Einleitung
Die Relevanz der latenten Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss hat sich in der nahen Vergangenheit signifikant verändert. Dies resultiert aus der Überarbeitung des Handelsgesetzbuches (kurz HGB) durch das Bilanzrechtmodernisierungsgesetz (kurz BilMoG(1) ). Zu klären sind inwiefern diese Änderungen im HGB die Bilanzierung von latenten Steuern konkret verändert und inwieweit diesen Neuregelungen Sinnhaftigkeit unterstellt werden kann. Um die Änderungen bei der Bilanzierung latenter Steuern besser bewerten zu können, sollte man jedoch nicht nur die neuen Regelungen des HGB betrachten, sondern ebenso die bisherigen Regelungen zur Bilanzierung latenter Steuern in die Überlegung mit einbeziehen. Bei diesem Vergleich ist offensichtlich, dass den beiden Regelungen zu latenten Steuern unterschiedliche Konzepte zu Grunde liegen. Dabei steht dem bisher im HGB etablierten Timing-Konzept das bereits durch die international financial reporting standards (kurz IFRS) bekannte Temporary-Konzept gegenüber.
Aufgrund der hohen Komplexität der Bilanzierung latenter Steuern ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich alle Problematiken dieses Themas umfassend darzustellen. Dementsprechend wird auf die Erörterung einzelner Sondersachverhalte wie z.B.: Pensionsrückstellungen verzichtet.
Zunächst wird auf den Begriff der latenten Steuern im Allgemeinen eingegangen. Anschließend wird die Entstehung von latenten Steuern, unterschieden in aktiv und passiv latente Steuern, näher erläutert. Nach einer Zusammenfassung des Timing-Konzeptes folgt ein kritischer Vergleich mit dem Temporary-Konzept. Daraufhin werden weitere Regelungen des BilMoG, die einen Einfluss auf die latenten Steuern haben, erläutert und kritisch hinterfragt. Diese Arbeit wird abgeschlossen durch ein Fazit und einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der latenten Steuern.
Zum besseren Verständnis werden die darzustellenden Sachverhalte regelmäßig durch Anwendungsbeispiele näher erläutert.
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(1) In Kraft getreten am 29. Mai 2009
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Latente Steuern
2.1 Begriff der latenten Steuern
2.2 Entstehung latenter Steuern
2.2.1 Aktiv latente Steuern
2.2.2 Passiv latente Steuern
3 Zeitliche Differenzen
3.1 Temporäre Differenzen
3.2 Quasi-permanente Differenzen
3.3 Permanente Differenzen
4 Timing- und- Temporary Konzept
4.1 Timing-Konzept
4.2 Temporary-Konzept
4.3 Kritischer Vergleich
5 Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
5.1 Maßgeblichkeitsgrundsätze
5.2 größenabhängige Erleichterungen
5.2.1 Unternehmensgrößen
5.2.2 Erleichterungen
5.3 Ausweis in der Bilanz
5.4 Konzeptionelle Änderungen
5.5 Übergangsregelungen
5.6 Zusammenfassung des BilMoG
6 Zweifelsfragen und Kritikpunkte
6.1 Zeitliche Berücksichtigung von Verlustvorträgen
6.2 Geschäfts- und Firmenwerte
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Bilanzierung latenter Steuern nach dem Temporary-Konzept, vergleicht dieses mit dem bisherigen Timing-Konzept und bewertet die konzeptionellen Änderungen hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit.
- Grundlagen und Entstehung von latenten Steuern (aktiv/passiv)
- Gegenüberstellung von Timing- und Temporary-Konzept
- Einfluss des BilMoG auf die Bilanzierungspraxis
- Kritische Analyse von Zweifelsfragen (Verlustvorträge, Geschäfts- und Firmenwerte)
- Auswirkung auf die Darstellung der Vermögenslage
Auszug aus dem Buch
4.3 Kritischer Vergleich
Der Unterschied zwischen dem Timing-Konzept und dem Temporary-Konzept liegt wie beschrieben im Wesentlichen darin, dass beim Temporary-Konzept ein Teil der quasi-permanenten Differenzen bei der Ermittlung latenter Steuern mit einbezogen wird. Das folgende Beispiel soll verdeutlichen welchen Einfluss der Wandel vom Timing- zum Temporary-Konzept auf die Darstellung bestimmter quasi-permanenter Differenzen in der Bilanz hat.
Ein Grundstück wird gekauft und in der Handelsbilanz mit den Anschaffungskosten i.H.v. Euro 300.000 aktiviert. In der Steuerbilanz beträgt der Buchwert für dieses Grundstück infolge der Übertragung von stillen Reserven aus der Veräußerung eines anderen Grundstückes gem. § 6 b EStG Euro 100.000. Man erkennt im vorstehenden Beispiel, dass es sich hier um eine Differenz zwischen Steuer- und Handelsbilanz handelt, die sich nur durch unternehmerische Maßnahmen wie z.B. den Verkauf des Grundstücks auflösen lässt. Definitorisch handelt es sich also um eine quasi-permanente Differenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz latenter Steuern durch das BilMoG und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2 Latente Steuern: Definition des Begriffs der latenten Steuern sowie Erläuterung der Entstehungsursachen für aktive und passive latente Steuern.
3 Zeitliche Differenzen: Kategorisierung der Differenzen zwischen Handels- und Steuerbilanz in temporäre, quasi-permanente und permanente Differenzen.
4 Timing- und- Temporary Konzept: Vergleich der gewinnorientierten Timing-Methode mit der bilanzorientierten Temporary-Methode.
5 Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz: Analyse der Änderungen durch das BilMoG, insbesondere Maßgeblichkeit, Größenklassen und Ausweisregeln.
6 Zweifelsfragen und Kritikpunkte: Kritische Beleuchtung spezifischer Problemfelder wie Verlustvorträge und Geschäfts- oder Firmenwerte.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Konsequenzen der BilMoG-Reform für die handelsrechtliche Rechnungslegung.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, BilMoG, Temporary-Konzept, Timing-Konzept, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Differenzen, Rechnungslegung, Vermögenslage, Aktivierung, Passivierung, Verlustvorträge, Geschäfts- oder Firmenwert, Maßgeblichkeitsgrundsatz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bilanzierung latenter Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss und untersucht, wie sich die Reform durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) auf dieses Thema auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der konzeptionelle Wandel vom Timing- zum Temporary-Konzept, die Auswirkungen auf die Bilanzierung sowie die kritische Betrachtung spezifischer Problemstellungen wie Verlustvorträge oder Geschäfts- und Firmenwerte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die durch das BilMoG geänderten Regelungen zur Bilanzierung latenter Steuern zu analysieren und zu bewerten, ob diese zu einer sachgerechteren Darstellung der Vermögenslage führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, ergänzt durch theoretische Grundlagen, Anwendungsbeispiele und einen kritischen Vergleich der verschiedenen Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen latenter Steuern, die verschiedenen Arten zeitlicher Differenzen, einen detaillierten Vergleich von Timing- und Temporary-Konzept sowie die spezifischen Änderungen durch das BilMoG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Latente Steuern, BilMoG, Temporary-Konzept, Handelsbilanz, Steuerbilanz sowie temporäre und quasi-permanente Differenzen.
Warum war der Wechsel zum Temporary-Konzept notwendig?
Der Wechsel war notwendig, um eine genauere handelsrechtliche Abbildung der tatsächlichen Vermögenslage zu erreichen, insbesondere durch die Einbeziehung quasi-permanenter Differenzen, die im alten Timing-Konzept unberücksichtigt blieben.
Welche Rolle spielen Verlustvorträge bei der Berechnung?
Die Berücksichtigung von Verlustvorträgen bei der Bildung aktiver latenter Steuern unterliegt strengen Anforderungen, da sie nach dem Vorsichtsprinzip nur unter der Annahme zukünftiger Gewinne innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren zulässig ist.
Welches Problem ergibt sich bei der Bewertung von Geschäfts- oder Firmenwerten?
Hier besteht eine Berechnungs-Komplexität, da latente Steuern die Höhe der Residualgröße beeinflussen und umgekehrt, was theoretisch zu einem iterativen Verfahren führt, von dessen Anwendung im Konzernabschluss jedoch meist abgesehen wird.
- Citar trabajo
- Daniel Steffen (Autor), 2011, Latente Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss nach dem Temporary Konzept , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169760