Zunächst wird die Situation der jüdischen DPs (Displaced Persons) direkt nach dem Krieg aufgezeigt und sodann erarbeitet, inwiefern die Einwanderungspolitik der USA von der auftretenden Problematik beeinflusst wurde. Darauf aufbauend soll erläutert werden, wie der erste Gesetzesentwurf zustande kam, welcher sich des DP-Problems annahm. Hierbei wird der Einfluss zweier einschneidender Ereignisse des Jahres 1946 untersucht und in Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das Gesetz gebracht. Danach wird dargelegt, wie Anfang 1947 ein erster Entwurf im Repräsentantenhaus eingereicht wurde und wie dieser durch den Senator Chapman Revercomb torpediert wurde. Dabei werden die Interessen zweier Lager und deren Einfluss dargestellt. Schließlich wird das Gesetz selbst mit seinen restriktiven und diskriminierenden Aspekten genauer analysiert. Verdeutlicht werden soll hierbei die spezifische Systematik, mit welcher die Gruppe der Juden benachteiligt wurde. Welche Rückschlüsse auf die möglichen Motive der Diskriminierung dieser Sachverhalt zulässt, erscheint im Fazit.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Die Situation im Jahr 1945 und Reaktionen seitens der USA
- 3. Der Weg zum ersten Gesetzesentwurf
- 4. Vom Stratton- zum Revercomb-Gesetzesentwurf
- 5. Der DP-Act von 1948 und seine diskriminierenden Aspekte
- 6. Fazit
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die systematische Benachteiligung von Juden durch den Displaced Persons Act von 1948. Sie zielt darauf ab, die möglichen Motive hinter dieser diskriminierenden Struktur zu erörtern, indem sie insbesondere die Interessen(gegensätze) und Vorbehalte in der US-Politik und Bevölkerung analysiert und die Entwicklungsgeschichte des Gesetzes in seinem historischen Kontext nachvollzieht.
- Analyse der Situation jüdischer Displaced Persons (DPs) nach 1945.
- Erforschung der US-amerikanischen Einwanderungspolitik und ihrer Entwicklung.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte des Displaced Persons Act von 1948.
- Aufdeckung der diskriminierenden Aspekte des DP-Acts gegenüber jüdischen Flüchtlingen.
- Beleuchtung der politischen Interessen und gesellschaftlichen Ressentiments in den USA.
- Darstellung der Rolle von Lobbyarbeit und Regierungshandeln im Gesetzgebungsprozess.
Auszug aus dem Buch
Die Benachteiligung von Juden durch den Displaced Persons Act von 1948: Interessen und Ressentiments in der US-Politik
Diese Umstände, die nur exemplarisch die angeführten Punkte des Berichtes wiedergeben, veranlassten Harrison mitunter zu folgenden Empfehlungen an die US-Regierung: Mit der Betonung auf die besonders belastende Lage der jüdischen DPs wurde allgemein um die Verbesserung ihrer Wohn- und Lebenssituation, vor allem aber um separate Lager gebeten. Des Weiteren erscheint der ausführlich begründete Vorschlag, sie nach Palästina ausreisen zu las-sen, wie es der Wunsch einiger DPs gewesen sei. Auch sollten unter den bestehenden Einrei-segesetzen der USA "reasonable numbers of such persons [...], again particularly those who have family ties in this country" aufgenommen werden.10 Dabei betonte Harrison die Vorbild-funktion Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, die auch die Reaktionen der anderen Länder beeinflussen sollte.
Auffällig dabei ist die Hervorhebung der Dringlichkeit, das britische Mandatsgebiet Palästina als primäres Ausreiseziel zu erwirken, wohingegen die US-Einwanderungspolitik mit Harri-sons Hinweis auf vorhandene Familienbeziehungen kaum in Frage gestellt wird. Und doch sei dies nach Dan Diner indirekt dadurch vollzogen worden, indem den Juden ein Kollektivstatus zugesprochen worden sei, der die Kodierung der ausschließlich nationalitätsbezogenen Einrei-sequoten des Immigration Acts von 1924 nicht berücksichtigte.11 Dies offenbarte folgendes Dilemma: Die meisten jüdischen DPs besaßen eine osteuropäische, zumeist polnische Staatsangehörigkeit12, die jedoch durch die entsprechenden Quoten der USA weniger „erwünscht" war als etwa eine mitteleuropäische: Demnach waren jährliche Einwanderungszahlen von 5.982 Polen im Vergleich zu 51.227 Deutschen vorgesehen.13 Die Schaffung eines Kollektivstatus samt eigener DP-Camps und die Ausreise dieser Gruppe, wie es der Bericht Harrisons empfiehlt, impliziert jedoch eine Handhabung des jüdischen DP-Pro-blems jenseits der Nationalität.
[M]any Jewish displaced persons and other possibly non-repatriables are living under guard behind barbed-wire fences, in camps of several descriptions (built by the Germans for slave-laborers and Jews) [...], many of the Jewish displaced persons, late in July, had no clothing other than their concentration camp garb - a rather hideous striped pajama effect-while others, to their chagrin, were obliged to wear German S.S. Uniforms. [...] Beyond knowing that they are no longer in danger of the gas chambers, torture, and other forms of violent death, they see-and there is - little change.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Displaced Persons nach 1945 ein, beleuchtet die schwierige Situation der jüdischen DPs und stellt die Forschungsfrage nach den Motiven der Diskriminierung durch den DP Act von 1948.
2. Die Situation im Jahr 1945 und Reaktionen seitens der USA: Dieses Kapitel beschreibt die anfänglichen Missstände in den DP-Lagern, insbesondere für jüdische DPs, und die ersten Reaktionen der USA, einschließlich des Harrison-Reports und Trumans Bemühungen, die Ausreise nach Palästina zu forcieren.
3. Der Weg zum ersten Gesetzesentwurf: Hier wird die anfängliche Präferenz der DPs für Palästina, die Schwierigkeiten der Einwanderung in andere Länder und die Entstehung des ersten Gesetzesentwurfs, beeinflusst durch eine neue Einwanderungswelle und Lobbyarbeit, erläutert.
4. Vom Stratton- zum Revercomb-Gesetzesentwurf: Das Kapitel zeigt die Transformation des liberalen Stratton-Entwurfs hin zum restriktiveren Revercomb-Entwurf auf, unter Hervorhebung des Widerstands im Kongress, geprägt von antikommunistischen und ethnozentristischen Vorbehalten.
5. Der DP-Act von 1948 und seine diskriminierenden Aspekte: Dieses Kapitel analysiert detailliert die diskriminierenden Mechanismen des verabschiedeten DP-Acts von 1948, insbesondere die Stichtagsregelungen, Quoten und Auswahlkriterien, die jüdische DPs systematisch benachteiligten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, betont den Konflikt zwischen liberalen und restriktiven Lagern in der US-Politik und beleuchtet die Motive hinter der Diskriminierung von Juden, einschließlich Antisemitismus und Antikommunismus.
Schlüsselwörter
Displaced Persons Act 1948, Jüdische DPs, US-Einwanderungspolitik, Antisemitismus, Antikommunismus, Truman-Direktive, Harrison-Report, Palästina, Gesetzesentwurf, Diskriminierung, Nachkriegsdeutschland, Flüchtlingsproblematik, Quotenregelung, Stratton-Gesetzesentwurf, Revercomb-Gesetzesentwurf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Benachteiligung von Juden durch den Displaced Persons Act von 1948 und untersucht die dahinterliegenden politischen Interessen und gesellschaftlichen Ressentiments in der US-Politik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Situation der jüdischen Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg, die US-amerikanische Einwanderungspolitik, die Entstehungsgeschichte und die diskriminierenden Aspekte des Displaced Persons Act von 1948 sowie die Rolle von Antisemitismus und Antikommunismus in der US-Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die möglichen Motive für die systematische Diskriminierung von Juden im Displaced Persons Act von 1948 zu erörtern und dabei die Interessen und Vorbehalte in der US-Politik und Bevölkerung sowie die Entwicklungsgeschichte des Gesetzes zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine geschichtswissenschaftliche Methode, die sich auf die Analyse historischer Quellen und Forschungsliteratur stützt, um die Ereignisse und Entwicklungen zu rekonstruieren und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Situation der DPs im Jahr 1945 und die Reaktionen der USA, der Weg zum ersten Gesetzesentwurf, die Entwicklung vom Stratton- zum Revercomb-Gesetzesentwurf und die diskriminierenden Aspekte des finalen DP-Acts von 1948 detailliert behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Displaced Persons Act 1948, Jüdische DPs, US-Einwanderungspolitik, Antisemitismus, Antikommunismus und Diskriminierung.
Welche Rolle spielte der Harrison-Report bei der Entstehung des Gesetzesentwurfs?
Der Harrison-Report von 1945 deckte die Missstände in den DP-Lagern auf und legte den Grundstein für das amerikanische Engagement zur Auswanderung von DPs, indem er Empfehlungen zur Verbesserung der Situation und zur Aufnahme von Juden in Palästina und den USA aussprach.
Wie wurden die jüdischen DPs durch die spezifischen Regelungen des DP-Acts diskriminiert?
Jüdische DPs wurden durch Regelungen wie ein ungünstiges "cut-off-Datum" (22. Dezember 1945), spezifische Quoten für baltische und ostpolnische Einwanderer und die Bevorzugung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte systematisch benachteiligt, da diese Kriterien die Mehrheit der jüdischen DPs ausschlossen.
Warum wurde der Displaced Persons Act von 1948 trotz Trumans Bedenken verabschiedet?
Der Act wurde trotz Trumans „großer Zurückhaltung“ verabschiedet, weil die Alternative das Nichtzustandekommen eines Gesetzes aus Zeitgründen bedeutet hätte und das restriktive Lager im Kongress, angeführt von Senatoren wie Revercomb, die Oberhand im Gesetzgebungsprozess gewann.
Welche Auswirkungen hatte die "Red Scare" auf die Debatte um den DP-Act?
Die anwachsende "Red Scare" und antikommunistische Vorbehalte führten dazu, dass Abgeordnete den Import von "kommunistischem, subversivem oder atheistischem Gedankengut" befürchteten, was eine liberalere Einwanderungspolitik zugunsten der DPs, insbesondere der jüdischen, erschwerte.
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- Alexander Strunz (Autor), 2015, Die Benachteiligung von Juden durch den Displaced Persons Act von 1948, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683256