Kontrakturen kommen häufig beim alten Menschen vor. Sie vermindern die Lebensqualität durch den Verlust der Mobilität, erhöhen den Grad der Abhängigkeit und verursachen Schmerzen. So stellen Kontrakturen, außer für den älteren Menschen, auch pflegerisch und volkswirtschaftlich gesehen, ein großes Problem dar.
Das Ziel der vorliegenden Studie ist, neben einer umfassenden Darstellung des aktuellen Forschungsstandes, das Wissen von Pflegepersonen und den Umgang mit Kontrakturen in der stationären Altenpflege in Vorarlberg vorzustellen. Weiters sollen Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet werden.
Im Rahmen einer Querschnittsstudie mit deskriptivem, quantitativem Design wurden 268 Pflegepersonen und 29 Pflegedienstleitungen befragt. Zu diesem Zweck wurden zwei Fragebögen entwickelt.
Kontrakturen waren bisher nur selten Gegenstand pflegewissenschaftlicher Forschung. Nach den Ergebnissen der Studie werden die Kontrakturrisikoeinschätzung und die Planung bzw. Dokumentation kontrakturprophylaktischer Maßnahmen nicht immer durchgeführt. In Vorarlberger Alten- und Pflegeheimen werden unterschiedliche Maßnahmen zur Kontrakturprophylaxe bei den Bewohnern angewendet.
Die Ergebnisse der durchgeführten Studie zeigen, dass zur Kontrakturprophylaxe bei Alten- oder Pflegeheimbewohnern in Vorarlberg noch Schulungsbedarf besteht. Die manuelle Therapie bei Kontrakturen sollte zukünftig vermehrt von Pflegepersonen durchgeführt werden. Die vorliegende Studie soll die Basis für weitere pflegewissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Ziele der geplanten Studie
2 Theoretischer Teil
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Kontraktur
2.1.2 Prophylaxe
2.2 Einteilung von Kontrakturen
2.2.1 Betroffenes Gelenk
2.2.2 Eingeschränkte Bewegungsebene
2.2.3 Schädigungsursprung und beteiligtes Gewebe
2.3 Häufigste Ursachen und Risikofaktoren
2.3.1 Kontrakturen bei Nervenverletzungen und Schlaganfall
2.3.2 Kontrakturen im Alter und bei Immobilität
2.4 Pathophysiologie von Kontrakturen
2.4.1 Reversibilität von Kontrakturen
2.5 Bedeutung der Mobilität für ältere Menschen
2.6 Pflegerische Maßnahmen
2.6.1 Pflegediagnostik bei Kontrakturen
2.6.2 Kontrakturprophylaxe
2.6.3 Pflegerische Maßnahmen zur Kontrakturtherapie
2.7 Medizinische Therapie von Kontrakturen
3 Methodik
3.1 Literaturrecherche
3.2 Forschungsfragen
3.3 Forschungsdesign
3.4 Messinstrument
3.5 Planung und Durchführung der Datenerhebung
3.6 Ethische Aspekte
4 Darstellung der Ergebnisse
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Wissen der Pflegenden über Kontrakturen
4.3 Anamnese, Pflegeplanung und Dokumentation im Bezug auf Kontrakturen
4.4 Maßnahmen zur Kontrakturprophylaxe
4.5 Medizinische Behandlung von Kontrakturen
4.6 Bewegungsangebote in den Pflegeheimen
4.7 Zusammenfassung der Ergebnisse
5 Diskussion
5.1 Fachwissen über Kontrakturen
5.2 Pflegedokumentation im Bezug auf Kontrakturen
5.3 Maßnahmen zur Kontrakturprophylaxe
5.4 Medizinische Maßnahmen zur Kontrakturbehandlung
5.5 Bewegungsangebote für die Bewohner
5.6 Limitationen der Studie
5.7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Ist-Zustand der Kontrakturprophylaxe und -behandlung in stationären Altenpflegeeinrichtungen in Vorarlberg zu untersuchen, um auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse fundierte Handlungsempfehlungen für die Pflegepraxis abzuleiten.
- Aktueller Stand der Kontrakturforschung und pflegerische Prophylaxe
- Wissenstand des Pflegepersonals bezüglich Kontrakturen
- Qualität der Risikoeinschätzung und Pflegedokumentation
- Verfügbarkeit von Bewegungsangeboten in Vorarlberger Heimen
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Reversibilität von Kontrakturen
Unverletzte Finger wurden von Flowers und Pheasant (1988) 6 Wochen lang gegipst. Die Maßnahme führte zu einer anfänglichen Steifigkeit der Fingergelenke, die sich nach einigen Minuten passiven Bewegens zurückbildete. „Längere bestehende Gelenkskontrakturen suchen den Gewebeumbau und sind daher sehr zeitaufwändig“ (Cummings, Tillmann 1992, S. 138). Demzufolge sind Kontrakturen umso schwieriger zu therapieren, je länger diese bestehen.
Die zeitliche Komponente sollte nicht außer Acht gelassen werden. Es sind vor allem die am Ende der pathologischen Prozesse entstehenden knöchernen Verwachsungen der Gelenke, welche zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen führen und damit zum völligen Bewegungsverlust (Hackauf, 2004). Deshalb rät Schonmacher (2005) zur frühzeitigen Behandlung bzw. der Prävention von Gelenkskontrakturen, je nach Erkrankung oder Verletzung. Geduld des Patienten und von Seiten der Therapeuten sind dabei unabdingbar.
Es gibt Hinweise, dass nicht alle Kontrakturen reversibel sind. Cummings und Tillmann (1992) berichten von Fällen, in denen menschliche Untersuchungsteilnehmer ihre Kontrakturen durch freies Bewegen nicht gänzlich rückgängig machen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz von Kontrakturen im Alter, deren Auswirkungen auf die Lebensqualität und definiert die Zielsetzung der Studie.
2 Theoretischer Teil: Vermittelt die Grundlagen zu Definitionen, Pathophysiologie, Risikofaktoren und den pflegerischen sowie medizinischen Interventionsmöglichkeiten.
3 Methodik: Erläutert das gewählte quantitative Forschungsdesign, die Literaturrecherche sowie die Durchführung der Befragung mittels Fragebögen.
4 Darstellung der Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Daten zur Stichprobe, zum Fachwissen der Pflegenden und zur praktischen Umsetzung der Kontrakturprophylaxe.
5 Diskussion: Setzt die eigenen Studienergebnisse in Bezug zur bestehenden Fachliteratur und reflektiert die Limitationen sowie zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Kontraktur, Pflegeheim, Prophylaxe, Pflegewissenschaft, Mobilität, Bewegung, Altenpflege, Risikoeinschätzung, Pflegedokumentation, Physiotherapie, Gelenk, Immobilisation, Beugekontraktur, Rehabilitation, Schlaganfall.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Prävention und dem Umgang mit Gelenkkontrakturen bei Bewohnern in stationären Altenpflegeeinrichtungen in Vorarlberg.
Welche Aspekte der Kontrakturprophylaxe stehen im Fokus?
Zentral sind der Wissensstand des Personals, die Implementierung von Pflegediagnosen, die Dokumentationsqualität sowie die in der Praxis angewandten Bewegungsangebote.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Darstellung des aktuellen Wissensstandes der Pflegekräfte und der pflegerischen Praxis zur Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine deskriptive, quantitative Querschnittsstudie, bei der 268 Pflegepersonen und 29 Pflegedienstleitungen mittels standardisierter Fragebögen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung des Themas und die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirisch erhobenen Studienergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Studie?
Wichtige Begriffe sind Kontraktur, Prophylaxe, Immobilität, Pflegeanamnese und Pflegedokumentation.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie bei der Behandlung?
Die Studie zeigt, dass Physiotherapie die am häufigsten vom Hausarzt verordnete Behandlungsmaßnahme bei bereits bestehenden Kontrakturen ist.
Wie bewerten die Pflegedienstleitungen den Fortbildungsbedarf?
Eine große Mehrheit (82,8%) der befragten Pflegedienstleitungen wünscht sich explizit Fortbildungsangebote zum Thema Kontraktur für ihre Mitarbeiter.
Wird die Bedeutung der Mobilität im Alter unterschätzt?
Die Studie unterstreicht, dass Mobilität eine essenzielle multifaktorielle Ressource ist, deren Erhaltung für die Lebensqualität und Unabhängigkeit im Alter von höchster Priorität sein sollte.
- Quote paper
- Mag. Marina Amann, Bakk. (Author), 2009, Umgang mit Kontrakturen bei Pflegeheimbewohnern in Vorarlberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169835