Rolle. Erwähnt seijedoch, dass für knapp über 130.000 Menschen (immerhin 7,2%) keine Angaben zur Ethnie gemacht wurden.15

Nordmazedonien entspricht somit mit seiner eher symmetrischen Ethnosymmetrie dem im Theorieteil erwähnten „Staat 2“ mit einem Verhältnis von 58 zu 24 der zwei größten Volksgruppen. Anders als in Albanien sind ethnische Spannungen somitviel wahrscheinlicher, gar bis zur offenen Diskriminierung, was beides den EU-Beitritt verzögern würde. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Zensus schon kurz nach seiner Veröffentlichung für politischen Zündstoff sorgte (Braun, Pasoski 2022):

Neben dem Streit zwischen Regierung und Opposition über die Effektivität und Zuverlässigkeit der Volkszählung an sich, kamen auch die albanischen Parteien zu Wort, welche in Nordmazedonien stets um die 20% der Stimmen erreichen (Parties and Elections in Europe 2024) und daher ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor sind; dabei wurde unter anderem angekündigt, sich für die explizite Erwähnung der albanischen Sprache in der Verfassung einzusetzen.

Generell ist erwähnenswert, dass die institutionelle Stellung der Albaner im Land durchaus respektabel ist: Nach Artikel 7 (bzw. dem 5. Verfassungszusatz) der Verfassung ist es auf lokaler Ebene zulässig, dass die Sprache einer dort besonders präsenten16 Minderheit (d.h. vor allem der Albaner) de facto zweite Amtssprache ist; dasselbe gilt auch für den Gesamtstaat, womit Albanisch seit dem Zensus auf der gesamten Staatenebene sogar offiziell zweite Amtssprache ist. Der „Inter-Ethnische Ausschuss“ des Parlaments, dem im Konfliktfall Macht zukommt, wird nach dem 12. Zusatzartikel u.a. von gleich vielen Albanern und Mazedoniern besetzt.

Nicht zuletzt wurde nach dem Abkommen von Ohrid 2001, welches den bürgerkriegsähnlichen Aufstand der Albaner beendete, der 18. Verfassungszusatz beschlossen, laut dem für jede Angelegenheit, die die Minderheiten im Entferntesten betrifft,17 ebenfalls die Mehrzahl der die Minderheiten vertretenden Abgeordneten dafür stimmen muss. Dies garantiert für jede halbwegs handlungsfähig sein wollende Regierung die Regierungsbeteiligung mindestens einer albanischen Partei.

Klammert man die von Bulgarien geforderten Verfassungsänderungen, die bereits behandelt wurden, aus, gibt es aus Sicht der EU noch Nachholbedarf; so forderte der Rat 2024, die Rechte u.a. für Angehörige von Minderheiten weiter zu stärken (Council of the European Union 2024, 17). Die Kommission bescheinigt zwar die praktische Umsetzung der in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit18 (European Commission 2024b, 35), moniert aber ebenfalls noch Handlungsbedarf in Sachen Minderheitenschutz, sei es bei der Verabschiedung des Aktionsplans zum Minderheitenschutz (European Commission 2024b, 20), der Ratifizierung der Europäischen Charta für Regional- oder Minderheitensprachen oder der Umsetzung von Aktionsplänen, die eine multiethnische Gesellschaft, Interkulturalismus und soziale Kohäsion unterstützen sollen (European Commission 2024b, 40).

Neben dem von der EU bescheinigten Handlungsbedarf ist die Benachteiligung von Albanern immer noch ein Problem in Nordmazedonien, wie z.B. in Bezug auf Repräsentanz in den Ministerien (Gazeta-Express 09.07.2025), generell im öffentlichen Dienst (Kunz 2022) oder gar in der Armee (KOHA.net 23.01.2022) und im Bildungssystem19 (Minority Rights Group 2020). Trotz der institutionellen Fortschritte bestehen immer noch ethnische Spannungen, auch da trotz des bahnbrechenden Rahmenabkommens von Ohrid die Angst vor einer Sezession der Albaner besteht (Toropenko 2021).

Es ist daher nicht so einfach, dem dritten Indikator eine eindeutige Tendenz zuzuordnen. Die institutionelle Stellung der Albaner steht der postulierten systematischen Diskriminierung der größten Minderheit im „Staat 2“ zwar entgegen, aber entscheidend ist auch, dass die EU in ihren Berichten mehrfach weiteren Handlungsbedarf moniert; dies kann im Zusammenspiel mit der vorgelegten Evidenz für Benachteiligung und ethnische Spannungen im Zusammenhang mit den Albanern in Nordmazedonien durchaus in der Lage sein, den Beitrittsprozess in die Länge zu ziehen und enlargement fatigue zu begünstigen. Dieser Haltung ist daher der Vorzug zu geben, vor allem da sie auch von der EU vertreten wird, welche das Tempo der Beitrittsverhandlungen bestimmt.

Vereinfacht gesagt: Entspräche auf einer hypothetischen Skala der Wert 10 „ enlargement fatigue “ und 0 das Gegenteil, dann läge der Indikator „Ethnosymmetrie“ bei ungefähr 6,5.

3.2.4. Zwischenfazit

Das vorgeschlagene Modell konnte ebenfalls auf Nordmazedonien erfolgreich angewendet werden. Alle drei Indikatoren schlagen dabei in Richtung enlargement fatigue aus:

Die hohe Anzahl an bereits durchgeführten Verfassungsänderungen aufgrund der Streitbeilegung mit Griechenland, sowie die von der EU geforderten weiteren Änderungen, die eine große Mehrheit der Bevölkerung ablehnt, gaben für den Indikator „Anzahl der Verfassungsänderungen“ den Ausschlag. Die „Dauer der sonstigen Westintegration“ im Hinblick auf den zwölf Jahre langen NATO-Beitrittsprozess (im Vergleich zum raschen Beitritt zu IWF und Weltbank) und die währenddessen stetig sinkende Zustimmung der Bevölkerung zu der Institution, die weniger Vertrauen genießt als die anderen beiden Genannten, war ebenfalls eindeutig. Lediglich der Indikator „Ethnosymmetrie“ weist keine so eindeutige Tendenz auf wie die anderen beiden; relevant für den Ausschlag in Richtung enlargement fatigue waren die von der EU monierten Missstände in Verbindung mit der anhaltenden Benachteiligung der Albaner im Staat, die einer der Gründe für bestehendes Misstrauen und ethnische Spannungen im Land ist.

Nordmazedonien wurde somit durch das Modell enlargement fatigue bescheinigt, was durch empirische Evidenz gestützt wird (Zum Vergleich mit einem Staat ohne „Müdigkeit“ sind die jeweiligen Werte für Albanien in Klammern gesetzt):20

Anteil der Bürger mit positivem Bild der EU: 65% (82%)

Anteil der Bürger mit negativem Bild der EU: 14% (4%)

Vertrauen in die EU: 75% (92%)

Vertrauen nach European Western Balkans 28.05.2025: 54% (80%)

Würde im Falle eines Beitrittsreferendums mit „Ja“ stimmen: 70% (92%)

Glaubt, der EU-Beitritt bringt mehr Vorteile als Nachteile: 70% (93%)

Jeweiliges Land wird in spätestens 15 Jahren EU-Mitglied: 52% (72%)

Jeweiliges Land wird niemals EU-Mitglied: 16% (8%)

Die Unterschiede sind deutlich zu erkennen; ergänzend kann noch der Wahlsieg der nationalistischen VMRO-DPMNE erwähnt werden - dies aber mit Vorsicht, da für die Wahlentscheidung noch viele andere Faktoren als der Beitrittsprozess eine Rolle spielen. Gerade die vorletzte Umfrage zeigt die große Skepsis der Bevölkerung gegenüber einem schnellen Beitritt: Nur 27% glauben an einen Beitritt in spätestens 5 Jahren, während dies in Albanien 46% tun.

In Zukunft könnte sich die attestierte enlargement fatigue noch verschlimmern, denn die Zustimmungswerte zur EU sind zwar weitaus schlechter als die Albaniens, aber an sich nicht schlecht (immerhin 70% würden im Referendum mit „Ja“ stimmen!). Das „Endstadium“ der „Müdigkeit“, d.h. die Überzeugung, das Land werde niemals Mitglied werden, hält sich mit den genannten 16% ebenfalls noch in Grenzen. Sollte aber die Blockade Bulgariens noch länger andauern, besteht die Gefahr, dass aus schlechteren schlechte Werte werden.

4. Schluss

Die Frage, warum in der Bevölkerung von manchen EU-Beitrittskandidaten (hier Nordmazedonien) enlargement fatigue herrscht und anderen (hier Albanien) nicht, konnte durch das Modell sehr deutlich und befriedigend beantwortet werden.

Eine Anwendung dessen auf andere Länder wie Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Moldawien oder gar Island ist daher möglich; es liegt an der künftigen Literatur, die einzelnen Indikatoren zu verfeinern, gar neue zu ergänzen, oder in Bezug auf bestimmte Staaten eines zu modifizieren. Deren Charakter erlaubt auch eine tiefere Beschäftigung mit dem Staat:

Die „Anzahl der Verfassungsänderungen“ kann dabei Einblick in die politische Kultur des Landes geben: Wie wird die Verfassung geändert? Wer ist der Initiator für eine solche Änderung? Gibt es noch vor der Endabstimmung nötige Quoren? Gibt es Proteste? Wird die Opposition am Prozess beteiligt?

Die jüngere Geschichte des Staates, vor allem militärisch und politisch, kann gut mit dem Indikator „Dauer der sonstigen Westintegration“ beleuchtet werden: War das Land Teil Jugoslawiens? Inwiefern spielt das eine Rolle für enlargement fatigue ? Wurde ein Unabhängigkeitskrieg geführt? War das Land früher Teil eines europäischen Reiches und hat daher weniger Probleme, Kompetenzen nach Brüssel abzugeben?

Bei der Ethnosymmetrie kann ein Blick in die DNA des Staates geworfen werden: Ist man ein „Staat 1“ oder ein „Staat 2“? Gibt es noch weitere „Staatsarten“? Sind die Minderheiten proeuropäisch eingestellt? Ist man nach Lijphart Mehrheitsdemokratie, Konsensdemokratie oder gar Konkordanzdemokratie? Inwiefern wirkt sich das auf die Stellung der Minderheit(en) aus?

In jedem Falle ist das Modell ein guter Schritt auf dem Weg, mögliche Risiken in den Beitrittsprozessen der Länder zu erkennen und im Idealfall Prognosen zu geben, denen die Politik entgegenwirken kann, um enlargement fatigue in den Bevölkerungen der Beitrittskandidaten zu bekämpfen oder gleich komplett zu verhindern.

Fährt man nun die A-1 durch Nordmazedonien, könnte man aufgrund der antieuropäischen und nationalistischen Graffiti meinen, das Land wäre bereits im „Endstadium“ der enlargement fatigue angekommen und hätte sich somit von einem EU-Beitritt verabschiedet. Dem ist aber nicht so: Einerseits hat die Arbeit gezeigt, dass das Land zwar „müde“ ist, aber keineswegs in einer Sackgasse steckt. Andererseits ist der Asphalt, den man befährt, ein Symbol für die europäischen Werte Hoffnung, Gleichheit und Freiheit; denn ob man nun übermalte albanische Ortsnamen, „RUSSIA“ auf EU-Schildern oder den alten Namen der Autobahn über dem durchgestrichenen Neuen sieht, so sollte man nicht vergessen, welchen neuen Namen diese Strecke nach der vorbildlich friedlichen Beilegung des Namensstreits mit Griechenland erhielt: „HpujaTencTBo“, aufDeutsch: „Freundschaft“.

Anhang

[Die Abbildungen 1 und 2 sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]

Abb. 1: Portraitdes

Ministerpräsidenten

Nordmazedoniens, Hristijan Mickoski

Do you support North Macedonia's membership in NATO? (Before March 2021, the question was .becoming a member of NATO”?)

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die Entwicklung der Zustimmungswerte der nordmazedonischen Bevölkerung zurNATO 24 (Pfeil ist Markierung des Autors)

Quellen

Bildquellen

Abb. 1: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Hristiian Mickoski official portrait 2024.jpg

Abb. 2: https://www.avc-group.com/int/en/references/north-macedonian-parliament

Abb. 3: International Republican Institute 2023, 83

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[...]


1 Der Kemgedanke kann sinngemäß als „Wenn die Länder Beitrittskriterien erfüllen, werden sie bspw. mit Visafreiheit belohnt“ wiedergegeben werden.

2 ".naked pursuit of interest by self-regarding national actors within the Council" (s. O'Brennan 2013, 38)

3 Dies wurde beispielsweise von Wolfang Merkel in seinem Modell zur Systemtransformation beschrieben

4 Siehe Nordmazedonien: Laut Umfragen ist das Vertrauen in die Weltbank und den IWF signifikant höher als das in die NATO; beiden Institutionen trat das Land kurz nach der Unabhängigkeit bei, der NATO jedoch erst 2020 (WeBalkans 2025b, 1)

5 Beides ist in Nordmazedonien als beispielhaftem „Staat 2“ vorhanden: Die Albaner stellen ein Viertel der Bevölkerung und forderten u.a. die explizite Erwähnung ihrer Sprache als Amtssprache in der Verfassung (Braun, Pasoski 2022) und beklagen sich noch 2025 harsch über Versuche, Albaner im Land zu „marginalisieren“ (s. Gazeta-Express 2025) - Probleme, die es in Albanien als beispielhaftem „Staat 1“ bei weitem nicht in dieser Intensität gibt

6 Und somit auch über den sog. „Vetting-Prozess , welcher alle Richter und Staatsanwälte einer Überprüfung über Fachkompetenz und Korruption unterzieht und zu Entlassungen führen kann (Fiesinger 2023) war und gar im schlimmsten Falle ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Wirkung mehr entfalten könnte - mit fatalen Folgen für das Ansehen der EU im Land.

7 Die Weltbank ist selbstverständlich keine „rein“ westliche Institution, in dieser Arbeit wird sie jedoch aufgrund der prominenten Rolle der USA wie eine solche behandelt; das Hauptmerkmal liegt jedoch weiterhin auf der NATO

8 Ebenfalls daher Erwähnung in dieser Arbeit, da die Weltbank (und bei Nordmazedonien zusätzlich der IWF) in den Vertrauensumfragen aufgeführt werden und deshalb ebenfalls zur Auswertung beitragen

9 „.. .the proposal to amend the Constitution to include six further communities in the preamble and in two articles of the Constitution, namely Bulgarian people, Croatian people, Montenegrin people, Slovenian people, Jewish people, and Egyptian people.” (European Commission 2024b, 22)

10 „.the Council reaffirms its readiness to convene another intergovernmental conference, without further delays nor additional political decision, as soon as North Macedonia has implemented its commitment, in line with its internal procedures. Thereafter, the Council stands ready to open the first negotiating cluster as soon as possible, in line with the Negotiating Framework”

11 „The independence of the State Audit Office (SAO) is still not guaranteed by the Constitution...”

12 Zur Verdeutlichung des Ausmaßes der Änderungen: Artikel 1 III a) des Abkommens legte in Verbindung mit Artikel 1 IV d) - f) die verfassungsmäßige Änderung des Namens fest; Artikel 1 XII statuiert dabei ebenfalls Änderungen in Bezug auf die Präambel und die Artikel 3 (Gebietsänderungen) und 49 der Verfassung (Einsatz für Volksangehörige im Ausland)

13 Allein die Änderungen infolge des Prespa-Abkommens umfassten vier (!) neue Verfassungszusätze („amendments“) „ en bloc “ (s. Art. 1 XII des Vertrags), siehe auch Assembly of the Republic ofNorth Macedonia 2025

14 Dabei mit dem provisorischen, von Griechenland akzeptierten Namen „FYROM“, d.h. „Former Yugoslav Republic of Macedonia“

15 „[Es] ist zu vermuten, dass diese den Boykottaufrufen der national- und linkspopulistischen Partei LEVICA mit ihrer Kampagne ,Ich öffne nicht die Tür‘ folgten. Unter Zugrundelegung der vorhandenen Daten zu den Gemeinden und Wahlergebnissen in den Orten dieser Personen kann stark davon ausgegangen werden, dass die überwiegende Mehrzahl dieser Personen orthodoxe Mazedonier sind. Die Nichtberücksichtigung dieser Personengruppe am Gesamtergebnis kann daher eine Verzerrung des Bevölkerungsverhältnisses bei Ethnie, Sprache und Religion erzeugt haben“ (s. Braun, Pasoski 2022)

16 Mindestens 20% der Einwohner müssen Sprecher der Sprache sein

17 Namentlich die Präambel, die Artikel über die lokale Selbstverwaltung, Artikel 131, jede (neue) Regelung für Minderheitenrechte, explizit die Artikel 7, 8, 9, 19, 48, 56, 69, 77, 78, 86, 104 und 109

18 Albaner sind mehrheitlich Muslime, Nordmazedonien jedoch mehrheitlich orthodox

19 Aus der dazu genannten Quelle: „As all groups in North Macedonia, they [Albaner] face problems because the education system is segregated and heavily influenced by political parties”

20 Quelle für albanische Werte: WeBalkans 2025a; Nordmazedonien: WeBalkans 2025b

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Title: Entwicklung und Anwendung eines  Modells zur Feststellung von "enlargement fatigue" in EU-Beitrittskandidaten an den Beispielen Albanien und  Nordmazedonien

Term Paper , 2025 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Antonio Parasyris (Author)

Politics - Region: Southeastern Europe
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Details

Title
Entwicklung und Anwendung eines Modells zur Feststellung von "enlargement fatigue" in EU-Beitrittskandidaten an den Beispielen Albanien und Nordmazedonien
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholl-Institut)
Course
Europäisierung in Osteuropa
Grade
1,3
Author
Antonio Parasyris (Author)
Publication Year
2025
Pages
28
Catalog Number
V1682690
ISBN (PDF)
9783389171585
ISBN (Book)
9783389171592
Language
German
Tags
EU-Erweiterung Europäisierung Albanien Nordmazedonien Enlargement fatigue Westintegration Ethnosymmetrie Balkan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antonio Parasyris (Author), 2025, Entwicklung und Anwendung eines Modells zur Feststellung von "enlargement fatigue" in EU-Beitrittskandidaten an den Beispielen Albanien und Nordmazedonien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1682690
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Excerpt from  28  pages
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