Die Arbeit analysiert eine Lernaufgabe aus dem Lehrwerk À plus ! (Band 3) im Hinblick auf ihre Umsetzung der Kompetenz- und Aufgabenorientierung im Französischunterricht der Sekundarstufe I. Auf der Grundlage zentraler Modelle des task-based language learning (u. a. Hallet, Willis, Leupold) wird untersucht, inwiefern die Lernaufgabe als komplexe Kompetenzaufgabe zur Förderung kommunikativer, interkultureller und autonomer Lernprozesse geeignet ist. Im Fokus stehen dabei Aspekte wie Lebensweltbezug, Authentizität, Scaffolding, Transparenz der Lernziele sowie Möglichkeiten der Differenzierung. Die Analyse zeigt sowohl didaktische Stärken als auch Grenzen der Aufgabenstruktur auf und reflektiert deren Bedeutung für einen handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Die Kompetenz- und Aufgabenorientierung in den Bildungsstandards.
- 2. Vorstellung des Aufgabenkonzepts
- 3. Ausgewählte Bewertungskriterien basierend auf das Konzept der Aufgabenorientierung.
- 4. Analyse zur didaktischen Untersuchung eines Aufgabenkonzepts
- 5. Fazit.
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Analyse einer exemplarischen Lernaufgabe aus dem Französisch-Lehrwerk "A plus! (Band 3)", welche explizit der Kompetenz- und Aufgabenorientierung verpflichtet ist. Das primäre Ziel der Untersuchung ist es, zu bewerten, inwiefern diese Aufgabenstellung die im Fremdsprachenunterricht angestrebten kommunikativen, interkulturellen und methodischen Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern fördert und wie realitätsnah sie konzipiert ist.
- Analyse der Kompetenz- und Aufgabenorientierung in Bildungsstandards.
- Detaillierte Untersuchung einer Lernaufgabe aus dem Lehrwerk "A plus! (Band 3)".
- Entwicklung und Anwendung von Bewertungskriterien für komplexe Lernaufgaben.
- Fokus auf die Förderung kommunikativer, interkultureller und methodischer Kompetenzen.
- Diskussion der Realitätsnähe und Komplexität der Aufgabenstellung im schulischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
4. Analyse zur didaktischen Untersuchung eines Aufgabenkonzepts
Die zu untersuchende Lernaufgabe ist realitätsnah, da sie eine komplexe Situation der Wirklichkeit simuliert (vgl. Schinke & Steveker 2013:7): Seit dem abgeschlossenen Elysée Vertrag 1963 zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer war unter anderem eine der Intentionen jene, Menschen aus Deutschland und Frankreich (vor allem junge Menschen) zusammenzubringen. Viele Schulen organisieren seitdem regelmäßige Austausche, die die Schülerinnen und Schüler des dritten Lernjahres im Französischen betreffen können.
Die tâche finale lautet demnach, orientiert an dem Lebensweltbezug und der Handlung einer realen Aufgabe im Alltag der Schülerinnen und Schüler folgendermaßen (vgl. Hallet 2013: 4): „In einem Video ein Missverständnis zwischen französischen und deutschen Jugendlichen dar[zu]stellen und aus[zu]räumen“, um die Schülerinnen und Schüler in den Sprech- und Sprachmittlungskompetenzen zu trainieren und ihre interkulturelle Kompetenz zu fördern, indem sie sich für interkulturelle Begegnungen öffnen. Die tâche finale wird auf der Einleitungsseite der unité auf Deutsch vorgestellt und die kognitiven, kreativen und emotionalen Prozesse werden initiiert, als Anstoß für die jeweiligen Lernprozesse der Einzelnen, indem die Transparenz von angemessenen Herausforderungen deutlich gemacht wird (vgl. Biebighäuser, Zibelius & Schmidt 2012: 46). Den Schülerinnen und Schüler wird demzufolge klar gemacht, was sie am Ende der unité erlernt haben werden, und es wird ihnen sogar die Möglichkeit angeboten ihre Ergebnisse öffentlich zu publizieren, was die Lernende dazu anregen kann, „Produkte herzustellen, die hohen Ansprüchen genügen, die die Lernenden herausgefordert haben und die erreichten Kompetenzen sichtbar machen“ (ebd.: 41). Zu bemängeln wäre dennoch, dass dieses Angebot der Publikation auf der Seite der tâche finale erst später im Buch illustriert ist und auch auf der Einleitungsseite kein Verweis auf diese zurückliegende Seite zu finden ist, sodass der zuvor angesprochene Anreiz der Schülerinnen und Schüler kleiner ausfallen könnte, sollten die Lernenden die zurückliegende Seite erst später bemerken. Des weiteren, werden auf der Einleitungsseite erste pre-tasks zur Einführung in das Thema gegeben (vgl. Schinke & Steveker 2013: 5), die dazu anregen, sich Gedanken über einen Austausch nach Frankreich zu machen und sich über die internationale Organisation OFAJ zu informieren.
Die dezidierte Aufgabeninstruktion wird folglich auf der Seite 69 dargelegt und den Lernenden werden generische Strukturen zur Aufgabenbewältigung gegeben. Die Aufgabeninstruktion ist komplex, denn man findet die Hinweise zu allen Elementen in ihr wieder, da sie sowohl Transparenz hinsichtlich der Ziele schafft als auch die thematische Einbettung und die motivationale Ebene enthält. Deutlich wird auf der Seite 69, dass das Missverständnis zwischen einem Franzosen und einem Deutschen von den Schülerinnen und Schülern in einem Rollenspiel inszeniert werden soll, angelehnt an einem dramapädagogischen Ansatz, das Rösler (2012: 102) als doppelten „so tun, als ob“ betitelt, da die Lernenden sich nicht nur in die Situation einer anderen Person, sondern auch einer anderen Kultur versetzen soll, indem sie die Rolle eines Franzosen einnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Die Kompetenz- und Aufgabenorientierung in den Bildungsstandards: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Kompetenz- und Aufgabenorientierung im modernen Fremdsprachenunterricht, insbesondere im Kontext neuer Kerncurricula, die auf den Erwerb kommunikativer, interkultureller und methodischer Kompetenzen abzielen.
Kapitel 2: Vorstellung des Aufgabenkonzepts: Hier wird die im Lehrwerk "A plus! (Band 3)" enthaltene Lernaufgabe detailliert vorgestellt, die sich mit einem Schüleraustausch und den damit verbundenen interkulturellen Aspekten zwischen Frankreich und Deutschland befasst.
Kapitel 3: Ausgewählte Bewertungskriterien basierend auf das Konzept der Aufgabenorientierung: Dieses Kapitel leitet die Kriterien zur Bewertung der Lernaufgabe aus dem Konzept des task-based learning ab, wobei verschiedene Modelle wie Willis, Leupold, Schinke und Stever, und insbesondere Hallet (2013), herangezogen werden.
Kapitel 4: Analyse zur didaktischen Untersuchung eines Aufgabenkonzepts: In diesem Hauptteil erfolgt die detaillierte Analyse der ausgewählten Lernaufgabe hinsichtlich ihrer Realitätsnähe, der Zielsetzung der "tâche finale" und der Unterstützung der Lernenden durch vorbereitende Schritte und Materialien.
Kapitel 5: Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse der Analyse zusammen und bestätigt, dass das Lehrwerk eine erfolgreiche, komplexe und kompetenzorientierte Lernaufgabe bietet, die vielfältige Teilkompetenzen aufgreift und interkulturelle Handlungsfähigkeit anstrebt.
Schlüsselwörter
Kompetenzorientierung, Aufgabenorientierung, Fremdsprachenunterricht, Bildungsstandards, Französischunterricht, Lernaufgabe, Lehrwerk-Analyse, Interkulturelle Kompetenz, Kommunikative Kompetenz, Tâche finale, Task-based learning, Schüleraustausch, Didaktik, Realitätsnähe, Scaffolding
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse einer spezifischen Lernaufgabe aus einem Französisch-Lehrwerk, um deren Konzeption und Effektivität im Kontext der Kompetenz- und Aufgabenorientierung zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Kompetenz- und Aufgabenorientierung im Fremdsprachenunterricht, die didaktische Analyse von Lernaufgaben, die Förderung interkultureller und kommunikativer Kompetenzen sowie die Integration von Lebensweltbezug in Unterrichtsmaterialien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine konkrete, kompetenz- und aufgabenorientierte Lernaufgabe aus einem Französisch-Lehrwerk tiefgehend zu untersuchen und zu beurteilen, inwieweit sie die angestrebten Kompetenzen fördert und realitätsnah gestaltet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine didaktische Analyse, die auf etablierten Konzepten des task-based learning und verschiedenen Modellen zur Bewertung komplexer Kompetenzaufgaben basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse einer Lernaufgabe aus dem Lehrwerk "A plus! (Band 3)", wobei deren Realitätsnähe, die Zielsetzung der "tâche finale" und die Unterstützung der Lernenden durch vorbereitende Schritte und Materialien beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Kompetenzorientierung, Aufgabenorientierung, Fremdsprachenunterricht, Lehrwerk-Analyse, Interkulturelle Kompetenz, Tâche finale und Task-based learning charakterisiert.
Wie wird das Konzept der "tâche finale" in der analysierten Lernaufgabe umgesetzt?
Die "tâche finale" sieht vor, dass Schülerinnen und Schüler in einem Video ein Missverständnis zwischen französischen und deutschen Jugendlichen darstellen und ausräumen, um ihre Sprech- und Sprachmittlungskompetenzen sowie ihre interkulturelle Kompetenz zu trainieren.
Welche Rolle spielt die Interkulturelle Kompetenz im Kontext der untersuchten Lernaufgabe?
Die Förderung der interkulturellen Kompetenz ist ein zentrales Anliegen, da die Lernaufgabe auf einen Schüleraustausch zwischen Deutschland und Frankreich abzielt und die Schülerinnen und Schüler dazu anregen soll, sich für interkulturelle Begegnungen zu öffnen und mit kulturellen Missverständnissen umzugehen.
Welche Hilfestellungen (Scaffolding) werden den Lernenden bei der Bewältigung der Aufgabe geboten?
Den Lernenden werden sogenannte "volets" als Unterstützung zur Strukturierung des Arbeitsprozesses angeboten, die vielfältige Teilkompetenzen fördern. Zudem gibt es zahlreiche Scaffolding-Angebote zur Bearbeitung der Inputmaterialien und zur Überprüfung erlernter Kenntnisse im "carnet d'activités".
Warum wird das Modell von Hallet (2013) für die Bewertungskriterien hervorgehoben?
Das Modell von Hallet (2013) wird hervorgehoben, weil es einen ganzheitlichen Ansatz integriert, der eine umfassende Entwicklung der Schülerinnen und Schüler fördert und über die reine Wissensvermittlung hinausgeht, indem es sie auf die Anforderungen der realen Welt vorbereitet.
- Citar trabajo
- Lisa Embarck (Autor), 2024, Aufgabenorientierung im Französischunterricht (Sek I) – Kommentar und Analyse einer Lernaufgabe ("À plus!" Band 3), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1690399