Die Frage nach dem ursprünglichen Wortlaut scheint besonders dann eine wichtige Aufgabe der Textphilologie, wenn die Überlieferungen nur in späten und schlechten Abschriften vorhanden sind. Und dies ist bei mittelalterlichen Texten sehr häufig der Fall. Die Textphilologie mittelalterlicher Überlieferungen beschäftigt sich mit einem Text vor allem unter zwei Aspekten: Erstens überprüft sie die Authentizität des Textes (Textkritik) und zweitens verfolgt sie die Veränderungen des Textes im Überlieferungsprozess (Textgeschichte). Karl Lachmann hat diese Methoden zum ersten Mal auf altdeutsche Texte angewandt. Ein Herausgeber, der nach der Lachmannschen Methode den Wortlaut des Originals erschließen will, geht dabei systematisch in drei Schritten vor. Diese werden im Referat anhand eines kritischen Textausschnitts des "Gregorius" von Hartmann von Aue erläutert.
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- Heinz Kerp (Auteur), 1991, Die Lachmannsche Methode in der Quellenanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683623