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"Blau ist die Farbe deines gelben Haares" - Wie wir glauben, was wir (nicht) sehen

Betrachtungen zum sozialen Einfluss

Title: "Blau ist die Farbe deines gelben Haares" - Wie wir glauben, was wir (nicht) sehen

Term Paper , 2009 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nico Dietrich (Author)

Psychology - Social Psychology
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„Warum folgt man der Mehrheit? Etwa weil sie mehr Vernunft besitzt?“ (Knischek, 2005, S. 214), fragte einst der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal in seinen Pensées und fand darauf eine Antwort, die klarer nicht hätte ausfallen können: „Nein - weil sie stärker ist.“ (ebd.). Eine auf den ersten Blick durchaus plausible Aussage, die Pascal getroffen hat. Aber folgen wir immer der Mehrheit? Und sollten wir dies tun, dann wirklich um der Macht Willen? Welche Rolle spielt dabei die Minderheit? Sind wir überhaupt durch andere Individuen beeinflussbar, wo wir doch seit dem 17. Jahrhundert als aufgeklärt gelten und der Leitspruch „sapere aude“ mehr denn je unsere heutige individualistische Gesellschaftsordnung prägt. Oder hatte Arthur Conan Doyle doch Recht, als er 1909 schrieb: „Die menschliche Natur ist schwach, der Einfluss der Umgebung stark.“ (Doyle, 1909)?
Die folgende Arbeit befasst sich mit ausgewählten Studien zu verschiedenen Phänomenen des sozialen Einflusses. Es werden zunächst einige Grundbegriffe erläutert, bevor verschiedene Einflussvarianten näher vorgestellt werden. Im Rahmen des Majoritäteneinflusses werden unbewusste Einflüsse von absichtlich herbeigeführten differenziert. Letztendlich soll auch die Theorie des Minderheiteneinflusses als kontrastierende, aber auch komplementäre Ergänzung betrachtet werden. Der nachstehende Text kann in seiner Thematik keineswegs als vollständig angesehen werden; er soll lediglich einen Einblick in die Forschung zu besagtem Thema geben. Besonderen Wert wurde auf das Einbinden von Zitaten aus den entsprechenden Originalstudien – insofern frei zugänglich – gelegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialer Einfluss und Konformität

3. Mehrheitseinfluss

3.1 Von Bohnen, Punkten und Linien

3.2 Anerkennung vs. Information

3.3 Die Abhängigkeit der Kleingruppe

3.4 Compliance – für euch oder für mich?

4. Die Absicht zur unbewussten Manipulation

4.1 Die Tür im Gesicht oder…

4.2 …den Fuß in der Tür

5. Minderheiten - die Mehrheiten der nächsten Generation?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht verschiedene Phänomene des sozialen Einflusses, wobei zwischen unbewussten Mechanismen des Majoritäteneinflusses und absichtlichen Manipulationsmethoden unterschieden wird, um letztlich die Rolle von Minderheiten als Akteure sozialen Wandels zu beleuchten.

  • Grundlagen des sozialen Einflusses und Konformität
  • Mehrheitseinfluss und die Rolle von Normen vs. Information
  • Psychologische Techniken der bewussten Manipulation (Door-in-the-Face & Foot-in-the-Door)
  • Minderheiteneinfluss und Konversionstheorie
  • Bedeutung von Konsistenz für den sozialen Einfluss

Auszug aus dem Buch

3.1 Von Bohnen, Punkten und Linien…

Die ältesten Befunde zur Entstehung von Konformität durch sozialen Einfluss lieferte Arthur Jenness von der University of Nebraska im Jahr 1932. Er ließ die Versuchsteilnehmer „[…] the number of beans in a sealed bottle.“ (JENNESS, 1932, S. 280) schätzen. Zunächst sollten die Teilnehmer einzeln ihr Urteil abgeben und später als Gruppe zu einer einheitlichen Gruppenschätzung gelangen. Anschließend wurden sie erneut gebeten ein individuelles Urteil abzugeben und nahezu alle Befragten glichen ihr zweites Einzel-Urteil an das vorhergehende Gruppenergebnis an. (JENNESS, 1932).

Ähnliche Befunde konnte der türkische Psychologe Muzaffer Şerif 1935 erzielen. Anhand des autokinetischen Effektes untersuchte Sherif den sozialen Einfluss in einer für die Versuchspersonen vollkommen unbekannten Situation. In einem gänzlich abgedunkelten Raum sollte das Ausmaß der Bewegung eines in Wirklichkeit fixen Lichtpunktes geschätzt werden. Zunächst wurden die Teilnehmer einzeln der Lichtquelle ausgesetzt und mussten ihr Urteil mündlich abgeben. Am nächsten Tag wurden Gruppen aus zwei bis drei Personen gebildet, die nun erneut die Bewegung des Punktes schätzen sollten. Insgesamt wurden eine Einzelsitzung und drei Gruppenbefragungen durchgeführt, sodass das Experiment insgesamt vier Tage in Anspruch nahm. Während die Versuchspersonen in den Einzelsitzungen unterschiedliche, aber persönliche konsistente Ergebnisse erzielten, stellte sich in den darauf folgenden drei Gruppenphasen eine gewisse Gruppennorm ein. Die Hälfte der Versuchsteilnehmer durchlief das Experiment in entgegengesetzter Reihenfolge, das heißt die Gruppenphasen gingen der Einzelbefragung voraus. Im Nachhinein abgegebene einmalige Einzelschätzungen orientierten sich nun in hohem Maße an der vorher gebildeten Gruppennorm, obgleich die Einzelmeinungen weit auseinander lagen, wenn sie vor der Gruppenphase erhoben worden waren (SHERIF, 1935; Vgl. VAN AVERMAET, 2002, S. 453f).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des sozialen Einflusses ein und stellt die Relevanz der Untersuchung von Majoritäten- sowie Minoritätseinfluss im gesellschaftlichen Kontext heraus.

2. Sozialer Einfluss und Konformität: Dieses Kapitel definiert den Begriff des sozialen Einflusses als Veränderung von Einstellungen durch die Konfrontation mit anderen Menschen und führt in die Thematik der Konformität ein.

3. Mehrheitseinfluss: Es werden grundlegende Studien zur Konformität vorgestellt und zwischen normativem sowie informativem Einfluss differenziert, einschließlich der Bedeutung der Kleingruppe.

4. Die Absicht zur unbewussten Manipulation: Das Kapitel befasst sich mit bewussten Manipulationsmethoden wie der "Door-in-the-Face"- und "Foot-in-the-Door"-Technik, um die Dynamik gezielter Beeinflussung zu verdeutlichen.

5. Minderheiten - die Mehrheiten der nächsten Generation?: Hier wird die Rolle von Minderheiten beim sozialen Wandel durch konsistente Verhaltensstile und die Konversionstheorie untersucht.

6. Fazit: Das Fazit resümiert die Koexistenz von Mehrheits- und Minderheiteneinfluss und weist auf die Schwierigkeit hin, Laborexperimente direkt auf den Alltag zu übertragen.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Internetquellen.

Schlüsselwörter

Sozialer Einfluss, Konformität, Majorität, Minorität, Konversionstheorie, Normativer Einfluss, Informativer Einfluss, Compliance, Door-in-the-Face, Foot-in-the-Door, Gruppen norm, Konsistenz, Manipulation, Sozialer Wandel, Urteilsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht psychologische Phänomene des sozialen Einflusses, sowohl im Kontext von Mehrheiten als auch Minderheiten, und wie diese unser Urteilsvermögen beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören Konformität, die Unterscheidung zwischen informativem und normativem Einfluss sowie Techniken der absichtlichen Manipulation.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, einen Überblick über ausgewählte Studien zu sozialen Einflussphänomenen zu geben und zu analysieren, wie soziale Normen und Minderheitenmeinungen das menschliche Verhalten prägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse klassischer sozialpsychologischer Studien, wie etwa von Solomon Asch, Muzaffer Şerif und Serge Moscovici.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Experimente zur Konformität, die Unterscheidung von Einflussvarianten, bewusste Manipulationsstrategien und die Mechanismen, durch die Minderheiten sozialen Wandel bewirken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Sozialer Einfluss, Konformität, Mehrheitseinfluss, Minderheiteneinfluss, Compliance und Konversionstheorie.

Was unterscheidet den normativen vom informativen Einfluss?

Normativer Einfluss basiert auf dem Wunsch nach sozialer Zustimmung, während informativer Einfluss genutzt wird, um Informationen aus der Umgebung als objektive Realität zu akzeptieren.

Warum sind Minderheiten wichtig für den sozialen Wandel?

Minderheiten können durch ein hohes Maß an Konsistenz über Zeit hinweg eine kognitive Auseinandersetzung erzwingen, die bei der Mehrheit zu einer privaten Einstellungsänderung (Konversion) führen kann.

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Details

Title
"Blau ist die Farbe deines gelben Haares" - Wie wir glauben, was wir (nicht) sehen
Subtitle
Betrachtungen zum sozialen Einfluss
College
http://www.uni-jena.de/
Grade
1,0
Author
Nico Dietrich (Author)
Publication Year
2009
Pages
21
Catalog Number
V169342
ISBN (eBook)
9783640876624
ISBN (Book)
9783640876877
Language
German
Tags
sozialer Einfluss Mehrheitseinfluss Minderheiteneinfluss Moscovici Asch Konformität Door-in-the-face Foot-in-the-door Compliance Kleingruppe Manipulation Einfluss Gruppendruck Gehorsamkeit Minderheit Sherif
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Dietrich (Author), 2009, "Blau ist die Farbe deines gelben Haares" - Wie wir glauben, was wir (nicht) sehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169342
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